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WAS IST GRÜN, KRÄHT UND FLIEGT ÜBER GALLIEN? PETER PANIX Donnerstag, 11. 03. 2010

Die folgenden Texte stammen aus einem Buch von Georg Grupp:
Kultur der alten Kelten und Germanen, Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H. München 1905.

Der Passus über die Kelten in diesem eher unscheinbaren Buch beläuft sich auf 113 Seiten. Der Autor erstaunt über sein profundes Wissen und die Menge an Fußnoten zum Thema Kelten, welches heute so nicht mehr vorhanden oder mir zumindest aus der "modernen" Literatur nicht mehr bekannt sind. Und los geht's: Informationen über die an Erkeltung dahingerafften, und, damned it, nicht mehr vorhandenen Kelten oder Gallier or weather they used to be or wanted to be or not to be. Viel Spaß.

Gewährleistungsausschluss:
Wir wissen, das unsere Chancen zu einer Wiederbelebung dieser Zeit gleich Null (0) sind. Sollte einer von Ihnen beim lesen der Texte oder dem Nachbau der folgenden Anleitungen wahnsinnig, esotherisch, abgedreht oder bekloppt werden, so müssen wir leugnen, Sie zu kennen.

1) Das Volkstum der Kelten

Aus den indogermanischen Urvölkern lösten sich mit der Zeit Kelten und Germanen ab und traten bedeutsam in die Geschichte auf. In der Vorzeit sind Kelten und Germanen kaum zu unterscheiden, und da die alten Schriftsteller die einen wie die anderen als langgewachsen, langköpfig, blond und blauäugig, feurig, aber wenig nachhaltig schildern und ihnen einen gemeinsamen Ursprung zuschreiben (1), muss ihr Charakter noch unentschieden gewesen sein (2).

Berührten sich auf der einen Seite Germanen und Kelten, so auf der anderen Germanen und Slaven. Bei manchen Völkern, so bei Kimbern und Teutonen, bei den Batavern ist man im Zweifel, ob sie dem keltischen oder germanischen Volke angehören (3). Auf der anderen Seite nennt Strabo die Germanen Keltoskythen (4) und will damit wohl andeuten, dass sie in der Mitte zwischen Kelten und Skythen d.h. Turaniern oder Slaven standen (5). Jedenfalls trat die Verschiedenheit der Völker, die dem Keime nach gewiß vorhandene Verschiedenheit der Anlagen noch wenig hervor; erst die weitere Entwicklung, das Zusammenwirken von Natur und Geschichte gestaltete sie weiter aus (6).

Die Kultur, die Geschichte bildete manche Völker stark um, so dass sie ihre schlimmen Eigenschaften, manchmal bessere Völker auch ihre guten Anlagen verloren. Als ein Rest der alten Iberer galten allgemein die Basken, eines der edelsten Völker Europas, ein Volk mit hellerer Hautfarbe als die Spanier, das sich vor ihnen durch ihre Kraft, Unternehmungslust und Schönheit auszeichnet; und doch haben sie Ähnlichkeit mit den Mongolen und wenn ihre Sprache nicht wäre, würde man an keinen Zusammenhang denken (7). Ähnlich bildeten sich die Ungarn und Finnen zu einem europäischen Kulturvolk um, während die den Germanen verwandten Perser und Indier im Asiatentum sich verloren, Griechen und Römer stark orientalischen Typus sich aneigneten und nur die Juden unter allen Himmelsstrichen sich gleichen. Aber gerade bei ihnen wieder zeigt sich die Macht der Geschichte, Sitte und Tradition am glänzendsten, indem sie alle in sie eintretende Elemente in ihren Bann zwang.

So hat auch erst die Geschichte Kelten, Germanen, Slaven scharf geschieden. Ein unterworfener, vorkeltischer Bestandteil und lange Berührung mit anderen Völkern, vor allem mit Iberern, Ligurern, Rätern (8), im Süden mit Griechen und Römern brachte bei den Kelten einen anderen Typus zur Vorherrschaft, so dass in der Sage nur noch die Vornehmen als blond, goldhaarig erscheinen. Irische Könige heißen Weißköpfe (9). Lockiges goldgelbes, langes Haar fließt über die Schulter des edlen Jünglings, ein blaues, kristallklares Auge sitzt im Kopfe; weiß wie der Schnee ist Hals und Haut (10). Caesar unterscheidet deutlich Germanen und Gallier (11).

Ihren Hauptsitz hatten sie lange in den Donaugegenden (12). In Süddeutschland erinnern unzählige Fluß- und Bergnamen an sie (13), während im Nordosten die Namen rein germanisch klingen. Von dort aus dehnten sie sich nach Westen, Norden, Süden und Osten aus (14), verdrängten Ligurer, Räter, Thraker, kamen nach Spanien, Italien und Griechenland und übten vom sechsten bis dritten Jahrhundert eine gewisse Vorherrschaft aus. Noch ein späterer Schriftsteller nennt sie die Besieger des Ostens und Westens (15). Die sie zunächst bedrängenden Alpenkelten nannten die Römer Gallier, während die Griechen den Namen Kelten beibehielten (16).

Als aber die Germanen erwachten und sie westwärts drängten, wählten sie Belgien, das sich weiter erstreckte als heute, zum Hauptsitz. Wie die Germanen in Nord- und Südgermanen, zerfielen auch die Kelten in zwei große Stämme; der eine große Zweig der kymrische, kimmerische hat sich über Frankreich bis Spanien, über Süddeutschland bis Italien verbreitet, der andere, der gaelische, goidelische Zweig über Irland, Schottland, England (17). Das Kymrisch (Britannisch) hat sich erhalten in Wales und in der Bretagne, das Gaelische in Hochschottland und Irland. Eine gaelische Eroberung, wohl von Belgien ausgehend, drängte das Kymrische zurück. England übte eine eigentümliche Anziehungskraft auf die Völker aus und lockte wie jetzt keltische, so später nordgermanische Eroberer an. Ein Fürst wie Divitiacus vereinigte einmal unter seiner Hand eine Teil Galliens, Belgiens und Britanniens zu einem Reiche. Von Britannien aus besiedelten zur Zeit der Völkerwanderung wieder Kelten die gegenüberliegende Bretagne.

(1) Strabo 4, 4; Appian b.g. 3, 7, 8; Liv. 5, 44; 7, 11; 10, 18; Belloguet Ethnogenie II, 115; Holzmann, Kelten und Germanen S. 19 und Germanische Altertümer S. 83 stellt beide als ein Volk dar.
(2) Etwas andere Anschauung vertritt Gobinrau, die Ungleichheit der Menschenrasse 1, 156. Nach ihm haben die Rasse unvergängliche dauerende ursprüngliche Eigenschaften: Mischung der Rassen, zumal höherer und niederer, wirkt degenerierend; das gerade Gegenteil behauptet Lumbroso (n. antolog. 162, 396).
(3) Hermann der Cherusker führte den keltischen Namen Armin der Erhabene. Das sächsische Haus ist wahrscheinlich mehr keltisch als germanisch. Als Kelten charakterisiert die Kimbern und Teutonen ihre Schmuckliebe (Plut. Mar. 25; Liv. 7, 26), ferner die Namen ihrer Fürsten, Boiorix, Teutoboduus. Ausdrücklich nennen sie Gallier Oros. 5. 16, Eurtop. 9, 25 (griech. Text); Flor. 3, 3; App. b. JII. 4; Diod. 5, 32. Andere aber nennen sie wieder Germanen. Ihre Gestalt, ferner ihr ursprünglicher Wohnsitz legt das nahe s. Mela 3, 3 Caes. 1, 40; sein Zeugnis schwächt ab Sepp. Wanderungen der Kimbern 72. Als Germanen stellt sie fest Belloguet, Ethnogenie 4, 109; er unterscheidet scharf zwischen Kimmeriern und Kimbern (85); Marcks Bonner Jahrb. 1894, 29.
(4) Ein ähnliches Wort wie Keltiberer.
(5) Mit den Slaven haben die Germanen Gerste, Roggen, Wachs, Wolle, Keil, Handmühle gemein, Westd. Zeitschrift 8, 20; anders Streitberg, Urgermanische Grammatik 1896 S. 12.
(6) Eine Unterschätzung der angeborenen Natur ist ebenso verkehrt wie eine Überschätzung. Vom theistischen Standpunkt aus muss man an angeborenen Anlagen festhalten, da Gott Menschen und Völkern verschiedene Aufgaben zuweist. Das gleiche gilt von der Vererbung.
(7) Agilis pugnaxque Wasconum gens hießen sie schon im 7. Jahrhundert Boll. vit. Rict. 12. Mai (3, 82); Adalb. 2. Feb.; vielleicht vermischten sie sich mit Westgothen, Belloguet Ethnigenie II, 235. Nach manchen ist helle Hautfarbe bei den Basken selten (Helmolt, Weltg. 4, 300).
(8) Am. 15, 9; f. S. 4
(9) Irische Texte von Windisch und Stokes 3, 463.
(10) Hieronymus meint, sie seien Galli wegen ihrer weißen Haut genannt worden ep. ad GAl. 1. 2 proem, Liv. 38, 17; Verg. Aen. 8, 659.
(11) B.g. 1, 39; 4, 1; App. b. g. 1,3.
(12) Betrand et Reinach, Les Celtes dans les vallées du Pò et du Danube 42, 181.
(13) Man denke an den Rhein, Renus, der im Irischen Meer bedeutet, an Dubra Taube, der in Dover und im gallischen Bernobubrum (Erlenbach) erscheint. Keltisch ist Donau, Neckar, Lech, Isar, Main u. f. f.
(14) So nach Burgund - denn die dort gefundenen Hallstattreste zeigen deutlich die Abhängigkeit von der süddeutschen Technik (Déchelet, Rev. de synth. hist. 1,7) und nach Mitteldeutschland. In Westfalen ist Meteln an der Vechte mit Mailand, Mediolanum gleichnamig. Keltisch ist der alte Name von Bamberg Devona, von Würzburg Segodunum, von Regensburg Ratisbona; keltisch ist der Name von Wirtemberg Birodunum. Die Grenzen der keltischen Ausdehnung bezeichnen Liegnitz, Lugidunum in Schlesien, Isakcha Noviodunum in Rumänien, Carrodunum in Rußland. Zu historischer Zeit saßen in Südwestdeutschland die Helvetier, Räter, Boier, Noriker. Die Wüste, Einöde der Helveter nannten die Römer die Schwarzwaldgegend, nachdem die Helvetier vor Caesar in die Alpen zurückgezogen waren. An den Nachfolgern der Helvetier an den Schweizern kann man die echt keltische Verbindung der Tapferkeit mit Handelsinn beobachten. Boierheim, Böheim nennt Tacitus das spätere Schwaben und Baiern; Ptol. 2, 11, 10; Dio 31, 49; Tac. Germ. 28.
(15) Hier. ep. ad. Ager. 123, 17.
(16) Bertrand unterscheidet Kelten und Gallier scharf, D’Arbois tritt für die Einheit ein. Rev. arch. 1875 II. 1; 1876 1, 1.
(17) Die Kimmerier nannten sich so von conmarkers Markgenossen; sie verwandelten das indogermanische q in p und sagten statt equos epos, statt quatuor petor (petorritum Vierrad), während die Gälen das q höchstens in gh oder c verwandelten (pennos Haupt heißt gälisch cenn, quenn). Beide Stämme hatten das p als Anlaut vielfach weggeworfen, ähnlich wie die Germanen; aus prae para wurde ein ar (vor). Das die Briten und Gallier gleichen Volkes waren, beweist nicht nur die Sprache, sondern auch die Sitte, wie denn die Alten sie auch häufig zusammenstellten, Plin. 17, 4; 33, 6; Mela 3, 3; Tac. Ag. 11. Sie hatten gemeinsame Götter, vor allem Lug, verehrten den Bär (artos) und die Eibe (eburos). Von England kamen die Druiden nach Gallien und umgekehrt die Hose von hier nach England. Die kämpften auf die gleiche Weise, schmückten sich mit Ringen und trugen gleiche Mäntel (Contzen, Wanderungen 35). Südengland wurde nach alten Berichten von den herübergekommenen Belgiern besetzt Caes. 5, 12; Ptol. 2, 3, 26. In der Völkerwanderungszeit kamen Bretonen nach Nordfrankreich; vgl. Sommer, Der keltische Sprachraum Allg. Ztg. 1899 B 289. Den Namen Albion, Weißland dürfte den Anblick der Kreidefelsen im Meer eingegeben haben, Plin. 4, 30. Über den Zusammenhang der Pikten mit den Gälen s. Nicholson, Keltic researches 4, 20; Rhys. The welsh people 36.

2) Anfänge der Eisenkultur

Vom Orient, von wo die Bronce ausging, kam auch die Kunde des Eisens und zwar zuerst nach Griechenland und Italien. “ Eine uralte Eisenkultur ist im Ural mit seinen Erzbergen zu suchen; von dort bezogen die Griechen ihren Stahl, Chalybs genannt und dem Volke der Chalyber. Aeschylos nennt die Heimat der Chalyber und Tibarener das Mutterland des Eisens und Herodot beteten die Skythen ein altes eisernes Schwert als ihren Gott an. Bei Finnen, Türken und Mongolen tritt in ihren Sagen das Eisen bedeutend hervor, das Paradies ist von eisenreichen Bergen umschlossen und das Fest der Eisenentdeckung feiern heute noch die Mongolen (18). Als die Erfinder des Eisen- und Broncegusses dürften also die Turanier gelten, denen es auch gelang, die Rosse zu bändigen (es sind aber die Hethiter = Anm. Autor).

Nach weitverbreiteteter Anschauung trieben die Schmiedekunst entweder Riesen, Kyklopen oder kleine, kluge Leute, Pygmäen, Gnomen, deren ganze Art auf ein anderes Volk, auf Unterworfene, Unfreie hinweist (19). Doch stand die Schmiedekunst als ältestes Sonderhandwerk im hohen Ansehen. Metallkunst machte frei, wie das keltische Recht beweist (20), und die ältesten Bezeichnungen für das Handwerk lassen auf kluge verständige Leute schießen (21). Sogar Vornehme entehrte es nicht, selbst Waffen zu schmieden; die nordischen Jarle, ein Sigurd u.a. stellten sich selbst an den Amboss und schwangen den Hammer.

Lange stand das Eisen, dem man zuerst den gleichen Namen Erz gab wie dem Kupfer, höher im Werte als die Bronce (22) und mit Stolz legten sich deie Männer den Namen eisern bei (23). Noch in späterer Zeit schätzten, wie Dio berichtet, die Briten Eisen so hoch wie Gold. Daher wurde es auch für Schmuck und Zier verwendet. Zunächst diente es zur Verstärkung der Waffen und diese erhielten jetzt kräftige Formen. Neben das schilfblattförmige Schwert tritt das gerade Langschwert und neben das zweischneidige Schwert ein einschneidiges, ein Hiebmesser mit Rinnen. Ebenso verstärkt sich Celt und Beil, und den Wurfcelt verdrängen kräftige Speere. Im übrigen bergen die Gräber mehr Schmucksachen und zwar meist aus Bronce, als Waffen und Werkzeuge; besonders zahlreich sind Fibeln, die die Stelle der Knöpfe vertraten.

Die Symbolik wird viel reicher und zieht die verschiedensten Tierformen bei, nicht nur Vögel, die Sinnbilder der Geister und Götter, sondern auch Rind und Pferd, die Lieblingstiere der Götter und Menschen seit der sich ausdehnenden Viehzucht. Die nicht selten sich findenden Mondhörner stellen die Verbindung zwischen einer Mondgöttin und einem Stiere dar; auch Vogel und Rind, Vogel und Rad verbindet sich zu einem bedeutsamen Paare. Wagendeichsel und Wagengestell zieren Vögel und Stierköpfe, Pferdeköpfe. Neben den Deichselwagen treten vierrädrige Kessel- und Plattenwagen, die auf den Gestellen runde oder flache Aufsätze tragen.

Der auf dem Langbaum sitzende Korb erscheint in den noch erhaltenen Bauernwägelchen als Vogel, Drache, als heiliger Kessel, Amphora; oder bei Plattenwagen ist die Fläche besetzt mit Tier- und Göttergestalten (24).

Neben vollständigen nackten Manns- und Frauengestalten wurden menschliche Formen, sie es das Gesicht, sei es die ganze Gestalt an Gefäßen, Urnen ausgebildet, ebenso das Haus an den bekannten Hausurnen und Tiere an Vogelgefäßen und andern plastichen Bildungen (25). Die Griechen entwickelten die Vasen zum Abbilde der menschlichen Gestalt, indem sie Hals, Bauch, Fuß scharf unterschieden.

Ihren Hauptsitz hatte die neue Kultur, die Hallstattkultur, wie man sie nennt, in den Alpen und in den Vorländern, durchflossen von der Donau, und seine Träger waren vielleicht die Räter, Noriker, Illyrier, Veneter, die sich mit den Griechen nahe berührten (26). Auf gallischem Boden entsprach ihr die Larnaud- und Marnekultur mit ihren kräftigen Waffen und Werkzeugen (27).

Während in der Hallstattzeit die Arbeiten noch in Anlehnung an den Broncestil flache und dünne Form zeigen und aus Gravierungen und geometrischen Figuren bestehen, entwickelten die Kelten unter dem anregenden Einflusse griechischer Kunsterzeugnisse einen kräftigen Eisenstil, der in der Latènezeit zur vollen Entfaltung kam, und den besonders Schildbuckel, Ringbuckel, napfförmige Münzen, sogenannte Regenbogenschüsselchen, Armbrustfibeln, kennzeichnen. Ganz neu sind Halsringe aus Bronce, Paukenfibeln, Tierkopffibeln und Scheren, Sicheln (Sägesicheln), Trensen Pflugscharen. Zu Schwertern, Pfeilen, Lanzenspitzen verwandte man nur Eisen, der Dolch kam ab (28). Die Broncegefäße entbehren der reichen Verzierung der Hallstattzeit und wo Verzierungen auftreten, schließen sie sich der Form der Geräte an.

(18) Herod. 4, 62; Alsberg, die Anfänge der Eisenkultur S. 52; die Hallstattornamentik hat ihre Heimat am Kaukasus nach Virchow, Berliner Akademieb. 1895.
(19) Dafür, dass die Hallstattkultur einen vorkeltischen Volk angehört, sprechen verschiedene Gründe, namentlich die Beziehungenzu der ältesten Eisenkultur Griechenlands und Italiens. Dürfte man annehmen, dass ein skythischer Stamm als Vorläufer der Mongolen erobernd auftrat, so würde es sich leicht erklären, warum die Leichenverbrennung und häufige Menschenopfer vorkamen (S. 62). Es stehen ihr aber andere Tatsachen im Wege; die Hallstattkultur war eine viel zu entwickelte und setzt ein hochstehendes Volk voraus. - Auf der schwäbischen Alp entdeckte man bei Urach in Natterbuch neben Wallresten eine Menge von Feuersteinen und daneben Eisenschlacken (Archiv für Anthropologie 1900 S. 42).
(20) Ancient laws of Wales 37, 11; 647, 68; Walter, Wales 150.
(21) Faber und Schmied. Noch heute ist es bei wilden Völkern oft das einzige Gewerbe, Bücher Entstehung der Volkswirtschaft S. 301.
(22) Während das lateinische Wort ferrum aus dem Semitischen stammt, liegt die Wurzel von Eisen im keltischen isarno; is ist aber eine Abschwächung von aes.
(23) Iserninus.
(24) Ztsch. f. Ethnologie 1890 S. 49.
(25) Hörnes Urgeschichte der Kunst 505.
(26) Die Venter sprachen nach Czörnig Völker Oberitaliens 71 ff. einen griechischen Dialekt und trugen eine Tracht, wie sie die Hallstattsitulen zeigen.
(27) Ensis noricus, machaira Keltike, Pollux on. 1, 149; Clem. str. 1, 16.
(28) Pfeilspitzen sind selten, Archiv f. Anthropologie 1902, 183.

3) Lebensart der Kelten

A. Häuser

Wie alle Jäger und Hirtenvölker wohnten die Kelten ursprünglich in Erdhöhlen, Kellern, in Holz- und Steinhütten, in Pfahlbauten und wanderten mit Zeltwagen, Karrenhäusern (29). Die Hütten teils rund, teils viereckig, die ein Grieche mit dem Faßbau, dem Tholos vergleicht, bestanden aus Holzstämmen, Pfählen, Weidengeflechten, Brettern, mit Lehm gefügt und mit Stroh oder Rohr bedeckt, dann auch aus Ton und Stein (30). Holzschlösser bewohnten noch später die Helden und Häuptlinge, wie Bricriu, dessen Haus ein mächtiger Held in die Höhe hob, so dass jener selbst und seine Frau in den Kot fielen mitten unter die Hunde des Hofes.

Solange Viehzucht vorherrschte, genügten die Hütten, so selbst noch zur Zeit Caesars, nur das Rückzugsburgen und zwar Burgen in runder Form (31) ihnen zur Not Aufnahme gewährten. Noch im Mittelalter bezogen in Wales die Hirten im Sommer Berghütten und im Winter weite, wohlgeschützete Hallen (32). Die Burghäuser mußten der Gäste wegen größere Räume umschließen und sie dehnten sich, wie es scheint, in der Regel seitwärts aus. So wie das Herrenhaus der Sage uns entgegentritt, glich es dem oberdeutschen Hause: in der Mitte der Langseite öffnete sich die Tür auf die Herdstatt und rechts und links davon erstreckten sich die Lagerräume (33). Noch stärker aber überwog das Tiefhaus, Schiffhaus, dem sächsischen Bauernhaus vergleichbar, das uns noch weiter beschäftigen soll. Hier wohnten ganze Geschlechter zusammen; eine den Kelten höchstens noch mit den Trojanern gemeinsame Sitte.

Innerhalb ihrer rauchgeschwärzten Hütten (34) dienten Tierfelle, Hund- oder Wolfhäute oder Bündel von Heu, Stroh, Geflecht oder Wolle zum Lager (35). Noch im tiefen Mittelalter lagerten sich die Kelten von Wales auf Binsen und Stroh und bedeckten sich mit einem Mantel; selbst Könige hatten kein Bett (36), doch kannten wenigstens die Gallier Bänke und Bettgestelle mit Polstern und Teppichen und stammen die Wollpolstern und wahrscheinlich auch die Federnpolstern von ihnen.

Auch als die Kelten wie andere Völker sich Tische und Bänke schufen, erhoben sich diese nicht weit über die Erde (37) - hat man doch schon vermutet, das Tisch und Schüssel zusammenfiel - und erreichten nur bei Reicheren eine ansehnlichere Gestalt. Als eine volkstümlich keltische Sitte erschien auch zur Zeit des hl. Martin der Gebrauch von Dreifüßen zum Sitzen (38). Ihre Tische, Bänke, Truhen füllten Reiche mit broncenen, silbernen und goldenen Gefäßen, bedeckten sie mit kostbaren Decken und Teppichen mit Purpursaum (39). Winkelhacken und Wandbretter nahmen Waffen, Geräte und Spielzeug auf. Kessel, Mantel und Harfe kennzeichnet in Wales den Edelmann, Trog, Bohrer und Quersack den Hörigen, wozu wir Korbgeräte hinzufügen können (40). Den Kessel, vermutlich den Bierkessel, bekam bei Scheidungen die Frau (41).

B. Kleider

Wie die Römer zogen die Kelten auf den bloßen Leib ein Unterkleid an, das aus Leinen gewoben sich deutlich von der Wolltunika der Römer unterschied und mehr unserem Hemde glich; auf der Seite geschlitzt, hatte es Ärmel und reichte nicht bis an die Füße, sonder nur bis über die Hälfte des Körpers (42). Die Füße deckten Hosen, Beinbinden, Bracken (43), eine den Römern fremde, den Kelten und Germanen gemeinsame Tracht, die vielleicht durch die Skythen von den Persern herüberkam; denn an den Persern fielen schon den Griechen die Hosen auf (44). Aber die Hosen der Perser waren enganschließend, meist ledern, die nordischen Hosen im allgemeinen schlaff, bauschig, sackartig (45), weshalb ein römischer Dichter die Haut einer alten Frau vergleichen konnte mit den faltigen Hosen eines armen Briten (46). Oft lagen sie aber eng an und reichten, wie es scheint, als eine Art Schenkelbinden nicht weit über den Schenkel hinauf oder hinab, schlossen sich oben ans Hemd, unter an eine Fußbedeckung an. Für den Fuß genüten in der Regel Sandalen und eine Art Pantoffel, die die Römer als etwas Neues die gallischen hießen (47); daher kommt die Bezeichnung Galoschen. Hemd und Hosen bestanden meist aus Leinwand, der die nordischen Völker viel mehr ergeben waren, als die südlichen, während zu Rock und Mantel wohl die Wolle einen glatten oder haarigen Stoff lieferte.

Röcke und Mäntel verschiedener Form zu erfinden, gefiel sich die Phantasie der Kelten. So begegnen uns neben der rockartigen Bigerra (48), dem Sagum und der dicken Läna (49), einem an der Schulter gehefteten breiten viereckigen Tuch, verschiedene Mäntel, der Reno, der vorn geheftet nur den Rücken und die Schulter bedeckte, die Kukulle mit Kapuze, die über den Kopf ging, wie die Hosen manchmal über den Fuß, der Pelzmantel, die Mastruca (50). Die Hallstattsitulen zeigen die mannigfachsten, auffallendsten Trachten, die uns viel moderner anmuten, als die römischen Kleider. Das Rauhe, Umschließende, Grellfarbige dieser Kleider gefiel sogar den Römern so, dass sie sich selbst damit kleideten (51).

Die keltische Vorliebe für das Bunt- und Grellfarbige, das Malerische können wir nicht nur an Kleidern, sondern auch an Tonarbeiten beobachten. Am meisten liebten die Kelten das Rot, wie alle Indoeuropäer, auch die Germanen und Römer, bei denen die Vornehmen ihre Mäntel mit Rot schmückten. Nur die Veneter, ein eigenartiger Volksstamm, scheinen Blau bevorzugt zu haben (52).

Ihre Kleider noch mehr herauszuheben, versahen sie sie mit den buntesten Mustern, mit Streifen, Bändern, Rauten, Würfeln, Mäandern, Verschlingungen, verzierten sie mit Gold-, Seide- und Purpurfäden, mit Zeichnungen, die uns an ihren Tongefäßen gegegnen und die wohl auch ihr Haus zierten. In den buntesten Trachten gefielen sich namentlich die Vornehmen: gelbe Kleider mit grüner oder roter Seide, rote Kleider mit gelber Seide gestickt, weiße Mäntel mit schwarzem Rande, grüne Mäntel mit Goldagrasse an der rechten Schulter festgehalten, verschiedenfarbige Socken deckten die Helden an Arturs Hof (53).

Wo es nur ging, hängten sie Goldschmuck an; unerläßlich schien ihnen ein Halsring, der Torques (54); um ihr Handgelenk, um Arme und Füße wanden sich kostbare Spangen, Virä (55), aus Silber und Gold; an ihrem Mittelfinger glänzte ein Goldring; da ihnen aber ein Ring nicht genügte, ließen sie den Mittelfinger frei und belasteten alle übrigen Finger (56). An ihrer Stirn blitzten Mondhörner; um ihre Hüften liefen silberne und goldene Gurten und ihre Brust deckten goldene Harnische (57), und goldene Waffen trugen sie (58). Ihre mannshohen Schilde bemalten und zierten sie wie ihre Helme mit Tiergestalten in erhabener Arbeit, mit Hörnern, Vogelköpfen, Fischen (59).

Je weiter nach Norden, desto lieber kämpften sie nackt, nur mit einem Schilde versehen, mit Spangen an ihren Armen und Füßen, Kränzen auf dem Haupt, die Briten mit Eisenringen um Hals und Hüften (60). Ihren Körper haben Briten wie Pikten grün, blau, rot angestrichen oder mit allerlei Figuren namentlich Tiergestalten bemalt, um fürchterlicher auszusehen (61). Die Nacktheit stach besonders ins Auge, wenn die Kelten, wie es einmal in einer punischen Schlacht geschah, neben Iberern kämpften, deren lange Linnenröcke ein Purpursaum zierte (62). Bei den Briten (63) stellten auch die Wieber bei religiösen Festen ihre bemalten Leiber zur Schau. Die Tätowierung hatte bei einfachen Völkern eine höhere Bedeutung, die Beduetung eines heraldischen Zeichens, Erkennungszeichen. Deshalb tragen noch heute im Norden Seefahrer auf ihrer Haut eingemalte Zeichen (64).

Wie an den Kleidern liebten sie an den Haaren Rot und suchten die Farbe, die ihnen der Rötel lieferte, noch durch künstliche Mittel, durch Salbung mit Kalkwasser zu erhöhen. die Frauen, in Toilette-Künsten geübt, wuschen ihr Gesicht mit Bier oder Bierschaum, schminkten sich mit Kreide und Kalk, legten auf ihre Wangen Zinnober (65), auf ihre Brauen Ruß, strichen ihre Wangen rot, seltener blau an und putzten eifrig ihre Zähne (66). Zu salben, schminken, färben, bereitete den Frauen und Männern ein Lust (67). Wie sie es überhaupt liebten, verschiedene Stoffe und Formen zu verbinden, so mischten sie Salben und Wohlgerüche (68), erfanden eine Seife aus Asche und Talg (69), auf die wohl ein römischer Dichter anspielt, wenn er Mattiakische Kugeln und Chattischen Schaum erwähnt (70). Die Sapo brauchten sie Zum Putzen und Waschen; sie verschmähten selbst die wüstesten Stoffe nicht, wenn sie nur glaubten, ihre Schönheit zu erhöhen (71).

Ihre Haare ließen sie lang wachsen, borstig emporragen (reburri) oder frei wallen wie Roßmähnen und flochten sie gerne zu einem Schopf über ihrem Haupte, während andere es kurz schnitten (72). Sie glichen den Furien, den Satyrn und Pans nach der Ansicht der Alten. Sie haben eher ihren Kopf mit Haaren, als ihre Blöße verhüllt, meint ein späterer Mönch; unter ihren zusammengewachsenen Brauen rollten sie ihre Augen fürchterlich (73). Einen kurzen oder langen Schnauzbart hielt ein wackerer Mann für unentbehrlich: der eine ließ ihn zum Backenbart erweitern, andere schoren ihn und ließen nur einen Knebelbart herabhängen. Wegen ihrer Bärte, meint ein Alter, konnten sie kaum essen und trinken und der Trank floß ihnen durch das Haar wie durch ein Sieb (74). Ihren Kopf trugen sie meist bloß wie ihre Füße gleich den meisten alten Völkern; doch kannten sie auch schon Kapuzen und Hüte, darunter die Tocca. Breitkrempige Hüte, eine Art Jesuitenhüte begegnen uns neben Zipfelkappen, Phrygiermützten und Tellermützen auf den Hallstattsitulien.

C. Speisen

Wie man es von einem Hirtenvolk erwarten kann, bestand ihre Speise hauptsächlich aus Viehprodukten: Fleisch, Milch, Butter (75). Unmittelbar am Herde, am Rost und Kessel verzehrten sie große Fleischstücke, mit ihre scharfen Zähnen alles zermalmend. Gleich den Löwen, sagt ein Alter, heben sie ganze Gliedmaßen mit beiden Händen empor und beißen davon ab; wenn aber ein Stück schwer abzubeißen ist, so schneiden sie es mit einem kleinen Messer ab, das in einem besonderen Behälter in einer Scheide dabei liegt (76). Während die Indogermanen Fleisch nur brieten und auch lange des Salzzusatzes entbehrten, verstanden es die Kelten - vielleicht die Erfinder des Salzbergbaues - es auch zu kochen und verwandten zur Bereitung von Fleisch und Fischen außer Salz verschiedene Zusätze, Butter und Fett, Essig und Kümmel (77). Vermittelst Salzens, Einpökelns und Räucherns gelang es ihnen, den Fleischüberfluß zu meistern, der sich zur Schlachtzeit im Herbste ansammelte (78). Solche Fortschritte machten sie darin, dass die Römer sich von ihnen Pökelfleisch und Selchwaren liefern ließen.

Das lateinische Wort halec, allec, eine Fischlake, das später Hering bedeutet, weist auf die Kelten hin. Da viele Fischarten der Römer keltische Namen tragen, müssen sie sogar in dieser Richtung von ihnen gelernt haben; ich erinnere an die Forelle (79), den Salm u. a. (80). Abwechslung brachte Käsequark und Butter, Brei und Brot, letzteres noch ungesäuert. Aber den Kelten gelang es als Erfindern des Bieres zugleich, die Bierhefe zu entdecken und dadurch das Brot schmackhafter zu gestalten, weshalb das Wort Brot in seiner Wurzel zusammenhängt mit Brauen, Bier, Bärme, Hefe (81). Ihr Mehl reinigten sie durch das von ihnen erfundene Haarsieb (82). Selbst den Römern mundete ihr Brot besser als ihr eigenes, wie sie auch am Rhein die Vermischung des Mehles mit Butter kennen lernten (83).

Je weiter nach Süden, desto schwächer war die Fleischnahrung, desto mehr überwog die Pflanzennahrung. Gleich den italischen lebten auch die spanischen Kelten unter einfachen Verhältnissen fast nur von Brot, Lauch, Erbsten, Bohnen, Rüben (84). Ohne Bohnen kochen die Po-Kelten nichts, sagt Plinius (85). Im Norden verschmähten sie so schwache Kost, und ein Grieche sagt allgemein, die Kelten genießen wenig Brot; doch fiel es auch hier den Alten auf, dass die Briten Hasen, Hühner, Gänse nur des Vergnügens willen züchteten und es für unerlaubt hielten, sie zu genießen; ebenso verschmähten sie die Fische, die übrigens vielen Völkern unheimlich sind (86); endlich heben die Alten es als seltsam hervor dass sie aus ihrer vielen Milch keinen Käse, richtig verstanden keinen feinen Käse bereiteten, wie es die Südländer verstanden (87).

Was am meisten auffiel war, dass die Kelten namentlich die britischen, alle Gerichte zugleich zusammen in Schüsseln und Körben, im Nordischen sagte man in Trögen, auftrugen (88), und dass alle aus derselben Schüssel aßen und aus dem gleichen Horne tranken, das Knaben oder Mädchen im Kreise herumtrugen, und es niemand störte, wenn sich ihre langen Barthaare in Speise und Trank verflochten. Korb und Horn verlangte der Vater einer Braut zur Hochzeitsgabe. Ohne das der Becher kreiste, konnte man sich kein Mahl vorstellen; “das Messer im Fleisch, das Getränk im Horn” bedeutete soviel wie Mahl.

Als Getränke genossen die Kelten gleich anderen Indogermanen Milch und Met, strebten aber als erfindungsreiche Männer weit darüber hinaus und mischten alle möglichen Stoffe, gelangen so nicht nur zum Gersten-, sondern auch zu einer Art Bohnensaft. Wenn sie auch den Gerstensaft nicht erfanden, so haben sie ihn wenigstens verbessert und verbreitet - welches bierliebende Herz sollte ihnen nicht entgegen schlagen! Wohl kannten auch andere Völker den Gerstensaft, die Ägypter, Pannonier (89), aber wie schlecht mag dieser Trank gemundet haben, da Hopfen und Malz ungekannt war und in dem Saft die Gerstenkörner herumschwammen, so dass man ihn nur vermittelst Röhren trinken konnte. Daher fügte man dem Trank wohl Honig bei, so dass er ein Mittelding zwischen Met und Bier darstellt, oder bittere Kräuter, Schafgarbe, Eichenrinde, Fichtensprossen (90). Nun erfanden die Kelten das Malz, wie ihr Wort brace beweist, das als bracium ins Mittellatein überging, wovon französich brasser, brauen abgeleitet ist (91). Doch blieb es immer noch süßlich oder bitter, da der Hopfen erst zu Beginn des Mittelalters sich verbreitete (92), und daher mag es kommen, dass in manchen Sprachen dasselbe Wort Bitter, Alaun, Bier, Ale bedeutet (93).

Obwohl die Römer auch Bier zu trinken sich gewöhnten (94), spotteten sie sich gelegentlich darüber. Es sei ein übelriechender Saft; hören wir, gebraut aus der im Wasser verfaulenden Gerste. Julian schalt das Bier Bockwein. Während der Wein, sagt er, nach Nektar duftet, riecht das Bier nach dem Bocke; die Kelten, denen die Rebe versagt, brauen es aus dem Halm, Scheuer- nicht Feuersohn, Erdkind, nicht Kind des Himmels, nur für das Füttern gemacht, nicht für den lieblichen Trank (95). Trotzdem berauschte sich Hoch und Nieder daran und mit Bedierde ergriffen die Germanen das neue Getränke - ob sie es unmittelbar von den Kelten oder durch römische Vermittlung kennen lernten, steht nicht fest (96) - und erwählten es zu ihrem Lieblingssaft. Als die Kelten Wein kennen lernten, tranken sie ihn ungemischt wie Bier hinein. Wein ist besser als Bier, Met und Most, fangen noch später die Bretonen zum Schwertertanz (97). Wein bezogen die Reichen schon frühe von Italien und Marseille, aber das niedere Volk blieb dem nationalen Trunk treu (99). Ihre Trunksucht, die nach den Worten einer Alten ihre zarten Leiber auftrieb und verweichlichte, trug viel dazu bei, dass die Römer sie überwanden (100).

