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WEITERE ERWÄHNUNGEN ATUATUCAS IM B.G. SECHSTES BUCH 32 - 44 Freitag, 30. 07. 2010

32. (1) Die Segner und Condrusen, die zu den germanischen Stämmen zählen und zwischen dem Land der Eburonen und dem der Treverer leben, schickten Gesandte an Caesar mit der Bitte, er möge sie nicht als Feinde ansehen und zu dem Schluß kommen, alle Germanen diesseits des Rheins verfolgten ein und dasselbe politische Ziel. Sie hätten keinerlei Kriegspläne gehabt und auch Ambiorix keine Hilfstruppen geschickt. (2) Caesar unterzog die Gefangenen einem Verhör und verschaffte sich Klarheit über die Angelegenheit. Dann befahl er, Eburonen, die sich nach der Flucht bei ihnen gesammelt hätten, zu ihm zurückzubringen. Er versicherte, er werde ihr Gebiet unbehelligt lassen, wenn sie seine Forderung erfüllten. (3) Darauf teilte er seine Truppen in drei Teile und ließ den Troß aller Legionen nach ATUATUCA bringen; der Name bezeichnet ein Castell; (4) dieses lag fast im Zentrum des eburonischen Landes. Titurius und Aurunculeius hatten sich dort festgesetzt, um zu überwintern. (5) Neben anderen Gründen hielt Caesar diesen Ort für besonders geeignet, weil die Befestigungen aus dem vergangenen fahr noch vollständig erhalten waren, so dass dadurch den Soldaten die Arbeit erleichtert wurde. Zum Schutz des Trosses ließ er die 14. Legion zurück, eine von den drei Legionen, die er kurz zuvor ausgehoben und aus Italien mitgebracht hatte. (6) Den Oberbefehl über die Legion und das Lager übertrug er Q. Tullius Cicero, dem er außerdem 200 Reiter zuteilte.

33. (1) Nach der Teilung des Heeres ließ Caesar T. Labienus mit drei Legionen nach dem Ozean zu in die Gegend marschieren, die an das Land der Menapier stößt. (2) C. Trebonius entsandte er mit ebenso vielen Legionen, um das Gebiet zu verwüsten, das an das der Atuatucer grenzt. (3) Er selbst beschloß, mit den restlichen drei Legionen zum Fluß Scaldis, der in die Maas mündet, und bis zu den Ausläufern des Ardenner Waldes vorzurücken, da er gehört hatte, dass Ambiorix mit einigen wenigen Reitern dorthin aufgebrochen sei. (4) Beim Abmarsch versicherte er, nach sieben Tagen zurückzukehren, weil er wußte, dass zu diesem Termin die Legion, die er als Schutztruppe zurückließ, ihre Getreideration erhalten mußte. (5) Auch Labienus und Trebonius förderte er auf, zu diesem Termin zurückzukehren, wenn es die Wahrung der römischen Interessen zuließe. Er wollte sich dann noch einmal mit ihnen über ihr gemeinsames Vorgehen verständigen und gegebenenfalls einen neuen Plan für die Kriegführung entwickeln, wenn man mehr über das Vorgehen der Feinde erfahren hätte.

34. (1) Wie wir oben schon zeigten, gab es keine geordneten feindlichen Truppen, keine Stadt und keine Befestigung, von der aus der Feind sich verteidigt hätte, sondern allein eine Menge, die sich nach allen Richtungen zerstreut hatte. (2) Jeder hatte sich da festgesetzt, wo ihm ein verborgenes Tal oder ein Waldstück oder ein unzugängliches Sumpfgebiet Hoffnung auf Schutz und Rettung bot. (3) Diese Stellen waren nur den Nachbarn bekannt; das erforderte rundliche Vorsichtsmaßnahmen, um für die Sicherheit der einzelnen Soldaten zu sorgen, sehr viel weniger dagegen, um das ganze Heer zu schützen, denn von den in Schrecken versetzten und zerstreuten Feinden konnte der Gesamtheit des Heeres keine Gefahr erwachsen. Doch betraf die Sorge um die einzelnen auch die Sicherheit des gesamten Heeres. (4) Denn einerseits trieb die Beutegier viele allzuweit fort, andererseits verhinderten die Wälder, dass geschlossene Abteilungen auf den unsicheren und verborgenen Wegen vordrangen. (5) Wenn die Römer ihr Vorhaben durchfuhren und die Verbrecher völlig vernichten wollten, hätten sie mehrere Einheiten ausschicken und die Soldaten in einzelne Gruppen aufteilen müssen. (6) Wenn man dagegen die Einheiten unter ihren Feldzeichen behalten wollte, wie es die hergebrachte militärische Regel und die Gewohnheit des römischen Heeres erforderten, bot den Barbaren ihr Aufenthaltsort selbst Schutz. Einzelne Grüppchen waren sogar so verwegen, aus dem Verborgenen Hinterhalte zu legen und vereinzelte Soldaten einzukreisen. (7) Caesar traf dagegen Vorsorge, soweit man dies in einer solch schwierigen Lage mit aller Umsicht tun konnte. Auch wenn die Soldaten alle mit Rachedurst erfüllt waren, ließ er darum lieber einige Möglichkeiten, dem Feind zu schaden, ungenutzt, als ihm nur mit Nachteil für die eigenen Soldaten nennenswerte Verluste beizufügen. (8) Er sandte Boten an die benachbarten Stämme und weckte die Hoffnung auf Beute, indem er alle dazu aufrief, die Eburonen auszuplündern, weil er in den Waldgebieten lieber das Leben von Galliern als das eines römischen Legionärs aufs Spiel setzte. Dadurch, dass sich eine gewaltige Menschenmenge in das Gebiet ergoß, sollte gleichzeitig der Stamm als Strafe für sein unerhörtes Verbrechen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Schnell kam von allen Seiten eine große Zahl Gallier zusammen.

