Ereignisgeschichte  Atuatuca  Quellenkritik  Archaeologie  Infos  Keltenkerl 
Sitemap   Impressum
Bellum Gallicum   Kontakt
 

DER SPÄTLATENEZEITLICHE HELM Mittwoch, 17. 03. 2010


Im späten 2. und im 1. Jh. v. Chr. veränderte sich der keltische Eisenhelm grundlegend. Man verzichtete auf den Scheitelknauf und vergrößerte den Nackenschutz. Der neueingeführte Stirnschirm und die geschweiften Wangenklappen weisen darauf hin, daß hellenistische Helmformen die Entwicklung des spätkeltischen Helmes prägten. Solche weitreichenden Verbindungen verwundern kaum, wenn man sich vergegenwärtigt, daß keltische Krieger sich überall in der hellenistischen Welt als Söldner verdingten.

Die Rüstung eines spätkeltischen Kriegers zeigt uns die lebensgroße Steinfigur aus Entremont in Südfrankreich, die einen mythischen oder gar göttlichen Krieger darstellt. Den im Schneidersitz hokkenden Heroen schützen ein Helm ohne Knauf und ein Kettenhemd. Das für die spätkeltische Zeit typische, überlange Eisenschwert hängt an seiner Hüfte. Als Schild muß man sich dazu noch einen großen Ovalschild, ähnlich jenem aus dem Fund aus den österreichischen Alpen vorstellen.

In Frankreich und in der Schweiz trugen die spätkeltischen Krieger des 1.Jhs. v. Chr. einen aus einem Blechstück gefertigten Eisenhelm. Stirnschirm und Nackenschutz umgeben krempenartig die halbkugelige Kalotte. Mehrfach weist die Krempe seitlich eine Faltung auf, was eine Beeinflussung von seiten boiotischer Helme aus der hellenistischen Welt verrät. Einige frühe Vertreter des westkeltischen Typs tragen auch noch einen Knauf.

In der ostkeltischen Region, und hier vor allem in Slowenien bestehen die spätkeltischen Helme aus drei zusammengenieteten Teilen. An der halbkugeligen Kalotte wurden Nackenschutz und Stirnschirm befestigt. Zwischen beiden blieb oft noch Platz für einen Ohrenausschnitt. Eine Besonderheit der ostkeltischen Variante stellen die Tierdarstellungen auf den geschweiften Wangenklappen dar.

Im Osten wie im Westen tritt schließlich die dritte Variante der spätkeltischen Helme, Typ Port auf. Die halbrunde Kalotte zeichnen zwei augenbrauenartig herausgetriebene Bögen auf der Stirnseite aus. Häufig wurde auch ein schmaler Stirnschirm herausgeschmiedet. Den steil abfallenden, angenieteten Nackenschutz gliedern mehrere waagrechte Rippen. Wichtige Merkmale der Helme vom Typ Port, wie die Augenbrauenverzierung und die Rippen am Nackenschutz, leiten zu den etwas jüngeren römischen Helmen vom Typ Weisenau über.

Der spätkeltische Helm stellt somit eine wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung des römischen Helmes dar, und keltische Waffenschmiedekunst fand so unter den Römern, die im Laufe des 1.Jhs. v. Chr. fast alle keltischen Stämme unterwarfen, ihre Fortsetzung.

Im Folgenden der versuchte Bau eines spätlatènezeitlichen Helms aus einem deutschen Bundeswehrhelm.


















Der ganze Kelte, welchen ich gebaut habe, ist nicht poliert, deswegen die dunkle Färbung des Helms. Fand ich besser und sieht alt aus. Wie ich.

Hersteller Helm: Radermacher und Potente, Bau- und Kunstschlosserei, Hamm-Mühle 1-5, D-52222 Stolberg/Rhld. Telefon: 02402 / 5568.
Wangenklappen: Schlosserei Vaßen, Industriestraße, D-52224 Stolberg/Rhld. Telefon: 02402 / 7884

Gute Helmrohlinge:
>>http://www.rudis-kuenstlerwerkstatt.de/gallerie-helme.htm


Das Buch zum Helm:
Helme in Caesars Heer
Götz Waurick
Mainz 1990
Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums
ISBN 3-88467-024-7



©2010 | Atuatuca | Si non è vero, è ben trovato!