(29) An die Karren dier Urzeit erinnert der Ausdruck Wegziehen, Zurückziehen mit dem Karren für Auswanderung und Rückkehr. Der Mann mit gebrochenem Karren waren die Fremden, die Wanderer - uchelwr, cargychwyn, carddychwel, carllawedrawg; Ancient laws of Wales 436, 653; Walter 144, 146.
(30) Strabo 4, 3; Guest Origenes celitcae 2, 68. Die Steinbauten hießen Duns, Raths, Cathairs; die Pfahlbauten Crannogs, Pflugk-Harrtung, Neue Heidelb. Jahrb. 1891 S. 201; O’Curry Manners III, 4ff.
(31) Sie lagerten in orbem; Veg. 3, 10. Bei Caesar ist von diesen am Rand der Wälder und Bäche gelegenen aedificia öfters die Rede.
(32) Rhys, The Wlesh people 290.
(33) Kuhns Ztsch. f. Sprachforschung 30, 103.
(34) Rauchfänge scheinen indessen die Kelten frühe gekannt zu haben, dann das Wort caminus ist keltisch.
(35) Cama. Camisias vocamus, quod in his dormimus in camis, id est in stratis nostris, Isid. or. 19, 22, 39; die Abteilung ist unrichtig. Ein Strohlager Sulp. dial. 2, 8.
(36) Da ein Teil des Körpers freiblieb, durfte das Herdfeuer nicht ausgehen und mancher stellte sich abwechselnd ans Feuer und legte sich wieder auf sein Lager, Gilad. desc. Camb. 1, 10.
(37) D’Arbois Littérat. 5. 89 (Fest des Bricrin 12)
(38) Sulp. Sev. dial. 2, 1; 3, 15 (20); Sid. ep. 4, 24.
(39) Culcita, tomenta Plin. 8, 73; 19, 2; Mart. 1, 160; Juv. 6, 537; Strabo 4,4.
(40) Girald. d. C. 1, 10; Ancient laws 36, 2, 9; 213, 10, das Fest des Bricriu in den “Irischen Texten” 2a, 197. Gabata Speisegeschirr, Mart. 7, 48; 11, 31 ist keltisch.
(41) Jener bekam die Trinkgefäße, diese die Milchgefäße; a. l. 38.
(42) Martial spricht von palla gallica 1, 92; Belloguet erinnert an die französischen Blousen, manchmal, meint er, seien sie wie ein Schurz getragen worden (3, 75).
(43) Bracca vielleicht von einer Wurzel, die im lateienischen subfragmen erscheint. Daher kommt der Ausdruck Gallia braccata, und das heutige französiche braie.
(44) Für diesen Zusamenhang tritt namentlich D’Arbois ein (Littérature 6, 372, Les Celtes 74.) Nur ist das Motiv nicht ganz einwandfrei, denn da er Griechen und Kelten gleichstellt, sind ihm die Hosen etwas unbequem.
(45) Sie hießen anxyrides, periskele, barakaka.
(46) Veteres bacae Britonis pauperis Mart. 11, 21; daher braccae laxae, Lucan 1, 430; Ovid trist. 3, 10, 19; 5, 7, 49. So erscheinen die Daker, Sarmanten, Germanen auf der Trajanssäule.
(47) Gallicae caligae, GEll. 13, 21; unterscheiden sich in bisoles, mosoles, cursoriae (das Paar kostete nach Diokletian 80, 50, 60 Denar).
(48) Der hl. Martin trug eine bigerra (tunica) unter dem amphimallum; Sulp. Sev. dial. 2, 1.
(49) Laina, linna; Isid. 19, 23.
(50) Die lacerna, endormis, caracalla, bardocucullus, der bardaicus, birrus villosus; cucullus eine Hülle, ein Arbeits- später ein Mönchskleid (Col. 1, 8; Sid. ep. 7, 16, gausapa; endlich die racana, sabana; ein britisches Gewebe hieß guanacum.
(51) Pingues lacernas munimenta togae, duri crassique coloris (dazu schol. Albidi cadurci, Veneti cadurci) et male percussas tectoris pectine Galli accipimus, Juven. ), 28; 7, 221; 3, 170; 6, 118; Mart. 14, 129. Roma fuscis vestitur, Gallia rufis; Plin. 8. 74. Virgatis lucent sagulis, Verg. Aen. 8, 660; bracae virgatae, Prop. 5, 10, 43; Tac. h. 2, 20; Sil. 4, 155; Liv. 7, 10.
(52) Color Venetus; eine ätzende Erde, vielleicht Vitriol hieß lutum venetum; Mart. 3, 74; Isid. 20, 17.
(53) Vgl. den Traum Rhonabys, D’Arbois Littérature 3, 291; Fest des Bricriu in Irische Texte 2a, 192.
(54) Vgl. darüber Schaaffhausen in der Festschrift des Altertumsvereins f. Rheinland1891 S. 76
(55) Virae ein eigentümliches keltisches Wort für brachialia, armillae; Plin. 33, 12; Isid. 19, 30; Amb. Abr. 1, 9, 89.
(56) Plin. 33, 24.
(57) Als hausse-cols, lunulae, irisch mind, vielleicht = Diademe, Rev. celt 1900, 75,
(58) Flor. 3, 3; Ael. v. h. 12, 23; Liv. 7, 10; Gell. 9, 11; Plut. Marcell. 7; Caes. 27; Silius Ital. 4, 156; Plin. 34, 48; pictoque Britannia curru, Prop. 5, 3, 9.
(59) Diod. 5, 30.
(60) Torquatus wurde der Römer genannt, der einem Gallier seine Halskette abnahm, s. S. 89, Quint.. 6, 3; Liv. 7, 10; Gell. 9, 11, 13.
(61) Und zwar mit Waid blau und grün. Nicht bloß um die Figuren zu zeigen, sondern auch weil sie glaubten, die Kleider halten die Wärme auf, sollen sie sich ihrer enthalten haben, was insofern richtig ist, als leichte Kleider schlechter gegen die Kälte schützen, als vollständige Nacktheit; Dio 76, 14; App. b. g. 8; Herod. 3, 14; Caes. b. G . 5, 14; Ovid. amor. 2, 16, 39; Plin. 22, 2; Mela 3, 6; Dionys. 14, 13; Polyb. 12, 28; Mapes Camb. ep. 93; Ammian 15, 12; Tac. hist. 1, 69; Gild. de exc. Brit. 14.
(62) Polyb. 3, 114; Liv. 22, 46; Strabo 3, 5.
(63) Der Name der Briten wird abgeleitet von briz bemalt, Pikten und Skoten hängen vielleicht zusammen mit pingere, scindere; picti Britanni sagt Martial (14, 99, 1) vgl. Isid. 9, 23; Sol. 22. Indessen wird Briten auch erkärt von Brit, brethyn Kleid; dann wären die Briten bei ihrer Einwanderung im Gegensatz zu den nackten Urbewohneren die bekleideten Männer genannt worden, währen die Pikten und Skoten als bemalt unterschieden wurden, so Rhys 204, 236; Nicholson erklärt Pikten ähnlich aus peik tätowieren. Guers, Oringes Celt. II, 3 leitet mit Owen Pughe Pikten ab von peith Ossenland und deutet sie als Späher, Räuber. Nach Stokes liegt die Wurzel quick, bei Scoti die Wurzel skot Schatz zu Grunde.
(64) Solin 22. Isidor unterscheidet die cirri Germanorum, grana et cinnaba Gothorum, stigmata Britonum (19, 23). Plinius fügt Daker, Sarmaten u. a. bei (6, 4, 35; 22, 2). Über die Tätowierung der Thrakerinnen M. Müller, Asien und Europa 384.
(65) Minium Mennig scheint auf eine indogermanische Wurzel zurückzugehen; Herod 4, 191; 7, 69.
(66) Mittelst Haselnußgrün und Wollentüchern, Rhys 252.
(67) Plin. 22, 82.
(68) So gewannen sie aus der valeriana celtica die sogenannte gallische Narde; Plin. 13, 2; 21, 79; 27, 28; Belloguet III, 480.
(69) Eine Seife im strengen Sinne war es wohl nicht, sondern eine Salbe (Plin. 28, 51). Nach anderen (Galenus) benützte man zu Fett Lauge und Kalk. Einen negotiatro artis saponariae erwähnt C.J.L. 13, 2030; vgl Hofmann Archiv f. Geschichte der Medizin 8, 209.
(70) Mattiaca pila, caustica spuma; Mart. 14, 26, 7; 9, 33.
(71) Eine häßliche Sitte berichtet Diodor von der Keltiberern, die auch sonst als unreinlich gehalten: unum tamen quiddam sordidum et spurcitiae non mediocris plenum ab eis committitur; urina enim totum corpus perlunt et aeque dentes etiam fricant; quae corporis illis ratio curandi non frivola habetur (5, 33) vgl. 5, 28; Catull. ep. 37; O’Curry Manners 3, 108.
(72) Oft mit künstlicher Glatze, daher reburritio; von der Behaarung erhielt die Gallia comata ihren Namen; einige Gallier hießen capillati; Britanni ... capillo sunt promisso atque omni parte corporis rasa praeter caput et labrum superius; Caes. 5, 14; Plin. 3, 7, 24; Liv. 21, 32; App. b. gall. 8.
(73) Gildas exc. Brit. 14, 15; Strabo 3, 5.
(74) Diod. 5. 28.
(75) Statt Gallier, sagt Clemens von Alexandrien, Leute, deren Gewand de Läna (Chlaina) und der Speise Milch und Käse ist (Str.. 1, 16).
(76) Athen. 4, 13 (36.
(77) Dionys. 13, 15 nennt den Butter eine Art Schweinefett.
(78) Da die Römer von ihnen den Ausdruck omasum, Kuttelfleck, entlehnten, müssen sie auch diese Speise erfunden haben.
(79) Salar, fario, tructa.
(80) Silurus, sparulus, esox, tinca. Auch das Kaninchen (laurix) gehört hierher.
(81) Plin. 18, 12 (68); Schrader R. L. 113.
(82) Plin. 18, 28; cribrum ist sprachlich verwandt mit criathar Sieb (S 105 Not. 8).
(83) Plin. 18, 27.
(84) Rev. arch. 1899 II, 143.
(85) Plin. 18, 25 (101) Borkum nannten die römischen Soldaten geradezu Fabaria (4, 27).
(86) Ebenso enthielten sich viele Völker der Taube, der Krähen, der Störche u. f. f. Das Fischverbot S. 44 Not. 1.
(87) Ebenso wie das deutsche Wort Käse stammt der Waliser Ausdruck caws aus dem lateinischen Rhys, Celtic Britain 54.
(88) Unde coenantibus non bis, ut alibi sed ternis scirpis et herbae nitidae scultellis etiam latis et amplis fercula cunctta simul apponunt. Girald d. C. 1, 10.
(89) Bei den Pannoniern hieß das Bier sabajum; Dio 49, 36; Hier. Is. 7, 19; Ammian 26, 8; vielleicht verwandt mit Sabos-Dionysos oder sapa eingemachter Most oder mit herbräisch saba trinken. Die Griechen nannten es zythos ob nach einem ägyptischen Wort steht nicht fest, die Kelten camum. Andere Wörter sind pinon griechisch; piru slavisch; cerea, celia spanisch, lind irisch, curmi britisch; Flor. 2. 18; Oros. 5, 7; Isid. 20, 5; Dig. 33, 6, 9.
(90) Über berauschende Mischungen s. Polyaen. strat. 7, 42.
(91) Dieses Bier nannten sie camum, camba, cervesia, Dionys. 13, 11; Plin. 14, 29; 22, 82; Dig. 33, 6,9; Boll. Feb. I. 119, 120; vita Columb. 26; Mab. a. s. 2, 13; Embrecton ist das Eingetauchte.
(92) Er kam von den Turaniern vermittelt durch Slaven nach Europa. Im Kaukasus gibt es Völker, Osseten und Chewsuren, die noch heute bei Kirchen nationale Bierfeste feiern; bei den Finnen finden sich uralte Lieder, die die Bierbereitung mit Hopfenzusatz feiern (Robert, Dorpater Studien 5, 152). Dass die Slaven den Hopfen erfunden haben sollen, schließt man schon daraus, dass ihr Wort chmel sich bei Finnen und Ungarn wiederfindet; auch das französische houblon und italienische lupolo hängt damit zusammen. Indes können die Slaven das Wort auch von den Finnen entlehnt haben.
(93) Ausser Ale das slavische kwas. Ale bedeutet vielleicht das ungehopfte Bier, beer das gehopfte.
94) Ein römische Inschrift auf einer tönernen Bierflasche besagt auf der einen Seite ospita reple lagena cervesa auf der Rückseite tu abu, est repleda.
(95) Dinys. 13, 16; Anth. palat 9, 368.
(96) Ale und Bier leiten viele von oleum und bibere ab.
(98) Villemarqué 1, 15.
(99) Athen. 4, 13; Diod. 5, 26.
(100) App. b. g. 7; Polyb. 2, 19; 11, 3; Liv. 5, 44; Eustath. in Dion. Perieg. 561 (ed. Par. 1547, p. 94); Plin. 12, 2; 14. 29.

4) Waffen und Kampfart der Kelten

Wie die Germanen ragten die Kelten durch Kriegstüchtigkeit hervor, worauf schon ihr Name Kelten, Gallier hinweist, Worte, die beide Krieger, Feinde bedeuten (101). Sie haben lange den Römern Schrecken eingeflößt und sie nahezu vernichtet (102). Als Jäger und Hirten handhabten sie mit besonderer Vorliebe und Kunst Schleudern (103), Bogen und Pfeile, auch vergiftete (104), Hämmer und Äxte (105) und verschiedene Arten von Wurfspießen, lange und kurze, breite und schmale, manche mehr dem Pfeile, andere dem Schwerte gleich. Beil und Celt fügten sie wagrecht und senkrecht an einen Stiel zu Streitäxten, Schwertstäben, Palstäben, die wohl in der von den Römern oft erwähnten Mataris, vielleicht auch in der germanischen Frame vorliegen, schufen sich veschiedene Wurfspieße mit und ohne Widerhaken, scheibenförmige und gezackte, eine Art Dreizack und Fünfzack (106), einfache Lanzen (107) und Speere (Spare) - beides sind keltische Worte - endlich die seltsamen Saunien, Gäsen, Gaisen (108). Zum Werfen der Spieße, namentlich des Tragulum, benützten sie Schleudern, Schlingen, Lazos, das amentum; aber auch ohne diese Mittel verstand ein geschickter Krieger den Speer, die Cateia so zu werfen, dass sie in die Hand des Schützen zurückprallte (109). Weniger Gewicht legten sie auf den Schwertkampf, ausgenommen die Keltiberer, von denen die Römer das uralte zweischneidige Kurzschwert entlehnten (110). Im Allgemeinen behielten die Kelten wie die Germanen das Langschwert bei, Schwerter ohne Spitzen, Spaten aus Bronce oder Eisen oder vorn aus Eisen, rückwärts aus Bronce gebildet, vielfach künstlerisch gestaltet und verziert.

Damit hieben sie gleich Holzhauern ein, so dass sie oft mitten im Kampfe sich abstumpften und bogen, dass man sie mit dem Fuße wieder gerade treten musste, weshalb manche zwei Schwerter in die Schlacht nahmen. Wenn der Feind es verstand wie der Römer Manlius im Zweikampf dem langen Schwerte geschickt auszuweichen, so bot sich ihm wohl die wehrlose Brust: so traf Manlius mit seinem Kurzschwert seinen übermütigen Gegner tötlich, beraubte ihn seiner Halskette, legte sie sich an und hieß fortan Torquatus (111). Indessen lernbegierig und empfänglich für Fortschritte, wie sie waren, verbesserten sie bald ihre Schwerter, und sie und die Germanen leisteten so Gutes damit, dass selbst die Römer es sich aneigneten (112). Wiederholt sich doch auch sonst die Erscheinung, dass fortgeschrittene Völker sich die Waffen niederstehender aneignen, weil die Kampflage auf ähnliche Waffen hindrängt. So vertauschten im Mittelalter manchmal die Völker ihre Schwerter und Speere gegen Streitäxte und Pfeile und sanken damit auf frühere Stufen zurück. In einer irischen Schlachtschilderung heißt es: da bohrten sich Pfeile, stark und festgefügt, in die Leiber vornehmer Scharen. Da versäeten sie Speere, harte Todesboten, in die Körper adeliger Männer. Da waren Schwerter mit goldenen Heften und eingelegten Schneiden ihrer glatten kunstvollen Scheiden entblößt (113).

In ihrer Tollkühnheit verschmähten die Kelten wie die Germanen Schutzwaffen, nur dass sie sich hinter einen hohen eckigen Holzschild deckten. Sonst fochten sie, wie gesagt, wohl völlig nackt, und das hat, wie Polybius meint, zu ihrer Niederlage beigetragen (114). Wenn die roten Wunden auf ihren weißen Körpern recht leuchteten, entflammte das ihre Wut noch mehr. Noch im tiefen Mittelalter traten die Iren den normanischen Rittern, die von Eisen starrten, beinahe nackt entgegen, wußten aber ihre Streitäxte und Speere doch gewandt zu handhaben (115). Sie trugen, berichtet ein Schriftsteller, immer ein Beil bei sich und verübten überall Unfug (116). Freilich haben auch hierin die meisten Kelten bald Fortschritte gemacht; sie schufen sich Schutzwaffen, die nicht nur nützlich, sondern auch schön und zierlich waren, deckten ihre Brust mit Lederbrünnen (117) und mit Harnischen - das Wort Harnisch, Brünne, stammt von den Kelten - mit Bronce- und Eisenharnischen, ja mit goldenen Panzern (118) - sollen sie doch gar Kettenpanzer erfunden haben - endlich ihr Haupt mit kunstvollen Helmen (119). Ihre Helme und Schilde hatten die verschiedensten Formen. Ihre großen Holzschilde nannten die Griechen Türen, Thyreoi.

So geschmückt, außer den reichlichen Waffen fast kleiderlos, traten die keltischen Helden gerne zum Einzelkampf vor, wie die Römer erzählten. Auf Streitwagen oder zu Pferde sprengten sie in die Schlacht und liebten es hier verschiedene Waffengattungen zum mischen, Bogenschützen, Reiter, Schlachtwagen unter das Fußvolk zu stellen (120), ihre Hunde mitzunehmen oder Reiter mit Fußvolk als Parabaten zu umkleiden. Zu Roß leisteten sie mehr als zu Fuß, sagt ein Alter (121). Gewandter als irgend ein Volk führten sie ihre Streitwagen ins Feld, schoben sie zwischen die Lücken der Fußkämpfer und zogen sie zurück, die Kämpfer sprangen über die Deichsel auf das Joch, fochten dort stehend und verschwanden plötzlich wieder (122). Ähnlich wie wir es sonst nur noch im Orient hören, versahen sie die Schlachtwagen mit Hacken, Spitzen, Schneiden, Sicheln, und obwohl dieser Gebrauch nicht allgemein und lange bestanden haben muß, erzählt noch die spätere irische Sage von einem Streitwagen, dessen Korb und Achsen Spitzen und Schneiden trugen (123). Rot, heißt es hier, glänzte der Wagen des Helden, rot sein Wagenkissen, denn mit seinem Gespanne sauste er über die Wunden der gefallenen Feinde dahin (124). Den vornehmen Reiter unterstützte sein Schild- und Speerträger zu Roß; man hieß das Trimarkisia, Dreipferdschaft (von Mark, March, Mähre für Pferd) (125).

Gleich den Germanen stellten sie sich gerne in Keilform oder in Eberkopfordnung auf, die Familien und Gefolgschaften unter Fahnen möglichst zusammen (126). In den Kampf mußten alle Genossen ziehen, die Waffen tragen konnten, in erster Linie die Haus-, Vieh- und Landbesitzer, dann auch Schwache, Greise und Unfreie (127). Wer von den Genossen nicht erschien, dem drohte der Tod. Nur ungern folgen sie einem Führer und dienten nicht länger als sechs Wochen im Felde (128).

Mit fürchterlichem Geheul, ihre Waffen schwingend, die Schilde zusammenschlagend, um die Feinde zu erschrecken, stürzten sie sich in den Kampf unter dem Singen der Barden, dem Gebell der Hunde, dem Geschrei der Frauen: bei der Belagerung der Insel Mona sprangen die Weiber wie Furien im Trauerkleid hin und her und schwangen Fackeln, während die Druiden mit zum Himmel erhobenen Händen Verwünschungen austießen (129).

Wenn einer, erzählt ein Alter, unterstützt von seiner Frau, die blauäugig und mächtig stark ist, eine Balgerei anfängt, so kann ein ganzer Haufen von Ausländern nicht dagegen Stand halten, namentlich wenn das Weib knirschend mit aufgeworfenem Nacken ihre schneeigen Arme wiegt und mit Fußtritten untermischt, weitausholende Fausthiebe verteilt, so gewaltig, als wenn es Katapultschüsse wären. Sind mehrere zusammen, so tönen ihre Stimmen furchtbar drohend, ob sie böse oder bei guter Laune sind. Auf dem Angriff, nicht auf der Verteidigung, beruhte wie bei allen Naturkindern ihre Stärke.

Zum Rückzug dienten Steinburgen, Höhenstädte, die sie zur Römerzeit aufgaben, Burgen mit den schon früher geschilderten Befestigungen mit Wall und Graben (130). Zur stärkeren Sicherung ließ man wohl den einen Stein über den andern hervorragen oder legte Balken senkrecht zur Umfassungslinie mit Steinzwischenlagern, so dass Balkenlage und Steinlage schachbrettartig sich folgten und weder Feuer noch Sturmbock ihnen ewas anhaben konnte, wie Caesar von gallischen Mauern sagt (131). Wurde doch eine solche Mauer entzündet, so verglaste, verkalkte sie und manchmal mochte man absichtlich zwischengelagerte Stämme verbrennen und eine künstliche Verglasung herbeiführen, woraus die Sage von den Glasburgen entstand (132). Wenn weiches durch Feuer zerbrockeltes Gestein unter beständigen Regen litt, konnte eine breiartige Masse sich bilden. Oft legten die Kelten, wie Reste in England beweisen, Mauer hinter Mauer (133); wenn eine fiel bot die andere Schutz und dem gegenüber mußten auch die Römer einen mehrfachen Ring von Mauern schaffen.

(101) Die Berichte über die Heerzüge unter Brennus sollen ebenso wie der über den Zug nach Delphi (278) in den Einzelheiten der Geschichte der Persereinfälle nachgebildet worden sein; so Mucke, Vom Euphrat zum Tiber 107. Über einen inschriftlich bezeugten Einfall in Makedonien im Jahr 117 f. Rev. arch. 1875 I, 11.
(102) Celta verwandt mit hild Kampf oder celsus erhaben; Galli die Tapferen (gala Tapferkeit) oder Ausländer, verwandt mit garrulus, Galata mit quälen, galanas Mord. Celtae sund indociles, fortes, feri; An. physiog, bei Holder, 1, 943.
(103) Der Sagenheld Cuchulain tötete mit Schleudern Vögel und Menschen, warf mit Steinen nach der Kriegsgöttin Morrigu und überschüttete damit ein ganzes Heer, dass niemand mehr den Kopf zu erheben wagte.
(104) Mit heelborus und limeum Plin. 25, 25 (61); 27, 76 (101). An ausgegrabenen Pfeilen hat man denn auch ein seitliches Tüllenloch gefunden, das wohl Giftpillen aufnahm, vgl. Irische Texte 4a, 239.
(105) Ordovices (ein Volksstamm) bedeutet Hammerkämpfer. Den Hammer führt ihr Gewittergot Taranos.
(106) Norditalisch heißt marel Pfahl, Knüttel; ebenso das altfranzösische matras.
(107) Tairltecha (in Irische Texte 2a, 15) rotspitzige, gewaltig scharfe, wie es heißt; fünfzinkige Speere tragen Mane und sein Begleiter (a. D. 3, 465).
(108) Lancea verwandt mit lecin loslasse; sparus agrestis, telum agreste, Holder II, 1624.
(109) Die Cateia hat man schon dem Bumerang verglichen; Isid. 18, 7; Diod. 5, 32, 33. Rev. arch. 1884, I, 103.
(110) Polyb. 2, 33; 1, 14; Hispanus punctim magis quam caesim adsuetus petere hostem, Liv. 22, 46; 38, 17; Diod. 5, 30; auch krumme Schwerter Gleifs kannten die Kelten, so dass Gleif auch den Sinn von Sicheln hatte, ähnlich das fiarlann der Iren, O’Curry, Manners 2, 241; D’Arbois Littérature 3, 191, 6, 378.
(111) Dionys. 14, 17; s. S. 79.
(112) Die keltische machaira, ensis Noricus (S. 73 N. 4); Ohr. c. 1, 16. Der römische Namen gladius ist mindestens verwandt mit dem keltischen cladebo.
(113) Irische Texte 2b, 11.
(114) 2, 30; Liv. 38, 21.
(115) Nudi et inermes ad bella procedunt; habent enim arma pro onere, inermes vero dimicare pro audacia reputant et honore. Tribus tantum utuntur armorum generibus, lanceis non longis, et jaculis binis, securibus quoque amplis, fabrili diligentia optime chalibatis, quas a Norwagiensibus et Ostmannis sunt mutuati. Una tantum manu, et non ambabus in securi percutiunt pollice desuper manubrium in longum extenso ictumque regente, a quo nec galea caput in conum erecta, nec reliquum corpus ferrea loricae tricatura tuetur; unde et in nostris contigit temporibus totam militis coxam, ferro utrimue fideliter vestitam, uno securis ictu praecisam fuisse, Giraldus togog. Hib. 3. 10.
(116) Girald, exp. Hib. 1, 21; t. H. 3, 21.
(117) Crupellarii hießen panzertragende Gladiatoren, Tac. a. 3, 43; Diod. 5, 30.
(118) Brünne, verwandt mit Brust, Harnisch mit iarn, isarn eisern. Panzer kommt wohl von dem lateinischen pantex Wanst und ging in die romanische Sprache und von da ins Deutsche über. Das Wort parma ist wohl keltisch. Nach Barro l. l. 5, 24 lernten die Römer Eisenpanzer erst von den Galliern kennen.
(119) Die gallischen Fechter, Murmillonen, Mirmillonen genannt von murmaurare dem dumpfen Ton, den die Stimme im Helm annimmt, oder von einem Fisch am Helm mormyr: daher der Spottvers ihrer Gegner der Retiarier: non te peto, piscem peto, quid me fugis Galle. Festi exc. Pauli 396 (Holder I, 1729); über einen Helm mit Raben s. Liv. 7, 26; Dionys. 15, 2. Die Andabaten fochten mit geschlossenen Visieren, Hier. adv. Helv. 5; c. Jov. 1, 36.
(120) So schildert Properz einen Kampf genus hic Rheno jadtabat ab ipso nobilis e tectis fundere gaesa, rotis. Illi virgatas maculanti sanguine bracas, torquis ab incisa decidit unca gula; 5, 10, 41.
(121) Strabo 4,4.
(122) Caes. 4, 33; Tac. Ag. 12; mela 3, 3; Lucan. 1, 425.
(123) Die römischen Schriftsteller nennen covini, essesa, carri, Lucan. 1, 426; Verg. Georg 3, 204; LIv. 10, 28; Caes. 4, 33; 5, 9, 15; Dod. 5, 29. Ähnlich bei den Briten, Mela 3, 6.
(124) D’Arbois, Littérature 6, 340.
(125) Pausan. 10, 19.
(126) Caes. 7, 2; 3, 22; Tax. a. 14, 34; Girald. d. C. 1, 10; Gildas de exid Brit. 14.
(127) Caes. 5, 56, 27; Walter 144, 405.
(128) Nur zu so viel verpflichteten die Gesetze Ancient laws 93, 7; Venedotien cod. 2, 19, 7; A. L. 592; Valroger 441.
(129) App. b. g. 12; Liv. 38, 17; Amm. 15, 12.
(130) Tempelburgen = nemetobriga, nemeto-durus.
(131) B. g. 7, 23. Sie ahmten die Griechen (Just. 43, 4) und die Römer nach, Caes. 5, 42; Cohausen 47.
(132) In England gehört Glastonburn hierher d. h. Glasthingburg. In Caradoci vita Gildae 14 wird das Wort als Übersetzung eines keltischen ähnlichen Wortes gedeutet. M. G. ep. 3, 388. Bei Gatacrehall scheint die Verglasung beabsichtigt gewesen zu sien; vgl. Nennius 7, 13 castella ex lapide et lateribus, turris vitrea; Guest Origines 2, 65. Der Schlackenwall der Martinskirche an der Ilm in Thüringen scheint auf germanischer Nachahmung zu beruhen (Ztsch. f. Ethnologie 1895 S. 571).
(133) Bar, barrum hießen sie die Gallier.

5) Viehzucht und Ackerbau der Kelten

A. Jagd und Viehzucht

Die Gallier verstehen besser zu verwüsten, als zu bauen, sagt Cicero (134). Doch hatten die meisten Kelten das rohe Jäger- und Hirtendasein der Urzeit übewunden, ausgenommen die Briten, Iren, Schotten, die den Römern als Halbwilde erschienen und zum Teil es bis tief ins Mittelalter hinein blieben (135). In Wales lebten noch im zwölfen Jahrhundert die Mehrzahl der Hirten, wohnten nur im Winter im Geschlechtshaus und zogen im Sommer auf die Almen. Von den Iren erzählt ein englischer Schriftsteller im zwölften Jahrhundert, dass sie den Ackerbau fast ganz vernachlässigten, dass sie, unempfänglich für eine höhere Lebensart, es für ihr höchstes Glück betrachteten, in Freiheit zu leben ohne zu arbeiten (136) und noch im sechszehnten Jahrhundert zogen Geschlechter, Clans, ohne festen Wohnsitz mit Herden umher. Ja noch in die jüngste Zeit herein dauerte die Wechselwirtschaft fort, wie der Spruch beweist: “Irland war dreimal unter dem Pfluge, dreimal Wald und dreimal wüst.” Auch Kelten, die weiter vorgeschritten waren, liebten leidenschaftlich die Jagd und das Wanderleben; sie bildeten die Jagd zu einer Kunst aus, namentlich die Hetzjagd mit Hunden auf freiem Felde, wohl zu unterscheiden von der Birsch im Walde mit Spürhund und Pfeil (136) und erfanden für die Vogeljagd treffliche Spieße (137). In Irland wimmelte es noch im Mittelalter von seltsamen Vögeln aller Art (138). Die Kelten züchteten Hunde und Falken und feierten zu Ehren der Hunde sogar Feste (139).

In all dem lernten die Römer gerne von den Kelten, kauften ihre Hunde, britische Hunde wie britische Sklaven und ahmten sie in der Hetzjagd auf freiem Felde nach, während sie sonst ihrer ganzen Natur nach zum Fangen in Fallen und Nezten neigten; sie hießen den Hetzhund gallischen Hund. Andere Sondernamen der Jagdhunde, der Windhund vertragus, der Spürhund segutius (140) erscheinen in romanischen Sprachen als veltro, segugio. Je edler ihre Hunde aber sind, meint ein Alter, desto jämmerlicher bellen sie. Außer den Hunden haben die Kelten vielleicht auch Falken (141), jedenfalls aber die Katze (142) und allerlei Geflügel, Hühner und Gänse gezüchtet (143). Der Hahn, das Tier ihres Hauptgottes, den die Römer Merkur nannten, den Boten des Lichtes, vor dem die Nachtgeister fliehen, verehrten die Gallier als heiliges Tier (wie den Eber) (144), die Briten verehrten auch die Henne und Gans, die sie daher nicht genossen sowenig als den Hasen. Gänse wanderten später in Scharen nach Rom, ebenso Schweine; sie mußten wohl den ganzen Weg zu Fuß zurücklegen.

Unter den Schweinen zogen sie alle möglichen Arten, hochbeinige, wolfartige, die dem Wanderer gefährlich werden konnten, gelehrige, die dem Herrn Hunden gleich folgten, wie noch heute in Italien, die dessen Horn genau kannten (145), und fette dicke, die selbst auf Cato Eindruck machten. An dem reichen Segen der Natur, an üppiger Fruchtbarkeit, an junger Zucht, an wimmelnder Fülle freute sich der Kelte wie aller Naturvölker und förderte die Zeugung, rechnete deshalb schon auf 12 Tiere einen Eber, auf 30 Schafe einen Widder (146). In der römischen Satyre erscheinen die Kelten als wohlgesättigt mit fetten Speisen - die Belgier hieß man geradezu die Geschwollenen (147), während die Italiker sich mit magerem Brei und Gemüse begnügten. Mit ihrem Schweinefleisch versorgten sie bald ganz Italien, ebenso mit Gansfedern und Schafwolle (148). Bei der Bedeutung dieser Viehzucht für den Reichtum der Volkes wundert man sich nicht, dass sie ihren Merkur zugleich als Moccus, Schwein- und Gabrus, Ziegengott und ihren Mars als Mullo Mauleselgott verehrten.

In die Schaf- und Rindviehzucht teilten sie sich zwar mit anderen Völkern, aber sie zeichneten sich auch hierin aus (149), erforschten die beste Nahrung, führten ihre Schafherden auf herrliche Thymianweiden, wie sie der steinige Boden der später sogenannten narbonnensischen Provinz bot (150), fütterten ihre Tiere mit Rüben, ja sollen sogar Fische ihren Rindern und Pferden vorgeworfen haben (151). Hinter der Zucht des Kleinviehs blieb die des Großviehs zurück, so noch bei den alten Römern, bei denen viele Familiennamen auf die Viehzucht sich beziehen (152). Zum Ziehen und Tragen mußte sich bei den Römern vor allem der Esel bequemen, sodann das Rind, das sie mittelst des Doppeljochs zwangen (153); ihre Zucht nun kamen wiederum manche Erfindungen der Kelten zu gut (154). Selbst den Wisent suchten Kelten und Germanen sich dienstbar zu machen (155). Den größten Stolz setzten sie aber auf Pferde, die sie zu Fahrt und Ritt, auf der Jagd und in der Viehzucht verwerteten. Die Hirten umkreisten hoch zu Roß ihre Herden und hetzten die Jagdtiere zu Tode (156). Die Kelten verehrten fleißig die Pferdegöttin Epona und leisteten so Treffliches in der Zucht, dass ihre Tiere in den Handel kamen und das Wort March, Mähre zugleich die Mare allgemein, im Deutschen als Mark bekannt, bezeichnete. Vielleicht besteht sogar ein Zusammenhang mit dem keltischen Merkur. Ihre Rosse, Reit- und Fahrkünste, worin sich mancher einen Namen machte (157), nötigten selbst den Römern Bewunderung ab. Diese haben manches von den Kelten gelernt und manchen Ausdruck entlehnt (158). Mit keltischen Festen verbanden sich immer Reiterspiele. Vielleicht erfanden die Kelten das Hufeisen, das gleich dem Rade und Hammer als Götterzeichen galt (159), und geht wohl auf die die Sitte zurück, Grenzen und Türen mit Hufeisen gegen Zauber zu schützen, die auch der germanische Bauer kannte. Alte Hufeisen fanden sich allerdings nur selten, obwohl wir sicher wissen, das die Alten sie kannten, etwas häufiger Sporne (160). Steigbügel kamen erst im sechsten Jahrhundert nach Christus auf. Sein Pferd schmückte der Kelte wie sich selbst, färbte Mähnen und Schwänze rot, hing Goldscheiben und ein Glöckchenband an den Hals, deckte es mit Purpurschabraken, die an ihren Enden Goldkugeln trugen (161). So schön tönten die Glöckchen, berichtet die Sage, wie das Saitenspiel der Laute in der Hand des Künstlers. Windhunde umspielten Roß und Reiter (162).

B. Ackerbau

Mit der Viehzucht verband sich mehr oder weniger Getreideanbau, weniger in Britannien, mehr in Gallien. Dort kannte man nur Sommerfrüchte, Hirse oder Haber (163) und steckte sie wohl reihenweise, nachdem der Boden behackt war, worauf das Waliser Maß “drei Gerstenkörner gleich einem Zoll” hinweist (164).

Weiter vorgeschritten waren die Kelten auf dem Festlande und hatten sich hier technische Mittel errungen, die selbst den Römern fremd oder neu erschienen, so merkwürdige Wagenarten und Pflugarten, Hackpflüge und Radpflüge. Der primitive Pflug ist ein Hacken, ein hackenförmiger Baum-Ast, von Menschen oder Tieren gezogen. Der längere Teil, der Pflugbaum, Grindel, dient zum Ziehen, der kürzere, spitzwinkelig ansetzende, die Griessäule, der Krümmel reißt mit der Spitze den Boden auf, wie das Schwein mit seiner Schnauze den Boden aufwühlt, weshalb alte Sprachen die erdaufwühlende Spitze mit einem Worte benennen, das auch Schweinsschnauze bedeutet, so keltisch Soch (165). Nun wurde in der Weiterentwicklung der Grindel mit Handhaben oder Sterzen versehn, die Griessäule zum durchwühlen der Erde verstärkt. Die Holzspitze der Griessäule spitzte man messerartig zu einer Holzschar (166) zu und ersetzte sie durch eine Metallmesser, das eine Sohle trug; denn nichts anderes bedeutet die Schar, der Soch, Sock, anders als ein breites einschneidiges Messer, während die Germanen es zu einer zweischneidigen Schar erweiterten; viele fügten einen Sech, Kulter, vor die Schar und Streichbretter zu ihren Seiten hinzu. Ob die Germanen oder Kelten den Pflug wesentlich verbesserten, läßt sich aus dem Wort Pflug selbst nicht erschließen, da seine Herkunft Zweifeln unterliegt (167). Die Breite der Pflugschar, sagt Plinius vom keltischen Pflug, wendet die Rasenstücke um; die Schar war also einschneidig und entbehrte der Streichbretter. Ihren Grindel legten die Räter auf einen Radkarre, schufen so den Radpflug, neben dem sich aber der radlose Schwingelpflug erhielt (168). Dieser Pflug ermöglichte eine kräftige, tiefe Pflügung, setzte aber unbedingt Zugtiere voraus, während den Hackpflug auch Menschen ziehen konnten. Gegenüber dem Radpflug hat auch der Hackpflug seine Vorteile, weshalb ihn die Slaven lange beibehielten, sogar zu ihm zurückkehrten.

