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DIE GESCHICHTE EINER SUCHE Freitag, 30. 07. 2010



Quod volunt, credunt ... Die Geschichte dieser Website begann an einem Wintertag in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Autor lebte seit 40 Jahren in dem kleinen Stadtteil Atsch einer mittelgroßen rheinischen Provinzstadt. Das dieser Ort in einem Zusammenhang zu Atuatuca, einer Nennung aus dem römischen Kriegsbericht "de bello gallico", in Beziehung stehen soll, erfuhr der Autor relativ spät von ortsansässigen Heimatkundlern.

Bei einem seiner ausgedehnten Ausflüge durch die Umgegend verweilte er an oben gezeigtem Wegkreuz und vernahm vermeintlichen Kampflärm, welcher auf- und abschwellte. In der Meinung, die Atuatuca-Schlacht zu hören, setzte sich der Entschluss durch, das dies ein Zeichen sei und er den Ort suchen sollte. Hat er den Ort gefunden, so versprach er sich und dem Baum, würde er ein neues Kreuz stiften. Das es der Lärm eines Regionalspiels von einem nahe gelegenen Fußballplatz hörte, war ihm eigentlich klar, das er sich dabei in eine lange Reihe von Suchenden nach dem Atuatuca einreihen würde, war ihm damals noch nicht klar.

Und hier begann sein Weg zu dem "Atuatuca" Caesars und des Ambiorix. Anfangs sehr emotionell getätigt, romantisch überprägt, später realistischer und hauptsächlich von Misserfolgen geprägt. Eine Ehekrise, Höhen und Tiefen, eine Fastinsolvenz kennzeichnen den Weg, bis hin zur Aufgabe des Projektes und einer Manie gleichenden Fortsetzung der Suche. Sehr viel Geld wurde investiert, viel Zeit in Anspruch genommen. Der Autor dachte sich, das allein durch Lesen der Texte Caesars, Vergleichen und Nachdenken es möglich sein sollte, den gesuchten Gegenstand zu finden, in der Art (in allen Ehren) wie Heinrich Schliemann es mit Troja tat. Mit dem prägnanten Unterschied, das er nicht graben konnte und die Suche im Rahmen der Gesetzgebung getan werden musste.

Die Parameter waren festgelegt. Da er Medien-Gestalter war und mit den besten Mac-Computern arbeitete, seine Passion die Oberflächensuche nach Steinzeitartefakten war und er sich sehr gut mit topografischen Karten auskannte, baute sich im Laufe der Zeit ein logisches Bild einer Landschaft und deren Beschaffenheiten auf. Geologische Kenntnisse kamen hinzu und durch die vermehrten Funde seines Hobbys ergab sich mit und mit ein zunehmend klareres Bild der Umgegend seines Wohnortes, was deren steinzeitliche und römische Besiedlung betraf. Er lernte Spurenlesen, die Natur zu beobachten und den Wind zu hören.

Während dieser Jahre machte er sich mit zwei Firmen selbständig. Zum einen Medien-Gestaltung, die andere Schiene war die Darstellung steinzeitlicher Techniken im Bereich von Schulen und Museen, beides im Laufe der Zeit mit wachsendem Erfolg. Dies und den Rückhalt durch seine Ehefrau gaben ihm den Freiraum und die nötigen Mittel, die Suche nach Atuatuca auf eine größere Landschaft auszudehnen. Begehungen, Luftbildauswertung bestimmter Regionen und Quellenforschung in geschichtlichen Materialien ergänzten die Suche. Er ging so vor, das er sich intuitiv ausgesuchte Höhen als Projekt vornahm und diese nach den verschiedensten Gesichtspunkten untersuchte. So ging es einher in allen Landesteilen ... Über Jahre "klapperte" er fast sämtliche mögliche Örtlichkeiten eines potientiellen Winterlagerstandortes ab, mit keinem Erfolg. Interessanter Nebeneffekt jedoch: er fand eine bereits 1880 ausgegrabene und wieder in Vergessenheit geratene große villa rustica in einer von Gott verlassenen Gegend. Die Überraschung war allgemein. Unangenehme Nebeneffekte wurden eine ausgeprägte Neurodermitis, ein zunehmender Tinnitus und der aufkommende Zweifel, ob das alles einen Sinn hätte.