Er läßt sich leichter in verschiedene Formen bringen, paßt sich den verschiedenen Bodenarten an, zwingt zu guter Pflügung, zu einem Längs-, Schräg- und Querpflügen (169). Daher sind bei dem Hackenpflug die Felder mehr quadratisch, beim Radpflug in längliche Streifen eingeteilt; wie denn die Kelten und Germanen längliche Gewande hatten. Der Radpflug ist schwerfällig, eine wahre Machine, ebenso wie die Egge (170) und erfordert überraschend viele Zugtiere, Arbeitskräfte und Kosten, so dass er vielfach im Gemeinbesitz stand: der eine lieferte das Eisen, der andere das Gestell, ein dritter machte den Treiber, wieder ein anderer lieferte Ochsen. Zu einem vollen Joch, zu einem Vollgespann rechnete man 8 Ochsen, je vier nebeneinander, so im keltischen Wales und im angelsächsischen Britannien, oder mindestens 4 Ochsen nebst Treiber noch im späteren Mittelalter (171). Indem man auf den Ochsen 2 Fuß rechnete, bedurfte man beim Pflügen für ein Ochsengespann zweimal ein Rute, d. h. der Acker müßte 36 Fuß breit und 30mal so lang sein, weshalb der keltische Morgen, Erw, ziemlich groß ausfiel (172). In England rechnete man auf die Vollhufe oder Hide, 4 kleinen Hufen vergleichbar, 12 Ochsen.

Allen diesen Voraussetzungen entsprechen die sogenannten Hochäcker, die sich auf ehemals rätischem und keltischen Gebiete in Süddeutschland finden, Äcker von 1/2 bis 1 1/2 Meter Höhe und 9 bis 10 Meter Breite (173). In feuchten Gegenden, in der Nähe von Flüssen angelegt, und auch in neuerer Zeit da und dort in Verwendung stehend (174), konnten sie sowohl in nassen als trockenen Jahren einen Ertrag liefern. In nassen Jahren trug wenigstens der breite Rücken, in trockenen Jahren die Furche Getreide. Bei wiederholtem Pflügen wurden jedesmal die bisjährigen Rücken zu Furchen und die Furchen zu Rücken gewendet und dazu bedurfte man eines kräftigen Pfluges. Wegen der guten Erfahrungen, die sie damit machten, behielten die Kelten diese Äcker unter römischer Herrschaft bei. Darauf weist der Umstand hin, dass sie römischen Straßen entlang liegen (175), so dass man wohl sogar die Meinung aussprach, die Römer haben sie in gefährdeten, unkultivierten Gegenden angelegt, um das nötige Getreide sich zu verschaffen. Nachdem der Boden auf diesen Hochäckern erschöpft war, blieben sie wüst liegen, und so finden sie sich heute in Wäldern und Heiden, wo man erst später wieder rodete, vom Landvolk als Heidenbeete, Heidenäcker, Heidenstränge, Buckelbrache, alte Brache, sogar direkt als Römerbeete bezeichnet. Das beweist freilich römischen Ursprung ebensowenig, wie die Benennung Römerturm einen Römerbau. Welch große Sorgfalt die Kelten auf den Boden verwendeten, zeigt die Mergelung, als deren Erfinder sie galten (176), und die sorgfältige Umzäumung ihrer Grundstücke, die das Mittelalter beigehielt (177).

Zu den uralten nordischen Gewächsen, zu den Sommerfrüchten, Gerste und Haber, gesellte sich allmählich Dinkel, Weizen und Roggen; lernten doch auch die Römer erst in geschichtlicher Zeit den Weizen kennen, während sie sich zu Roggen und Haber nie verstanden und Gerste sehr gering schätzen. Eine besondere Gerstenart nannten die Römer die galatische (178). Bei der unvollkommenen Art des Mähens, Dreschens und Mahlens ging bei den Römern viel verloren. Mit stumpfen Sicheln oder Sägen (179) mähte man entweder am Ende oder in der Mitte die Halme ab (180). Gedroschen wurden die Ähren im Freien durch Tiere - man kennt ja das biblische Beispiel von dem dreschenden Ochsen, dem man da Maul nicht verbinden solle (181) - oder mittelst Stöcken und Knütteln (182), den Vorläufern der Geißel, des Flegels, der erst im vierten Jahrhundert auftritt, oder einer Dreschegge oder eines Dreschschlittens (183). Wegen ihres feuchten Wetters trugen die Briten die Ähren in Scheunen, holten sie dort nach Bedarf, zupften sie aus oder druschen sie auf der Tenne, was den Alten auffiel, und zerrieben auf Handmühlen die Körner (184). Einer Verbesserung der Ernte- und Drescharbeiten sannen die Kelten mehr nach als die Römer, die sich weniger scheuten, Tiere und Menschen zu schinden (185). Mit plumpen, nicht durch Polster gemilderten Jochen quälten sie die Tiere, bespannten sie vor der Brust und ließen sie die Deichsel ohne Seile oder Stränge ziehen (186). Zur Überführung von Lasten dienten Tragbahren und schwere zweirädrige Wagen, Plaustra, keine Schubkarren (187). Noch heute überwiegt in römischen Ländern der zweirädrige Wirtschaftswagen (188). Hier machten die Kelten wieder verschiedene Erfindungen; so bauten sie Sichelwagen, womit sie die Felder mähten und in angebrachten Wannen zugleich das Gemähte auffingen. Mit Sichelwagen wüteten sie im Kampfe gegen Feinde.

Mit der ihnen eigenen Frische und Beweglichkeit bemächtigten sie sich früh unter dem Einfluß zuerst der Griechen, dann der Römer des Wein- und Ölbaues; sollen doch gerade die Südfrüchte die Gallier nach Italien gelockt haben (189). Sie gerieten auf verschiedene Entdeckungen und Fortschritte, indem sie ihrer Art entsprechend allerlei Proben und Versuche anstellten, Erfindungen, die auch den Römern gefielen. So brachten sie die Senkrebe (190), das niedrige Rebengeländer (191), eine weitere Rebstockulme (192), den Traubenbohrer, den die Römer den gallischen hießen (193), und Holzfässer auf, deren Vorzüge vor den römischen Tongefäßen niemand leugnen konnte, obwohl die langsam durchdrangen (194); denn erst im erst im achten Jahrhundert drang das keltische Wort Tonne ins Lateinische ein. Sonst behandelten sie den Wein in römischer Art, mischten ihn mit Harz, Pech, Aloe und räucherten ihn (195). Den Hauptsitz hatte der Wein- und Ölbau im Süden, wo schon vor der Römerzeit wie in Spanien eine beinahe städtische Kultur blühte (196). Dagegen dauerte noch zur Römerzeit (197) in Aquitanien Jagd und Viehzucht fort; das beweisen die Jäger- und Hirtennamen, die uns auf Inschriften begegnen (198).

(134) De rep. 3, 9 (14): Galli turpe esse ducunt frumentum manu quaerere, itaque armati alienos agros demtunt.
(135) Britanni manent, quales Galli fuerunt sagt Tacitus präcis Agr. 11. Seebohm, Dorfgemeinschaft 122.
(135) In silvis et pascuis vitam quam hactenus assuerverat nec desuescer novit gens silvestris ... a primo pastoralis vitae vivendi modo non recedens. - Solum otio dediti, solum desidiae dati, summas reputant delicias labore carere, summas divitias libertate gaudere; Giraldus topog. Hib. 3, 10.
(136) Ihre Pfeile vergifteten sie und von den mit Helleborus (Christrose) getränkten Pfeilen getroffenen Tieren sagten sie, das Fleisch sei weicher, nur mußten sie die Wunden tiefer ausschneiden; Gell. 17, 15; daher hieß es venenum cervarium, Plin. 27, 76.
(137) Strabo 4, 5.
(138) Gilald. t. H. 1, 10.
(139) Plin. 8. 61; Arrian. cyneg. 3; Ovid met. 1, 533; Mart. 3, 47; 14, 200. Durch Kreuzung mit Wölfen frischten sie die Hunderassen auf. Eine keltische Wolfs- oder Luchsart, die Pompejus zur Tierhetze auftreten ließ, erregte große Aufmerksamkeit, Plin. 8, 28 (70).
(140) Schon von Arrian c. 3 erwähnt. M.G. leg. 3, 75. Arrian schätzt ihre Hundezucht gering.
(141) Ob Falken, steht nicht fest. Nach den einen hätten sie die Germanen, nach anderen die Thraker, nach anderen die Bewohner von Turkestan zuerst gezüchtet.
(142) Cattus ein keltisch-germanisches Wort.
(143) Caes. 5, 12.
(144) Den Hahn nennen die Römer gallus von garrulus, nicht von den Galliern. Ob sie den Windhahn, der sich im zweiten Jahrhundert auf der Spitze römischer Prachthäuser in Afrika findet, von den Galliern entlehnten, steht nicht fest; vgl. Bücheler carm. ep. 1552 B.; C. J. L. 8, 211.
(145) So gelehrig seien ihre Schweine, hören wir, dass sie den Hornklang ihres Herrn kannten, und ihm folgten, auch wenn sie mit anderen Tieren vermischt auf der Weide standen, Polyb. 12, 4; Strabo 4, 4.
(146) Ancient laws 274, 6, 7; 361, 7, 12. Bei den Franken machten schon 6 Schweine mit einem Eber, 12 Kühe und 12 Stuten mit einem Stier oder Hengst eine Herde aus. Daraus mag man auch schließen, dass bei den Franken schon viel stärkere Scheidung der Höfe eintrat als etwa in Wales.
(147) Die Geschwollenen von belgo schwellen; nach anderen die Hirten (bulcus, bubulcus).
(148) Einen Hengst, ein Schwein und Honig durften die Hörigen in Wales nicht vekaufen, ohne sie dem Herrn angeboten zu haben, A. L. 3; Walter 150; vgl. Marx, Allgem. Zeitung 1897, Beilage 163.
(149) Non omnis apta natio ad peduariam, quod neque Basculus neque Turdulus idonei, Galli appositissimi maxime ad iumenta; Varro 2, 10,4.
(150) Plin. 21, 31.
(151) Aelian. n. anim. 15, 25; Col. 2, 10. Als Geldmaß, als Schätzungseinheit hatte die Kuh einen Wert von 60 Pfennig = 1/4 Pfund, Anvient laws 108, 117.
(152) Die Ovinier zogen Schafe, die Caprilier Ziegen, die Porcier Schweine - man denke auch an Berres - die Asinier und Asellier Esel, endlich ein Vitulus Rinder, ein Taurus und Lukullus Stiere.
(153) Das Doppeljoch jugum von jungere scheint die älteste Art der Bespannung zu sein. Stricke, die sich um die Hörner schlangen, hielten das rückwärts liegende Joch oder hielten den Wagen und Pflug direkt. Bei den Römern kam auch Bespannung über die Brust vor (Archiv für Anthropologie 26, 1013).
(154) Zum Abführen der Rinder benützten sie einen schweißtreibenden Giftstoff, das limeum, das die Tiere in Wut brachte, dass man sie anbinden und mit frischem Wasser begießen mußte. Ebenso wurden Hunde und Schafe mit helleborus (Christrose) purgiert und dieselben Mittel wurden auch zum Vergiften der Pfeile verwandt (venenum cervarium) Plin. 27, 76 (101); 25, 21; Gell. 17, 15. Vom Samolus werden wir noch unten hören, ihn zerrieb man in einer Krippe und mischte ihn zum Trank.
(155) Richtiger eigentlich die Germanen; Caes. 6, 26; Plin. 8, 15; lex. Alam. 102 (M. G.leg. 3. 82). Der Name ist aber keltisch; Paus. 5, 12.
(156) So vermutlich unter keltischem Einfluß die späteren Römer C. Th. 9, 29, 2; 30, 1; Herod. 4, 22.
(157) Eporedios (epo-reda) = rasche Reiter, Eposognatos guter Reiter, Epomanduodurus, Marcomagnus, Marcarius, Epomarcus, Cunomarcus. Reiter und rheda sind verwandt, wie Roß und carrus.
(158) Zum Beispiel caballus, - veredus, paraveredus (Pferd), scheint aus dem Persischen zu stammen -, ferner mannus, hinnus, ginnus, burdo, burichus (Klepper, Maulesel), burrica, canterius Saumtier, Wallach. Von einer eigentümlichen Pferdeschabrake (scortum) erhielten die Scordisker ihren Namen, Veget. Vet. 3. 60. Der keltische Hauptgott Merkur, wie ihn Caesar nennt, wurde schon von marc, march Roß abgeleitet, so dass er ein Roßgott gewesen wäre (Cuno, Vorgeschichte Roms 36). Das lateinische Markus kommt entweder von Mamercus oder Maricus.
(159) Auffallend ist aber die irische Bezeichnung des Hufeisens als pedol von pedulis.
(160) In der Hallstattzeit sind sie noch selten, häufiger in der Latènezeit; es sind teils Bügelsporne, teils Knopf-, Platten-, Nieten-, Ösensporne, meist trugen sie die alten Völker am linken Fuß; Zeitschrift f. Ethnologie 1890 (S. 204, 399).
(161) Zuerst erwähnt von Kaiser Maurikius; dafür hing an den Satteln ein Art Leiter.
(162) So Hulhuchs und Manes Pferd (Irische Texte 3, 463, 467.)
(163) Nach Müllenhoff heißt bei Strabo 4, 15 Haber.
(164) Ancient laws 90, 5.
(165) Auch an sulcus kann erinnert werden.
(166) Gefunden in Pfahlbauresten; Tröltsch 47; Much, Ackerbau d. Germanen 53.
(167) Verwandt ist die Wurzel wohl mit plaustrum; die Alten schrieben ploum, plovum (Holder II, 1019).
(168) Latior haec quarto generi et acutior in mucronem fastigata eodemque gladio scindens solum et acie laterum radices herbarum secans. Non pridem inventum in Raetia Galliae, ut duas adderent tali rotulas, quod genus vocant ploum (Pflug) Raeti. Cuspis effigeim palae habet. Serunt ita non nisi culta cratesque dentatas supertrahunt; nec sarreinda sunt hco modo sata, sed protelis binis ternisque sie arant, Plinius 18, 48 (171). Sator arepo tent opere rotas C. J. L. 12, 2002. Arepo, wohl = Pflug, wörtlich = ad equum.
(169) Aber nicht allgemein wie Meitzen annimmt, was schon ein Blick auf die italienische area und ihre seit den Römerzeiten übliche Umsäumung mit Obstbäumen lehrt. Noch immer schwingt in Italien der Pflüger bifoco sein pungolo; vier bis acht Ochsen ziehen. Ein besserer Pflug ist die perticara. Nun sucht neuerdings Behlen (Der Pflug) nachzuweisen, dass die Römer alle möglichen Pflüge, auch den germanischen kannten; sie nannten buris die Griessäule, vomer die Schar, dentale die Sohle, stiva den Sterz, tabula (auris) das Streichbrett.
(170) Plin, 18, 48.
(171) Boves autem ad aratra vel plastra binos quidam iungunt rarius, sed quaternos frequentius, stimulatore prae ambulo, sed retrogado: quem et pericula plerumque, dum tauri iuga detractant, retro cadendo contingit experiri; Giraldus Cambriae 1, 17.
(172) Ancient laws 81, 263. Der kleine Erw war 2 Ruten breit und 18 lang, A. L. 874. Meitzen I. 208 führt einen 4Ruten breiten und 40 langen Erw an, der aber sicher nicht Regel war; den die Bauern bevorzugten lange Gewande.
(173) Die Gallier hatten schon genaue Feldmaße, ein großes Jauchert candetum und klienes arepennis: at Galli candetum appellant in areis urbanis spatium centum pedum, in agrestibus atuem pedum centum quadraginta. Semiiugerum quoque arepennem vocant; Col. 5, 1, 6. Bei der arepennis (irisch aircenn am Kopf, Kopfseite) arpent scheint ursprünglich die Langseite der Kopfseite entsprochen zu haben. Über die spanische agnua und porca Col. I. c.; Varro 1, 10, 2.
(174) Daher wird ihr Alter bestritten und die verlassenen Hochäcker in Wäldern mit der Verwüstung des dreißigjährigen Krieges zusammengebracht; Schwäbische Albvereinsblätter 1899, S. 4.
(175) Ranke in den Beiträgen zur Anthropologie Bayerns 10, S. 143.
(176) Kreide, Kalk, Asche von verbranntem Dung benützten sie zu diesem Zwecke. Acaunumarga Steinmergel nannten sie eine art; lapis contuniditur in ipso campa; eine andere Art glissomarga, eine dritte eglecopala; alle drei Worte enthalten griechische Bestandteile. Plin. 17, 42. Die germanischen Ubier lernten sie von den Kelten, Plin. 17, 4 (47); Varro 1, 7. Auch die Pfahlbauten zeigten Düngerreste.
(177) Die Gallier bauten vielfach Backsteinmauern, vielleicht nach punischem Beispiele Varro 1, 2, 7; Dureau de la Malle, Economie pol. des Romains II, 75.
(178) Hordeum galaticum. Eine Roggenart nannten sie Tauriner sasia. Haber wird noch heute wenig im Süden gebaut; noch heute füttern die Italiener die Pferde viel mit Bohnen.
(179) Beide Werkzeuge unterschied man in alten Zeiten nicht, wie die gleiche Bezeichnung beweist.
(180) Plinius sagt, die gallischen Sicheln seien größer als die römischen, und bezeichnet das Schneiden in der Mitte der Halme als gallisch (18, 67); s. Dureau de la Malle II. 77 ff. In manchen Gegenden an den Alpen werden heute noch die Ähren hoch am Halme abgeschnitten und dann läßt man eine Zeit lang das Stroh stehen und das Gras darin wachsen, beides wird dann später geschnitten und verfüttert.
(181) In vielen Gegenden wird heute noch der Dinkel (Fesen) und Haber auf hölzerner Tenne von Pferden und Ochsen ausgetreten; man spricht daher vom “Fesenreiten”.
(182) Fustis, baculus, pertica - flagellum - trahan, tribulum.
(183) Varro 1, 52; Plin 18, 72; Pall. 7, 2. Noch später war das Verfahren sehr einfach: so noch 1703 nach Martins Description of the Western Islands of Scotland bei Elton Origins of english history 33 (Ramsay Foundations I, 4); Rhys, Celtic Britain 8.
(184) Strabo 4, 5; Diod. 5, 21. Ein Mühlstein gehörte später zu jedem Haus. Bei Scheidungen erhielt der Mann den oberen, die Frau den unteren Mühlstein; Ancient laws 38, 4.
(185) Die Ursachen davon sind verschieden; in erster Linie war die Sklavenarbeit schuld, erst in zweiter Linie die geringe Entwicklung der rationellen Mechanik, die Mommsen allein anführt. Dem praktischen Italiener, sagt Mommsten, war die gemütliche Anhänglichkeit an die mit der vererbten Scholle überkommene Bestellungsweise fremd, und einleuchtende Verbesserungen der Landwirt der Landwirtschaft, wie zum Beispiel der Anbau von Futterkräutern und das Berieselungssystem der Wiesen mögen schon frühe von den Nachbarvölkern übernommen worden sein.
(186) In vielen Gegenden wird heute noch den Stieren und Kühen das Joch auf den Nacken gelegt, so in Böhmen, besonders aber im Orient. Schwere Ochsen bekommen wie Pferde einen Spanngurt um die Brust; Barro verwirft das Bespannen der Hörner. Vgl. Ginzrot, Wagen und Fuhrwerke I, 64.
(187) Noch heute kennen ihn die Völker des Ostens nicht, sie schleppen alle Lasten auf dem Rücken (s. Moltke, Ges. Schriften Berlin 1892 III. S. 4).
(188) Plin 18, 72; Pallad. 7, 2; Magerstedt, Römische Landwirtschaft 5, 240.
(189) Plin. 12, 2.
(190) Mergi von ihnen candosocci genannt. Col. 5, 5.
(191) Bestehend in abgekappten Cornel- und Weidenbäumen, die drei Äste seitwärts ausstrecken, Col. 5, 6.
(192) Col. 5, 6.
(193) Zum Pelzen; gallica terebra, Col. 4, 29; de arb. 8; Plin. 17, 25; Did. geop. 4, 12.
(194) Plin. 17, 25; 14, 27; Caes. 8, 42.
(195) Plin. 14, 19; 15, 37; 23, 5.
(196) Selbstverständlich auch in Oberitalien vor der römischen Besetzung, s. Polyb. 2, 10.
(197) Gewisse Ausgrabungen weisen hin auf Landarbeiter, die in der Stadt wohnten und durch Grundherrn gemietet wurden. Ihre Fauen zogen nicht mit ihnen in der Sommerszeit in die Landhütten und Trichtergruben, s. Une colonie agricole préromaine, Rev. arch. 1899 II, 143.
(198) Sivanus, Mantanus neben Rusticus; Hirschfeld, Berl. Akademieb. 1866, 444.
(198) Strabo, 4, 1; Tac. Agric. 4, a. 4, 43; Valroger Les Celtes 57 f.

6) Gewerbe und Handel der Kelten

A. Weberei

Von Südfrankreich ging die höhere Kultur der Kelten aus, wo Marseille als Licht- und Brennpunkt lag und wo unter griechischer Anregung Gewerbe und Handel sich entfalteten. Bald wetteiferen einheimische Handwerker den fremden Mustern nach und schufen Bronce- und Tonwaren, namentlich aber Leinewaren, die ihren Weg nach dem Norden, ja nach dem Süden und Osten fanden (198). Die keltische Leinwand erntete großen Ruhm, um so mehr als Italien und Griechenland Unbedeutendes leisteten. Der Flachs fand in den warmen Gebirgslandschaften der beiden klasischen Halbinseln keinen rechten Boden, gedieh aber um so besser im Norden, in den nebeligen Ebenen, auf humusreichem Waldboden und, was so üppig wuchs, spannen und woben die Kelten in ausgedehntem Maße. Als eigentümlich fiel den Römern die Sitte auf, dass sie schon in Oberitalien und mehr noch nordwärts die Leinwand vermutlich durch Mägde unterirdisch in Kellerräumen, in Tungen weben ließen (199), eine Sitte, die sich durch das ganze Mittelalter hindurch erhielt. Die gesponnene und gewobene Leinwand verstanden die Kelten mit allerlei Farben, wie Purpur, Scharlach, Blau und Schwarz zu zieren, Farben, die sie aus Pflanzensaft und aus Mineralien gewannen (200), und mit Goldfäden und Seide zu sticken und zu weben. Verfilzte Wolle tränkten sie mit Essig, um sie haltbarer zu machen (201). Wie wir schon oben hörten, haben die Römer viele Gewebe von ihnen entlehnt, die Sabana (202), Racana, Drappus, Läna, Sagum, und mit diesen Namen auch gewisse Kleidungsstücke bezeichnet. Die Kelten lehrten endlich die Germanen weben (203) und färbten und empfingen von ihnen Pelzstoffe (204).

B. Holzarbeit

Nicht allein Kleider zu weben, verstanden die Kelten, sondern auch mit Holz, Stein und Metall umzugehen. Die Holz- und Metallkunst griff ineinander über, die Fortschritte der Metalltechnik kamen auch der Holzarbeit zu gut; denn sie lieferte ihnen gute Bohrer, Sägen, Hobel, angeblich sogar Sägemühlen. Im Übrigen unterschieden die alten Völker nicht einmal zwischen Sichel und Säge, und die Bretonen entlehnten zudem ihre Bezeichnung dem Lateinischen (205). Von ihrem Haus- und Schiffsbau her gewöhnt, Holz, Reiser, Pfähle, Stämme mit Kalk, Lehm, Pech oder Leder zu verbinden, schufen sie aus Birkenholz und Weiden, verbunden mit Pech, allerlei Körbe und Geräte (206), Körbe, die zu beiden Seiten der Lasttiere und Menschen hingen (207), eigenartige Säcke, Felleisen, Bulgen genannt, die an den Arm und Rücken gehängt wurden (208). Vielleicht erfanden sie auch Butten und Bahren. In all diesen Stücken unterscheidet sich noch heute der Norden vom Süden, der viel ärmer an Tragarten ercheint. Ebenso Treffliches leisteten sie im Wagenbau, ersetzten Scheibenräder durch Speichenräder und verstanden es, die Wagen so praktisch zu gestalten und verschiedenen Zwecken anzupassen, dass die Römer ihre Wagen ebenso herübernahmen und nachahmten, wie die griechischen. Hierher gehören leichte Wagen, Karren, Reiswagen Rheden (209), Cisien, Deckwagen oder Covini, Carrucae (210), Korbwagen, Korbschlitten, Bennä, Leiterwagen, Carpenta, schwere Lastwagen, Petorrita (211), Esseda, Saraka.

Je nach dem Rang eines Mannes und einer Frau kam ihr eine besondere Wagengattung und ein besonderer Wagen zu; auf Esseden fuhren Fürsten, wie ein Alter berichtet, auf Pilenten Königinnen; auf rot angestrichenen Pilenten Priesterinnen, Jungfrauen; auf Petorriten, Vierrädern vornehme Familien (212). Von einem Prachtwagen sagt die Sage, dass der Wagenbaum mit Messing geschmückt, der Wagenkorb verzinnt, die Räder gelb mit Eisen beschlagen, das gebogene Joch schön vergoldet war, und von einem anderen, er sei mit weißer Bronze, mit Gold- und Silberrippen belegt, purpurne Schabracken mit schönen Figuren seien an den Wagenkasten mit Goldschnallen festgebunden gewesen (213). Zum Übersetzen der Flüsse bedienten sich die Kelten wieder besonderer Wagen, Harmamaren von den Griechen genannt, und zum raschen Überfahren über Flüsse setzten sie Schiffbrücken, Pontone aus leichten Kähnen zusammen, die Caesar nachahmte (214).

C. Bergbau und Metallkunst

Neben dem Salz war es vor allem Gold und Silber, wonach der farben- und schätzehungrige Sinn des Menschen begehrte. Diese Metalle fanden sich in Gallien, wie unter anderem die Orte beweisen, in deren Namen die Silbe arg vorkommt; abe auch die Rheinlande und die Schweiz blieben nicht zurück. Alle anderen Länder übertraf jedoch Spanien. Nach Erschöpfung dieser Länder bot einige Zeit auch Irland Ausbeute, während Britannien als Land der Perlen, der Blei- und Zinnbergwerke seinen Ruf Jahrhunderte hindurch bewahrte. Von den britischen Zinninseln, näherhin der Gegend von Cornwall und Devon hören wir, schwarzgekleidete Leute, deren Gewänder bis auf den Boden reichen, leben vom Bergbau (215); in Spanien boten Flüsse und Berge reiche Ausbeute (216). Schon in den ältesten Zeiten nützten die Bewohner die Metallberge aus, aber erst unter fremden Einfluss, zuerst der Phöniker, dann der Griechen und Römer haben sie ihre Nutzung vervollkommnet, so dass jene geradezu als Lehrmeister gelten konnten (217). So gruben denn die Kelten mächtige Schächte und Stollen, bearbeiteten das Gefundene in Mörsern, pochten, mahlten, rösteten und siebten das Erz, bauten zum Schmelzen Herde, die in den Boden gingen, oder Öfen, die sich in die Luft erhoben. Um den zum Schmieden nötigen Wind zu erhalten, mußten sie die Schmieden an luftige Orte stellen, auf hohe Berge oder an den Meeresstrand, und erst als man künstliche Mittel, den Blasebalg erfand, wurde man von der Gegend unabhängiger (218). Die Römer traten ganz in die Fußstapfen der Kelten, wie sie ihre Bergwerke denn auch Minen, nach einem keltischen Wort mein, rohes Metall, benannten.

Auch in der Salzgewinnung machten die Kelten Fortschritte. Während sie früher das Salz durch Verdampfung der Sole auf glühenden Holzkohlen, dann auf stark erwärmten Steinen, auch Backsteinen, bereiteten, wie sich solche in großer Zahl im Tal der lothringischen Seille fanden (219), benützten sie jetzt Metallpfannen, legten Bohrwerke und Schöpfbrunnen an (220). In besonders ausgedehntem Maße trieben sie diesen Bergbau um Salzburg, wo, wie ein Alter berichtet, die Alauner, d. h. die Salzbereiter, wohnten. Die Wurzel dieses Wortes kehrt wieder in dem Worte Hall, Hallein. Als Salzbereiter finden wir später noch Kelten oder andere vorrömische Völker in der Salzgegenden sitzen und finden sie als Wanderarbeiter im Norden (221). Um die Salzquellen tobte wie um andere Bergwerke oft heftiger Kampf (222).

Gemäß ihrer Vorliebe für allerlei Stoffverbindungen mischten die Kelten Metalle, verbanden Kupfer und Gold mit Zinn und Silber (223), machten durch Verzinnung die Kupfergeräte unschädlich (224) und erhöhten den Reiz durch Korallen- Email-(witzig ;-) und Glasverbindungen. Vor allem lockte der Korallenglanz. Zur Latènezeit begannen sie Korallen zu bearbeiten, sei es gesondert zu Perlen, Medaillen, Plättchen, sei es zu Einlagen und Vernietungen, besonders bei Fibeln (225). Als Ersatz des Korallenschmelzes ergab sich dann später die Verbindung farbiger Glasflüsse und Glaszellen mit dem Metall. So erklärt es sich, daß die Waffen der Kelten von allerlei Farben strahlten, wie die Alten berichten. Während die Hallstattarbeiten meist sich nur mittelbar auf die Kelten beziehen lassen, erscheinen sie in der Eisenzeit selbst in voller Tätigkeit (226). Als Hauptträger der Latènekunst neben den Germanen gossen und formten sie die gefundenen Stoffe zu kunstvollen Gebilden, gaben ihnen kräftige Formen, hervorstehende Profilierung und Abrundung. Die diese Kultur veranschaulichenden Abbildungen können aber erst im dritten Abschnitt erscheinen, das die reine keltische Entwicklung durch die römische Eroberung unterbrochen wurde. Charakteristisch für die Latènezeit sind namentlich Goldmünzen, genannt Regenbogenschüsselchen, kleine napfförmige Gebilde. Daneben benutzten die Kelten flachen Münzen, nach Art der griechisch-makedonischen Münzen, die ihnen von Marseille her bekannt waren und später nach dem Vorbilde der römischen Denare, endlich Ringe und Rädchen, “Baugen”, wie die Germanen sie nannten (226). Die nach griechischen Mustern gebildeten Münzen zeigen das Bild eines Zweigespanns (227), das sie auch an Felsen anbrachten, das Bild der Pallas oder Minerva, das Bild von Pferden, Vögeln, Adlern, Reihern, Kranichen, Fischen, besonders aber von Halbmonden, Sternen und Kugeln, die man in mehr oder weniger unmittelbarer Beziehung zum Gestirndienst stellte (228).

An Gold war Gallien ungemein reich, ein wahres Goldland, Eldorado (229), und wegen ihrer Goldgier waren die Kelten und nach ihnen die Germanen berüchtigt (230). Doch fällte es auf, dass die Kelten ihr Wort für Gold aus dem Lateinischen übernahmen, während die Germanen zu seiner Bezeichnung ein Wort verwandten, das ursprünglich wohl gelb hieß, ähnlich wie das lateinische aurum.

D. Handel

Auf den Grundlagen eine ausgedehnten Gewerbes erhob sich ein bedeutender Handel, der bis in die Zeiten der Phöniker und Griechen hinabreicht. Noch heute erinnern die punischen und griechischen Namen von Südfrankreich an die Handelsniederlassungen des Ostens, wie Marseille, Monaco, Nizza, Antibes. Der Melkart- und Astartedienst klang fort in zwei Herakleas und in Porto Benere (231). Wie die Phöniker Melkart, so vererhrten die Kelten neben Mars an erster Stelle Merkur den Handelsgott, den Gott der Wege und Stege, den Führer der Reisenden und zugleich den Erfinder aller Künste. Beide Götter Mars und Merkur flossen in ihrer Vorstellung zusammen, sei es, dass der Kriegsgott zugleich als Gott oder Genius guter Beute oder der Handelsgott als vorstürmender kühner Abenteurer galt. Krieg und Handel griffen ohnehin in der Urzeit ineinander und die Kelten, deren Wesen man noch beobachten kann an den Nachkommen der Helvetier, wie der Gallier, blieben immer beiden Göttern getreu. Unter dem deutlichen Einfluß der Phöniker stellten sie ihren Handelsgott dar als einen alten Seefahrer, der die Menschen mit Gold- und Bernsteinketten einfängt.

Teils die Eifersucht fremder Händler, teils Mangel an eigener Unternehmungslust ließ die Kelten sich nicht allzuweit auf das Meer vorwagen. Darin unterscheiden sie sich völlig von den waghalsigen Nordmännern, den Nordgermanen. Wenn die Bewohner von Marseille das für die Bronze so wichtige Zinn erwerben wollten, mußten sie es auf Landwegen holen. Da zogen auf alten Handelswegen lange Reihen von Lastwagen, mit Pferden bespannt, beladen mit Zinn, in dreißigtägiger Fahrt nach dem Süden (232), während zwischen der englischen und französischen Küste die Phöniker, später wie es scheint, die Veneter, die Bewohner der Bretagne vermittelten. Im Übrigen ließen die Kelten gerne fremde Händler zu sich kommen, zuerst die Phöniker, dann die Punier und Griechen, dann Etrusker, Italiker, Römer.

Mit den stammverwandten Etruskern unterhielten die Räter lange Zeit einen lebhaften Vekehr (233), der sich nicht allein auf dem Meere, sondern auch über die Alpenpässe, über den großen St. Bernhard bewegte, worauf etruskische Waren in süddeutschen Gräbern hinweisen. In Italien selbst erwachte unter den keltischen Insubrern die Handelsgier - Insubrer und Händler bedeutetete zu Ciceros Zeit nahezu gleich viel (234) - und unter den Römern selbst. Schon im dritten Jahrhundert kam einer der Scipionen nach Marseille, um unmittelbar Beziehungen anzuknüpfen und die karthagische Vermittlung entbehrlich zu machen.

Gegen gallische Rohprodukte, Felle, Häute, Pech, Flachs, Bernstein, Korallen, gegen Sklaven, Pferde und Schweine tauschten die Römer Wein und Öl, Bronze- und Töpferwaren; sie gewannen schon um ein Fäßchen Wein einen Sklaven, machten überhaupt solchen Gwinne, dass die alle Anstrengungen nicht scheuten, den Handel sich zu sichern, dass die schon vor der Eroberung Galliens im Seeräuberkrieg die Südküsten Galliens durch ein Flotte schützten (235). Innerhalb ihres Landes trieben die Kelten selbst Land- und Wasserverkehr (236) und ließen ihre Schiffe treiben; der rinnende Strom lockte sie, wie ihre Sprache zeigt, gleichsam von selbst zum Verfahren (237). Sie benutzten ausgehöhlte Baumstämme (238), Schiffe aus Reisig und Tierhäuten oder Leder überzogen, wie solche noch heute die Iren gebrauchen (239), oder Holzschiffe, deren Fugen sie mit Rohr verstopften, Segel- und Ruderschiffe, bei denen Vorder- und Hinterteil sich nicht unterschied wie bei den nordgermanischen (240). Von den Ufern und Küsten entfernten sich die Schiffe nicht weit, konnten daher wohl von Ochsen oder Menschen gezogen werden, vermieden so schon der Stürme wegen, sodann wegen der schwierigen Arbeit die hohe See und ruhten des Nachts und Winters.

Troztdem fehlte es nicht an waghalsigen Männern und Stämmen, die sich weit ins Meer hinaus wagten, und auf ihrer Tätigkeit mochte der Verkehr beruhen, der nachweisbar zwischen Irland, Spanien und Skandinavien bestand, nachweisbar, weil Fundstücke in alle diesen Ländern sich auffallend gleichen. Am meisten taten sich hervor die Venter; ihre großen aus tüchtigem Eichenholz mit eisernen Klammern gefügten Schiffe, ihre eisernen Ankerketten, ihre den Stürmen des Nordens gewachsenen Segelhäute kann sogar Caesar nicht genug rühmen (241). Den weiten Ozean betrachten sie nach Caesars Worten als ihr Gebiet, sie fuhren des Zinnes wegen nicht nur nach England, sondern auch nach Spanien und an die Ostsee, wo sie, wie es scheint, starke Niederlassungen hatten (242), und führten die Erzeugnisse des keltischen Gewerbfleißes, namentlich Ton- und Bronzewaren aus.

Gegen Fremde verleugneten auch die Kelten nicht die Mischung von Mißtrauen und Neugierde, die andere Völker im Verkehr mit Fremden zeigen. Sie legten bei dem Handel in den Städten nie die Waffen ab, wie ein Grieche noch in späterer Zeit bemerkte (243). Daher mußten Fremde vorsichtig sein und sich auf Angriffe und Gewalt gefaßt machen und ihre Faktoreien befestigen. Mancher Hafenplatz zerfiel in zwei Teile, die durch eine Mauer geschieden waren, in die Stadt der Händler und Einheimischen (244).

E. Gastfreundschaft

Auf der anderen Seite achteten sie das Gastrecht, bestraften den Mord eines Fremden strenger als den Mord Einheimischer, gewährten dem Fremden Lager und Mahl (245). Während die Helden des Arthurhofes tafelten, kam ein Freier Kulhuch: “Öffne die Pforte”, rief er dem Türhüter zu. “Ich öffne nicht”, antwortete der Pförtner, “denn das Messer ist im Fleisch, der Trank im Horn; nur ein anerkannter Königssohne oder ein Sänger mag eintreten. Dir aber mag es genügen, dass man deine Hunde und Pferde füttert und dir ein Mahl bereitet in der Gästehalle, dass man dir ein Lager mit Frauengesellschaft und die Feuden der Musik anbietet. Morgen, wenn sich das Tor öffnet, magst du als erster eintreten und dir einen Platz wähen wo du willst am Hofe Arturs.” “Wenn du nicht öffnest, werde ich frei Rufe erheben, dass vor Schrecken die Frauen fehl gebären”. Darauf trat der Pförtner vor Artur und schilderte ihm die glänzende Erscheinung des Fremden und dieser gab den Bescheid: “Wie du gegangen bist, laufe eilends zurück. Alle die das Licht schauen, seinen seine Sklaven; die einen sollen ihm goldgefaßte Hörner bieten, die andern geröstetes und gepfeffertes Fleisch; es ist Schade, einen solchen Mann dem Regen und dem Winde ausgesetzt zu lassen”. Hatte man einen Gast empfangen, so bot man ihm, nachdem er die Waffen abgelegt, Wasser zum Waschen der Füße; König Artur selbst nahm den Goldkamm und die Silberschere und ordnete die Haare Kulhuchs. Dann ließ ihn der Hausherr am Herd niedersetzen, reichte ihm Speise und Trank, wies ihm eine Lager an, auch wenn er ihn nicht kannte. Wie wir aus Homer wissen, fragte den Gast erst, nachdem er gesättigt war, der Wirt nach seiner Herkunft. Bei den Kelten konnte einer drei Tage bleiben und niemand fragte nach Namen und Herkunft, wenn es der Gast nicht freiwillig tat (246), sondern bot ihm willig Lager und Mahl. Besonders liebe Gäste ehrte man durch Kuß und Umarmung (247) und sorgte für Erheiterung durch Schmausereien, Gesang, Harfenspiel und Frauengesellschaft. In dieser Hinsicht teilten die Kelten die Sitten anderer roher Völker (248). Beim Feste der Bricriu bedienten 150 Mädchen die 150 Lager (249) und von Cuchulainn und seinen Begleitern wird erzählt: es wurde ihnen Bier gebracht, bis sie trunken waren; da kam ihnen Begierde: “Wie wird Cuchulainn schlafen?” “Habe ich die Wahl”, fragte Cuchulainn. “Du hast sie,” sagte der Held. “Dort sind die drei Töchter des Riangabair, nämlich Eithne und Etan und Etain. Dort sind ihre drei Brüder, dort ist ihre Mutter und ihr Vater”. Da sagte Cuchulainn: “Ich weiß nicht, mit wem Etan schlafen wird, aber ich weiß, Etan die Weiße, nicht wird sie allein schlafen”. Das Weib beleitete ihn, und er gab ihr am Morgen einen Daumenring von Gold, in dem eine halbe Unze Gold war (250). Auf der Weiterwanderung ist es bald die Tochter, bald die Frau des Hauses edler Fürsten, die dem Cuchulainn Gesellschaft leistet (251). Erst beim Scheiden fragte man nach dem Zweck der Reise und bot das Gastgeschenk, womit die Kelten sowenig geizten als die Griechen, ohne freilich auf Gegengaben zu verzichten. Gastfreundschaft empfahl die keltische Lust, sich zu zeigen, und ihre berühmte Neugier, Eigenschaften, die sie vorzüglich zu einem Stadtvolke befähigten. Viel eher als die verschlossenen Germanen neigten die Kelten zum Anschluß, zur Gesellschaft. Einen Anknüpfungspunkt für den Zusammenschluss boten schon die Rückzugsburgen, deren sie als Hirten dringend bedurften, wo sie sich zur Beratung, zum Götterdienst, zum Handel versammeltten, wo zahlreiche Hütten und Holzhäuser vor allem für Händler erstanden. Solche Orte nannten nun die Griechen und Römer Städte, obwohl sie ihren Städten weit nicht glichen (252). Denn die Häuser waren meist aus Holz gebaut und brannten leicht nieder, wovon wir öfters hören (253), und nur langsam verbreitete sich vom Süden aus der Steinbau, den die Griechen zuerst dort anwandten (254).

(198) Sivanus, Mantanus neben Rusticus; Hirschfeld, Berl. Akademieb. 1866, 444.
(198) Strabo, 4, 1; Tac. Agric. 4, a. 4, 43; Valroger Les Celtes 57 f.
(199) Plin. 19, 2.
(200) Dazu verwandten sie die Heidelbeeren (vaccinium), Hyazinthen (purpurissa), Krapp, rubia, keltisch warentia (garance) genannt, Pastelle (pigmenta), Ocker, Plin. 16, 31; 21, 97; 33, 56; 19, 17; 35. 12; Belloquet 3, 481. In Britannien wurde die creta argentaria verwendet; Plin. 17, 4 (45); 35, 26.
(201) Plin. 8, 73 (192)
(202) Sabana bedeutet Betttuch, Handtuch, Gewand; auch bigerra, lacerna scheint ebenso einen Tuchstoff als ein Kleid zu bezeichnen. Das Lodes (genus sagi) einer St.Galler Glosse scheint germanisch zu sein.
(203) Die Kelten in Wales konnten noch im späteren Mittelalter nicht stricken; Walter 321.
(204) Das offenbar keltische mastruca wird wiederholt vestis germanica genannt, ebenso rheno der Pelzmantel (Holder II, 456).
(205) So fals, falch, hesquen (erinnert an secare vgl. sicil, lif von lima).
(206) Die Birke nennt Plinius einen keltischen Baum; die Gallier gewannen davon Harz 16, 30; Giraldus d. C. 1, 10 oben S. 83 R. 10.
(207) Cleta, clitella Hor. ep. 1, 13, 8; Greg. Tur. 7, 37. Das Wort ist verwandt mit gotisch gleithra, geflochtener Hütte und Klett.
(208) Bulgas Galli sacculos scorteos appellant, Festus; bulga verwandt mit Bausch (besace) Balg; s. oben Belgae. Cum bulga cenat, dormit, lavit, sagt Lucilius (sat 6, 1, ap. Non. 2, 6) vom Geizhals, Holder I, 630. Das Wort Gabel ist keltisch Varro sat. Menipp. 165, 24. Über Handschuh wantones s. Columbani vita 25, Mab. 1, 15; Ducange s. v. Auch das Haarsieb haben sie erfunden, Plin. 18, 28; bgl. cretron.
(209) Eigentümlich ist die britische Göttin Rheda, nach der der März Rhedmonat hieß, wie der Ostermonat nach Eostre. Rhedones sind die raschen Springer oder Fahrer; Carrus heißt auch Krieger. Eine Beschreibung der rheda mit hohen Rädern, hängendem Korb s. Vitr. 0, (9) 14.
(210) D. 34, 2, 13. Benn hieß auch Horn, Vorgebirge (lacus Benacus). Eine andere Wagenart ist colisatum Plin. 34, 48 (163). Den covinus preist Martial (12, 24).
(211) Petorritum von petor vier und rotos Rad; Gell. 15, 30. Nach dem Ochsengespann hieß ein Ort der Peutinger Tafel Tarvessedum.
(212) Vgl. die Scholien zu Hor. ep. 2, 1, 192; Servius zu Verg. Aen. 8, 665. Nach Liv. 5, 25 gestattete es der Senat den Frauen als besondere Gnade, dass sie zu Opfer und Spielen auf vierrädrigen Wagen fuhren, sonst auf zweirädrigen.
(213) Mahl des Bricriu bei D’Arbois Littérature 5, 115; Das Freien um Ferb in Irische Texte 3, 464; Luzel, Chants popul. I 461.
(214) B. c. 3, 29; b. g. 4, 17; Dig. 8, 3, 38.
(215) Manche dachten an die Scillyinseln. In Platten oder Stückchen beförderten es die Leute nach Diodor auf die Insel Iktis, wahrscheinlich die Insel Thanet an der Themsemündung, indem sie bei der Ebbe mit den Wagen hinüber fuhren; Rhys Celtic Britain 46; Elton 38.
(216) Der Goldsand der Flüsse hieß baluca, spanisch baluz; Strabo 3, 2, 5; Plin. 33, 21 (77); Mart. 12, 57, 7; C. Th. 10, 19, 3; Avien. o. m. 741; vgl. Kulturgeschichte d. r. Kaiserzeit 2, 213, Diercks, Gesch. Spaniens 1, 65.
(217) Herod. 6, 47.
(218) Plin. 33, 21; 34, 49; Diod. 5, 35; Caes. 7, 22; 3, 21.
(219) Die dort auftretenden Namen Mare salum, Salsa aqua, Salona, Salina vallis u.s.w. weisen auf dieses “pagus salinensis” als eine uralte Stätte der Salzbereitung hin; Globus 1901 (80) 142.
(220) Patellae, putei.
(221) Hehn das Salz 39, 54.
(222) Tac. a. 13. 57; Varro 1, 7; Am. 28, 5. Der Name Kissingen stammt aus dem Slavischen.
(223) Plin. 34, 48, album incoquitur aeneis operibus Galliarum invento, ita ut vix discerni possit ab arbento, eaque incoctilia appellant (34, 162). Über Bleiverwendung Plin. 34, 47; 33, 30.
(224) Isid. 16, 22; Plin. 34, 48; Belloguet III, 483. Über britische Perlen Tac. Agric. 12; Falke, G. d. d. Kunstgewerbes 13.
(225) Das Wort Koralle stammt wohl von den Ligurern und bedeutet rot und davon ist das Volk der Coralli genannt. Revue celtique 1899, 127.
(226) Die Skelette der Westschweiz in der Latènezeit zeigen wieder mehr einen kurzschädeligen Typus, als in der Steinzeit, während in der Zwischenzeit der Langschädel vorherrscht, Ranke II, 638. Am Oberrhein waren die Träger der Hallstattzeit vielleicht die Räter, bzw. Räto-Ligurer (Mehlis Ligurerfrage im Archiv für Anthropologie, 1899). Von ihnen stammt wohl die Heidenmauer am Odilienberg Allg. Ztg. 1900 Beil. 38. Sie wurden verdrängt durch die Gallier, ein minder kulturfähiges und unruhiges Volkselement. In den burgundischen Hügelgräbern herrscht das Hallstattschwert, dagegen in der Champagne in flachen Gräbern das Latèneschwert vor, Lavisse-Bloch H. de France 1, 38.
(226) Bigati von der Römern genannt, Liv. 23, 15; Tac. G. 5; Plin. 33, 15 Vgl. das Felsbild am Brunholdisstuhl bei Dürkheim in der Pfalz; Mehlis Bonner Jahrb. 94, 44.
(227) Geflügelte Riesen, Pferde mit Menschenkopf zeigen keltische Münzen der Maihinger Sammlung. Größere Bilder bieten die z . T. oben abgebildeten Situlien Rev. arch 83 II, Tafel 23; 85 II, T. 25; Bertrand et Reinach, Les Celtes 107 ff.; Hrones Kunst Taf. 25, 26; Ranke 626.
(228) Schaaffhausen Festschrift 1891 S. 69.
(229) Cic. de nat. deor. 3, 30; Liv. 28, 23; Gell. n. a. 3. 97; Herod. 3, 116; Diod. 5, 27; Strabo 4, 2 (Tektosager); Plin. 33, 23; Polyb. 2, 17, 11; Justin. 32, 3; Oros. 5, 15, 25; Zon. 11, 6; Rissen, Bonner Jahrbücher. 1895, 4.
(230) Liv. 21, 20; Plut. Pyrrh. 26; sie wühlten sogar Gräber deshalb auf.
(231) Ein Heraclea hieß Caccabaria (Caccabe = Karthago), Monaco = Menocha Halteplatz, Nizza = Nike, Antibes = Antipolis.
(232) Diod. 5, 22, 38.
(233) Riezler, Gesch. Bayerns I, 31. Nach Liv. 5, 33; Plin. 3, 24 (133); Justin. 20, 5 sind Räter und Etrusker stammverwandt; Steub, Urbewohner Rätiens 1843 weist dies näher nach; ander Oberzinner, Orsi, Helbig, Bertrand, Les Celtes 69.
(234) Insuber id est mercator et praeco. Ascon. fragm. 11 in Pison. Cic. Das Wort cambiare tauschen, wechseln, ist keltisch.
(235) Strabo 4, 1; Liv. 21, 20. Nemo Gallorum sine cive romano quidquam negotii gerit, Cic. pro Fnteio 1. In vielen Städten, so in Orleans-Cenabum, Nevers-Noviodunum, Chalon-Cabillonum fand Caesar römische Kaufleute (7, 3, 43, 55), während Belgien sich verschloß.
(236) Cic. ep. 16, 12, 3; p. leg. Man. 12, 35; Sall. Cat. 40, 2; 42, 1.
(237) Navis verwandt mit dem Flußnamen Nava (Nahe). Renus bedeutet Fluß und See; die Wurzel ist rei fließen (rivus); vewandt ist die Wurzel von remus und rheda, woran der Rhodanus, die Rhone erinnert.
(238) Ähnlich dem lateinischen caudex. Navis, remus ist Gemeingut der Indogermanen.
(239) Curach genannt. Nach der Sage baute Maelduin ein bedeutendes Schiff in dieser Weise mit drei Häuten. Vergl. Sol. 22; Avien. o. mar. 114.
(240) Man erinnere sich wie Odysseus auf der Insel der Kalypso sich ein Schiff zimmerte und mit Geflechen die Fugen ausstopft. In der von zahlreichen Kanälen und Flüssen durchschnittenen Campagna besaß einst, wie es scheint, fast jeder Bauer ein Barke, einen ausgehölten Baumstamm. Für alles, was über die einfachste Wasserfahrt hinausging, waren die Griechen Muster; von diesen kommen Ausdrücke wie antenna Segelstange, nausea Seekrankheit - vermutlich lernten die Römer als Gäste griechischer Schiffe diese dumme Krankheit kennen - ferner nautea Schiffsjauche und exanclare aus schöpfen derselben; endlich kamen die Schiffsarten aus Griechenland: linter, scapha, cymba, phaselus, lembus, cercurus, trieris u. s. f. Dagegen erinnert das deutsche Segel an das keltische sagum.
(241) Caes. 3, 13.
(242) Die italischen Veneter, ein Teilvolk der Illyrier, wurden von den Alten mit ihnen vermischt; Polyb. 2, 17; Herod. 4, 108; dazu Contzen 71. Nach Schafarik waren sie Slaven, Wenden (Abkunft der Slaven 187).
(243) Stob. ecl. 42, meint vielleicht die Germanen.
(244) Die Gründungssage von Marseille erzählt von einem Komplott, das die Einheimischen gegen die Fremden anzettelten; infolge dessen haben diese die Tore verschlossen und Wachen auf die Wälle gestellt; Fust. 43, 4; Lavisse-Bloch 1, 21.
(245) Nicol. dam. fr. 105 (Holder 1, 917); Diod. 5, 28; Athen. 4, 13; Stob. s. 42; Caes. 4, 5; 6, 20; Mela 3, 2, 3; Strabo 4, 4.
(246) Die autem tertia licet reverenter quaerere; Bualter Mapes II, 20.
(247) Irischen Texte 2 b, 157, 159.
(248) Qui matutinus autem horis adveniunt, puellarum affatibus et cytherarum modulis usque ad vesperam delectantur; domus enim hic quaelibet puellas habet et cytharas ad hoc deputatas; Girad d. C. 1, 10.
(249) D’Arbois (5) 54
(250) Irische Texte 2 a, 199
(251) Irische Texte 2 a, 205, 207.
(252) Caes. 7, 3, 44; 2, 29; Inseln und Höhen waren bevorzugt (Belloguet I, 113, Valroger 102). Wie bei den Germanen enthielten ihre Siedlungsnamen oft einen Hinweis auf Biberhöhlen, Bibracte, Biberach.
(253) Caes. 6, 43; 7, 15, 30, 58.
(254) Wie die griechischen Ausdrücke calx, turris, camera, balneum beweisen Justin 43, 4, 1.

7) Keltische Familie

Viel mehr als die Germanen, wenn auch weniger als die Römer, pflegten die Kelten das Zusammenwohnen, den Zusammenschluss der Familie, des Geschlechtes, ähnlich wie die Slaven (255). Das patriarchalische Zusammenhalten, das Zusammenleben einer Großfamilie, vieler Familien in einem Hause, die Hausgemeinschaft hatte hier wie dort ähnliche Folgen: Frauen- und Kindergemeinschaft, Vielweiberei und Vielmännerei, wie noch Caesar bei den Briten beobachten konnte, wo sich die alten Sitten am längsten erhielten. Je zehn oder zwölf, sagt er, haben unter sich gemeinschaftliche Frauen, am meisten Brüder mit ihren Brüdern und Eltern mit ihren Kindern. Die Neugeborenen werden als Kinder derer angesehen, denen die Weiber zuerst als Jungfrauen gefolgt sind (256). Zwischen ehelichen und unehelichen Kindern machte man keinen Unterschied, bezeichnete wohl uneheliche Söhne als Göttersöhne (257). Mit den Gruppenehen verbanden sich Einjahrehen vom ersten Mai an und Probeehen auf sieben Jahre, nach deren Abfluß auch eine Konkubine zum Range einer Frau gelangte; Verhältnisse, die die Sklaverei und eine große Zahl von Sklavinnen begünstigte (258), wird sich noch in den Kirchenrechtsquellen des fünften bis achten Jahrhunderts in Irland nach altirischer Weise mit Sklavinnen gerechnet wie etwa sonst nach Rindern (259). Mit den irischen Volksfesten verband sich noch lange eine Art Weibermarkt.

Der freien Auffassung des Ehelebens entspricht der Wechsel der Anschauungen, der Achtung vor den Frauen: bald hochgeehrt, bald verachtet steht die Frau da, so dass selbst den Alten die Gleichgültigkeit vieler gegen ihre bestrickenden Frauen auffiel (260). Bald erscheint die Frau als Herrin, bald als Sklavin, wie überhaupt unter primitiven Verhältnissen, wo die Frau auch unter den günstigsten Verhältnissen der Willkür überliefert blieb. Demgemäß schillert auch das Kaufgeschäft, das den Eheabschluß begleitet, in den verschiedensten Lichtern. Der Kaufpreis des Mannen erscheint wohl eine Huldigung und die Mitgift der Frau als ein Mittel, ihr Freiheit und Achtung zu erwerben. Im Allgemeinen aber demütigte und erniedrigte das Kaufgeschäft das Weib.

Zwar brachte die Frau, wie bei anderen Völkern, dem Gatten eine Mitgift, gewöhnlich in Vieh bestehend, bei (261); aber was den Römern auffiel, war die Gegengabe, die der Mann leistete, eine Gegengabe, die weit über das hinaus ging, was in Rom ein Mann vor oder nach der Hochzeit seiner Frau schenkte (262). In dieser Gabe steckte wohl ein Kaufpreis, das Amobyr, Jungferngeld und gewährte das Recht auf die erste Ehenacht (263). Aber wie die irische Sage zeigt, behielt der Vater der Braut nur einen kleinen Teil des Kaufpreises und schenkte den Rest seiner Tochter (264) - jedenfalls verriet die Gegengabe des Mannes eine gewisse Achtung vor der Frau, und ein Alter sieht darin ein deutliches Zeichen von Weiberherrschaft (265). Auch während der Ehe bestand Errungenschaftsgemeinschaft, so daß die überlebende Gattin ein gutes Wittum genoß (266); bei Scheidungen aber wahrte das Recht der Frau mit pünktlicher Genauigkeit ihren Teil (267). Hinterließ bei den Britten ein Mann nur eine Tochter, so übernahm sie die Erschaft und war zur Kampfhilfe verpflichtet, ausgenommen, wenn sie die Hälfte des Erbes an die Verwandten des Verstorbenen abtrat (268). “Frauen entscheiden heute über die Schätze”, sprach Gleuddydd zu ihrem Manne vor ihrem Tode. Du wirst dein Kind zu Grunde richten, wenn du dich wieder verheiratest, bevor nicht eine Brombeerstaude auf meinem Grabe wächst”. Nachdem ihr Mann das versprochen, rief sie den Hausbarden, dass er auf ihrem Grabe keine Pflanze dulde.

Frauen nahmen Teil am Kampf wie an der Fehde, fochten wie Amazonen, kreischten wie Hyänen, und mancher Feind floh erschreckt vor ihrer unheimlichen Wut, und manche stolze Frau herrschte wie ein Mann (269). Man erinnere sich an die mächtige Königin Baodicca, die den Aufstand gegen die Römer schürte und gesagt haben soll: entweder siegen oder sterben; das soll wenigstens das Los der Frauen sein, mögen die Männer, wenn sie wollen, leben und dienen (270). Ein solches Vorrecht, mag man denken, ertrug nur ein rohes, wildes Volk; dass aber auch kultivierte Stämme ein ähnliches Recht duldeten, beweisen Sitten, wie sie uns von Südfrankreich berichtet werden. Dort, liest man, war es nicht der Mann, der die Frau wählte, sondern die Jungfrau wählte den Gatten, indem sie beim Mahle demjenigen, den sie erwählt, den Becher reichte (271). Auch in der irischen Sage kam es vor, dass eine Tochter entfloh, wenn sie einem ungeliebten Manne folgen sollte, und einem anderen sich aufdrängte (272). In Südgallien traten Frauen als Schiedrichter auf und dort entstanden im Mittelalter die berühmten Liebeshöfe mit ihrem Minnedienst (273).

Reichen, herrschgewaltigen, schönen Frauen sahen die Kelten viel nach und duldeten Vielmännerei. Der Frau des Septimus Severus ließ eine britische Häuptlingsfrau sagen, sie könne so viele Männer haben, als sie wolle (274). Daher haben noch später die Pikten im Zweifelfalle beim Tode ihres Häuptlings oder Königs aus der Frauenlinie Nachfolger gewählt (275). Bei allen Völkern, wo keltisches Blut sich eindrängte, haben sich Reste der Frauenvorherrschaft erhalten, namentlich in Frankreich, in Deutschland wenigstens im Minnedienst (276). Bei Shakespeare preist ein Mann seine Frau mit keltischem Überschwang als sein Landgut, sein Haus und Hof, sein Hausgerät, seinen Acker, seine Scheune, sein Pferd, seinen Ochs, seinen Esel, kurz sein alles.

Das Ideal der Schönheit erblickte der Kelte in blonden Frauen, wie uns die Sage eine beschreibt: ihre Haare gelb, wie die Blüte des Ginsters, ihre Haut so weiß, wie der Schaum der Woge, ihre Hände glänzend, wie der Klee, der aus der Springflut auftaucht, ihre Wangen rosenrot. Krausgewelltes, kornblondes Haar legt sich in Strähnengürtelen um das Haupt der Göttin, die Conchobar im Taume erscheint, ein sanftes, weiches Tuch von grüner Seide bedeckt ihren Hals. Ähnlich mag das Mädchen ausgesehen haben, das ein Zauberer aus der Blüte der Eiche, des Ginsters und der Königin der Wiesen schuf (277). Aber trotz allen Glanzes, oft gerade wegen ihrer Schönheit ging ihre Bedeutung meist nicht weit hinaus über die von Zierpuppen, und viel weniger als selbst bei Griechen stehen die Frauen im Mittelpunkt der Volksdichtung und Mythologie. Bei den Germanen glänzen die Göttinnen und Heldinnen mehr, als bei den Kelten. Die Göttergestalten sind überwiegend männlich, nur das mütterliche Wesen in der Gestalt der Matrone, das pallasartige Verständige, das Kriegerische fand Ausdruck und Ehre, nicht aber das Jungfräuliche und nicht das üppig Weibliche. Eine Gestalt wie Venus fehlte so gut als ein Freja, Holla oder die Walküren; man müßte denn nur Oberon und Titania, die Schützer bräutlicher Liebe (278), als Keltengötter ansprechen, und ein Gewicht legen auf die Äußerung Julians, dass die Kelten die Keuschheit göttlich verehrten (279).

Edle und unedle, aufopfernde und herrschsüchtige Frauen, Herren- und Sklavennaturen müssen oft dicht neben einander gestanden haben. Wie das Volk selbst sehr veränderlich, beweglich, launisch war, so stritten in der Frauen Brust Lust und Liebe, Hingebung und Treue, Herrschsucht und Bosheit um den Vorrang. Von den galatischen Frauen berichten die alten Schriftsteller, dass die sie die Treue gegen ihre Gatten durch blutige Rachgier an ihren Verführern bewährten. So reichte Kamma ihrem Schwager den Giftbecher und überlieferte Chiomara den römischen Hauptmann, der sie geschändet hatte und dann als Gefangene ihrem Manne wieder verhandelte, den Schwertern ihrer Diener. Viel leichter überließen sich die gallischen Frauen den römischen Soldaten und beugten sich der Macht (280).

Wie bei den Römern, hieß es auch bei den Kelten, entweder siegen oder unterliegen, herrschen oder beherrscht werden (281). Gerade das Beherrschtwerden erscheint als das Regelmäßige, Ursprüngliche, Ältere. Denn bei allen Indogermanen herrscht unbedingt der Mann und die Frau genießt seine Rechte, wie es sich im Ehebruch und in der Ehescheidung noch auf höherer Kultur zeigt. Gemäß der älteren Sitte mußten die Frauen die härtesten Arbeiten verrichten während die Männer der Jagd und dem Fischfang nachgingen (282), sie mussten selbst Bäume umhauen und Häuser bauen und auch später ließen sich die Helden noch gerne von Mädchen bedienen (283). So gut als der römische Mann beanspruchte der keltische unbedingtes Strafrecht über Frau und Kinder, und mancher Vater zwang seine Tochter, gegen ihre Neigung zu heiraten oder ledig zu bleiben (284); mancher Vater glaubte sterben zu müssen, wenn er seine Tochter ziehen lasse, und seine Liebe machte ihn zum Tyrannen (285).

Wie hart keltische Männer ihre Frauen behandeln mochten, beweist die Sage und Geschichte. Noch zur Zeit Columbans konnten Blaubärte nach der Art Heinrichs VIII. von England ihr Unwesen treiben und ihre Weiber hinrichten (286). Bretonische Volkslieder stellen den Charakter der Mädchen nicht hoch unf berichten von vielen Mißhandlungen (287). Viel Ungemach erfuhr nach der irischen Sage Riannon, die sich selbst ihrem Manne aufgedrängt hatte. Ihren Sohn hatte, während seine Wärterinnen schliefen, nachts ein Geist geraubt, und da diese den Tod als Strafe fürchteten, schoben sie die Schuld auf Riannon, sie habe ihn im Traume erdrückt. Darauf mahnten die Verwandten ihren Mann, sich von ihr zu scheiden; er aber antwortete: “Wenn sie kein Kind gehabt hätte, würde ich mich geschieden haben, so aber will ich ihr eine Buße auflegen: sieben Jahre lang soll sie den Tag über auf den Steintritt sich setzen, der zum Hofe führt, soll jedem Kommenden ihre Geschichte erzählen und den Gästen anbieten, wenn sie wollen, sie auf ihrem Rücken in den Hof zu tragen.” Riannon nahm die Buße an, da sie auf den Rat der Weisen sich keinen Streit mit den Wärterinnen einlassen wollte. In einiger Zeit aber entriß Teyrnon dem bösen Geiste, der auch Tierbeburten stahl, das Kind Goldhaar, wie er es hieß, und da er die Ähnlichkeit mit seinem Vater erkannte, brachte er es an den Hof und die glückliche Mutter nannte das Kind nun Sorgenfrei, Kryderi.

Um Branwen, die Schwester des Königs Bendigeit Brans, warb der König von Twrddon und feierte in dessen Halle Hochzeit. Da ein Stiefbruder Brans dazu kam, ärgerte er sich, dass seine Schwester ohne seine Beistimmung vergeben sei, stürzte sich auf die Pferde des Freiers und seiner Begleiter und schändete sie, indem er ihnen Lippen, Ohren, Brauen und Schwanz abhieb. Den König zu versöhnen, bot Bran ihm Ersatz der Pferde, ferner silberne Ruten, so lang und so dick wie er selbst, eine goldene Platte, so breit als sein Gesicht, und da ihm dies nicht genügte, einen Zauberkessel, der Tote lebendig machte. Auch nachdem der König mit seiner Frau in sein Land nach Twerddon abgezogen, brachten die Besucher aus der Heimat immer noch Geschenke. Alles umsonst! Der Groll kochte fort und es bedurfte nur einer leichten Schürung der Verwandten, dass er ausbrach. Auf Drängen seiner Leute mußte er Branwen einsperren, zur Küchenarbeit verurteilen und brach jeden Verkehr mit ihrem Heimatland ab. Branwen erzog aber einen Staren und lehrte ihm Worte ihres Unglücks, schickte ihn in die Heimat, worauf alsbald ein Racheheer erschien, das sie befreite.

In den Honigmonaten, die der Verheiratung mit Enid folgten, verlor der edle Held Geraint alle Lust an Jagd und Kampf, so dass seine Genossen über ihn spotteten. Da jammerte eines Morgens Enid, als ihr Gemahl im Halbschlummer lag, dass er ihretwillen verliege. Eifersüchtig fuhr er sie hart an, zwang sie ärmliche Kleider anzuziehen und ihn auf Abenteuer schweigend zu begleiten. Im Waldesdickicht und in ärmlichen Kammern musste sie mit ihm schlafen, die erbeuteten Rosse hüten und wenn sie ihm etwas zu sagen wagte, schalt sie der Held hart. Längere Zeit dauerte dieses Leben, bis sich Geraint von der Treue seiner Frau überzeugt hatte.

Starb ein Mann unversehens, unerklärlich, so versammelten sich die nächsten Verwandten und unterwarfen die Frau wie die Knechte der Folter in der auch von den Römern geteilten Voraussetzung, das sie für das Leben des Herrn haftbar seien. In den Tod mit dem Herrn gingen mit Sklaven und Lieblingstieren auch Frauen und Freunde, wenn sie auch kein Zwang nötigte (288).

Unbedingt als die Frauen achteten die Kelten die Kinder und legten auf ihre Erziehung viel Gewicht (289). Innerhalb eines Stammes wurden die Kinder möglichst gemeinsam erzogen; die Kinder des Häuptlings kamen in die Familien der Untergebenen, in einem gewissen Alter aber alle zusammen an den Hof des Häuptlings (290). Solange die Kelten ihre Selbständigkeit genossen, legten sie das Hauptgewicht auf Kriegstüchtigkeit. Erst wenn die Söhne die Waffen zu führen verstanden, durften sie vor das Angesicht ihres Vaters treten (291). Ihre Pflegeeltern ehrten die Kinder gleich den wirklichen Eltern. Zwischen Milchbrüdern und Milchschwestern bestand fast kein Unterschied; eher haßte der Kelte seine wirklichen Verwandten, als seine Pfleglinge und Milchbrüder (292). Aufziehung, Erziehung und Unterricht, Eideshilfe und Kampfeshilfe, in der christlichen Kirche die Patenschaft, schuf wie die natürliche Geburt eine Art Verwandtschaft und begründete die heilige Pflicht zur Hilfe in der Not. Auf dem engen Familienzusammenhang, der sich bis ins vierte Geschlecht erstreckte, beruhte noch bis in die Neuzeit herein die soziale Ordnung, wie ein Bischof auf dem Konzil von Trient noch hervorhob (293).

(255) Das Wort basiare, der Familienkuß ist keltisch (Donat. ad Terent. eun. 3, 2, 3; Serv. ad. Verg. Aen. 1, 256.
(256) B. g. 5, 14; ähnlich Hier. ep. 69, 3 und adv. Jov. 2, 7 von den Skoten; Strabo 4, 5 von den Hibernern. Vgl. de Beka et Heda, De episcopis ULtraiect. 1643, S. 23.
(257) Esugenus, Camulogenus, Renogenus u. s. f.; der irische Held Lugaid hatte drei Väter, Bastard ist ein keltisches Wort; vgl. Zimmer, Zeitsch. f. Rechtsg. 1894, 209.
(258) Auffallend ist es, dass die römische meretrix als mertreich in Irische überging, wie puta ins Altnordische und Neiderdeutsche; bgl. Dareste Etudes d’histoire de droit in der Ztschr. f. G. 1891 V, 446. Die Brehongesetze bei Maine Early hist. 59.
(259) Cumhal (Sklavinnenpreis) set (Viehpreis) = pecunia; ein Mann galt = 7 Sklavinnen = 42 Rinder oder 21 Kühe. In Wales galt ein Unfreier 6 Kühe.
(260) Arist. Polit. 2, 9; Mor. Eud. 3, 1; Diod. 5, 32; Athen. 13, 7 (79); Euseb. praep. evang. 6, 10. spricht von öffentlichen Hochzeiten mit Jünglingen. Zum Gebrauch des basiare s. Petron. 21, 31, 60, 64, 69, 74, 85. Holder I, 945, 1731.
(261) Arbyvreu, id est animalia quae secum a parentibus adduxit; Leg. Wall. II, 20, 33; A. L. 797, 827.
(262) Viri quantas pecunias ab uxoribus dotis nomine acceperunt, tantas ex suis bonis, aestimatione facta, cum dotibus communicant. Huius omnis pecuniae conjunctim ratio habetur, fructusque servantur. Uter eorum vita superaverit, ad eum pars utriusque cum fructibus superiorum temporum pervenit; Caes. 6, 19 (Nouv. rev. de droit. 11, 244). Beim Toder der Frau fiel nach späterer Sitte ihr Beibringen an die Kinder und, wenn keine da waren, an ihre Verwandten. In Wales hieß das Beibringen der Fau Gwaddo, Agweddi, Argyvreu, das des Mannes Cowill. Amobyr war die Heiratsabgabe an den Häuptling, die vielleicht durch die Eltern der Braut bezahlt wurde, sie mochte dem deutschen ungenossamen Thaler entsprechen. Cowill und Agweddi mögen etwa bedeuten, was später die Morgengabe und Aussteuer.
(263) Jus primae noctis, das Anlaß gab zu verschiedenen Unsitten; s. Note 4 und Mela 1, 8; Herod. 4, 127; Justin 18, 5.
(264) D’Arbois Littérature 6, 304; 7, 230; 8, 121.
(265) Strabo 3, 4 mit Bezug auf die Iberer. In der Rev. celt. 1903, 427 wird der Einfluß des Vermögens zu stark betont.
(266) Freilich liegt die Sache nicht ganz klar, es handelt sich um die Auffassung der schwierigen Stelle Huius omnis pecuniae conjunctim ratio habetur fructusque servantur; Caes. 6, 19.
(267) Der erhielt die Schweine, die Frau die Schafe oder jener die Schafe, diese die Ziegen. Trinkgefäße erhielt der Mann, Milchgefäße die Frau, den oberen Mühlstein, den Kessel, das Pflugmesser erhielt der Mann, den untern Mühlstein, die Pfanne, die Pflugschar erhielt die Frau. Das geräucherte Fleisch bekam der Mann, das gesalzene die Frau. Von den Kinden blieben beim Mann zwei Dritteile, das älteste und jüngste; das mittlere kam an die Mutter u. s. f. Ancient laws. 38.
(268) Wir werden noch unten sehen, wie die Erbschaft, die Pflicht zur Blutrache und Wergeldzahlung zusammenhing; Ancient laws 40, 16; rev. hist. de droit 15, 305.
(269) Nec enim eorum quemquam adhibita uxore rixantem, multo fortiore et glauca, peregrinorum ferre potierit globus; Ammian 15, 12, 1. Solitum Britannis feminarum ductu bellare testatur, Tac. a. 14, 35. Neque enim sexum in imperiis discernumt Tac. Agr. 16; a. 12, 40. Ut ubi res perveniret in dubium, magis de feminea regum prosapia quam de masculina regem sibi eligerent; Beda h. e. 1, 1; Tac. h. 5, 25; Caes. 2, 16.
(270) Baodicca, Bodicca, Boudicca heißt selbst Kämpferin, Siegerin; die Wurzel ist bod, bodus z. B. Maroboduus; Tac. a. 14, 34; Dio 62, 2 ff.
(271) Justin 43, 3; Belloguet III, 391.
(272) So reizte Riannon als Reiterin in flüchtigen Erscheinungen Pwyll und wurde auch seine Frau. Ihr Freier Gwawl, der Ansprüche zu erheben hatte, mußte über sich und seine Genossen Schimpf ergehen lassen, indem sie als “Dachs im Sack” geklopt wurden, auf Veranlassung Riannons.
(273) Polyaen. 7, 50; Plutarch de murl. virt. 6 (10).
(274) Dio 76, 16; die Römerinnen, meinte sie, treiben es ebenso im Geheimen. Cartismandua, eine Königin in der Nähe es späteren York, hatte sich von ihrem Mann geschieden und einen anderen genommen. Ihr erster Mann erregte einen Aufstand, den sie mit Hilfe der Römer besiegte, Tac. an . 12, 36, 40; hist. 3, 45.
(275) Beda h. e. 1, 1. Allerdings läßt sich die Stelle auch analog den salischen Gesetzen (c. 62) erkären; Zimmer Zeitschrift für Rechtsgeschichte 1894 (15), 209.
(276) Im heutigen Frankreich kommt es noch vor, daß Männer kochen, während die Frau die Herrin spielt; Diod. 5, 32; Ammian 15, 12; vgl. meinen Aufsatz in der Kultur 1900 S. 362. Driesmans, das Keltentum in der europäischen Blutmischung; s. dazu Henck, Allg. Ztg. 1900 Beil. 91.
(277) D’Arbois Littérature 3, 233, 143; Irische Texte 3, 473.
(278) Leflocque Mythologie 195; an Stelle Oberons trat in christlicher Zeit der hl. Valentin.
(279) Misopogon; vgl. Spartian v. Nigri 6.
(280) Plut. mul. virt. 20, 22; 40, 43; Liv. 38, 19; Caes. 7, 47.
(281) Ces. 6, 19. Nach D’Arbois stellt der gallische Zustand der Unterwürfigkeit eine frühere Stufe, der britische Zustand der Selbständigkeit aber eine höhere Stufe dar. Die Entwicklung wäre ähnlich verlaufen wie in Rom, was aber sehr unglaublich ist (Rev. hist. de droit 15, 301).
(282) Caes. 2, 13, 16; 7, 28, 47.
(283) Nicht nur beim Mahle, sondern auch beim Waschen, der Bartschur, im Stalldienst s. die Geschichte von Owein und Geraint, D’Arbois 4, 22, 115; blg. Eus. praep. ev. 6, 10; Tac. h. 1, 63, 66; Dod. 5, 28.
(284) Gaius inst. 1, 55; Caes. 6, 18. Wir begegnen auch starken Zügen von Eifersucht. Am Rhein suchten die Väter durch eine Wasserprobe zu erkundigen, ob die Geburt ehelich oder unehelich sei, was man allerdings auf die Germanen bezog; Julian or. 1. ad Const. II; or. 2, 3; ep. ad. s. p. Ath.; Theophyl. Simoc. ep. 10, Anth. pal. 9, 125; Holder I, 948.
(285) So pflegte der Vater der Olwen auf die Freier vergiftete Lanzen zu werfen, bis Kulhuch und seine Begleiter den Spieß umdrehten und die Lanzen nach ihm warfen.
(286) Mab. a. s. 1, 135.
(287) Luzel, Chants I, 107, 117, 195, 203, 209.
(288) Für die alte Zeit ist es unrichtig, wenn Belloguet 3, 10 sagt, Frauen haben die Kelten nicht geopfert; vgl. Caes. 6, 19; 7, 47; Mela 3, 2; Das Totenopfer des Fiachra vergleicht D’Arbois mit dem des Patroklus Rev. arch. 1878 I, 344.
(289) Die heilige Brigitta stammte von einer Nebenfrau Dubtachs, die von ihm verjagt wurde (vita Brigittae Bill. Feb. I, 119) vgl. D’Arbois La famille homérique et la famille celtique, Rev. hist. de droit 22, 437; Litt. 6, 292. Wie tief das Christentum zuletzt einwirkte, beweist der Umstand, dass heute Irland am wenigsten uneheliche Geburten kennt; Steffen, Streifzüge durch Großbritannien S. 373; Krose, Einfluß der Religion Hist. pol. Blätter 123, 484; J. Müller D. sex. Leben der christlichen Kulturvölker (1905) 201.
(290) Jnnes Sketches of scottish Early hist. 1861 S. 366; Valroger, 523, 544.
(291) Liv. 10, 16; 38, 17; Caes. 6, 18.
(292) Solum alumnis et collactaneis si quid habent vel amoris vel fidei illud habent ... Fratres et propinquos persequuntur. Girald., t. Hib. 3, 23; Nutricii Wie ein Milchbruder dem andern zu einer reichen Frau verhilft s. Luzel I, 445.
(293) Montalembert, Mönche des Abendlandes 3, 187.