An dieser Stelle scheint es angebracht, einen kurzen Abriss über die Voraussetzungen, bzw. die Grundlagen der Suche nach Atuatuca zu machen. Urheber und auslösender Faktor zu Atuatuca im Großen und Ganzen war Caius Iulius Caesar, ein antiker Römer, welcher vor Christi Geburt lebte und der durch einen Krieg bekannt wurde, den er selbst ausgelöst hatte und über welchen er ein Buch schrieb. Dieses Werk heißt "BELLUM GALLICUM", übersetzt etwa "Der gallische Krieg". Da der Autor der Webseite weder Latein lesen noch schreiben konnte, griff er auf deutsche Übersetzungen zurück. In diesem Buch stand "Atuatuca" im fünften Buch erwähnt, welches auch das fünfte Kriegsjahr dieses Krieges war, 54 v.Chr. Alle bisher Suchenden griffen auf diese Textpassagen zurück und machten es zu "ihrem" Schatzplan, mit allen persönlichen, national- und lokalpatriotischen Konsequenzen. Die Liste war lang. Der Bekannteste war 1978 Ludwig Drees (t), welcher den Raum D-Eschweiler/NRW zu seinem Objekt der Begierde machte, mit gutem Ansatz. Er erreichte eine offizielle archäologische Grabung aufgrund seiner Mutungen, doch ohne auch nur einen Erfolg, sprich Befund, Fund oder Lichtblick.

Hier kamen Kosten zu tragen, welche bei solchen Dingen anfielen. Allein die Fachliteratur für eine Recherche, teils Antiquarisch, kostete viel Geld. Dann die Luftaufnahmen, eine Karte 1:5000 etwa 20 Euro, welches sich entsprechend summiert, machte man von jedem der Suchgebiete eine vernünftige Recherche. Angebracht war hier ebenfalls die digitale Erfassung über 1:5000 Luftaufnahmen in Farbe, welche etwa 40 Euro kosteten. Google Earth erleichterte hier Kosten der Suche erheblich. Google Earth eignete sich gut für die Berechnungen von Streckenabschnitten, Übersichten und kurzen Skizzen. Raus musste man letztendlich immer ins Gelände, Atuatuca wurde nicht einfach mal so aus der Luft im Internet gefunden. Wichtig bei der ganzen Suche war eine Findung mit entsprechenden Funden, welche eindeutig zugeordnet werden konnten. Ob diese dann auch "echt" waren, oblag der realistischen Selbsteinschätzung des Suchenden.

Um es kurz zu machen, auch der Autor dieser Website nahm Caesar wortwörtlich, alle Streckenangaben, alle Örtlichkeiten, alle Zusammenhänge. Und da Caesar ein sehr präzise denkender Mensch und Autor war, ergaben sich logische Konsequenzen aus den überlieferten Texten. Etwa, das eine kleine, späteisenzeitliche gallische Festung in der Nähe eines Winterlagers liegen sollte, eben "das Atuatuca". Das es ein Tal gab, welches einen Heerzug von Römern zu Gänze aufnehmen konnte, das dieser Ort zwischen Maas und Rhein liegen sollte und das es zwei weitere Winterlager in einem relativ präzise definierten Abstand zueinander geben musste. Eines dieser beiden Lager wurden ebenfalls gut beschrieben und sollte bei der Suche nach Atuatuca eine Rolle spielen, da dieses die Lage des Lager Sabinus indirekt bestätigen sollte. Der Autor der Website hatte sich oft belogen, was die Suche anging. Er wuchs mit den Jahren an seinen Niederlagen.

Irgendwann war die Sturm- und Drangphase zu Ende und es wurden die Hausaufgaben gemacht. Keiner hörte mehr den Berichten und Meinungen zu, sensationelle neue Lokalisierungen ergaben ein müdes Lächeln, die Ehefrau verließ bei Caesar den Raum ... und so wurde der Plan umstrukturiert. Bücher über Militärplanung wurden gelesen, römischer Festungsbau studiert, verglichen und angeschaut, die Revolution begann von unten. Ein skurriles Ereignis war ein 75 km Marsch in einer geliehenen römischen Infanterierüstung mit Pilum und Schild in Caligulae. Am 15. und 16. Oktober 2005 mit drei Kelten in zwei Tagen von D-Jülich nach B-Tongeren. Es gelang und galt zu beweisen, das man in zwei Tagen in "Heavy Metal" diese Strecke bewältigen konnte, so wie es im bello gallicum stand. Beweisen tat das nichts, hatte aber den Respekt des Autors vor der logistischen Leistung der römischen Armee erheblich gesteigert.