8) Das keltische Geschlechtshaus

Ihr reger Familiensinn trieb die Kelten zu engem Zusammenwohnen in großen Geschlechtshäusern; der Familiengeist verkörperte sich im eigenartig keltischen Haus, das auch Germanen übernahmen, obwohl sie der Familiensinn viel weniger beherrschte. Es war, wie gesagt, ein Schiffhaus, wie es einem Volke entspricht, das dem Ackerbau zuneigt, ein großer quadratischer Holzbau in einem Satteldach, das auf einem Gerüst von sechs geraden Stämmen ruhte. Von je zwei gegenüberstehenden Stämmen wurden die oberen Enden oder Äste in Spitzbogengestalt gegen einander gebogen und zusammengebunden und auf ihrer Kreuzung ruhte der Firstbaum. Die Stämme, Säulen, Gabeln (gavaels), Furken (frych) bildeten das Hauptschiff und ließen zu beiden Seiten Nebenschiffe unter den Überhängen des Daches frei. Der in der Mitte stehende Gabelbogen teilte die Nebenschiffe in vier Gavaels oder Abteilungen und jeder Gavael zerfiel in vier Randirs, Gwelys (294) oder Betten, jedes für eine Familie; das ganze Haus war also für sechszehn Familien bestimmt. Solches Zusammenwohnen findet sich auch bei anderen Völkern, wenn auch in dieser Regelmäßigkeit nur noch bei den Slaven (295). Denn es bot den Geschlechtsgenossen Schutz und Sicherheit, die Hauptsache unter den einfachen, rauhen Verhältnissen der Urzeit, was nicht genug betont werden kann. Mochte das Herrenhaus auch nur aus Holz bestehen und mochte auch nur ein Zaun um die Siedlung laufen, so mußte um so lebhafter die Wachsamkeit des Herrn und seiner Knechte sorgen.

In dem Haupthaus konnte an sich auch Vieh stehen, aber in größeren, reichen Häusern fand es seinen Platz in eigenen Räumen, im Viehhof (296), woran sich Scheuern, Rundhütten der alten nationalen Art für Knechte und andere Wirtschaftsräume anschlossen (297). Die Haus- und Familieneinteilung übertrug sich auf das zugehörige Weidevieh, auf das Weide- und Ackerland. Herde, Land und Haus entsprach sich genau; auf Land- und Hausrecht ruhte die Genossenstellung; der Mann mit gebrochenem Karren, der Hauslose, war auch landlos, rechtlos.

Zu jedem Hofe gehörte ein bestimmtes Gebiet, das nach der Ansiedelung und Einfriedung Zaunland, Townland hieß (298). Je stärker die Familien anwuchsen, desto mehr Land mußte dem Ackerbau zugeführt werden, wenn der ursprüngliche Umfang von etwa 480 Acres reichen sollte. Das Land mußte die Gesamtheit bebauen und noch später, als der Ackerbau blühte, erinnert das Runrigsystem daran, wo der Landbesitz von Zeit zu Zeit an die einzelnen Geschlechtsmitglieder gleichmäßig verteilt, verlost wurde; denn Runrig heißt wohl ursprünglich Teilungslos (299). Das Townland wurde für 16 Familien in 16 Hufen verteilt und zwar zunächst in 4 Viertel oder Quarter entsprechend den 4 Gavaels des Herrenhauses mit je 120 Acres, und jedes Viertel zerfiel in 4 Hufen oder Tates, entsprechend den 16 Randirs oder Lagern des Herrenhauses (300).
Jeder Familienvater erhielt eine Hufe mit 30 Morgen (301), ein sehr verbreitetes Hufenmaß, das in gewissen Sinn schon die Römer kannten, das aber im Norden nur für die notwendigsten Bedürfnisse reichte. Nach einer anderen Bestimmung mußten nur für Unfreie, die Taeogs, 30 Morgen reichen, wärhend Freigesasse viel mehr erhielten (302). Dazu kam der Genuß des Weidelandes in weitem Umfange.

Als Zubehör des Hauses geriet das Grundeigentum, richtig gesagt, die Nutzung an dem unbeweglichen Gemeineigentum in die Bewegung des Lebens hinein, unterlag den Wechselfällen der Wirtschaft und ließ die Vererbung zu. Das Haus vermittelte zwischen beweglicher und unbeweglicher Habe und übte, an sich zur Fahrhabe gehörig, auf das Grundeigentum Einfluß, wurde zum Träger des Vererbungsgedankens und entfaltete als fruchtbarer Keim das Erbrecht. Blieben nach dem Tode der Eltern die Kinder und ihre Familien im gleichen Hauses beisammen, so bedeutete das soviel als gemeinsame Nutzung des Landes, Zusammenarbeit, auch wenn die die Fahrhabe teilten; schieden sie aus und bezogen gesonderte Siedlungen, so mußten sie, wofern sie kein Neuland besetzten, das alte Land teilen und beobachteten hierbei verschiedene Regeln, pflegten Stammteilung und Kopfteilung und stuften die Anteile ab. Höher hinauf in die Urzeit reicht wohl die Kopfteilung, da sie eine ungeteilte Hausgemeinschaft voraussetzt, wo Söhne und Enkel beisammensaßen. Daher bestand in Irland bei den nächsten Nachkommen, bei der Geilsine, der Handfamilie (303) Kopfteilung, d. h. das Gut zerfiel in so viele Teile, als es Köpfe zählte. Entstanden Ungleichheiten im Grundbesitz, so suchte man immer wieder auszugleichen. Fehlten Nachkommen, so wurden die Vaters-, Großvaters- und Urgroßvatersparentel, die Deirbsine, leibliche Familie, die Jarsine, Nachfamilie, Innsine, Endfamilie berufen und zwar zusammen mit abgestuften Teilen (304). Die Teilung nach Sippen, Stämmen, Generationen, Parentelen entspricht mehr solchen Zuständen, wie sie bei den Germanen bestanden, wo die Hausgemeinschaft nicht allzu lange dauerte und sich Sonderfamilien bildeten (305). In Wales brachte ein Grad näher das Doppelte an Rechten, aber auch an Pflichten und zwar stand die Männerseite immer einen Grad näher als die Weiberseite (306). Viel hing bei der Erbteilung davon ab, wie viel die Erben an Ansehen und Macht in die Waagschale legen konnten (307).

Merkwürdigerweise erkannten die Kelten das Recht der Erstgeburt selten an (308), häufiger ein Recht des Letztgeborenen, die Maisneté, Quevaise, das namentlich dann eintrat, wenn die erstgeborenen Söhne schon bei Lebzeiten der Elteren versorgt waren. Von der Fahrhabe erhielt in Wales der jüngste Sohn den Kochkessel, die Holzaxt, das Pflugmesser, die Harfe und das Schachbrett, in Irland der älteste Sohn das Haus, das Bräufaß, Töpfe und Krüge (309) Dies war aber Ausnahme, in der Regel fiel die Herdstatt und der Hof dem jüngsten Sohne zu. Auch in der Bretagne war der jüngste Sohn bevorzugt (310). Die Hintansetzung des Erstgeborenen erklären manche Forscher aus unsittlichen Gebräuchen, die dessen Abstammung dem Zweifel aussetzten, aber wohl mit Unrecht. Viel eher spielten religiöse Gründe mit, die Besorgung des Ahnendienstes, der an dem Besitz der Herdstatt haftete (311). Zum Haus, zur Familie, zur Hausgenossenschaft rechneten die Kelten nicht bloß die Verwandten, sondern auch Knechte, Zugewanderte, Angenommene und unterschieden nicht zwischen Haus und Familie oder Sippe wie die Römer und Germanen; ja sie ließen die Familien zu Tribus, zu Hundertschaften anschwellen und erweiterten die noch durch die Gefolgschaft, Eideshilfe, Kampfhilfe (312). Aus der Familie wuchs die Markgenossenschaft, aus ihrer Nachbildung die Grundherrschaft heraus. Daher bezeichnet das irische Hi und Mac Stamm und Dorf (313).

(294) Randir erinnert an Rand, gwelys an gwal, Wall.
(295) Auch sonst saßen Brüder auf einer unteilbaren Hufe; Pöhlmann, Antiker Kommunismus 18. Selbst bei den Italikern müssen vereinzelt solche Gemeinschaften vorgekommen sein, denn noch haben sich Spuren erhalten (nach Jacinis Gesch. der Lombardei). 4, 5 Haushaltungen lebten zusammen unter einem reggitore, einer massarea und dem bifolco (Stallmeister). Deutlichere Spuren ergibt das germanische Mittelalter; Laverleye, La propriété 289.
(296) Viehhof buarth, Kornhof ydarth; Ancient laws of Wales 639, 51; Seebohm 126.
(297) Nach Mucke, Urgesch. 311 sind die Rundhütten, die Hirten voraussetzten, neben dem Schiffhaus der Ackerbauer ein Beweis dafür, daß sich die feindlichen Brüder, Hirten und Bauern vereinigten.
(298) Über die Umzäunung f. D’Arbois, Littérature 5, 34.
(299) Runrig oder rundale von roinn (Los)- ruith (Teil), roinn-diol (Teil) fortgesetzte Teilung, Los-Teilung; Laveleye l. c. 250, 289. Rig wird übrigens auch ridge (=erw) gleich gesetzt. Ein Randir begriff 16 Erws, große Erws. Die Größe dieser Erws bestimmt sich folgendermaßen: wenn ein Treiber eine Rute vom Maß eines langen Jochs von 8 Ochsen d. h. 16 (18) Fuß breit nach beiden Seiten ausstreckte, so war die Breite eines Acres gegeben; 30mal diese Breite ergab die Länge. Dieser Erw war also 960 x 32 d. h. 30726 Quadratfuß groß; d. h. ein Morgen. Der kleine Erw war zwei Ruten zu je 18 Fuß breit und 18 Ruten lang d. h. 11664 Quadratfuß, ein Drittelmorgen.
(300) Eine Hundertschaft gibt es bei den Römern und Germanen; bei den Römern besaßen sie 200 oder 240 Morgen Ackerland neben größerer Weide. Weit größer war die germanische Hundertschaft. Die Rechnung mit 240 Morgen bringt Seebohm, Engl. Dorfgemeinde in Zusammenhang mit dem gallischen Münzgewicht: ein Pfund Silber = 12 Unzen à 20 Pfennig oder Denar. Spuren der Clanverfassung bei den Galliern will man in den Vierteilungen erkennen, die bei gallischen Stämmen vorkamen, ähnlich wie bei den irischen; so zerfielen die Helvetier in 4 pagi; die Gallier in 4 Tetrarchien. Plin 4, 31; Strabo 12, 5; Meitzen Siedlung 1, 182, 205.
(301) Ein Yard of land ist heute noch gleich 30 acres in England, nach dem liber hymnorum erhielt jeder 9 ridges of bog (Sumpfland), 9 of smooth (Ackerland) und 9 of wood (Waldland).
(302) In einem Freitref, einer Freihufe sollen nämlich 4 Randir sein, 3 für die Freisassen (wie es scheint 3 oder 4 Freisassen) und einer für die Weide. In dem Unfreientref sollen 3 Randir sein; für 6 Unfreie 2 RAndir, der dritte für die Weide. Nun enthielt aber ein Randir hier 312 Erw oder Drittelsmorgen (zu etwa 12 Ar); Anc. L. 3774; Walter, Wales 130, 195.
(303) Familia sub manu.
(304) Skene 3, 183. Vgl. Leist Altar. jus civ. 1, 469.
(305) Hier gilt der Grundsatz tot gradus quot genera. Bei den Römern schlossen die näheren Grade die ferneren aus und es galt der Grundbesitz tot gradus quot generationes. Dagegen anerkannten auch die Griechen eine Repräsentation, beriefen Enkel mit Söhnen zur Erbschaft. Während bei den Russen mehr die Kopfteilung herrscht, pflegen die Südslaven Stammteilung.
(306) Daher mußte als Wergeld an die Speermagen das doppelte der Kunkelmagen bezahlt werden; Walter, Wales 139.
(307) In haereditate adeunda plus postst qui plus valet (Camden).
(308) In der Neuzeit unterschieden sich die Katholiken und Prostestanten in Irland darin, daß jene gleiche Erbteilung, diese Erstgeburtsrecht hatten, Meine early. hist 2006; Sullivan bei O’Curry I, 184.
(309) O’Curry I, 179; Elton Origins 203.
(310) Der Juveigneur, daher juveigneurie = quevaise.
(311) Die alten Ungarn hatten ähnliche Sitten; Elton 219; vgl. über Alraun Grimm Myth. 1154.
(312) Ancient laws 547, 1-9.
(313) Nicholson Kelt. res. 41.

9) Keltische Grundherrschaften

A. Gefolgschaften

Familienkommunismus und Feldgemeinschaft ist für einfache Verhältnisse wohltätig, er gewährt Ordnung, schließt die Leute notdürftig zusammen, verhindert Ungleichheit, Streit und Rechtlosigkeit. Aber er hemmt auch die individuelle Unternehmungslust, er opfert die Freiheit der Gleichheit. Freieren Männern werden diese Bande zu enge, sie wollen herrschen und besetzten immer mehr Land, das sie als festes Eigen ansprechen (314), unfreie Menschen aber geraten in immer stärkere Abhängigkeit und vermischen sich mit dem unfreien Urvolk (315) oder mit Knechten. Daher wachsen in und neben den Haus- und Feldgenossenschaften überall Herrschaften empor, dort mehr, hier weniger (316).

Jede Gemeinschaft bedarf der Führer, der Schützer, der Vorstände, der Häuptlinge. Dem Stärksten, Klügsten fällt so selbst hohes Ansehen, Reichtum und Macht zu und zwar um so mehr, je unsicherer die Zustände sind. In der Sage ringen die Helden und Häuptlinge fortwährend um den Vorrang, denn die Rangordnung drückte sich in allen Äußerlichkeiten aus, in verschiedener Gewandung, bei der Tafel in der Zuteilung der Speisen (317), bei den Fahrten in verschiedenen Wagen (318). Wer sich hintangesetzt fühlt glaubte, griff zum Schwert und das Blut floß mit dem Mete, und noch verschärft wurde der Kampf, wenn die Frauen eingriffen und um die Ehre ihrer Männer stritten. Je mehr Männer einer beim Mahle getötet hatte, desto mehr bildete er sich ein. Bei diesen Zweikämpfen ging es meist mehr als um das Heldenstück, nämlich um Hof und Land; wer sich überwunden geben mußte, der wich und so zogen mutige Helden abenteuerlustig aus, sich eine Häuptlingsstelle zu erfechten oder gestützt auf ihren Arm von mächtigen Königen als Gefolgsleute aufgenommen un mit Land ausgestattet zu werden (319). Manchmal erhob sich zwischen den Gliedern einer Familie ein heftiger Streit, den nicht die Wahl der Untergebenen, sondern der Zweikampf endigen mußte. So hören wir aus Spanien um 206 v. Chr., daß zwei Brudersöhne um die Herrschaft kämpften, Korbis, der Sohn des Erstgeborenen und früheren Herrschers, und Orsua, der Sohn des eben verstorbenen Königs, der denn auch im Kampfe unterlag (320). Gewöhnlich bestimmte eine Verbindung von Erblichkeit und freier Wahl, die sogenannte Tanistry, die Nachfolge in der Häuptlingswürde (321). Wer sich unter den Söhnen eines Häuptlings besonders hervortat, der konnte auf die Zustimmung und Wahl der Genossen rechnen.

Freie Hingabe ergänzte die Ordnung, eine freie Unterordnung war notwendig, um Ordnung, um Frieden überhaupt anzubahnen. So entstanden Männerbünde, Friedensbünde, Herairien, wie sie die Griechen nannten, die aber leicht zur Dienstmannen, Klienten, Ambakten, Soldurien (eigentümlich keltische Worte, irische Ceile). Nach dem Vorbild der Familie eingerichtet, ließen diese Bünde gerne den Herrn als Vater, die Gefolgsleute als Söhne erscheinen (322). Solche künstlichen Familien, Sippen, die dem Einzelnen Recht und Schutz, Hilfe und Rache, Lohn und Gewinn gewährten, konnten sich innerhalb eines bestimmten Gebietes viele bilden, oft mochten ihre Gebiete ineinandergreifen. Es war in gewisser Hinsicht ein vollständig freies Verhältnis trotz des Zwanges, den die ausüben (323). Daher hören wir von alten Schriftstellern viel von Wahl, von freien Anschluß neben Äußerungen des Druckes und des Zwanges (324).

Das gemeine Volk, sagt Cäsar, sieht man als Knechte an, es kann nichts unternehmen, wird zu keiner Beratung zugezogen. Offenbar war die Knechtung stärker als bei den Germanen (325). Die meisten aus seiner Mitte, fährt Cäsar fort, von Schulden, übergroßen Abgaben, oder durch die Mächtigeren bedrängt, ergeben sich in die Dienstbarkeit des Adels, der gegen sie die nämlichen Rechte hat, wie der Herr gegen die Sklaven. Je vornehmer und mächtiger einer ist, desto mehr Dienstleute und Schutzbefohlene, Klienten hat er um sich, bis zu zehntausend; umgaben doch auch manche Frau Scharen von Dienerinnen, oft fünfzig, wie die Sage berichtet.

Unter den Dienern standen obenan die Mitkämpfer, Schild- und Schwertträger, sodann auch Sänger, Barden und Priester. Überall hin begleiteten sie den Herrn, im Kampf, Krieg und Tod, - den Herrn zu überleben schändete sie (326) -, sie gingen mit zu Gesandtschaften und Mahlen, weshalb sie auch die Herumgetriebenen, Ambakten, genannt wurden (327). Bei den Mahlen standen die Schildträger hinter ihrem Herrn, die Speerträger saßen gegenüber (328) und ein Fußträger lag wohl zu Boden und wärmte die Füße des Herrn in seinem Schoße; manchmal leistete ein Mädchen diesen Dienst. Der Fußwärmer aß aus dem nämlichen Teller wie der Herr und in reicher Kuhspende bestand sein Lohn (329). Nicht minderer Ehre genoß der Wagenlenker des Helden, der für die Ehre seines Herrn einstand. Bei allen Gelegenheiten, so bei Hochzeiten, mußten die Helden reichliche Gaben spenden, namentlich Rinder und Rosse.

Die Barden sangen sein Lob wie das Lob der Gäste und Wirte; Ruhmgier bildete ja eine tiefe Schwäche der Kelten und durch Bardengesang erreichten die Gesandten leicht ihr Ziel. Daher wimmelte es von Barden und viele mußten zum Bettelstab greifen (330). Einen mächtigen Helden schildert der Gesang als kühnen Eber, fleischfressenden Raben, als Schilddogge, fressendes Feuer, Günstling der Frauen; sein Leib ist rot oder schwarz von Blut, seine Haut gefurcht von Narben; er bringt Friede den Burgen, schützt edel den Leibeigenen, siegt über böse Geister; niemand gleicht dem Löwen des Tales.

Auf der Gefolgschar beruhte die Macht eines Häuptlings; nur diese Macht, dieses Ansehen, sagt Caesar, kennen sie, und eine große Gefolgschaft hob natürlich den mächtigen Herrn hinaus über alle staatlichen Zusammenhänge; auf sie gestützt, konnte er Volksansprüche und Volksrechte verachten, dem König sich widersetzen (331). Das Parteiwesen vereitelte jeden umfassenden Zusammenschluß, eine eigentliche Staatsbildung ud eine monarchische Zusammenfassung des Volksganzes. Dies zog ähnliche Folgen nach sich, wie die Zersplitterung des Mittelalters: Friede und Wergeld mußte die Rechtsordnung ersetzen und die Masse des Volkes fronte dem Adel (332).

B. Hörigkeit

Mit der öffentlichen rechtlichen Stellung der Häuptlinge verband sich die privatrechtliche, da öffentliches und privates Recht sich nicht unterschied. Die politische Abhängigkeit hatte zur Folge und Voraussetzung eine ökonomische. Die Geschlechtshäuptlinge leiteten die Wirtschaft, den Weidebetrieb, verteilten das Vieh und wiesen das Land an (333).

Die häufigen Geschlechtsfehden vermehrten noch die Macht der Häuptlinge, indem sie ihnen reichte Beute brachten und die Fehde manchen Mann friedlos machte (334). Der landlose, hauslose Mann, der Fuidhir, der Mann bmit gebrochenem Karren war auch rechtlos (335); nur drei Tage durfte er zur Not irgendwo bleiben, dann aber mußte er, wollte er Verdacht vermeiden, entweder weiterziehen oder sich einem Mächtigen ergeben, dem König oder einem Herrn Treue schwören und in dessen Muntschaft Ersatz suchen für die Familienmunt (336). Je nach seiner früheren Stellung und andern Umständen nahm der Zugewanderte einen höheren oder niederen Rang ein; daher schillert noch im Mittelalter der Begriff hospes sehr stark.

Im Allgemeinen mußten bei den irischen Kelten die Fuidhirs die unterste Stufe einnehmen unter den Sencleiths, Kötern, Botachs, bordarii, cotarii (von cote, both Hütte). In diesen Klassen unterschied man wieder zwischen Saers, Freien, die freiwillig in ihr Verhältnis eintraten und weniger zu leisten hatten, als die Daers, die Unfreien (337). Die freiwillig eingetretenden Fremden hießen Saer Fuidhirs, unfreie gefangene Knechte Daer Fuidhirs, die Saer Botachs waren bessere, die Daer Baotachs geringere Köter, die Saer Botachs waren bessere, die Daer Botachs geringere Köter, die Saer Ceile freie Vasallen, die Daer Ceile unfreie Ministerialen, jene freeholders, diese copyholders.

Den Unterschied zwischen Freien und Unfreien hob die öffentliche Schätzung, das Wergeld, und die Sitte z. B. die Kleiderordnung scharf hervor (338): für einen Unfreien bezahlte man in Wales gar kein Wergeld, sondern nur den Sachwert, 6 Kühe oder 360 Pfennige, wenn man ihn erschlagen hatte. Zehnmal mehr, 60 Kühe oder ein Schock, galt der Gemeinfreie, 120 der Edelmann, 180 der Häuptling (339). Indessen ermäßigte die Kluft zwischen Freien und Unfreien der Umstand, dass der Adel keinen geschlossenen Stand im späteren Sinne bildete und dass der Adelige seinen Hörigen näher stand als dem Häuptling eines anderen Stammes. Erst mit dem Wachstum der Kultur erweiterte sich die Kluft. Zur Not mußten auch Vornehme den Pflug in die Hand nehmen oder durch ihrer Hände Werk ihren Unterhalt gewinnen; so treten heruntergekomme und vertriebene Edlelleute in der Sage als Sattler, Schuster, Schmiede auf und erregen durch ihre Kunstfertigkeit den Neid ihrer Zunftgenossen (340).

Die ältesten Zustände ließen zwar der Willkür mehr Raum, aber erst höhere Kultur gestattete eine starke Ausnützung. Daher ließ der Ackerbau, der an sich die Gleichheit begünstigte, den Druck stärker anwachsen, wie wir das schon bei Cäsar merken, der nach römischen Begriffen von einer großen Verschuldung spricht (341). Die Häuptlinge und Adelige verwandelten sich in Grundherrrn, die Abgaben der Geschlechtsgenossen in Pachtgelder, kurz das Patriarchalverhältnis in ein drückendes Feudalverhältnis, nachdem sich Verwandtschaft und Beziehungen längst verwischt hatte (342).

Daher nannten die Schotten die Grafen große Maier (343) Mit Rücksicht auf diese Machtsteigerung der Grundherrn und Häuptlinge konnte Hieronymus wohl Britannien als fruchtbare Erde für Tyrannen bezeichnen (344).

C. Genossenschaften

Die Zaunländer der Markgenossenschaften, die Townlands, Townships verwandelten sich in Fronhöfe. Nicht als ob alle Spuren einer Genossenschaft verschwunden wären; in der Regel dauerten sie auch unter der Feudalhoheit und Grundherrlichkeit fort; ja es bildeten sich oft unter Hörigen erst Genossenschaften (345) und daneben erhielten sich freie Genossenschaften in größeren Kreisen, Tuaths, mit eigenartigen Versammlungen (346). Daher begegnet uns die Feldgemeinschaft noch tief im Mittelalter und in einzelnen Spuren noch in der Neuzeit, so im Runrigsystem. Hier unterlag der einzelne Ackerstreifen rig oder ridge gleich einem acre, einem erw, einem fortlaufendem Besitzwechsel, einem run, und die Stücke wurden entweder verlost oder nach der Leistung bemessen. In Irland unterschied man ein Klasse solcher, die nur den vierten Teil einer Pflugeinrichtung, also einen Ochsen, einen Stachel, einen Zaum lieferten, ferner solche, die einen ganzen Pflug stellten und bemaß darnach die Größe der Wohnung, des Landes und die Abgabe. Nach einem Gesetz bekam der Pflüger einen Acker, wer das Eisen stellte, der Schmied einen zweiten, der Treiber und wer einen Ochsen stellte, je einen Acker. Je 12 taten sich auf eine solche Weise zusammen zur Bestellung von 12 erws oder acres (347), was sich daraus erklärt, dass das Beackern von jeher große Gespanne erforderte (348). Das Bejäten, Eggen, Reuten besorgten die Einzelnen.

Zu einer vollständigen Niederlassung, einem Tref rechnete man in Wales neun Gebäude, einen Pflug, einen Ofen, ein Butterfaß, eine Katze, einen Hahn, einen Stier, einen Hirten, einen Schmied (349). Zwei öffentliche Wege mußten es kreuzweise durchziehen, von jeder Wohnung mußte ein Fußsteig zur Kirche, eine zweiter zum Brunnen und ein Viehweg, sieben Fuß breit, zur Gemeindeweide führen. Dem Wächter, der mit dem Horn die Leute zur Versammlung entbot, standen alle Wege offen. Bei grundherrlichen Dörfern waltete der Maier über den Wirtschaftsbetrieb, während Pfleger, Kanzler, Stewarts, Reeves, die rechtlichen Beziehungen regelten (350).

(314) Ein Maier hatte Anspruch auf ein ganzes Tref, ebenso der Schultheiß (Kanzler) und auf noch mehr der Adelige; A. L. 91. Das Office- oder Mensalland, das erbliche Deis, Orba (später, auch Termon- oder Kirchenland) war festes Eigen; Skene, Celtic Scotland III, 148, 282.
(315) Viel Gewicht auf ein solches Urvolk legt Valroger 113.
(316) Vgl. über Indien Dahlmann, das altindische Volkstum 85; hier wird die Bedeutung der Markgenossenschaft etwas unterschätzt.
(317) Das beste Stück, den Schenkelknochen, den Hirschkopf, erhielt der tapferste Krieger, Athen. 4, 13; Diod. 5, 28; vgl. die Geschichte von Geraint und das Festmahl des Bricriu.
(318) Esseda festinant, pilenta, petorrita, naves, Horat. ep. 2, 1, 192. Dau Porfyrion: Esseda sunt Gallroum vehicula, quibus tamquam victi reges vehuntur; pilenta, quibus regina capta; petorrita quibus familiae regum. - Castae ducebant sacra per urbem pilentis matres in mollibus, Verg. Aen. 8, 665; dazu Servius: Pilenta sunt vehicula, scut nunc basternas videmus. Erant autem tunc venti coloris, non ut nunc sunt, russati, quibus nisi castae non utebantur.
(319) Irische Texte 4 a, 231
(320) Liv. 28, 21.
(321) Wohl zu unterscheiden von der Erstgeburt; der Häuptling hieß Toisech (Toschach), Flaith, Chief, Captain; der jeweilige Nachfolger hieß Tanaist.
(322) Caes. 3, 22; 6, 19; Polyb. 2, 17; Holder II, 1601.
(323) Daher berührt sich Freund und frei in der keltischen wie germanischen Sprache.
(324) Caes. 5, 27; 7, 32; 6, 13; Belloguet 3, 404 faßt einseitig das freie Moment ins Auge und will damit die Tatsache des Zwanges beseitigen, die Zusammenhänge zwischen beiden waren ihm nicht klar.
(325) Valriger 112.
(326) Polyb. 2, 17; Diod. 5, 29; Nefas esse ducebant proelio superesse, cum is occidisset, pro cuius salute spirutum devoverant; Val. Max 2, 6, 12. Lingua Gallorum barones vel varonse dicutur servi militum, qui utique strultissimi sunt, servi scilicet stultorum; Schol. in Pres. 5, 138.
(327) Caes. 6, 15. Später soviel wie servi coloni; Holder I, 114. Das Wort ambactus wird verschieden erklärt, entweder als ein keltisches Knecht oder ein deutsches Ambaht, Amt; Ebenso wird solduri (Caes. 3, 22) als keltisch bezeichnet von Hirschfeld (Verl. Akademieb. 1896) als germanisch von Grimm G. d. d. Sprache I, 395.
(328) Als die Römer das Gefolgswesen übernahmen, standen unter den bucellarii die Dornphoren über den Hypaspisten; vgl. Athen. 4, 13 (12); 6; 5 (49).
(329) D’Arbois Littérature 3, 119.
(330) Athen. 6, 5.
(331) Caes. 1, 4 per eos ne causam diceret se eriquit. Von den Adeligen sagt Giraldus Qui et dominis rebelles esse solebnt dominumque ferre detrectabant, Camb. desc. 1, 8.
(332) Fustel La Gaule 34.
(333) Auf die Viehverteilung führt noch später das Recht die feudale Abhängigkeit zurück im kleinen und großen. Nach den Brehon laws (abgefaßt nicht vor dem 9. Jahrhundert) teilten in Irland die Stammeshäupter an die einzelnen Häuser, zunächst an die verwandten, dann an die entfernteren, das Vieh. Wer ein solches empfing, der mußte 7 Jahre hindurch dem Geber ein Drittel des Ertrags, ferner Milch und Dünger liefern, und Dienste und Arbeiten leisten. Nach 7 Jahren hörten die aus dem Empfang der Kühe entsprungenen Verpflichtungen auf und das Vieh wurde das Eigentum derjenigen Hausgemeinschaften innerhalb des Stammes, die es empfangen hatten. Die Schuld amortisierte sich also, was sonst nicht die Regel ist. Noch in der spätrömischen Zeit betrugen die Naturalzinse 50 Prozent (hemiolon); ursprünglich betrugen sie wohl 100 Prozent ohne Amortisation. Daher ist die Schuldknechtschaft der unteren Stände in Rom wie in Athen begreiflich (Maine Ancient law 169). Nach der Zahl des empfangenen Viehes richtete sich auch da geteilte Ackerland, im Grunde genommen, also nach der näheren Verwandtschaft mit den Stammeshäuptern (secundum dignationem, selon son antiquity, sagt ein Berichterstatter). Aus der Vieh- und Landverteilung an weniger vornehme und ärmere Volksgenossen ergab sich natürlich eine Abhängigkeit, eine Art Hörigkeit. Nach späteren Quellen hätten die Clanhäuptlinge selbst wieder Vieh von den Provinzialkönigen und diese von dem Oberkönig erhalten (S. Jaffé, Bodenrecht und Bodenverteilung in Schmollers Jahrbuch 1893 S. 1035). Das Vieh ist Wertmesser und entscheidendes Eigentum. Laverleye, La propriété et ses formes primitives 1891, S. 418 (c.27); Maine E. h. 159. Bei städtischen Gemeinwesen beanspruchten die Vornehmen die Verfügung über die Gemeingüter, wie die Patricer in Rom und verlangten für die Landleihe hohe Abgaben, Lavisse-Bloch 1, 68.
(334) Spend me (brandschatze mich) and defend me, sagte der kleine Mann. Selbst seinen Anspruch auf ein Wergeld hatten die Fuidhirs, O’Curry, Manners I, 117. Man versteht was das heißt, wenn man bedenkt, daß ohnehin sich nur Schwächere zum Wergeld verstehen.
(335) Alltuds in Wales: hier machte die germanischen Eroberung viel Flüchtlinge (advenae, exules).
(336) Ancient laws 560, 585, 26; Walter 160.
(337) Diesen oblag die Hofespflicht, Fronpflicht, dem Saer mehr öffentlich rechtliche Dienste. Von O’Curry wird der Unterschied zwischen Saer und Daer wirtschaftlich gefaßt, der Saer empfing nur Grund und Boden, der Daer auch Vieh, daher war er zu stärkeren Leistungen verpflichtet. Wieder andere meinen, die Saer haben bei Vieh- und Geldübernahme keine Bürgschaft leisten müssen, wohl aber der Daer. Der Saer konnte das Verhältnis lösen durch einfache Rückgabe des Empfangenen, der Daer mußte das Doppelte zurückgeben. Skene, Scotland 3, 171; Montgomery, Hist. of the Landtenure in Irland 18; O’Curry Manners I, 114; vgl. Wildner Carl, Crofters and Cottars 19. In Wales hießen die Knechte Taeogs, höher standen die Bonneddigs, die Freien hießen Uchelwr, Gwrdr, Breyr. In der Bretagne ist das precarium als domaine congeable üblich; alte Bezeichnungen sind motte, quevaise, querals, Valroger 389.
(338) O’Curry 3, 87.
(339) Das Wergeld manchen Abtes war 66 Kühe, zwischen je zwei Kühen ein Schaf und ein Schwein und aus dem Geschlechte eines zum Steinhauen und eine Frau zur Wäscherin. Ancient laws 544, 3.
(340) So in der Geschichte Manawyddans.
(341) B. g. 1, 4.
(342) Die Spuren eine jus primae noctis sind bei den Kelten ziemlich deutlich; Sol. 22; Zimmer in Kuhns Zeitschrift 27, 482; 28, 626; D’Arbois de Jubainville Cours de littérature celtique V, 7, 49, 127; VI, 320; Rev. d. quest. hist. I, 95; s. dagegen Innes scotch legal antiquities 1872, 51 über merket, mercheta (maritagium) marquette; s. Grupen de uxore theodisca 8, 35; Blachstone 2, 83. Darnach entstand die Sage aus der Muntschaft der Häuptlinge über vaterlose Mädchen. Jedenfalls bestanden auf britischem Boden Heiratsabgaben unter dem Titel des jus primae noctis in sehr weitem Umfang (Karl Schmidt des j. p. n. 69 ff.) Bemerkenswert sind auch Erscheinungen, wie sie z. B. das Lied vom Herrn von Penanstank bei Luzel I, 429 widerspiegelt.
(343) Maormar, Toschach (= Thane), Skene 3, 281.
(344) Fertilis provincia tyrannorum, Ep. 133.
(345) Die Runrigs partnership-tenures bildeten sich meist auf grundherrlichem Boden Macculoch, Statist. Account of the British emp. 1837 I 523. Jaffé versetzt Feldgemeinschaften erst in spätere Zeit. Nach ihm waren solche Genossenschaften (partnerships) durch Pachtung großer Farmen, durch eine größere Zahl kleinerer Leute entstanden; Meitzen versetzt sie in die Vorzeit.
(346) Der Mithal Flatha vereinigte die Dienstleute des Flath, Mithal Tuatha die Freimänner eines Tuath (Hundertschaft, Gau), Mathluagh, Tocomrach, Dal die Leute eines Fine, Clans.
(347) Zu einem cyvar, Ancient laws 388, 440, 354. The first erw (Morgen) belongs to the ploughman; the second to the irons, the third to the exterior sod ox, the forth to the exterior sward ox, lest the yoke should be broken; and the fifth to the driver; and so the erws are appropriated, from best to best, to the oxen, thence onward, unless the yoke be stopped between them, unto the last; and after that the plough erw, which is called the plough-bote cyvar; and that once in the year (A. L. 153). Every one is to bring his requistites to the ploughing, wheather ox, or irons, or other things pertaining to him; and after everything ist brought to them, the ploughman and the driver are to keep the whole safely, and use them as they would their own. A. L. 154; Seebohm 312; Walter, Wales 323.
(348) Zum kleinen kurzen Joch waren zwei Ochsen nötig; man rechnet edazu einen Streifen von 4 Fuß Breite; 8 Fuß Breite rechnete man auf 4 Ochsen, 12 Fuß auf 6, 16 Fuß auf 8 ein langes Joch. Letzteres ergab das große Erw.
(349) Nach einem alten Sprüchwort gehörte ein Gesanglehrer, ein Buch und ein Schmied zu jeder Gemeinde, nach einem anderen gehörte Buch, Harfe, Schwert zu jedem Hause.
(350) In Wales canghellawr und maer; schottisch heit der Maier maor.

10) Größere Verbände der Kelten

A. Königtum

Wie alle Völker hatten auch die Kelten innerhalb ihrer Gaue gewisse Vororte, Rückzugsburgen, wo sich die Häuptlinge und Freien versammelten, Götter verehrten und Waren tauschten, und daraus entstanden Städte, die den Namen des Gauvolkes erhielten. Solche Städte entwickelten sich dank dem Gewerbefleiß und Hadelsgeist der Kelten rasch, rascher als bei Germanen und Slaven. Zunächst übten auch in der Stadt die Grundherrn den Haupteinfluß, um so mehr, als die Stadt in erster Linie zum Versammlungsort der Häuptlinge, der Freien, zur Tingstätte diente und der Handwerker hofhörig war. Zwischen den Stadtobersten und Gauobersten, beide Prinzipes oder Häuptlinge genannt, bestand sowenig ein Unterschied als zwischen dem Gausenat und dem Stadtsenat (351). Mochten aber in diesen Orten die Häuptlinge auch immer noch die Hauptmacht ausübten, so konnten sie ihre Macht doch nicht in gleicher Weise geltend machen wie auf dem Lande, und es entstanden demokratische Strömungen und Parteiungen, die sich um Adelige scharten. Partei stand gegen Partei im Kleinen und Großen und der demokratischen Strömung begegnete die monarchische, richtiger gesagt tyrannische. Denn einer einheitlichen Zusammenfassung widerstrebten die beweglichen Kelten, und so konnte sich kein Staat bilden. Unter allen Völkern fehlte den Kelten am meisten der Staatssinn, sie konnten wohl Staaten zerstören, aber keine aufbauen.

Zwar tauchten auch bei den Kelten Führer, Volksführer, Hegemonen, Könige immer wieder auf, unter patriarchalischen Verhältnissen wie unter kriegerischen, und fehlte das väterliche Königtum, das an der Schwelle der Geschichte Athens und Roms steht, den Kelten sowenig als das Militärkönigtum (352). Bei ihren Eroberungen, Wanderungen führten Könige, Rige, Brenne oder Bergobrete genannt (353), die Gallier an. Aber ein König fand nur sehr widerwilligen Gehorsam; nur als Wahlkönig, Gewaltherrscher, Soldatenkönig, gestützt auf eine großes Gefolge, konnte er sich halten. Nicht ohne Grund hieß ein König Orgetorix, König der Totschläger. Selbst mit gewaltsamen Mitteln nach der Krone zu streben, galt als ein Verbrechen, das nur der Feuertod zu sühnen vermöge (354), und wenn ein König nötig war, wählte man ihn nur auf kurze Zeit, etwa auf ein Jahr (355). Entweder setzte man einen Herrscher dem Herrscher entgegen oder stellte dem Volkskönig, wie bei den Briten den Gaukönigen, einen Nachfolger als Stellvertreter Tanist zur Seite, der alle Handlungen des Königs überwachte und dessen Tätigkeit lähmte, in Wales noch neben Häuptling und Stellvertreter den Rächer, der Unrecht verfolgte (356). Manchmal kamen zwei Könige überein, gemeinsam die Herrschaft zu führen, im selben Palaste zu hausen, ähnlich wie etwa in geschichtlicher Zeit Theoderich oder Odovaker, Ludwig der Baier und Friedrich der Schöne beisammensaßen; oder Brüder, eheliche und uneheliche, teilten die Herrschaft.

Pwyll der Herr von Dywed stieß auf der Jagd auf den König Arawn und dieser bot ihm Freundschaft und seine Frau an, wenn er ihm helfe, ein strittiges Gebiet zu erobern. In seine Kleider gehüllt, in seine Gestalt verwandelt möge Pwyll sich seinem Feinde zum Zweikampf stellen und ein Jahr lang Herr sein in seinem Hause, Pwyll ging darauf ein, schlug den Gegner, verzichtete aber auf die Liebe der Frau, was den heimkehrenden Arawn zur größten Freundschaft bewog, so dass er ihn an der Regierung teilnehmen ließ.

Der gesamte Adel wollte mitsprechen und nicht nur der Adel, sondern auch die Druiden ließen einen König nicht zu mächtig werden (357). Die gallischen Könige, sagt ein Alter, waren auf ihren goldenen Stühlen, umgeben von dem Glanze des Königstums, doch nur untergebene Diener ihrer Priester: ohne deren Willen durften sie dem Volke keinen Gegenstand zur Beratung vorlegen (358). Wohl unter dem Einfluß der Druiden, die eine geschlossene Macht in der Zersplitterung des Volkes bildeten und als Wahrer der Überlieferung über die Gesetze wachten, traten allgemeine Landtage zusammen, wo die Vertreter von verschiedenen Städten und Territorien zusammenkamen (359). An der Loire, sagt ein römischer Dichter, reden Bauern und fällen Urteile (360). Um sich zu erhalten, durften die Könige an Gaben und Ehren nicht sparen. Bei den Briten, berichtet ein Römer etwas übertreibend, darf en König nichts sein eigen nennen, nicht einmal eine Frau, und alles teilt Volk und König mit einander (361). Nach einer irischen Sage erheben die Dienstmannen, die Fenier, des Königs Cairbe einen eigentümlichen Anspruch auf seine Tochter.

Freigebigkeit gegen seine Gefolgsleute gegen Barden und Druiden, glanzvolles Auftreten gehörte zu den wesentlichen Erfordernissen eines Herrn. So vernehmen wir von einem König der Arverner, er habe sich auf einem Wagen durch das Land führen lassen und, um die Volksgunst zu erwerben, Gold und Silber an Tausende von Kelten ausgeteilt, die sich an ihn drängten. Ein Dichter, der ihm begegnete, sang ein Loblied auf ihn und da ihm der König ein Goldsäckchen zuwarf pries ihn der Dichter: “Die Furchen, die die Räder deines Wagens ziehen, lassen Gold und Gaben für die Menschen ausprossen”. (362) Wenn der rechte König auf dem Throne sitzt, dann sind nach der irischen Sage die Jahrzeiten mild, die Kühe geben Milch in Überfluß, die Erde ist voller Früchte, die Flüsse voll Fischen und die Bäume brechen unter der Last ihres Ertrages. Unter einem Tyrannen aber gedeiht nichts, die Erde bleibt fruchtlos.

B. Strafrecht

So erkannten die Kelten die Wohltaten größerer Verbände, einer starken Einheit wohl, obwohl sie allem Zwang widerstrebten, und riefen Friedensordnungen ins Leben. Zwar überwog die Selbsthilfe, die Pfändung, die in verschiedener Form auf alle möglichen Fälle des Lebens Anwendung fand und in das Gesetzesrecht hineinreichte (363). Vergehen und Verbrechen machten die Beteiligten und ihre Familien unter sich aus, und wenn ein Verbrecher für Tötungen, wie für Verwundungen ein Buße zahlen mußte (364), trat das Geschlecht für den Täter ein. In demselben Grade und Maße, wie das Erbrecht die Verwandten berief, regelte sich in Wales die Verpflichtung zur Beisteuer am Wergeld; je entfernter einer verwandt war, desto geringer war seine Verpflichtung. Wenn ein Übeltäter seine Verwandten nicht kannte, so durfte er jeden Begegnenden schwören lassen, dass er nicht mit ihm verwandt sei; wer sich weigerte, mußte ihm einen Speerpfennig geben. Allein daneben schritt die Gesamtheit gegen Verbrechen ein, die nicht bloß die Beteiligten erregten, gemeine Verbrechen, wenn man so sagen will, so gegen Unzucht, Feigheit, Gottlosigkeit und, was den Kelten besonders eigentümlich ist, gegen Diebstahl, während bei den Germanen wie bei den Römern der Diebstahl der Privatabmachung überlassen blieb. Außerdem galt als todeswürdige Verbrechen das Töten eines Fremden, das Nichterscheinen auf dem Kampffelde, das Streben nach der Königskrone. Infolge davon häuften sich die Todesstrafen, die außer mit dem Messer oder dem Schwert, durch Feuer, durch Pfeilwürfe, am Pfahl oder Kreuze vollzogen werden konnten und zwar gewöhnlich von den Druiden an Götterfesten, indem das Leben des Verbrechers als Sühne der beleidigten Gottheit zum Opfer fiel (365). Zur Ermittlung der Verbrecher dienten Gottesurteile, wie bei anderen indogermanischen Völkern, außer dem Eide und der Eideshilfe namentlich der Zweikampf, für den die Kelten überhaupt eine große Leidenschaft besaßen; entschieden doch selbst Bewerber um die Häuptlings- oder Königswürde ihren Streit durch Zweikampf (366). Vielleicht dienten auch Wasser- und Feuerproben dazu, die freilich erst spätere Quellen bezeugen (367). Die Sage kennt noch verschiedene andere Gottesurteile, Ringe, die den falschen Mann stechen, Becher, die in seiner Hand springen, Lossteine u. a. Halb ein Gottesurteil, halb einen Rechtsgang gleich dem germanischen Einlager stellte die Sitte dar, den Gegner, zumal einen reichen Schuldner, durch langes Fasten, Stehen vor seinem Hause, zum Nachgeben zu zwingen (368).

(351) Da er alle Freie umfaßte, erklärt es sich, dass die Nervier 600 Senatoren zählen. Caes. 2, 28.
(352) Manchmal erscheinen in Sagen die keltischen Könige, wie die homerischen Volkshelden mit gottgleicher Macht; Rhys Br. 65.
(353) Rige, kommen nur in Zusammensetzungen vor, wie Vercingetorix, Biturix (andere s. bei Holder 2, 1198) Rigodunum, Königsburg, Rigomagus, Königsfeld. - Brenne sind bezeugt 388 und 278 v. Chr. Liv. 5, 38; 38, 16. In Wales hieß der Herrscher Brenin, Valroger 435. Bei den Äduern gab es zwei Bergobrete den römischen Konsuln vergleichbar, Mowat rev. celt. 5, 121; C. J. L. 13, 1048 (140); Caes. 7, 32; 1, 16.
(354) Caes. 7, 4.
(355) Caes. 7, 33.
(356) Man kennt die Thronfolgerpolitik: die Thronfolger vertreten in der Regel die entgegengesetzte Richtung des Herrschers und sie können damit schon manches Unheil anrichten. Man kann sich leicht denken, welche Unordnung entstehen muß, wenn solche Thronfolgerpolitik zu einer realen Macht wird.
(357) Dio Chrys. or. 49; Thierry, hist. des Gaulois 2. 127.
(358) Man denke an die irischen Brehongesetze.
(359) Cäsar selbst berief die Vertreter der verschiedenen Städte und Völkerschaften nach dem Muster der Provinzialversammlungen, die die Statthalter in den Provinzen um sich versammelten, um ihnen die Kriegsbeiträge an Menschen, Pferden und Lebensmitteln aufzulegen, Fustel Gaule romaine 5. Nach Fustel, Guiraud gab es früher überhaupt keine Nationalversammlungen, nach anderen (Paget, d’Arbois, Viollet, Valroger) wären sie eine regelmäßige Einrichtung schon vorher gewesen. Auch Carette, Assemblées provinciales 12 neigt dieser letzteren Anschauung zu. Erinnert mag werden an das drunementum der Galater (Strabo 12, 5); nemetum = heiliger Ort und dru erinnert an Druiden.
(360) Querolus 2, 1.
(361) Sol. 22. Als sagenhaft behandelt Elton diesen Bericht (87).
(362) Posidonius bei Athen. 4, 13 (37); 4, 2 über den Vater des Bittus.
(363) Ausführlich handelt darüber der Senchus Mor, D’Arbois 8, 1 ss. Rev. h. d. d. 16, 373.
(364) Saraad, Galanas.
(365) Supplicia eorum qui in forto aut in latrocinio aut aliqua noxa comprehensi sint; Caes. 6, 16. Wenn Cäsar sagt: pro vita hominis nisi hominis vita reddatur, non posse aliter deorum immortalium numen placari druides arbitrantur, so ist das nicht im strengsten Sinn zu verstehen; die Anschauung de Druiden war damit nicht schon Volksgewohnheit.
(366) Liv. 28, 21; rev. hist. de droit 13, 729.
(367) Valroger 478 meint, sie seien erst mit den Germanen herübergedrungen, was aber wohl falsch ist. Die Feuerprobe bedient sich eisener und kupferner Stäbe, der siedenden Wasserkessel, Irische Texte 3, 209.
(368) D’Arbois Litt. 7, 268. Bei Dickens zwingt David Copperfield auf seinem Wege nach Dover einen jüdischen Trödler in ähnlicher Weise zur Bezahlung seiner Schuld.

11) Keltischer Priesterstand

A. Stufen

Wenig Völker entbehren der Priester, der Zauberer und Sänger, aber selten stehen die Priester so mächtig da und greifen so tief ein in das Volkstum, wie bei den Kelten, was auch Griechen und Römern auffiel. Musik und Kunst adele einen Mann. Der Barde, der Schmied, der Wissende war frei, wenn auch unfrei geboren (369), frei von Staatsabgaben und vom Kriegsdienst. Ohne Priester, ohne ihre Weisen, berichtet ein Grieche, opfern sie nicht. Denn sie sagten, man dürfe den Göttern keine Opfer bringen, als durch sie, die ihre Sprache verstehen, und könne nur durch sie erabeiten, was man wünsche (370). Wohl übten die Priester kein Recht über Leben und Tod, aber wer ihnen nocht folgte, den traf ihr Bann und schloß aus von allem Verkehr und von allen Rechten (371). Sie sammelten sich ungeheure Reichtümer und kamen in den üblen Ruf der Wucherer (372).

Wie die alten Philosophenmönche, zeichneten sie sich durch eigene Lebensweise und ein gewisses Zusammenwohnen aus, enthielten sich der Ehe wenigstens im Sinne der unter zu erwähnenden Bacchuspriesterinnen und trugen ein auszeichnendes Gewand mit Sinnbildern. Während die Volksgenossen farbige Gewänder und reichen Goldschmuck liebten, war ihre Tracht wahrscheinlich weiß (373), bei den Briten schwarz, ihr Haupt mit Eichenlaub bekränzt oder der Vorderkopf, wie bei den Briten geschoren, was ihnen den Schein des Alters verlieh. Die irischen Mönche haben nachmals ihr Haupt ähnlich geschoren (373). Symbole wiesen auf ihre Würde hin; nur wissen wir wenig über ihre Art: vielleicht kennzeichnete sie Stab und Zepter in der Hand, Halbmond und Schlangenei am Gewand, der Druidenfuß, das Pentalpha an ihren Schuhen. Je nach der Stufe, auf der ein Druide stand, fügten sich der Tracht Besonderheiten an (374). In einer irischen Sage tragen die Barden Purpurmäntel, die Druiden dazu noch ein Diadem am Haupte und einen ehernen Schild (375). Der Zutritt zum Druidentum stand offen, so nahe die Kastenbildung lag. Der Orden gliederte sich in mehrere Klassen oder Stufen, auf denen einer emporstieg, wenn er nicht stehen blieb. Die unterste Klasse bildeten die Sänger, die Barden (376), gekennzeichnet durch die Harfe und Bardokulle, eine zweite Stufe die Wissenden, Wahrsager, Zauberer, die Faiths, Vates oder Ovates (377), vielleicht auch Veletes (378), irisch File genannt (379), zugleich Physiker, Geometer, Astronomen, Grenzhüter, Feldmesser, gekennzeichnet durch ein Zauberwerkzeug. Auf der obersten Stufe standen die Druiden im engeren Sinne, d.h. die Hochweisen oder die Eichmänner (380) und an ihrer Spitze ein Oberpriester, Oberdruide, eine Art Archimagier (381). Da er viel Macht besaß, entbrannte um das Amt, wie um die Häuptlingswürde oft ein heftiger Streit, den Wahl oder Zweikampf beendete.

Neben oder richtiger außerhalb des Druidenordens traten Druidinnen, Priesterinnen, Zauberinnen auf, erlangten aber lange nicht die Bedeutung, wie die Druiden (382). Solche Druidinnen flammten, mit den Druiden im Bunde, auf der Insel Mona das Heer an, als es gegen die Römer kämpfte. Auf der Insel Sena erteilte ein Frauenverein Orakel und übte Zaubermacht. Mitten in der Loire endlich dienten Priesterinnen dem Bacchus; keine Mann durfte ihre Insel betreten; wenn sie ihre Männer besuchen wollten, schifften sie ans Land und kehrten nach dem Besuch bald wieder zurück.

B. Ursprung

Nur in England und Frankreich zeigt sich der keltische Priesterstand in großer Macht organisiert, und es ist zu vermuten, daß die Priester zu dieser Ausbildung und Ausgestaltung erst gekommen sind, nachdem sich die Kelten bereits über Spanien, Italien, teilweise auch über Asien verbreitet hatten; daher liegt es nahe, an äußere Einflüsse zu denken, die diese Entwicklung beförderten. Allerdings läßt sich nichts sicheres darüber ausmachen, da sich die Berichte der Alten widersprechen. Nach den einen wäre die Weisheit der Druiden eine selbst erfundene, von innen heraus entwickelte, und Britannien, die Toteninsel, ihre Heimat gewesen (383) und sie selbst wären dasselbe gewesen, was bei den Persern die Magier, bei den Babyloniern die Chaldäer, bei den Indern die Gymnosophisten oder Brahmanen (384). Die Kirchenväter teilen diese Anschauung (385) und rühmen ihre Weisheit, ein ferner Nachruf liegt in der mittelalterlichen Erklärung der drei Weisen oder Magier aus dem Morgenlande als Druiden. Man könnte auch an die Orden, Priesterbünde und Priestergrade der Turanier erinnern (386). Die Weisheit der Druiden geht freilich nicht so tief, daß sie nicht aus ursprünglicher Tradition oder aus indogermanischen Gemeinbesitz sich hätte entwickeln lassen, sogar die dunkle Lehre von einem und zwar unsichtbar zu verehrenden Gotte und von der Ewigkeit der Seele (387).

Aber wahrscheinlicher klingt es doch, wenn die Alten hinweisen auf Pythagoras und die Pythagorärer, deren Einflüsse vom Süden, von Marseille aus eindringen mochten (388), um so mehr als ihr Alphabet, ihre Bildnerei und einzelne Sagen an Griechenland erinneren (389). Ausdrücklich sagt Valerius: “Ich würde sie für unsinnig halten, wenn diese Hosenträger nicht das gleiche geahnt hätten wie der Mantelträger Pythagoras” (390). Umgekehrt nannten die Alten Pythagoras den hyperboreischen, den nordischen Apollo (391).

C. Lehre

An die Pythagoräer erinnert ihre Lehre von der Reinigung der Seele (392) und von der Seelenwanderung (393). Die Seele gelangt nach ihrer Lehre nur gereinigt durch die Prüfungen dreier Kreise, nachdem sie das Wasser der Angst und das Tal des Blutes durchwandelt, zu den Freuden des Himmels (394). Mehr an Heraklit erinnert die Lehre von der Unvergänglichkeit der Welt durch alle, auch die tiefgehendsten, Wandlungen hindurch. Als Symbol dieser unvergänglichen Fortdauer des Lebens wählten sie die Mistel, die noch auf der erstorbenen Eiche gedeiht, und die Eibe, Eburos. Letzteres Wort erscheint in vielen Völker- und Ortsnamen.

Ob nun ihre Lehren auf schon vorhandene Stimmungen und Anschauungen stießen oder nicht, jedenfalls zeigen sich die Volkssagen und Bardendichtungen ganz von ihnen durchdrungen. Mit Leichtigkeit verwandeln sich Menschen in Tiere, Mäuse, Hunde, Eber, Wölfe, Hirsch, Stiere, die Seelen der Götter in Vögel und Schlangen (395). Enthauptete Männer leben wieder auf, sei es durch Zauberworte, sei es durch Sieden im Kessel; blühende Gegenden verwandeln sich in Einöden und in den Einöden erheben sich Zauberschlösser.

“Euch, o Druiden, ist es allein gegeben”, ruft übertreibend Lucan aus, “die Götter zu kennen und die Kräfte des Himmels” (396). So weit reichte ihr Wissen nicht; am meisten verstanden sie noch, wie es scheint, von der Naturkunde, die sie als Heilkünstler und Kalendermacher verwerteten, aber nicht ohne Aberglauben beizumischen; galten doch Kalendermacher wie Heilkünstler als halbe Zauberer bis in die Neuzeit herein. Ihr Jahr war wohl ein Mondjahr aus 12 Monden 354 Tagen bestehend, worin die Sonnenwende, die Tag- und Nachtgleiche Einschnitte machte. Gegen den Sonnenumlauf blieb nun das Mondjahr um 12 Tage zurück (397), die wohl den Anlaß gaben zu den 12 Nächten des germanischen Altertums zwischen Weihnachten und Oberst. Wenn der Saturn seinen Umlauf vollzog und wieder im Zeichen des Stieres stand, so war eine dreißigjährige Periode, eine Generation dahingegangen (398). Sonst wissen wir, wie viel weniger als von den Germanen, wann sie das Jahr anfingen, ob Mitte November oder mit Weihnachten oder erst im März. Wahrscheinlich rechneten die Kelten wie die Germanen nach Nächten und Wintern (399), fingen das Jahr mit dem Winter an; eine unsichere Sage deutet auf die Wintersonnenwende, da die Sonne in das Zeichen des Steinbocks tritt, als Jahresanfang (400). Neben dem Winter unterschieden sie wie die Germanen als Jahrzeit nur noch den Sommer, vielleicht mit einem Einschnitt zwischen Früh- und Spätsommer. In Irland feierte das Volk den ersten Mai, Beltene, als Sommeranfang, den ersten August, das Fest des Lug, als Sommerwende, endlich den ersten November als Totenfest mit Versammlungen und Spielen (401).

D. Unterricht

Das Wissen der Druiden darf man nicht überschätzen, es bestand zum großen Teil in Aberglauben, zum anderen Teil in Schein (402). Auf die äußere Form, geheimnisvolle Haltung und Redefreiheit legten sie ein großes Gewicht, wie sie auch fremde Sprachen vestanden (403), und boten in ihren Schulen vor allem Grammatik- und Rhetorikunterricht (404). “Durch viele Vorteile angelockt,” erzählt Cäsar, “treten viele Jünglinge, besonders aus den höheren Ständen freiwillig in den Stand der Druiden, andere von ihren Eltern und Verwandten veranlaßt, und müssen dann eine Menge Verse auswendig lernen, weshalb manche oft zwanzig Jahre in der Schule zubringen. Die Priester gestatten nämlich nicht, daß solche Dinge schriftlich verzeichnet werden, teils des Geheimnisses wegen, teils damit ihre Schüler ihr Gedächnis stärken”; sie schrieben überhaupt wenig gleich den Pythagoräern; doch halfen sie dem Gedächnis durch Formeln nach, namentlich durch Triaden oder Dreizahlen für Sprüche und Lehren, wie solche schon oben angeführt wurden (405). Einen Teil ihrer Lehre breiteten sie aus und machten sie zum Gemeinbesitz, z. B. ihre Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, um ihr Volk in der Todesverachtung zu stärken und sich selbst Toderopfer zu sichern. In einer Art äußerer Schule unterrichteten sie auch Jünglinge, die dem Bund nicht beitreten wollten, wenigsten in Britannien (406).

Nicht ohne Grund wahrten die Druiden ihr Wissen als Geheimnis. Nicht als ob ihre esoterische Lehre großen Wert gehabt hätte; hinter ihrem Geheimnis steckte offenbar nicht viel; sonst hätten ihnen die Römer mit ihrem Verbot der Menschenopfer nicht beinahe den Garaus machen können (407). Aber das Geheimnis übt auf die Phantasie primitiver Völker eine gewaltige Macht aus und daher stehen bei sochen Völkern die Priester immer höher als die Wissenden, weil ihre Stellung so ganz auf dem Geheimnis beruht. Vornehmere Druidenfamilien paßten sich den veränderten Verhältnissen an und widmeten sich dem Gallisch-römischen Schulwesen. Ihren Zusammenhang mit dem alten Götterdienst beweisen Bezeichnungen wie Apollinaris, Phöbicius (408). Andere Druiden sanken herab zu reinen Magiern, Zauberern, Wahrsagern, wie die Druidinnen zu Zauberinnen (409); noch bis heute hat sich manche ihrer Zauberformeln erhalten. Ob die deutschen Truden damit zusammen hängen, ist allerdings zweifelhaft.

E. Naturglaube

In den Geruch eines Zauberers konnte im Mittelalter wie im Altertum leicht kommen, wer etwas mehr wußte und anzuwenden verstand von den Kräften der Natru, auch ohne daß er den Aberglauben zu Hilfe nahm. Freilich auf die Beihilfe des Aberglaubens verzichtete nicht leicht einer, der auf eine Wirkung absah, sei es im Ernste oder nur zum Scheine. Zauberei und Aberglauben war so wesentlich mit der Naturkunde und Arzneiwissenschaft vrknüpft, wie mit der Relgion und Symbolik, daß auch in der gebildeten Gesellschaft Roms keine Sonderung eintrat, um so weniger unter einfachen Verhältnissen. Bei den Figuren eines Kreises, Rades, Bogens, Vierecks, Kreuzes dachte der Römer wie der Gallier an eine höhere Bedeutung und Wirkung. Daher spielte das gallische Tau, Min, womit die Druiden vermutlich einen höheren Sinn verbanden, auch bei den Römern eine Rolle (410). Die Alten machten, wie ihre Sprache zeigt, keinen Unterschied zwischen Zaubermittel, Gift und Heilkraut (411) und ein Arzt bedeutete so viel als Flüsterer, Besprecher, Beschwörer; die Ausdrücke Liaig, Lekeis, Lachenäre beweisen es (412).

Als vorzügliches Zaubermittel betrachteten die Druiden die Schlangen und das sogenante Schlangenei; daher kennzeichnet auf dem Panzer des Augustus der Schlangenkopf neben dem Eber die Gallia. Wer das Schlangenei besaß, durfte, wie sie meinten, auf guten Erfolg hoffen, siegte im Streit und erwarb die Gust der Höheren (413). Nach ihrer Lehre bildet sich, wenn die Schlange sich im Sommer verwickeln, aus ihrem Schaum und Geifer ein Ei; in bildlichen Darstellungen hält die eine Schlange in ihrem Rachen das Ei, die andere bildet es vollends aus; pfeifend werfen sie es in die Luft; ehe es die Erde berührt, muß man es auf einem Mantel auffangen, möglichst schnell dann auf einem Pferde davoreiten, da die Schlangen den Reiter verfolgen, bis ein Fluß sie aufhält. Man erkennt die Echtheit des Eies daran, daß es gegen den Lauf des Wassers schwimmt, auch wenn es in Gold eingeschachtelt ist. Nach Plinius gleicht es den Verschlingungen von Polypenarmen, und so denkt man wohl an eine Versteinerung, ein Ammonit, ein Ammonshorn. Wahrscheinlich liegt hier der Rest eines alten Schlangen- und Geschlechtskultus vor, oder es hat, wie andere meinen, die orientalische Sage vom Weltei, woraus alles Geschaffene hervorgeht, Einfluß geübt; begegnet uns doch in manchen Ländern heute noch ein Glücksei von ähnlicher Bedeutung (414).

Nicht mindere Bedeutung hatte in den Augen der Druiden die Mistel, deren Saft so große Heilkraft besaß, wie Soma bei den Altindern. Daher hieß sie die Allheiler (415), das Gewächs des hohen Gipfels, des reinen Goldes. Am sechsten Tag nach dem Neumond, am Tage wo das Jahr der Druiden anfing, lud ein Feudenschrei, der von den Druiden ausging und durch das Volk sich verbreitete und noch vor kurzem im Neujahrsrufe Enguilaneuf nachklang, zum Brechen der Mistel ein (416). Unter der Roteiche wurden zwei weiße Stiere geführt; alles war bereit für das Opfer und das Mahl. Ein Priester, weißgekleidet, stieg auf den Baum und schnitt mit goldener Sichel die Mistel, die auf einen weißen Mantel gelegt wurde, dann folgte Gesang, Opfer und Mahl. Groß war die Wirkung der Mistel, sie heilte, wie sie meinten, Unfruchtbarkeit bei Menschen und Tieren - ein goßes Unglück in den Augen aller Völker - und schützte sogar gegen Gift.


Mit ähnlichen Zeremonien brach man den Selago, die Goldpflanze, und den Sade- oder Seifenbaum (417). Zuerst mußte man ein Opfer von Brot und Wein bringen, sich dann in Weiß kleiden, die Füße waschen und mit bloßen Füßen sich dem Baum nähern, mit der rechten durch die linke Öffnung der Tunika hindurch gestreckten Hand die Pflanze abreißen ohne Messer, wie wenn man einen Diebstahl begingen und dann die Pflanze auf eine weißes Tuch legen. Zu Heilzwecken wurde die Pflanze verbrannt und der Rauch für Augenkrankheiten gebraucht.

Nicht minder feierlich brach man den Samolus, der sich an feuchten Orten befindet (418). Ein Mann, der vorher gefastet, mußte ihn mit der linken Hand abreißen ohne ihn anzusehen und ihn im Troge zerreiben. Der so gewonne Saft schützte nach keltischem Glauben Stiere und Schweine vor Krankheit. Das Eisenkraut grub man nachts, wo weder Sonne noch Mond schien, beim Afgang des Hundsgestirnes mit Eisenaus, nachdem man der Erde zur Sühne Bohnen und Honig gespendet. Wer sich mit dem Eisenkraut rieb, erhielt, wie man glaubte, alles was er wünschte. Dem Limeum, dem Tausendguldenkraut schrieben die Kelten die Kraft zu, Krankheiten aus dem Körper zu ziehen (419). Diese und andere Kräuter, die Kamille, den Beifuß oder Johannisgürtel, den Baldrian, das Hundsgras, die Klette, die Donnerrebe, die Gundelrebe (Hederich), namentlich aber das Johanniskraut (420) sammelte noch bis in die neueste Zeit der gallische Bauer um Johannis, hängte sie über die Türe, brannte sie an und reinigte mit ihrem Rauche seinen Stall (421).

Ob die alten Gallier schon den Rauch und Dampf, der von brennenden Pflanzen aufstieg und den sie mittels Röhren einsogen, den andere Völker als heilkräftig betrachteteten (422), und obe sie die betäubenden und erotischen Wirkungen der menschenähnlichen Mandragora, der Alraunwurzel kannten, läßt sich nicht sicher feststellen, so sehr man es von ihnen erwarten würde (423).

Außer an Pflanzen knüpfte sich an Tiere der Aberglaube. Der König der Tiere, der Bär, dessen Bild sich auf gallischen und spanischen Münzen findet, hatte mehr eine feindliche, furchtbare Bedeutung als eine wohltätige (424), weshalb er auch als Symbol der Dämonen und Teufel noch später sich darbietet. Die Vögel waren Symbole, Zeichen göttlicher Kräfte, so der Adler, Reiher, die Fische, weshalb sie oft als Embleme dienten, ferner die Lerche Alauda, deren Figur und Namen Cäsar einer Legion in Gallien beilegte (425), endlich der Zaunkönig (426); nur ist ein Zusammenhang mit dem Druidentum nicht festzustellen (427).

(369) Anc. Laws 647, 213; Walter, Wales 150 292.
(370) Diod. 5, 31.
(371) Caes. 6, 13.
(372) Foeneraria philosophia, Val. Max. 26, 11.
(373) Nach Stokes Goidelica 126 und Rhys Br. 74 stammt diese Tracht nicht erst von Patrick her.
(374) Grün soll die Farbe der zweiten Klasse der Wahrsager und blau die Farbe der Barden gewesen sein, was aber unbeweisbar ist.
(375) Das Freien des Ferb; Irische Texte 3, 467.
(376) Das Wort bedeutet so viel wie mimus, scurra, Athenaeus 4, 13 (37); 6, 5 (49); Strabo 4, 4; Appian b. GAll. 12; Diodor. 5, 31; Lucan, 1, 449; Am. 15, 9.
(377) Vates ist aus dem Keltischen ins Lateinische übergegangen; es ist vielleicht verwandt mit dem britischen ovydd, dessen Stammsilbe wir bei den Druiden vid wissen ist. Ammian (15, 9, 8) spricht von eubages oder euhages = vates, Diodor von Saroniden, unter welchen die erste und zweite Klasse zusammen fallen.
(378) Daher Veleda
(379) In Irland fielen sie mit den Barden zusammen.
(380) Der Name kommt wohl von vid mit der verstärkenden Vorsilbe dru, zusammen druvid. Die Alten nehmen drys Eiche regelmäßig als Wurzel an; das keltische Wort für Eiche ist derva. Andere denken an wydd Baum (Mistel).
(381) In Irland entsprachen ihnen die Brehons. Noch in römischer Zeit erscheint ein gutuater als Marspriester; C. J. L. 14, 1577 p. 1410.
(382) Sol. 22 (scientiam futurorum pariter viri ac feminae ostentant). Tac. a. 14, 30; Strabo 4, 4; Mela 3, 6; Dionis perieg. c. 74 (Thule) Eust. l. c. 93.
(383) Caes. 6, 13; Solin. 22; Proc. b. got. 4, 20; Plut. cess. orac. 18 (31), fac. Iun. 26 (48); Claudian. in Rufin. 1, 131.
(384) So Diogenes Laert. vit. philosoph. I. praef. 1 nach Aristoteles und Sotion.
(385) Clem. strom 1, 15; Cyr. adv. Julian 4; origen. c. Cels. 1, 16.
(386) S. das Kapitel Lamaseries bei Betrand La religion des Gaulois 310 (geht wohl zu weit).
(387) Es gibt Franzosen, die die alte keltische Religion auf gleiche Stufe stellen mit der jüdischen auf Grund von Orig. c. C. 1, 16 und Hier. 4. hm. in Ezech., so Martin, Religion des Gaulois I, 35 ff.; Reynaud L’esprit de la Gaule 199; Leflocq, Mythologie 57, richtiger Rhys Br. 71.
(388) So Valer. Max. 2, 6, 10; ammian. 15, 9. Eine selbständige Forschung setzt eine ganz andere Kulturnähe voraus, als wir sie bei den Kelten treffen. An sich konnte auch bei den Kelten die Kultur noch höher geweisen sein, als wir wissen; aber daß alle Spuren davon zu Grunde gingen, ist kaum annehmbar.
(389) Nach Cäsar hatten sie ein griechisches Alphabet; vgl. Pseudo-Scymnus Chius 165 bei Holder I, 902 und die hellenisierende Stammsage bei Ammian. 15, 9.
(390) Dicerem stultos, nisi idem braccati sensissent, quod palliatus Pythagoras credit; Val. Max. 2, 6, 10.
(391) Aelia. vr. 2, 26; Diog. Pyth. 11.
(392) Wie Plutarch berichtet, trennt sich beim Tode die Seele oder Psyche und die Vernunft oder Nus vom Körper. Seele und Vernunft irren eine zeitlang zwischen Himmel und Erde, um ihr Vergehen zu sühnen, dann erheben sich beide in den Mond, aber die schlimmen bleiben immer in den unteren Kreisen. Nach sehr langer Zeit scheidet sich die Vernunft von der Seele, der sie entstammt und vereinigt sich mit der Sonne.
(393) Die Seelenwanderung tritt in verschiedener Form auf, teils als Wanderung vom Mensch zu Mensch, teils als Herabsinkung zur Tierwelt oder sie tritt erst nach bestimmter Zeit jenseitigen Lebens ein; Belloguet 3, 166. Alle drei Formen lehnt Belloguet als unkeltisch und undruidisch ab.
(394) Villemarqué 1, 259.
(395) Von sich selbst sagt Taliesin: Als die Schöpfung vollendet war, nahme ich nicht Herkunft von Vater und Mutter. Ich war gebildet durch die Erde, durch die Blüte der Nessel, durch die Wasser de neunten Stromes. Der Weise der Weisen zeichnete mich in der Urzeit, das ich mein Dasein empfing. Ich spielte in der Nacht, ich schlief in der Morgenröte. Ich war im Nachen mit Dylan, von ihm umarmt, da die Wasser feindlichen Lanzen gleich vom Himmel in den Abgrund stürzten. Ich war eine gefleckte Schlange auf dem Gebirge und eine Viper im See, ein Stern bei den höheren Führern, ich war Spender des Naß mit heiligen Kleidern bekleidet, den Becher in der Hand. Lange Zeit ist es, seit ich Hirte war, lange irrte ich auf der Erde, bevor ich geschickt in der Kunst wurde, ich irrte, ich kreiste, ich schlief auf hundert Inseln, ich bewegte mich in hundert Kreisen; Reynaud L’esprit de la Gaule 76; andere Sage bei Leflocq 68.
(396) Solis nosse deos et coeli numina vobis aut solis nescire datum; Luc. 1, 452.
(397) Gourdeziou, Rev. celt. 1903, 30.
(398) Plin. 16, 95; 18, 66; auch eine 19 Jahr-Periode gab es, Belloguet 3, 340.
(399) Caes. 6, 18. Ein gewöhnlicher Termin von 40 Nächten rev. h. d. droit 16, 353.
(400) So noch ein bretonischer Volksgesang bei Villemarqué 1, 13; Belloguet 3, 359.
(401) D’Arbois Littérature 7, 295.
(402) Über ihre Zauberei s. Fustel des Coulanges, Problèmes 184, La Gauel-romaine 32; Henderson Folklore 143.
(403) Doch verstand der weise Divitiacus weder Griechisch noch Latein; Ceas. 1, 19; 5, 48; Dio 40, 9. Im frühen Mittelalter waren die Iren das einzige Volk des Abendlandes, dem die griechische Sprache nicht unbekannt war. Sars Usdigt over den nordske Histoire I, 163 bei Mogk, Kelten und Nordgermanen S. P. Leipzig 1896 S. 6.
(404) Der erste, der in Rom eine lateinische Rhetorenschule gründete, hieß L. Plotius Gallus; er stammte also aus Gallien, vermutlich aus dem diesseitigen Gallien.
(405) Ein anschauliches Beispiel s. bei Villemarqué 1, 3.
(406) Pflugk-Harttung, Heidelberger Jahrb. 1892 II, 211.
(407) Suet. Claud. 25; Plin. 30, 4; Tert. ap, 9; Scorp. 7; Mela 3, 2.
(408) Auson. profess. 4, 7; 10, 17 (16, 11).
(409) Tac. an. 14, 30; vita Alex. Sev. 60, Aurel 44, Numer. 14; Nennius 40; Skene 2, 111. Von den Bacchuspriesterinnen S. 143 N. 9.
(410) Vergil ad Ann. Cimb. in Catal. II; Quint. i. or. 8, 3; Auson. idyll. 12 (Technop. 13.); Gerg, Tur. h. F. 4, 5.
(411) Farmacum, lyf; Schrader R. L. 48
(412) Arzt kommt von archiater.
(413) Der Kaiser Claudius richtete absichtlich einmal einen römischen Ritter hin, der aus Gallien stammte, da er ein Schlangenei in seinem Busen trug; Plin. 29, 12.
(415) So in Tunis ein Hühnerei, an das drei kleine Hufeisen aus Blei mit Nägelchen künstlich befestigt sind, Globus 1899 (75) 19. Vgl. S. 156 N. 3.
(415) Olliach: omnia sanans; Plin. 16, 95. Die Sitte Diod. 5, 33 (s. oben S. 81 N. 1) bringt Belloguet in Zusamenhang mit persischen Gebräuchen (3, 139).
(416) Plin. 16, 95. Ad viscum, Druidae, Druidae cantare solebant; wo der Vers herstammt, ist nicht festzustellen. Ein Lied auf den mistelsuchenden Merlin Villemarqué 1, 105. Am Neujahr schrien die Kinder En gui (viscus) l’an neuf oder etwas ähnlich Andeutendes und schlugen dabei auf die Türen. Der unverständige Laut wurde auch gedeutet eghinan-eff d. h. étrennes a moi; Beloguet 3, 291; Grimm Mythologie 1158.
(417) Plin. 24, 62 (103). An ihn knüpfte sich noch heute volkstümlicher Aberglaube. Wer den Selago mit den Füßen zertritt und dann einschläft, versteht nach bretonischem Glauben die Sprache der Hunde und Vögel; Villemarqué 1, 105. In Brüssel gibt es einen Zavelsplaats (aux sablons). Andere denken an das Güldenkraut, das in der Bretagne unter ähnlichen Gebräuchen gebrochen wird, das nur heilige Leute finden, oder an eine Kampferart.
(418) Nach manchen Forschern die Schlüsselblume, deren englischer Name cowslip an die Nützlichkeit für die Küche erinnert, oder die Brunnenkresse; Belloguet III, 325.
(419) Hoc centaurium nostri fel terrae vocant propter amaritudinem summam, Galli exacum quoniam omnia mala medicamenta potum e corpore exigat per alvum; Plin 25, 68.
(420) Hypericum perforatum, chasse-diable genannt.
(421) Betrand La rel. de G. 125 erinnert an ähnliche Gebräuche der Lamas; vgl. Grimm Mythologie unter Kräuter.
(422) Plin 21, 116; 26, 36.
(423) Zu Zauberzwecken schnitzte man die Wurzeln so zu, daß sie Männchen und Weibchen glichen; vgl. Dioskoridesausgaben und Plin. 25, (14) 94; Col. 10, 19; Ztsch. f. Ethnologie 1891 Vhdl. 737. Im Mittelalter bemächtigte sich die Symbolik der Pflanze (vgl. Honor. August).
(424) Bachofen, der Bär in der Religion des Altertums, Spalding der König der Tiere, Pfannenschmid Germ. Erntefeste 96, Keller, Tiere des Altertums 109.
(425) Plin. 11, 44 (121)
(426) In England galt der Zaunkönig als König der Vögel; die Missionare befahlen, ihn zu jagen und zu töten; das geschah zu Weihnachten. Noch erinneren Volksspiele auf der Insel Man daran, Vallancey De rebus hicernicis 20 zitiert in Walpole An essay on the isle of Man 1893.
(427) Von den Kelten lernten die Alten viel; man slese bei Holder, was sie über alces (Elen) bison (Wisent) domna (Rehtier), baccar, batis, beliucanda, (millefolium), calox, calliomarcus (Kalenwurz) clopias, ducone, glastum, lota, über iubaros, larix (Lärche), lauris (Kaninchen), menta (Minze), pemdedula (Fünfblatt) ratis (Farrenkraut), rodarum, salpuga (giftige Ameise), sapana (Hühnerdarm), scubullum, seselis (Kümmel) berichten.