Der Autor machte sich daran, britische Luftbildprospektion vom Ende des Zweiten Weltkrieges auszuwerten, alte Aufnahmen zu studieren, die Berichte über die Findung der Gräben von F-Alesia zu lesen und das Thema von der praktischen Seite anzugehen. Es ergaben sich rationalere Fakten, so dass die Suche andere Massstäbe bekam. Es ging um die realistische Größe eines Winterlagers, deren Zustand nach 2000 Jahren, die Relationen zu Tälern, die Auswertung des Gefechtsberichtes über den Hinterhalt des Ambiorix. Am Anfang war diese Website sehr emotionalisiert, wurde jetzt spezifischer und mehr geschichtliche Hintergründe kamen hinzu. Es ging darum, einen Gesamteindruck zu bekommen, der fundiert war und, wenn dieser auf einen neuen möglichen Ort angewendet wurde, bestimmten Parametern entsprechen musste. Somit schlossen sich schon im Vorfeld einige Orte aus. Eines Tages in 2007 wurden ihm die Luftaufnahmen mehrerer Überfliegungen aus dem Jahre 1930 übergeben. Auf einer dieser Aufnahmen an einer Stelle war eine Struktur zu erkennen, welche er und auch Andere als die eines "Lagers" deuteten. Lage und Voraussetzungen waren sehr positiv und es geschah, das er auf eigene Kosten eine geomagnetische Untersuchung einleitete.

So ausgeführt am 23. Oktober 2008. Vorausschickend leitete sich durch diese Geschichte ein Paradigmenwechsel ein. Parallel zu dem Geschehen strukturierte der Webmaster die Website dahingehend um, das er einige skurrile Elemente in die Webseite aufnahm. Erstens durch die Erstellung einer kompletten spätlatène Rüstung nach originalen Vorbildern zum Zweck der Vorführung in Museen und den Teil des "Keltenkerls", ein Abschnitt, welcher die paradoxe Situation unserer Zeit zu den damaligen Ereignissen zeigen sollte, speziell, was die Suche nach Atuatuca anging und um den ganzen Humbug zu persiflieren, welcher um die Kelten gemacht wurde. Der Kelte als Objekt für Museen hatte bis auf einige gute Termine im Rheinischen Landesmueum Bonn keinen Erfolg, er starb. Der Keltenkerl dagegen wuchs als Gegenpol zu der doch etwas drögen Suche nach dem verdammten Atuatuca. So erwuchs die Website zu einem Insidertipp in Sachen Kelten, ohne auch nur das entfernteste Wissen über die Kelten zu besitzen. Motto: Von Dilettanten für Dilettanten.

Der Entschluss zu einer geomagnetischen Untersuchung aufgrund von Luftaufnahmen ging einher mit einer engen Zusammenarbeit von verschiedenen Ämtern, wie dem RAB, der Unteren- und Oberen Denkmalbehörde, der Kommune und dem Eigner des Grundstücks. Um es vorweg zu nehmen: Kein Befund. Dies löste noch am selben Tag der Untersuchung den Entschluss beim Webmaster aus, das ganze Thema zu schmeissen und es zu lassen. Der Fluch war gebrochen und die Welt wurde bunter. Doch wer einmal der Droge "Caesar" verfallen war, kam so schnell nicht davon los. Nach einer persönlichen Krise, verbunden mit finanziellen Problemen (unter anderem wegen der Suche) und dem Tod des Autors an einem Strand an der Atlantiküste während eines Sturms, reifte in ihm der Gedanke: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!". Eine selbstfinanzierte C14 Untersuchung von Ascheschichten in einer Talaue ergaben ein Alter zwischen 1460-1640. Immerhin. Fast ist auch daneben.

Es waren nur noch wenige Höhen und Tiefen verblieben und diese sollten der Suche zur Ehre gereichen, denn sonst wäre die ganze Plakerei umsonst gewesen. Und dann stand er eines morgens im Frühjahr 2010 auf der Letzten aller möglichen Höhen und blickte in ein großes, langes Tal hinab, von dessen Ende leise der Lärm eines Gefechtes herüberscholl. Ambiorix gab ihm Feuer und beide blickten schweigend den Rauchwölkchen nach, die kubanischen Zigarren in den Mundwinkeln. "Wer's glaubt ...,", murmelte der Autor nach einer Weile und Ambiorix, im weggehen: "Leewe Jong, alaboneur, awwer jez kazemisch amasch lecke met all ding Kelte, Röme un Jermane".

Wenige Wochen später in Süd-Belgien: Der Autor pinkelte einen Wall hinunter und blickte nachdenklich nach Norden. Indotiomar ( er raucht nicht mehr) zeigte ihm einen Zettel, auf dem stand: "Tant pi j'ai perdue ma tête, mais ca c'est trop, hein." Der Autor schüttelte ihm die Hand. "Il etait un plaisir, camerad ...", aber das konnte der alte Haudegen leider nicht hören.


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