12) Keltische Religion

A. Götter

Wie in dem ganzen Leben kreuzen sich in der Religion der Kelten die verschiedenartigsten Züge und Strömungen; ihre Religion hat etwas Unfaßbares, Schwankendes und weist auf der einen Seite nach lichten Höhen, auf der andern nach dunklen Aberglauben.

Auf der einen Seite einem höchsten Gott mehr ergeben, stärker an ihm festhaltend als andere Völker (428), konnten sich die Kelten auf der anderen Seite nicht genug tun in der Scheu und Angst vor dunklen Gewalten; ihre Hauptgötter erinnern an die Unterwelt, an den Tod, und dem Esus, wahrscheinlich ihrem höchsten Gotte, brachten sie die meisten Schlachtopfer dar.

Die Idee des lichten Himmelvaters, des Gottes schlechthin, der allen Germanen gemein ist, schimmert auch bei den Kelten durch. Als Himmelvater leuchtete der oberste Gott in der Sonne, stürmte im Gewitter einher und wirkte als schaffende Naturkraft allbelebend, und so erscheint das Zeichen der Sonne und Fruchtbarkeit, das Radkreuz und die Eichel als sein Sinnbild (429). Gleich den Griechen und Römern hielten die Kelten den Eichbaum für den heiligen Baum des höchsten Gottes, unter dessen Laubdach weissagten, opferten und richteten, während die Germanen auch die Buche verehrten (430). Ob sich nun dieser Himmelsgott unter dem Dispater oder einem Merkur, der von verschiedener Seite als keltischer Hauptgott genannt wird (431), oder unter dem zur römischen Zeit am meisten verehrten Mars mit seinen vielen Beinamen, oder unter Esus, oder unter Taranos, Tanarus (432) verbirgt, steht nicht fest. Das Wort Esus erinnerte an ds lateinische Esse, und damit an eine Wurzel, die bis nach Indien weist (433); wenn dieser Zusammenhang feststünde, reichte das Wort an die Bedeutung Jahwes hinan. Aber die wirkliche Bedeutung des Gottes bleibt weit dahinter zurück, so daß man beinahe glauben könnte, es sein nur ein Lokalgott der Pariser gewesen.

Zu Esus, dem die Römer bald Merkur, bald Mars verglichen, gesellt ein alter Schriftsteller Teutates und Taranis bei; alle drei sind nicht scharf von einander unterschieden (434). Teutates, den Volksschützer, in dessen Name Tuath, Volk, Tuta, Stadt enthalten ist (435), nannten die Römer ebenfalls Mars und Merkur (436). Taranis, Taranos oder Tanaros, der donnernde Donar scheint wie der germanische Donar (437) oder Tor den Hammer oder Schlägel geführt zu haben, auf den vielleicht ein viel gebrauchtes Kreuzzeichen, das Tau hinweist (438), und als solcher bekam er wohl den Beinamen guter Hauer, Sucellus (439). Sucellus trägt auf dem Altar von Saarburg einen Hammer mit langem Stiele und hat die Kriegsgöttin Nantosvelta zur Begleitung.

Nahe mit dem Sucellus berührte sich der viel verehrte Silvanus, unter dem sich vielleicht Esus verbirgt, ein Wald- und Feldgott, der Genius uralter Buchen (440), ein Wandergott wie Merkur, der den Reisenden Heimkehr durch dunkle Wälder und über hohe Gebirge gewährt (441). Auch er trägt den Schlägel. Der Hauer Cocidius, zugleich ein Jäger Alator, schlägt Feinde nieder und erscheint dann als Mars. Wie allen alten Völkern dünkte nur der lichte Hain, nicht aber der tiefe Wald eine freundliche Erscheinung; dieser bedeutete den Ausbund des Düstern, Wilden, Feindlichen, die Stätte der Unholde, der Drachen. Daher tritt der Hauptgott zugleich als Todesgott als Dispater auf und in Dispater trifft Taranus und Merkur zusammen, der die Toten mit dem Hunde geleitete (442). In der Unterwelt sahen die alten Völker zugleich die Geburtsstätte des Lebens; daher verehrten die Gallier in Dis zugleich ihren gemeinsamen Stammvater (443).

Den Kriegsgott Mars, den die Kelten von ihrem Merkur kaum unterschieden, schmückten alle möglichen Beinamen, die alle darauf hinauslaufen, seine Größe zu kennzeichnen, wie die Worte mit mogo, mar, ollo, groß z. B. Amrogius, Marmogius, Mogetius, Olludius. Er ist der starke Camalus, der Held Netos, Carrus, der Fleischvertilger Cicolluis, der schön ist, wenn er tötet, Belatucadros, der Heerscharen herbeiführt, Budenicus, Dunatis. Er ist der Erste, Lehernnus, der mächtige Segomon, der König und Herr, Barrex, Rigisamus; er ist der taghelle, lichte Gott Dinomogetimarus, Divanno, Leucetius, der ob seines Glanzes Gelobte, Leucimalakus. Verwandt ist Herkules Magusanus, der Große und Merkur Ogmios. Weniger vielseitig als Mars ist der ihm nahe stehende Merkur, der Gott der Wege, Cimiacinus, der Gott der Dämmerung Matutunus, der Kluge, Wissende, Visucius (444), den der Tagesvogel, der Hahn begleitet. Doch tritt er uns gelegentlich auch als junger Krieger, Vassogalata entgegen; nach Gregor von Tours gab es einen ihm geweihten Tempel in der Auvergne (445).

An Mars und Merkur zugleich erinnert der viel verbreitete Gott Lug, dessen Spuren zahllose Ortsnamen tragen und dem die Lougiä verglichen werden können. Das Wort Lug weist zugleich hin auf das Licht und den Krieg (446). Lug ist ein sehr vielseitiger Gott, der in allen möglichen Rollen auftritt (447). Mars und Merkur sind und machen reich und an beide denkt man, wenn man einem Gotte Rodons begegnet; beide heißen Smerius, klug (448); an beide erinnert der Merkur oder Herkules Ogmios (449), ein kahlköpfiger Greis, der eine Löwenhaut trägt, wie Herkules und mit der Kette seiner Goldworte Alt und Jung an sich fesselt. Unter dem nicht selten verehrten Neptun verbirgt sich vielleicht ein Meergott Rudd, Rodons oder Lir, Lear (450).

Beherrschend tritt kein Gott hervor, ihre Gestalten schwanken zu stark, gingen ineinander über. So ist Hu, der oberste Gott eines waliser Bardengesanges, ein wahrer Proteus, der Stier der Schlacht, der Pflüger, ein Turm und eine Schlange und ein Schiffer zur Toteninsel; wenn auch gestorben, kehrt er immer wieder. Alle Götter dachte der Kelte mehr oder weniger an bestimmte Orte gebunden, so auch Silvanus, dessen gewöhnlicher Beiname Domesticus ist. Als der hl. Martin die Götter verjagte, machte ihm nur Merkur und einige kleine Gottheiten Schwierigkeiten. Die Dusier (451), Ahnen- oder Flußgeister spukten noch lange, wie die Elben. Alle anderen zogen sich geräuschlos zurück und Jupiter benahm sich sogar, wie Martin sagt, sehr dumm und roh (452).

Der Sonnengott hat überhaupt im Norden nicht die Bedeutung wie im Süden. Er verbirgt sich unter einem der schon genannten Götter und trägt ein Rad oder radförmig gestellte Schlägel und den Blitz (453). Ihm zu Ehren zündeten die Kelten und Germanen noch lange das Johannisfeuer an, warfen heilige Kräuter und in Körbe gebundene Tiere, Hunde, Katzen in die Glut und schwangen das Feuerrad, schlugen Scheiben (454). Als Lebensrad, Glücksrad begegnet uns das Sonnenzeichen noch später. An den Sonnengott denken wir, wenn neben Apollo ein Verjugodumnus, der Gott mit dem großen Gespann erscheint. Verwandt ist Belenus, ein Lichtgott, wie Apollo (455), den man später mit Mithra verband. Als Sangesgott verehrten ihn die Briten, aber unter römischen Einflüssen dehnte sich der Kultus des Apollo Belenus oder Grannus auch in Gallien aus.

Andere kaum faßbare Erscheinungen suchten die Römer mit ihren heimischen Namen sich zugänglich zu machen, so als Apollo einen Grannus (456) Bormo, den Warmen, den Gott der Heilquellen (457), Maponos den Jüngern, Mogo oder Mogonus den Großen, Stannus oder Siannus, einen Quellgott, als Mars einen Malzgott Braciaca, einen Mullo, den Mauleselgott, als Merkur einen Moccus, Schweingott und Gabrus, einen Bockgott (458).

Wie bei keinem Volke sonst übt der Ort, die Ortsverschiedenheit, einen Einfluß. Nicht nur einzelne Berge, Seen und Inseln erregten in der Brust der Kelten heilige Gefühle (459) - man denke an die Druideninseln Sena und Jona -, sondern jeden Ort, jeden Bau, jeden Wald, jeden See schützte ein besonderer Gott, und oft läßt sich nicht erkennen, ob ein Gott nach einer Gegend oder eine Gegend nach einem Genius benannt wurde (460), so bei dem Waldgotte Vosegus, der Quell- und Dorngöttin Devona (461), der Waldgöttin Abnoba, Arduina, Aventia (462), dem Höhengott Peninus (463), dem Wassergott Jupiter Bedaius (464), dem Heilgott Alaunus. Von einem Heilgott Juvavius oder Ivavus erhielt Salzburg-Juvavum und Evaux in Frankreich seinen Namen. Umgekehrt bestimmt die Gegend einen Mars als Camloriga, Canturix, Condatis, Jeusdrinus, Cnabetius, Lelhunnus, einen Merkurius als Cimbrianus, Cambus, Avrenorix, einen Jupiter als Arubianus.

Wie jeder Gau seinen Häuptling, so hatte er auch seinen Gott und genoß den Schutz eines sichtbaren und unsichtbaren Patrons. Auf die Göttervorstellung übten die sozialen Verhältnisse einen unverkennbaren Einfluß aus, wenn es auch zu weit geht, die Religion als ein eine Abschattung der Wirtschaftsverhältnisse zu deuten.

In der Verworrenheit der keltischen Religionsvorstellungen widerspiegelt sich die Unbestimmtheit und Unsicherheit der öffentlichen Verhältnisse ebenso wie die Unklarheit eines Volkes, das sich mehr von der Einbildung als vom Denken leiten läßt.

B. Göttinnen

Noch unfaßbarer und unbestimmter als die Götter treten uns die Göttinnen entgegen, die durchaus nicht jene Rolle spielen, wie man nach der Frauenverehrung der Kelten vermuten möchte. Entweder erscheinen sie nur als die weibliche Abschattung eines männlichen Gottes, oder sie drängen sich zu zahlreich auf oder lassen sich von einem bestimmten Gebiet oder Gaue nicht lostrennen.

So begegnet uns neben einem Netos eine Nantosvelta, neben Lugus die Lougiä, neben Smerius die Rosmerta, neben Merkur Alaunus die Alaunä, zur Seite des Neptun Nymphen, neben Dispater Herekura, neben Apollo Stannus die Heilgöttin Stanna, neben Sol die Minerva und Suli die Glänzende, neben Apollo-Belenus Minerva Belisama und Sulevia (465), die Hüterin der Herde, Lehrerin weiblicher Künste, Helferin in Krankheiten.

Am meisten ragt hervor Diana, deren Namen ursprünglich wohl Göttin überhaupt bedeutet, eine weibliche Form von Div, Divpater, Himmelsvater, gleich Divona. Bald tritt sie uns entgegen als schaffende Naturkraft, der Venus verwandt (466), bald als Jägerin und als Führerin der Geister gleich Merkur, wie ja Erd- und Geburtsgöttin und Unterweltsgöttin sich auch sonst berührten (467). In ihrer Eigenschaft als Erdgöttin gleicht ihr die galatische Berecynthia, die von den Häduern neben Diana und Apollo verehrt und deren Bild auf einem Wagen unter Jauchzen umd die Äcker und Weinberge geführt wurde (468). Nur wenig unterscheidet sich von ihr die in dem späteren Hexenwahn vorkommende Adundia, Satia, Bensocia, Bona Res (469), die als Seitenstück Merkurs auftretende Rosmerta (die römische Ops) (470) und die Göttin Ario mit dem Bären, ein Obst- und Fruchtgöttin, die in der Bärenstadt Bern verehrt wurde (471), endlich die neben dem Silvanus vorkommende Silvana und Sivanä.

Zu ihnen gesellt sich als nahe verwandte Gestalt die Schützerin der Rosse Epona, der die Kelten als Rossezüchter, aber nicht minder auch die Römer huldigten (472), ferner Nantosvelta mit einer Hütte in der Hand, wohl ein Seitenstück zu Net, Netos, Nantos, dem Kriegsgotte (473). Eine Siegesgöttin Andraste verehrten die Briten, deren Königin Baodicca sich ihr mit den Worten näherte: “O Weib, als Weib flehe ich zu dir. Nur du, o Herrin, sei für jetzt und immer unsere Königin” (474). Ein Schiffsgöttin Nehalennia mit Früchten in der Hand und einen Hund als Begleiter, begegnet uns bei batavischen Seefahrer (475); ist sie wahrscheinlich eine germanische Göttin. Alle Kelten teilten endlich die Verehrung der Mütter, der Matres, Matronä, Mairen, und wie jeder Ort des Schutzes eines Patrons, genoß er auch, wie es scheint, der Hunt und Huld einer Matrone (476).

In großer Zahl erscheinen außer den Müttern die Suleven, Sulfen, Minerven, die Elben, Nymphen, die Silvanä, die Heilgöttinnen Alaunä, die Betrugsgöttinnen Lougiä, die Geberinnen Ollogabiä. Die Iren verehrten eine dreifache Brigit, die Brigit der Dichter, der Ärzte und Schmiede (477). Eben ihre Mehrzahl drückte sie in ihrer Bedeutung herab, oder ihre örtliche Beschränkung, wie die Dea Cana, Vercanos, die Heilquellgöttin Segeta, Stanna. Das Gleiche gilt von der Dea Mogunita, Athubodua (Schlachtkrähe), von den Matronä Gavadiä, Ollototä, Octocanä (acht Hütten), Rateihä, Romanehä,Veteranehä, Batviä. Im Lande der Götter jenseits des Meeres mit seinen hundertfünfzig Inseln umschließe, glaubten die Kelten, ein Gebiet Tausende von Frauen und Töchter und dehnen sich prächtige Ebenen übersäet mit duftenden Blumen. Mit Gottheiten aller Art bevölkerte die Volksphantasie das weite Reich der Natur, mit Feen und Elfen, mit Riesen und Zwergen. Klein und zart, nicht höher als ein Reiterstiefel oder ein Daumen, aber von wunderbarer Schönheit, hausten die Feen in Wald und Feld unter der Erde und in den Lüften, mit Vorliebe aber um die alten Steintische und Felssteine, die Feenrocken und Feenspindel hießen, in Feengrotten und an Quellen und erfreuten sich an entzückenden Tänzen und Zaubermusik. Wehe dem, der sich ihren Anträgen auch aus den sittlichsten Gründen entzog (478). Nur Nachts lebten sie und zeigten ihre Schönheit, des Tages erschienen sie als häßlich; ihre Haare waren grau, ihre Augen rot, ihre Wangen faltig; die alten Feen sahen runzelig und verwittert aus, voll Seegras und Meerschnecken, alt wie die Wege und weiß wie der Schnee. So ging die Gestalt der wohltätigen Elfen leicht in die der Hexen über. Mit Göttinnen, Elfen und Menschentöchtern verbanden sich die Götter gerne in Liebe und erzeugten Riesen und Helden, die sich ihrer Herkunft rühmen. Eine volkstümliche Gestalt dieser Art ist Morgan, der Sohn des Meeres. In römischen Inschriften treten uns entgegen Esussöhne, Teutatessöhne, eine Esugenus, Esunertus (479), Totatigenus, Camulogenus, Dubrogenus, Devogenus, Renogenus, Vernogenus, Boduogenus (480).

So kann es geschehen, daß einer zwei Väter hat, einen Gott und einen Menschen, z. B. der Held Euchulainn, der Sohn Lugs, dessen Reize selbst Göttinnen anziehen; denn auch umgekehrt drängen sich Göttinnen den Menschen auf, so die irische Kriegsgöttin Badb oder Morrigu dem eben genannten Helden, der sie aber abweist. Umsonst sucht sie sich an ihm zu rächen, indem sie sich in eine Nadel, in eine Kuh, in eine Wölfin verwandelt und ihn im Kampfe belästigt; nicht der Held unterliegt, sondern sie empfängt Wunden, die sie zur Schmach noch von ihm heilen lassen muß. Mehr Eindruck macht auf ihn eine andere Göttin Fand und fesselt ihn, aber nur kurze Zeit, da ihm der Schmerz seiner rechtmäßigen Gattin gald Reue einflößt.

C. Bilder und Sinnbilder

In der Berührung mit den Römern und anderen Völkern, mit Griechen und Orientalen nahmen die Kelten willig neue Formen und Symbole auf. Obwohl die Kelten selbst gerne mit Zahlen spielten und in ihnen bedeutsame Beziehungen entdeckten, erinnern doch die Zwei-, Drei-, Viergötter stark an die Orient (481), ebenso die dreiköpfigen Götter, Götter mit untergeschlagenen Beinen und mit Hörnern, wie der rätselhafte Jupiter (Bacchus) Cernunnos, dessen Hand einen Schlauch drückt und dessen Hals eine Kette umgibt, wohl ein Gott der Fülle. Unter dem über Giganten reitenden Jupiter römischer Bildwerke, die sich in Gallien und Germanien fanden, einer kriegereischen Gestalt mit Panzer und Kriegsmantel, verbirgt sich vielleicht der keltische Taranus (482). Herkules oder Merkur Ogmios nahm Züge von Melkart an: ein Greis mit Kahlkopf, die wenigen Haare, die er hat, ganz weiß, die Gestalt ganz ausgemergelt und gefurcht wie bei einem alten Seefahrer, so daß man ihn für Charon halten konnte, trägt er eine Löwenhaut und hält in der rechten Hand die Keule und in der linken Köcher und Bogen und fesselt an Gold- und Bernsteinketten eine Menge Menschen, von denen keiner widerstrebt und die seine Kettchen bricht. Den sie wünschen nicht einmal befreit zu sein, folgen ihm freudig und munter, wie um die Wette. Da beide Hände des Gottes schon beansprucht waren, hat, wie Kukian berichtet, der Bildner die Kette von der Zunge ausgehen und zum Ohr zurücklaufen lassen und deutete damit zugleich die Redegewalt Merkurs an. Einer Erdgöttin, Göttin der Fruchtbarkeit, deren Bild sich zu Compiègne fand, sitzen Vögel auf der Brust und saugen ihre Milch. Wenigstens in der Form verrät diese Darstellung fremde Einflüsse.

Nach verschiedenen Richtungen weisen die allerdings geringen Spuren eines Baum- und Tierdienstes, so der schon genannte Buchengott Fagus, der Sechsbaum, Sexarbor, der Stiergott Tarvus, an den namentlich der Völkername der Taurisker außer dem Beinamen Bonnotaurus, sowie der Ortsname Tarvis erinnert. Sicher huldigten dem Stierdienst die Keltiberer, wie die vielen erhaltenen Grenzmale, bestehend in steinerenen Stierfiguren beweisen, ganz abgesehen von den von jeher in Spanien heimischen Stierkämpfen (483). Auf gallischen Bildwerken erscheint der Stier mit drei Hörnern und mit drei Kranichen, ferner die gehörnte Schlange. Über einem Stier mit drei Hörnern leisteten die Kimbern ihre Eide; auf einem vierseitigen Altare schließt sich an Esus, der einen Baum umhaut, der Kranichstier an, der Tarvos Trigaranos und auf einem anderen Altare haut ein Gott einen Baum um, auf dem drei Kraniche sitzen; nur läßt sich nicht erkennen, welche Beziehungen hier obwalten, ob es sich um eine weltfeindliche Macht, den Weltenbaum handelt, ob der Gleichklang Trikeras Dreihorn, Trikarenos Dreikopf mit Trigaranos drei Kraniche zu einer solchen Zusammenstellung führte. Im Griechischen bedeutet Geranos Kranich und zugleich Storch, beide wurden in gleicher Weise als Weisheitsvögel verehrt. Nach der irischen Sage helfen drei Kraniche dem kriegerregenden Stiere Donn - in Gallien unter dem Eigennamen Donnotaurus bekannt - und bekämpft diesen Stier der Held Cuchulainn d. h. der Gott mit falschen Bart oder der Hund von Culann (484). Die feindliche Göttin Morrigu verwandelte sich in einen Raben und droht sich dem Cuchulainn in der der Gestalt einer Schlange in einer Furt an das Bein zu heften, ihn in der der Gestalt einer Wölfin zu verschlingen und seinem Gegner in der Gestalt einer Kuh zu helfen. Wenn ein Gott Smertullos (mit falschem Bart) die Schlange auf einem keltischen Bildwerk mit der Keule bekämpft, so kann wohl diese Sage zur Erklärung beigezogen werden (485).

Wie andere Völker erblickten die Kelten in Tieren und Bäumen Sinnbilder, ja Äußerungen, Verkörperungen göttlicher Kräfte, Darstellungen der Ahnengeister, Totems, und ihr heißestes Sehnen richtete sich daruf, die Sprache der Tiere zu verstehen. Je nach ihrer Schätzung vermieden sie den Genuß dieses oder jenes Tieres, so die Briten den des Hasen, der Henne und Gans (486). Außer den Kranichen tritt uns als heiliger Vogel besonders der Rabe Branos, Lug oder Lugos (487), sodann der Bär, bekannt durch die Bärengöttin Artio, der König der Tiere nach der germanischen Sage, ferner der Eber, den römische Bilder geradezu als Sinnbild der Kelten vorführen, endlich der Fuchs entgegen. Demgemäß tragen auch die Eigennamen vielfach Tiernamen in sich, z. B. Matu, dessen Bedeutung nicht ganz klar ist, so Matuus, Matuccius, und begegnet uns ein Bären- und Stiersohn Artigenos, Urogenos, ein Eber- oder Fuchs- und Hundsohn Matugenos, Cunogenos, ein Rabensohn Branogenos, ein Fuchssohn Lovernios, ein Eichen- und Erlensohn Vidugenos, Vernogenos (488), endlich viele Namen, die auf Pferde hinweisen, Epomarkus, Cunomarkus, Markarius u. andere. Pferde und Hunde, namentlich aber Widder und Schlangen, hatten in den Augen der Kelten und vieler anderer Völker einen eigentümlichen Zusammenhang mit der Unterwelt, letztere zugleich als Symbole der Fruchtbarkeit; denn im Krieslauf des Lebens schließt sich die Geburt an den Tod, beide entspringen dunklen Mächten (489). Schlangen und Drachen haben die Kelten im Unterschied zu anderen Völkern nicht immer als heilbringende Wesen betrachtet; denn sie entlehnten wie die Germanen den Namen Drchen den Römern (490).

Die Götterwelt widerspiegelt das Menschenleben in nur wenig verklärter Gestalt. Wie die Menschen sich hassen und lieben, so tun es die Götter, die Götter kommen und gehen, in blutiger Fehde fallen ihrer Hunderte; vermögen doch Menschen die Götter zu überwinden. Umgekehrt überwinden die Götter die Menschen und führen die gefangen fort; mitten aus ihrer Tätigkeit reißen sie Kinder, Jünglinge und Männer heraus. Das Totenreich nimmt die Helden auf und schickt sie wieder aus (491).

Ein schon ursprünglich angelegter Dualismus entwickelte sich unter dem Einfluß fremder Ideen weiter und der Kampf gute und böser Geister beschäftigte die Phantasie; ein Kampf, der den Hauptgegenstand der irischen Sage bildet (492). So bekämpfte nach einer alten an die Geschichte vom Riesen Goliat erinnernde Sage Lug den Riesen Balar, der seine Augenbrauen nur mit Hilfe von vier Menschen erheben konnte. Wenn er seine Augen erhob, schleuderte er tötliche Blitzblicke. Ehe seine Begleiter ihm bei der Augenöffnung beigestanden, gelang es nun Lug seine Schleuder zu werfen. Damit war der Sieg der guten Götter entschieden (493). Wie Zeus die Titanen, bekämpft der König Nodons, Nuadu, die Rirbolgs und Fomore, verliert in der Schlacht seine Faust und ersetzt sie durch eine Silberhand (494). Im alten Gallien erinnern seine Spuren an solche Kämpfte; doch erscheinen wenigstens in späterer Zeit die Dusier und Bacucier als böse Dämonen, als Unzuchts- und Hochmutsteufel (495). Unter dem Einfluß des Christentums nahmen die bösen Geister noch schrecklichere Gestalt an, erscheinen einäugig, lahm und bucklig; rot und giftig ist ihr Gewand und Gift tragen sie an Händen, Füßen und an ihren Waffen (496).

D. Götterdienst

Mit dem Jenseits setzten, wie die Kelten felsenfest glaubten, Träume, Vorzeichen, Gottesurteile und Opfer in Verbindung (497), so daß sie im Vogelflug, in den Zuckungen und in dem rinnenden Blute der Opfertiere und Opfermenschen (498), vielleicht auch wie Perser und Germanen im Wiehern der Pferde den Willen der Götter ergründeten; ja sogar den Lauf des Hasen mißachteten sie nicht. An den Brandgräbern der Helden ließen sie sich zum Schlafen nieder, um in Träumen Aufklärung zu erhalten (499), befragten das Los mittelst gezeichneter Stäbchen und nach der Sage mittelst verschiedenfarbiger Steine in einem Eimer. Die Sage berichtet von verschiedenen Ordalien, wovon schon oben die Rede war (500). Endlich erholten sie sich bei Druiden, bei Zauberern und Zauberinnen Rat, wie solche auf der Insel Sena hausten, die Wind und Wellen geboten und sich in alle möglichen Gestalten verkleidet haben sollen (501). Ohne Zweifel lernten sie hierin viel von den benachbarten Rätern und Etruskern, die ja auch die Lehrmeister der Römer in der Zauberei und im gottesdienstlichen Spiel waren (502).

Den Götterwillen zu zwingen, beteten und opferten die Kelten wie andere Völker zu ihren Göttern. Beim Gebet schauten sie nach Osten und drehten sich nach dem Westen links um, während die Römer, die nach dem Norden sahen, sich rechts um nach dem Osten drehten (503), womit zusammenhängt, daß die Römer die von links kommenden Vorzeichen, andere Indogermanen (504) aber die von rechts kommenden für Glück verheißend hielten und jene die linke, diese die rechte Seite für ehrenvoller hielten (505). Die galatischen Toskodrugiten legten beim Beten den rechten Zeigefinger an die Nase.

Als Opfergaben spendeten sie die köstlichen Gaben, alles, was ds Herz begehrt, Speise und Trank, Fleisch und Frucht, Honigmet und Bier, Tiere und Menschen, Gold und Silber (506). An heiligen Orten, wozu vor allem Haine dienten - Hain und Tempel bedeutete das gleiche Wort Nemetum - standen Tische, Opfersteine, Altäre die von Blut tropften, goldene Standarten und Schatzhäuser, die von Gold und Silber überflossen; selbst in die heiligen Flüsse und Seen warfen sie zur Versöhnung der Wassergeister nicht nur Nadeln und Keile, die Sinnbilder des Blitzes, Hufeisen und Ringe, Kleider und Lebensmittel, sondern viel edles Metall ohne Zagen (507).

Kostbare Tempel erhoben sich auf Höhen zu Ehren der Götter, so auf dem Puy de Dome ein mächtiger Tempel, dessen Wände und Boden Marmor, dessen Dach Blei deckte (508).

Als vornehmestes Opfer weihten sie ihren Göttern Menschen, besonders ihren Hauptgöttern und Kriegsgöttern Esus, Teutates, Taranos und den Unheilgöttern (509). Wer an schwerer Krankheit leidet, wer sich im Krieg oder in Gefahr befindet, sagt Cäsar, opfert statt der Tiere Menschen oder macht doch wenigstens ein Gelübde von Menschenopfern (510), zu deren Darbringung sie sich der Druiden bedienen als Vermittler. Es wird nämlich geglaubt, für ein Menschenleben müsse wieder ein Menschenleben dargebracht werden, anders lasse sich die Gottheit nicht besänftigen (511). Daher mußten in Pestzeiten viele Menschen ihr Leben verbluten. Ebenso bereiteten wichtige Unternehmungen kostbare Opfer vor; bei Stadtgründungen, bei Hausbauten, Schiffsbauten mußten Menschenleichen den guten Grund legen. Bei dem Kirchenbau zu Iona bot sich nach der Sage dem heiligen Columba freiwillig Odran zum Grundsteinofper an und Columba gewährte ihm seinen Willen (512).

Zum Opfer, sagt Diodor, weihen sie einen Menschen, indem sie ihm das Messer in die Brust über dem Zwerchfell stoßen (513); wenn nun der Verwundete niedersinkt, so nehmen sie aus der Art des Fallens, aus den Zuckungen der Glieder und aus dem Laufe des Blutes das Zukünftige wahr. Große Götterbilder aus Weidengeflecht füllten sie mit lebendigen Menschen gleich dem phönikischen Moloch, zündeten sie dann an oder sie banden die Todesopfer in Tempeln an Pfähle, schoßen sie mit Pfeilen und Wurfspießen tot, hingen sie an Bäumen auf, erstickten sie in Fässern, warfen sie ins Wasser den Wassergöttern zum Opfer, so auch Pferde (514). Nächst den Gefangenen, glaubten die Kelten, wie Cäsar sagt, seinen den Göttern besonders erwünscht Verbrecher, die sich eines Diebstahls, Straßenraubes oder sonst eines Frevels schuldig gemacht; mangeln aber solche Verbrecher, so schreite man zum Töten von Unschuldigen. Oft fünf Jahre lang mußten die zum Tod verurteilten in Gefängnissen schmachten, bis sie der Tod erlöste (515). Auf einer Insel an der Mündung der Loire dienten Weiber dem Bacchus: jedes Jahr einmal trugen sie das Tempeldach ab, deckten es nachts neu auf und zerrissen die Frau, die hierbei etwas verlor, und trugen ihre Fleischteile unter Evoegeschrei um den Tempel (516). Wenn Pest einfiel, bot sich in Marseille freiwillig ein Armer zum Opfer an, ließ sich ein Jahr lang mästen, dann am Ende des Jahres mit heiligen Kleidern und Kerzen durch die Stadt führen und ins Meer versenken (517).

Das Fleisch der Opfertiere galt, da es mit den Göttern in Berührung geraten, als zauberkräftig, und nicht mehr das Menschenfleisch (518). Daher schritten die Kelten von der Anthropothusie zur Anthropophagie, zum Kannibalismus fort. Obwohl die Römer keinen Grund hatten, angesichts ihrer Fechterspiele auf die keltische Menschenschlächterei stolz herab zu sehen, wußten sie deren Grausamkeit und Roheit nicht grell genug zu schildern. “Siehe da stand ein Wald,” schreibt Lucan, “seit unvordenklichen Zeiten nie vom Beile verletzt; mit dicht verschlungenen Ästen wehrt er in schattiger Kühle dem Strahl der Sonne, behütend heilige Nacht. Hier herrschte ein barbarischer Kult mit grausam dampfendem Altar. Jeglicher Baum troff von menschlichem Blut unheimlichen Göttern geweiht. Ja, wenn Glauben verdient der Wunderglaube der Vorzeit, mieden die Vögel sogar auf seinem Gezweige zu sitzen, mied es das Wild zu lagern am Hain, traurig starrten geformt aus umgehauenen Stämmen ohne Kunst und Gestalt die Bilder der finsteren Götter. Schauder erregt die Verlasseheit, der vermorschenden Klötze bleichere Färbung, und größere Furcht verbreitet der Gottheit ungewohnte Gestalt; denn fremde Götter erzeugen durch das Geheimnis heilige Scheu; auch meldet die Sage, es ringelten Drachen sich um die Stämme und fliegen umher. Die Leute vermieden hier in der Nähe den Boden zu bauen, den Ort des Entsetzens überlassend der göttlichen Macht (519).”

Solche Kultstätten mochten einen Römer ähnlich anmuten, wie einen heutigen Forscher oder Missionär die gräßlichen Opferstätten der Wilden mit ihren Schädeln und Knochen (und Auschwitz?) Aber hier wie dort muß man bedenken, daß primitive Völker mit großer Kaltblütigkeit den Schmerzen und dem Tode entgegen sehen. Ohne Bedenken und Furcht ließen sich die Kelten selbst abschlachten im Glauben, daß gewaltsamer Tod der Seele zu höherem Dasein verhelfe (520), und jedenfalls fest überzeugt von einem Jenseits, das so klar vor ihrer Seele stand wie das Diesseits. Der Tod war den Kelten, wie ein Alter sagt, nur eine Unterscheidungslinie inmitten eines langen Lebens (521), keine Grenzlinie (ultima linea rerum). Kein Hades schreckte sie ab.

E. Totenkult

Im Frohgefühl dieser freien Lebensanschauung widmete ein Teil der Kelten den Leichen als vergänglichen Gefäßen des Geistes keine besondere Sorgfalt, verbrannte die Leichen, oder gab sie den Vögeln des Himmels preis, wie die Perser. Von den Raben, Adlern und Hunden auf dem Schlachtfelde gefressen zu werden, hielt man allgemein für den ehrenvollsten Tod (522). Aber viele hielten, von der Anschauung aus, daß das jenseitige Leben eine Fortsetzung des diesseitigen sei, die leibliche Form für die wesentliches, unentbehrliches Mittel dieses Fortlebens und statteten die Toten wohl aus mit Schätzen und Schmuck, mit Frauen, Dienern und Haustieren, besonders mit Hunden, die sie auch in die Schlacht und auf die Meerfahrt mitnahmen. Gläubiger legten Schuldscheine, Schuldner ihre Zahlungen, die Bekannten Briefe an ihre jenseitigen Freunde ins Grab (523); noch vor nicht langer Zeit bedeckten die Iren die Augen ihrer Toten mit Pfennigen. Mancher gab sich selbst den Tod, um mit einem mächtigen Mann jenseits zu leben. Zu Marseille gewährte der Senat jedem Gift, der nicht mehr leben wollte. Die Sitte verbot jede Totentrauer (524). Als in Griechenland einmal die Gallier vor einer mörderischen Schlacht standen und aus Götterzeichen zu erkennen glaubten, daß sie als Opfer des himmlischen Zornes fallen müssen, schlachteten sie vorher ihre Frauen und Kinder, um ihrer Gesellschaft im Jenseits nicht zu entbehren, ebenso die Briten, die Agricola besiegte (525). Durch Testamente zwangen die Kelten ihre Frauen und Kinder, sich über ihren Leichen zu Tod zu fechten und den Teilnehmern das Vergnügen eines Zweikampfes zu gewähren (526). Nachdem die Sitten diese Pflicht gemildert, mußte die Frau wenigstens sich die Haare raufen, sich zerfleischen, wie auch sonst an Stelle der Menschenopfer Verwundungen traten (527). Den Todesgöttern und Geistern mußten die Unterweltstiere genügen, Hunde und Schafböcke; eben deshalb erhielt das Herdgestell die Gestalt des Feuerbockes (528). In der Erwartung eines künftigen Lebens widmeten die Kelten auch der Bestattung oft eine Sorgfalt, wie man sie etwa bei den Ägyptern erwartet.

In englischen Gräbern lagen die Leichen in Lehm, Ton, Kalk, Gips gebettet; ja selbst im Sarge umgaben den Leichnam solche Stoffe, damit die Form desselben erhalten bliebe (529). Wenn sich wenig Gräberschätze erhielten, so lag nach der Andeutung eines Römers die Ursache darin, daß sich die Druiden derselben bemächtigten (530).

Am Rande ihres Gesichtskreises suchen einzelne Völker den Eingang zum Jenseits. Je weiter aber der Gesichtskreis sich ausdehnte, desdo weiter rückte dieser Eingang meist ab und so beschäftigten ihre Phantasie unwirtschaftliche Gegenden. Ein Teil der Kelten hielt das westliche Britannien, das Land der schwarzen Männer, der unverwüstlichen Gestalten, andere die fabelhafte Atlantis für die Toteninsel. Dort im Westen höre man, berichtet Claudian noch im vierten Jahrhundert, immer die Klagen und Seufzer der Schatten, die mit leichtem Schlage dahinfliegen, und der Ackersmann sehe die bleichen Schatten vorbeiziehen, die die Züge des Todes tragen (531).

Wenn das Lebenslicht eines großen Mannes erlösche, glaubte man, errege sein Geist, der zuvor wohltätig gestrahlt hatte, Stürme, Erdbeben und Pest (532). Die Küstenbewohner Frankreichs sind nach Prokops märchenhafter Erzählung von jeher mit der Last betraut, die Toten nach Britannien hinüberzuführen. Mitten in der Nacht klopft der Geist, der Totenführer, an ihrer Türe und ruft sie mit tiefer Stimme; sogleich erheben sie sich, ein geheimnisvoller Zug zieht sie an’s Ufer, wo sie fremde Nachen finden, die leer scheinen. Aber sobald sie zu rudern anfangen, merken sie daß die Nachen beladen sind, da sie bis am Rand im Wasser laufen. Nach einer Stunde sind sie bei der Insel, die sie sonst nur nach einem Tag und einer Nacht erreichen. Unsichtbar landen die Toten; eine Stimme ruft sie bei dem Namen, dem Namen des Vaters oder des Mannes. Dann kehren die Schiffer wieder zurück (533). Über den cimbrischen Schlachtfeldern erhoben sich streitende Geisterheere und erfüllten die Luft mit ihrem Getöse, mit Waffengeklirr und Hörnerschall (534). Noch in christlicher Zeit wollen die Bewohner der bretonischen Küste in der Luft das Knarren der Totenwagen gehört haben. Am Allerseelentag, berichtet die Sage, sammeln sich die Toten mit Weheklagen zur Tingstätte, da ließ man Nachts Feuer nicht ausgehen und stellte ein Mahl zurecht, damit sich die Gespenster erwärmen und laben. Zur Erinnerung an die alte Sitte versammelt sich noch heute an diesem Tage der Waliser Druidenverein und zündet das Notfeuer an (535).


(429) Abbildungen des Sonnengottes mit Rad in Rev. arch. 1884 II, 7; 1885 I, 179.
(430) Eine hl. Fichte, Sulp. vita Mart. 13 (10). Jam per se roburum eligunt lucos, nec ulla sacra sine ea fronde conficiunt, ut inde apellati quoque interpretatione graeca possint druidens videri; Plin. 16. 16, 95; Querolus 2, 1.
(431) Merkur verwandt mit marc Pferd oder Schlägel (marcio Steinmetz), über den römischen Namen Markus s. S. 97 N. 4.
(432) Der Name Tana für Eiche weist auf Tanarus hin.
(433) Asu, Asen. nach anderen ist die Wurzel ist begehren, aisos Gebet; Rev. arch. 1871 I, 37; andere erinnern an die aisa, das homerische Schicksal, aisios gerecht oder an euzuz schrecklich, wobei sie sich auf Lucan gerufen können: horrensque feris altaribus Esus oder an irsch aos, aes Feuer, Sonne, Gott. Nach Martin (Rel. d. G. 1, 259) war Esus der unbekannte Gotte des hl. Paulus.
(434) Lucan. 1, 444; Lactant. d. i. 1, 21.
(435) Rev. arch. 1873 II, 291; frühere Mythologien brachten ihn in Zusammenhang mit den phönikischen Teuth, dem ägyptischen Tot.
(436) S. Glossen zu Lucan. 1, 445 bei Holder II, 438.
(437) Die Wurzel verwandt mit tonitru, Donner.
(438) Oder Zeichen des Galgens. In römischer Zeit wird die ascia viel erwähnt (sub ascia dedicavit = S. A. D. kommt oft auf Inschriften vor); noch Gregor von Tours fand Gallus Bischof von Clermont überall dieses Zeichen (4, 5). Unter den Ruinenresten zu St. Moriz im Rhonetal sah ich selbst eine Säule mit diesem Zeichen. In Belgien sollen noch vor kurzem Priester den Hammer gesegnet haben. Britisch heißt der Gott Tanarus s. C. J. L. 7, 168; Haug-Sixt römische Inschriften 276.
(439) Von cellere nach andern von Celt. Die Gleichstellung sucellus-taranos ist bloße Vermutung.
(440) Daher Silvanus Saxanus, Silvanus Silvester. Silvane sacra semicluse fraxino C. I. L. 12, 103 (S. 17).
(441) Nos per arva perue montes Alpicos tuique luci suave olentis hospites - tuo favore sospitas. C. I. L. 12, 103. Als Wandergott hieß er Smertullus, der Mann mit falschem Bart, Cuchulainn genannt. Inschriften nennen auch einen Mars Buxenus (Waldgott).
(442) Cum malleo deducens, Tert. ap. 15; Caes. 6, 18.
(443) Ähnlich die Germanen in Tuisto, dem Zwitter. Ein bretonischer Volksgesang verbindet den Tod und das Schicksal mit dem Symbol von deux boeufs attelés à une coque (Villemarqué 1, 5).
(444) Britisch Ovydd. Visucius verwandt mit viscus Mistel oder vieser, visu Wissen. Rev. arch. 1873 II, 95; Rev. de l’enseignement (Bloch) 19, 533.
(445) H. F. 1, 32, dazu Rev. arch. 1875 I 325; II, 359.
(446) Man denke an loucanu, lucerna und Urlog. An den Namen erinnert vor allem Lugdunum (Lyon), die Burg des Lug, Holder II, 345.
(447) d’Arbois Littérature 7, 306.
(448) Smertatius, Admerius, über Rodons s. S. 158, 168.
(449) Lukan schwankt, ob er ihn Hermes oder Herakles nennen soll (Herc. 1).
(450) Elton 289.
(451) Mit Toten oder litauisch dusu Dunst verwandt; über die deutschen Tursen Grimm 485.
(452) Sulp. dial. 2, 13.
(453) Irisch heißt er Dagda (guter Gott).
(454) S. Daidoz Rev. arch. 1884/85; La relig. d. G. 21. Berl. Akademiabhlg. 1892.
(455) Herodian. 8, 3, 8; Capit. Maxim. duo 22. 1; Auson. prof. 5, 7; 11, 22. Andere Namen sind Mogo, Abellio, Bormo. Mit Belis wird das deutsche Bilsenkraut verbunden. Die Wurzel ist gwal brennen (bullire); davon romanisch galerno Nordwind; Rev. arch. 1873 I, 197. Frühere Mythologen wie Leflocq (104) erinnern an Bel, Baal.
(456) Grannus verwandt mit grend Haar (Bart) oder mit glenn warm.
(457) Davon Bourbon.
(458) Unklar ist Erunno auf einem Stein von Brumath.
(459) Creuzer, Symbolik 2, 376.
(460) Vielleicht gehört hierher auch Fagus deus, Sexarbor, Tarvos Trigaranus, sicher der zweimal bezeugte Maponus.
(461) Dornen als Hage, Zäune termini s. conc. Antiss. 585, 3.
(462) Aventicum, Avenches im Waadtland.
(463) Penus = Höhe.
(464) Davon Chieming Bedaion genannt oder umgekehrt.
(465) Von bel und sama-similis, Sulevia von Suli Auge, Sonnenauge.
(466) Daher gehen zwei Schlangen von ihrem Haupte oder ihren Hüften aus. Martin 2b, 63, 710. Sie ist Geburtshelferin Gerg. Tur. mir. And. 25.
(467) Aus der Erde keimt alles Leben; daher gebaren die Mütter sitzend. Über Diana s. Gerg. Tur. 8, 15; conf. 77; Vita Symphoriani, Boll. 22. Aug. 4, 396: Sulp. Sev. v. Mart. 15; die Lebensbeschreibung des hl. Theodor von Sykeon c. 2, Boll. Ap. 3, 36. In dem Leben des hl. Symphorian zu Autun heißt Diana ein daemonium meridianum per compita currens et silvarum secreta perlustrans. Nun ist auch im Psalm 90 (91) die Rede von einem daemonium meridianum. Daher verwirft Reinach Rev. celtique 16, 263 den keltischen Ursprung der asiatischen Vorstellung; vgl. Grimm 1114 (1010, 263). Das Konzil von Ancyra stellt Diana mit Herodias zusammen (Kulturgesch. d. r. Kaiserzeit 2, 456).
(468) S. Sulp. Sev. v. Mart. 12 (9).
(469) Bonae mulieres, Bonneschoses, Buone robbe.
(470) Außer Ops gleicht ihr Maia, Herkura s. den Rottenburger Stein in Stuttgart (andere in Mainz, Schorndorf gefunden). Rev. archéol. 1880 I, 158; Haug-Sixt, Römische Inschriften 184, 212, 263.
(471) Revue celtique 1900, 289; Bacmeister, Kelt. Briefe 50; Bachofen bringt die Gestalt mit dem Bären in Zusammenhang.
(472) wos Pferd stammt arepos (Pflug); Apul. m. 3, 27: Min. Fel. 28, 7; Tert. ap. 16; Prud. apoth. 197; unzählige Inschriften s. Holder I, 1448; Abbildungen Rev. arch. 1895 I, 163.
(473) Svelta von svel glänzen im Krieg=nantos.
(474) Dio 62, 6.
(475) Auf der Insel Walcheren; über das dortige Heidentum s. Bekea et Heda S. 23.
(476) Man denke an die matres suleviae, Holder II, 467, 473.
(477) Davon kam das festländisch Brigantia (Bregenz) und Brig im Rhonetal.
(478) S. die Erzählung von Nann bei Luzel I, 5.
(479) Nertus, stark durch Esus oder Mann des Esus.
(480) Ollognatus; vgl. D’Arbois Littérature 6, 172.
(481) Die Dioskuren Diodors (4, 56) erinnern an die Kabiren, Belloguet 3, 246; Rev. arch. 1882, I 321; 1880 II, 82.
(482) So erklärt Hettner und Sixt.
(483) Ztsch.f. Ethnologie 1892, Vhdl. S. 67.
(484) Deshalb stellt D’Arbois Cuchulainn und Esus geradezu gleich und faßt die drei Kraniche als die drei Hypostasen der Kriegsgöttin Morrigu, Badb, Macha (Rev. celtique 1898, 248).
(485) D’Arbois Les Celtes 60.
(486) Ohne genügenden Grund zieht Cailleux celtique de la civilisation 37 die Sequaner, deren Name ihn an Schwan erinnert, und die Hansa (Gans) herbei.
(487) Vater des Esus; Lugos bedeutet nch Plutarch de fluv. nom. 6, 4 keltisch Rabe. Ein Rabe lehrte nach den mirabiles auscultationes 86 des Aristoteles ein Gegenmittel coracium gegen das Pfeilgift.
(488) Guidgen, Guerngen; Reinach Rev. celtique 1900, 287.
(489) Über die Identität von Sünde und Sühne s. Kulturg. d. r. Kaiserzeit I, 435.
(490) Nicholson 183.
(491) The prisoners of the gods in The mineteenth century 43, 191.
(492) D’Arbois, Cycle mythologique Irlandais, Litt. 2, 140, 386.
(493) Tuatha d Danann.
(494) Daher erhielt er den Beinamen argat-lam. D’Arbois (les Celtes S. 34) stellt ihm den britischen Lud gleich, an den in London noch die Bezeichnung Lud-gate erinnert.
(495) Dusii ... incubi pilosi, Isid. or. 8, 11; Aug. civ. Dei 15, 23; über bacucii Cassia. coll. 7, 32, 2. Den Firbolgs folgen in der irieschen Sage die Tuathas de Dannan, diesen die Mile (D’Arbois LIt. 2, 145; Rev. arch. 80, II, 386).
(496) Irische Texte 4 a, 239.
(497) Aelian var. hist. 2, 31.
(498) Justin. 24, 4; 26, 2; 32, 3; diod. 5, 31; Liv. 5, 34; Civ. divin. 1, 15; 2, 36 (76).
(499) Tert. de anima 57.
(500) Zum Wahrsagen wurde auch das Eisenkraut verwendet, l’herbe de la double vue, wie man es noch später nannte. Über das Los siehe Caes. 1, 53; dazu Rev. celtique, 16, 313. Später hören wir von sortes sanctorum; s. Martin Religion 1, 73.
(501) Genannt Gallicenae, mela 3, 6; die Stelle ist zweifelhaft und mag aus Homers Schilderung der Insel der Circe weiter ausgesponnen sein; Rev. celtique 1897, 1; vgl. Tac. 14, 32; 15, 54; Dio. Chyrs. or 49.
(502) Müller-Deecke, Etruksker II, 165 ff. Aus der Gegend von Bordeaux stammt folgender Zauber gegen Halsleiden: Heilen! prosag geri no me! si polla na buliet! onodieni idene liton! Sei sanft, geh heraus rasch von mir! Nicht viel schwelle es, ganz rasch, o Übel, fliehe.
(503) Plin. 28, 5, (25); Plut. Numa 14; Marc. 6; Athen. 4, 13 (36).
(504) So nachweisbar Indier, Griechen, Deutsche (Schrader R. L. 664).
(505) Vgl. die Tischordnung beim Mahle, Kulturgeschichte der römischen Kaiserzeit 1, 88.
(506) Oros, 5, 15; ell. 3,9. Es gab Kelten (Galater), die den privaten Gebrauch dieser Metalle verdammten, Athen. 6, 4; Martin 1, 83.
(507) Just. 32, 7; Diod. 5, 27; Pol. 2, 32; Strabo 4, 1; Henderson, Folklore of northern Counties 1866 S. 131, 193. Siehe die wichtige Stelle Greg. Tur. glor. conf. 2.
(508) Von den Budinern berichtet schon Herodot, daß sie nach hellenischer Art Tempel besäßen 4, 108.
(509) Für Irland bemüht sich O’Curry (2, 222) den Vorwurf zu entkräften; allein der hl. Patrick zerstörte den Götzen Crom-Cruach, dem die Iren kleine Kinder schlachteten.
(510) Cuno, Vorgesch. Roms I, 47 erklärt die Stelle so, als beziehe sie sich auf Selbstaufopferung, wohl aber mit Unrecht.
(511) Lactant, ad. Thebaid. 10, 793.
(512) Elton 274, vgl. Nennius 40.
(513) Diod. 5. 31. Im Zwerchfell suchten die Alten den Sitz der Seele.
(514) Caes. 6, 16; Strabo 4, 4; Cic. p. Fonteio 10, 21; Min. Fel. 30, 4; Tert. scorp. 7; Oros 4, 13. Die Scholien zu Lucan sagen: Hesus Mars sic placatur: homo in arbore suspenditur, usque donec pe cruorem membra digesserit. - Teutates Mercurius sic apud Gallos placatur: in plenum semicupium hommo in caput demittitur, ut ibi suffocetur. - Taranis Ditis Pater hoc modo apud eos placatur: in alveo ligneo aliquot homines cremantur. D’Arbois Rev. hist. de droit 22, 289.
(515) Diod. 5, 32.
(516) Strabo 4, 4.
(517) Serv. ad. Aen. 3, 57; Lact. ad. Theb. 10, 793.
(518) Plin. 30, 4; Strabo 4, 5. Wer an Kopfweh litt, legte sich den Strick eines Gehenkten um die Schläfe; Plin. 28, 12.
(519) Phars. 3, 398. Excisique luci saevis superstitionibus sacri, Tac. a. 14, 30.
(520) lamne credis, bruta quondam Vasconum gentilitas quam sacrum crudelis, error immolarit sanguinem, credis in Deum relatos hostiarum spiritus? Velut Deo imerante, quem adesse bellantibus credunt. Prudent Peristeph. 1, 94 (p.Hemiterii); ein ähnlicher Glaube war auch in Antiochien verbreitet Chrys. hom 2 de Lazaro; Martin 1, 89.
(521) Vobis auctoribus, umbrae non tacitas Erebi sedes, Ditisque profundi pallida regna petunt; regit idem spiritus artus orbe alio; longae, canitis si cognita, vitae mors media est; Lucan 1, 454; vgl. den Todesgesang bei Villemarqué 1, 31.
(522) Luc. 7, 819. Coelo credunt superisque referri, inpastus carpat si membra jacentia vultur, Sil. It. 3, 343.
(523) Diod. 5, 28; Mela 3, 2.
(524) Val. Max. 2, 6.
(525) Justin. 26, 2; Tac. Agric. 38; Liv. 28, 23; Caes. 6, 19.
(526) Ath. 4, 17 (schreibt die Sitte den Germanen zu), Oros 5, 16. Nach einer bretonischen Sage rettet der Tod eines Kindes die Seele der Großmutter, Luzel I, 61.
(527) Wenn die Brunnenfrau in Oweins Geschichte sich rauft, kann man wohl auch an die Einflüsse griechisch-römischer Sitte denken.
(528) Rev. arch. 1898 II, 245.
(529) Noch im heutigen Irland sollen die Priester den Ton segnen, der in den Sarg gelegt wird; Guest 2, 86 nach Dixon.
(530) Val. Max. 2, 6; 10, 11.
(531) Illic umbrarum tenui stridore volantium flebilis auditur questus; simulacra coloni pallida defunctas quae vident migrare figuras; in Ruf. I. 124.
(532) Plut. orac. cess. 18 (31).
(533) Proc. b. got. 4, 20; vgl. über die Harier Tac. G. 43; Grimm Mythologie 792.
(534) Plin. 2, 58.
(535) Sculfort de Beaurepas, Renovation celtique 464; Elton 215 ; Villemarqué 2, 449.

13) Charakter der Kelten

Dem Tod schauten die Kelten, wie alle alten Völker, ruhig ins Auge, aber mit ihrer Todesverachtung trieben sie förmlich einen Prunk, angetrieben durch ihre Eitelkeit und Ruhmgier, ihre hervorstechendsten Eigenschaften. Tollkühner Mut, wilde Kampfgier riß sie zu den unvorsichtigtsten Handlungen hin und reizte sie unaufhörlich zu Zweikämpfen, drängte sie selbst, den Elementen zu trotzen und gegen Wogen, Überschwemmungen zu kämpfen; Erdbeben schienen ihnen Freude zu machen. Und doch wichen sie wieder feig vor der hohen See zurück, wankelmütig wie sie waren. Nichts, sagte ein König, fürchten sie als den Einfall des Himmels (536).

In ihrem Leichtsinn gingen sie so weit, daß sie das Schauspiel gaben, sich für Geld oder für eine Anzahl von Krügen Wein, welche sie unter ihren nächsten Angehörigen austeilten, die Kehle abschneiden zu lassen. Kaltblütig legten sie sich dann vor den Augen der Menge rücklings auf ihren Schild, um festen Auges den Todesstreich zu erwarten, bis jemand hinzutrat und ihnen das Haupt abschlug; offenbar gestärkt durch die von Priestern und Sängern genährte Hoffnung, daß das Haupt sich wieder den Gleidern anfüge (537). Schon vor ihrer Unterwerfung durch die Römer traten die Gallier in Rom als Fechter und Künstler auf und ließen sich in Buden sehen (538). Daher trugen Buden- und Wirtsschilde das Bild eines gallischen Prahlhanses (539). Als Scipio in Spanien Festspiele veranstaltete, machte es ihm hier viel weniger Mühe, als zu Hause Fechter zu finden.

Unter anderen boten sich zwei Vettern, die um den Vorrang der Stadt stritten, freiwillig an, obwohl ihnen Scipio riet, den Streit friedlich auszumachen (539). Scipio selbst hatte als junger Militärtribun einen prahlerischen König im Zweikampf besiegt; trotz der Niederlage ihres Vorahnen blickten die spanischen Nachkommen stolz auf diese Tat und verewigten sie auf ihren Familiensiegeln (540).

Es war keine auf Zucht und Selbstüberwindung begründete Tapferkeit, sondern die Ruhmgier, die Sucht, sich auszuzeichnen, sich sehen zu lassen, die sie zu waghalsigen Streichen antrieb. Daher hielten sie eine ruhmredige Zunge so hoch, wie eine kräftige Hand, und daher konnten sie die Sänger, die Barden nicht entbehren, die ihre Taten verkündigten. Sich selbst herauszustreichen und den Gegner zu schmähen, gehörte notwendig zum Einzel- wie zum Massenkampf. Über den Feind lachten und höhnten sie; sie streckten die Zunge heraus, machten verächtliche Sprünge oder erbrachen sich in einem Wust von Schimpfwörtern (541). Ihren Herausforderungen, sagt ein Alter, war ein tragischer Schwung eigen. Vor dem Kampfe sagte wohl ein großsprecherischer König, das römische Heer reiche kaum zum Frühstück für seine Hunde.

Besiegte schonten sie nicht, gemäß ihrem Grundsatz vae victis, wehe den Besiegten. Gefallenen Gegnern hieb man die Köpfe ab, die die Fußsoldaten an die Lanze steckten, die Reiter an den Sattel oder die Mähne des Rosses banden oder zu Hause als Türschmuck, Zaunschmuck verwendeten (542). Die Köpfe vornehmer Gefallener salbten sie ein, überzogen sie mit Cedernöl, d. h. wahrscheinlich Wachholderöl, bewahrten sie sorgfältig auf zum Schaugepränge für Fremde und hielten sie für wertvoller, als das gleiche Gewicht an Gold. Gefangene mußten an der Leiche der Sieger oder bei ihren religiösen Festen in großer Zahl bluten oder das Joch der Knechtschft auf sich nehmen (543). Umgekehrt wußten sie ihre gefallenen Helden nicht genug zu rühmen und zu besingen.

Gegen ihre Ruhmredigkeit, ihren Anprall, ihre Wut stach eigentümlich ab ihre Feigheit und Schwäche, wenn sie auf einen nachhaltigen Widerstand stießen. Hitze und Unbilden, Krankheit und Not konnten sie weniger aushalten, als die Germanen; da schmolzen sie wie Wachs, oder ließen sich wie Lämmer zusammenhauen. Sie jauchzen im Kampfe und heulen bei Krankheiten, sagt Cicero. Doch berichten auch wieder die alten Schriftsteller, sie haben um so eher Kälte und Nässe ertragen und mit ihren gestählten Gliedern allen Gefahren getrotzt. Kleine Wunden rissen sie noch weiter auf, sie freuten sich am rinnenden Blut und nur, wenn eine Kleinigkeit sie tötete oder hemmte, jammerten sie vor Verzweiflung.

Jedenfalls zeichnet ihren Charakter keine Gleichförmigkeit aus: bald waghalsig, bald feig, bald düster und grüblerisch, dann wieder heiter und ausgelassen, bald grausam und schrecklich, oder liebenswürdig, mild, gastfreundlich; bald ausschweifend und unmäßig, dann wieder keusch und nüchtern; bald gmein, raubgierig, habsüchtig, falsch, bold voll Edelsinn und Aufopferungsfähigkeit, treten sie uns entgegen. Sie konnten weder die Freiheit, noch die Knechtschaft ertragen und haben ihre Frauen und Götter, ihre Ideale bald hocherhoben, bald verachtet (5). Ihr Wesen könnte man als willensschwache Nervosität kennzeichnen, wenn man es nicht mit einem noch einfachen Volke zu tun hätte. Wildheit und Feinheit, Stumpfsinn und Begeisterung, Sinn und Unsinn, Verstand und Gemüt ergab eine wunderbare Mischung. Diese Widersprüche erklären sich zum Teil allerdings daraus, daß die Schriftsteller verschiedene Abteilungen des Volkes vor Augen stellen und dann verallgemeinern. Zwischen den Bretonen, Leuten ohne Furcht und Erbarmen, ohne Gesetz und Gott, zwischen den Südgalliern, halben Hellenen und den Keltiberen mit ihrer punischen Grausamkeit und Wollust bestehen große Unterschiede. Zum Teil aber erklärt sich das Widerspruchsvolle ihres Wesens durch die Mischung veschiedener Völker, dies sich auf keltischem Boden vollzog, zum Teil auch durch angeborene Anlagen und Temperamente (544), vielleicht auch durch eine größere Kulturarbeit und raffiniertere Lebenshaltung als wir vermuten.

Daß sie wandelbar waren, nach Veränderungen begierig, nach Neuigkeiten haschend, ohne Ausdauer im Unglück, wiederholen die Alten immer wieder. Ungeheuer leichtgläubig, meint Cäsar, lassen sie sich leicht täuschen (545). Nicht vom Verstande lassen sie sich leiten, meinte ein anderer, sondern von ihren Trieben, Gefühlen, Aufwallungen (546). Daher sprechen sie ihnen sogar den Verstand ab, während wieder andere ihre leichte Fassungsgabe und ihre Beredsamkeit loben (547) und ihnen sogar so etwas wie Esprit zuschrieben (548). Ihre Phantasie beflügelte ihr Denken; sie bildeten, hören wir, rasch nach, was ihnen gezeigt wurde.

Treue, Geduld, Zucht lag nicht in ihrem Charakter; sie konnten sich nicht beherrschen, sich ordnen, unterordnen und nachhaltig einer Sache widmen, und darin waren ihnen sogar die Germanen überlegen. Weniger noch als die Germanen beugten sie sich vor ihren Göttern, weshalb ihnen die Römer Gottlosigkeit vorwarfen. Ihnen fehlte der politische Sinn, sie wiederstrebten jeder Zwangsordnung, und daher mißlang ihnen jede Staatsgründung, sie konnten wohl Staaten zerstören, nicht aber aufbauen. Ganz individualistisch, egoistisch suchte jeder sich selbst in den Vordergrund zu schieben, und über die Rangordnung entstanden bei ihren Zusammenkünften heftige Streitigkeiten und Zweikämpfe, besonders bei der Beute und dem Mahle, wo der Beste und Tapferste die besten Stücke erhielt, und so mischte sich das Blut mit Met, Bier und Wein (549).

Auf ihre äußere Erscheinung hielten sie sehr viel, haßten Lumpen und Schmutz und betrachteten als größtes Unglück Mißform; ein hervorstehender Bauch war ihnen ein Gräuel (550). Sie wuschen, salbten sich fleißig (551) und tätowierten sich wohl oder wählten wenigstens die buntesten Kleiderstoffe (552). Ihre Buntfarbigkeit unterschied sie von allen anderen Völkern, nicht nur von den einfachen Germanen, sondern auch von den Römern, denen ihre Vorliebe für Schmuck und Flitter auffiel (553).

Wie für Farben begeisterten sie sich für Töne, für schöne Reden. Die Kunst, sei es Sangeskunst, sei es Schmiedekunst hob empor, adelte, wie das Wissen und das Schwert. Junge Leute, die mündig wurden, erhielten in England wohl eine Harfe neben dem Brettspiel. In der Männerhalle hing über jedem Männerlager ein Schachbrett und eine Harfe (554). Mit einer Harfe, einem Spielbrett und einem Ring ehrte man des Königs Diener; Harfe, Schwert und Buch, oder Harfe, Mantel und Kessel gehörten zu den Kostbarkeiten des Hauses, die nicht gepfändet werden durften, und ein Gesanglehrer, ein Buch, ein Schmied zu den Schätzen eines jeden Dorfes (555). Neben der britischen Harfe Telyn, Krok oder Rotte (556) spielten die Kelten die Zither, die Sackpfeife und Lärm machende Hörner und Posaunen (557). In den Ohren der Südländer klang ihre Musik nicht sehr bezaubernd und daher fällten sie über den Barbarengesang harte Urteile. Auf die alten Briten bezieht sich wohl der uralte Bericht des Hekatäus von einem Inselvolk, das sich als ein Priestervolk Apollos betrachtete. Alle 19 Jahre besuche sie Apollo, alle Tage singen sie Lieder zu seinen Ehren und tanzen an seinen Festen dazu. Einen heiligen Bezirk, einen runden Tempel haben sie ihm geweiht - man mag dabei an die Stonehenge denken. Die Tempelhut haben die “Boreaden”, die Barden wie man schon erklärte (558).

Die Barden waren die Sänger des Volkes, ihre Geschichts- und Rechtskundigen, welche die Taten der Vorfahren meist mit Harfenklang vortrugen, wahre wandelnde Stammbäume. Nachdem Rom und das Christentum das Druidentum zurückgedrängt hatte, trat an dessen Stelle der Bardismus mit ähnlicher Ordnung, mit verschiedenen Klassen und Versammlungen.

Mit ihrer dichterischen Phantasie haben die Kelten im Mittelalter tief auf das abendländische Geistesleben eingewirkt; aber schon lange zuvor geriet die römische Literatur unter keltische Strömungen. Kelten von Geburt waren einige der hervorragendsten Dichter: Vergil, Catull und Statius Cäcilius, vielleicht auch Plautus (559), ferner die Schriftsteller Varro, Trogus, Livius und Nepos. Der Name des Dichters und Sehers “Vates” ist keltisch und drückt die den Kelten eigentümliche Verbindung zwischen dem Dichten und Wahrsagen aus; diese Bezeichnung hat übrigens der griechische Ausdruck poeta verdrängt (560).

Das keltische Volk lebte doch zu viel in einer mystischen Scheinwelt und die sozialen Verhältnisse mit ihren schroffen Sonderungen waren die allerungünstigsten. Daher unterlagen sie den Römern, um so mehr als sie gleichzeitig von den Germanen und Römern angegriffen wurden, in Gallien wie in England. Sie unterwarfen sich leicht den Römern, da ihre Sprache und Sitte sie auf die Römer hinwies, denen sie näher standen als den Germanen (561). Nur in entlegenen, gut geschützten Gebieten, in Irland, Wales, Bretagne retteten sich starke Reste bis heute, in Irland und Wales erhoben sie sich neuestens im bewußten Gegensatz gegen das Angelsachsentum.

Es war auch später das Unglück Irlands, daß die reinste Anarchie herrschte, die Klane sich blutig befehdeten und dabei die Normannen ins Land riefen. Ihre tausendjährige Untertänigkeit lähmte vollends die Tatkraft der Kelten und stärkte noch ihre angeborenen Neigungen. Ihre fröhliche Sorglosigkeit und ihr mystischer Drang half ihnen über viele Leiden hinweg, hinderte aber bis heute jeden Aufschwung. Wie bei anderen Völkern war ihre Stärke auch ihre Schwäche.

Annemi, isch kannemi. Aus, fertig. Tutto completti, Situs wilate, in iset abernit. Fakten, Fakten, Fakten.

(536) Arist. eth. Nic. 3, 7 (10). Aelia var. hist. 12. 23; Ptolem. fr. 4; Arrian exp. Alex. 1, 4; Nic. Damasc. bei Holder 1, 917; Sotb. lofr. 7, 10.
(537) Hor. car. IV, 14, 49 (vgl. schol.); Lucan. 1, 460. Meinte man doch schon die Berichte des Posidonius (Athen. 4, 17, 40) und des Diodor (5, 28) sei aus einem Mißverständnis der Sage von wiederbelebten Enthaupteten entstanden, D’Arbois, Littérature 6, 54.
(538) Nec minus alio in genere sunt ludi velites Galli Germani petauristae, Varro frag. 21 bie Nonius p. 56.
(539) S. S. 176 N. 3.
(539) Liv. 28, 21; Val. Max. 9, 11, 1; Sil. Ital. 16, 528; nach letzterem tötet einer den anderen und noch auf dem Leichenstoß gingen die beiden Flammen auseinander; man konnte beider Asche nicht in einer Urne verwahren.
(540) Plin. 37, 4 (8); Liv. 48.
(541) Gell. 9, 13, 7; 9, 14, 4; Liv. 7, 9 sq. 26; 38, 17; Arr. exp. A. 1, 4; An einer Fechter- oder Schaubude war in Rom ein Gallier abgebildet in Mariano scuto Cimbrico sub novis distortus, eiecta linguea, buccis fluentibus, Cic. de orat. 2, 66; Quint. i. o. 6, 3, Plin. 35, 8.
(542) Das Fest des Bricriu (Irische Texte 2 a, 190); Liv. 10, 26; 23; 24; Strabo 4, 4.
(543) Diod. 5, 32; Liv. 23, 24. Thierry 2, 119. Eine derartige Erzählung noch aus späterer Zeit s. Nennius 46
(544) Galenus weist auf ihre feuchte Natur hin de temp. 2, 6; de morb. vulg. 3, 70.
(545) Caes. 7, 42; Mart. ep. 5, 1.
(546) Polyb. 2, 35 ; Caes. 3, 8; 4, 5; Liv. 5, 44; 22, 2; 27, 48; Galen. de decr. Hipp. 3, 3.
(547) Hier. ep. ad. Gal. 2 l. 2 prooem.; unsinnig heißt Paulus die Galater (3, 1); Galli pigrioris ingenii, Serv. ad. Aen. 6, 724.
(548) Argute loqui, sagt Cato, sei neben den res militaris ihre Hauptanlagen, orig. 2, fr. 2; Caes. 7, 12.
(549) So Posidonius s. o. S. 130; ähnliche Sitten bei den Thrakern, Hor. car. 1, 27.
(550) Galba Schmerbauch
(551) Tersi tamen pari diligentia cuncti et mundi, nec in tractibus illis maximeque apud Aquitanos poterit aliquis videri vel femina licet perquam pauper ut alibi frustis squalere pannorum. ammian 15, 12.
(552) Abbildungen von Galliern s. Rev. archéol. 1888 II, 271; 1889 I, 12.
(553) Liv. 7, 10; Tac. hist. 2, 20.
(554) Das Fest des Bricrin in den Irischen Texten 2 a, 197.
(555) Ancient laws 639, 64; 36, 2; 213, 10; 329, 18; 407, 1.
(556) Walisch crwth: Venantius spricht man chrotta Britanna (7, 8), über irische Musik s. Giralds C. d. 1, 10, 12, 12; topog. Hiberniae 3, 11.
(557) Die Etrusker besaßen noch viele andere Instrumente (Müller-Deecke II, 196). Nach Hesychius u. Eustathius heißen die Galater die Salqinx carnon, carnyx, verwandt mit cornu, Diod. 5, 30; Diefenbach 169, 281; Holder 1, 794, 801.
(558) Diod. 2, 47.
(559) Plautus erinnert an keltisch plouto schnell; Livius ist der glänzende.
(560) Marx, Allg. Ztg. 1897 Beil. 163.
(561) Manche heben die Verwandtschaft mit den Griechen hervor und führen Worte wie dacru Träne, derc sehen, davon der Göttername Dercetius, cuno Hund, Magus der Fürst, monikia Halskette, Deiotarvus hierfür an. Jedenfalls war aber die Vewandtschaft mit den Germanen stärker als mit den Griechen: man denke an Worte wie berg, birg, brog für Orte, boc Schwellung, balg, bulg gabalus Gabel, meldi mild, natrix Natter, nitio Neid, Kampf, an die späteren Worte lethar Leder, viriae angelsächsisch wir; vgl. Much Stammeskunde (Göschen) s. 46. Das oben erwähnte cuno heißt auch Höhe; Hercunio Anhöhe (Schwarzwald); Cuno Vorgeschichte I, 49.


Das gute Buch zum Buch:
M. Helmut Birkhan
Kelten - Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur
Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1997
ISBN 3-7001-2609-3



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