35. (1) Während sich dies überall im Gebiet der Eburonen abspielte, kam der 7. Tag heran, bis zu dem Caesar entschlossen gewesen war, zum Troß und den zurückgelassenen Legionen zurückzukehren. (2) Hier konnte man nun sehen, wieviel Bedeutung das Glück im Krieg hat und wie schwerwiegende Zufälle es mit sich bringt. (3) Da die Feinde, wie berichtet, in Panik geraten waren und sich völlig verstreut hatten, gab es nicht eine Handvoll von ihnen, die auch nur den geringsten Anlaß zu Besorgnis hätte geben können. (4) Das Gerücht, die Eburonen würden ausgeplündert und obendrein sei jedermann aufgerufen, Beute zu machen, drang bis zu den Germanen jenseits des Rheins vor. (5) Da zogen die Sugambrer, die unmittelbar am Rhein leben und, wie oben erwähnt, die Usipeter und Tencterer nach ihrer Flucht aufgenommen hatten, 2000 Reiter zusammen. (6) Sie überschritten den Rhein auf Schiffen und Flößen etwa 30 Meilen unterhalb der Stelle, wo Caesar die zweite Brücke errichtet und eine Besatzung zurückgelassen hatte. Die Sugambrer zogen zuerst in das Gebiet der Eburonen. Dort griffen sie viele zerstreute Flüchtlinge auf und bemächtigten sich einer großen Anzahl von Vieh, wonach die Barbaren besonders begierig sind. Diese Beute verlockte sie, weiter vorzurücken. (7) Sümpfe und Waldgebiete konnten sie nicht aufhalten, da sie für Kriege und Raubzüge wie geschaffen sind. Sie fragten Gefangene aus, wo sich Caesar befinde, und erfuhren, er sei weitermarschiert und das gesamte Heer sei abgelegen. (8) Da sagte einer der Gefangenen: 'Was jagt ihr dieser armseligen und dürftigen Beute nach, wo ihr schon die reichsten Leute sein könntet? (9) In drei Stunden könnt ihr ATUATUCA erreichen. Dort hat das römische Heer seine wertvollste Habe hingebracht. Die Schutzmannschaft ist so klein, dass sie nicht einmal die Mauer ringsum besetzen kann und dass sich niemand aus der Befestigung herauswagt.' (10) Dieser Vorschlag lockte die Germanen sehr. Sie ließen das, was sie schon erbeutet hatten, in einem Versteck zurück und wandten sich schnell nach Atuatuca. Dabei benutzten sie den Gefangenen als Führer, dessen Aussage sie die Kenntnis der dortigen Lage verdankten.

36. (1) Obwohl Cicero auf Anweisung Caesars die Soldaten an allen vergangenen Tagen strikt im Lager zurückgehalten und nicht einmal einem Troßknecht erlaubt hatte, die Befestigung zu verlassen, beschlichen ihn am 7. Tag Zweifel, ob Caesar sich an den genannten Zeitraum von sieben Tagen halten werde. Er hatte gehört, dass Caesar weiter vorgestoßen sei, und es war noch nichts über seine Rückkehr zu ihm gedrungen. (2) Gleichzeitig stand er unter dem Eindruck der Vorwürfe der Soldaten, seine Beharrlichkeit wirke sich für sie fast wie eine Belagerung aus, weil er nicht erlaube, dass man die Befestigung verlasse. Da Cicero nicht mit dem Fall rechnete, dass er angegriffen würde, während neun Legionen und eine ungemein starke Reiterei in Reichweite dem Feind entgegenstanden, der sich zerstreut hatte und zudem fast aufgerieben war, schickte er fünf Cohorten auf die nächstgelegenen Kornfelder, um Getreide zu beschaffen. Zwischen ihnen und dem Lager befand sich nur eine Anhöhe. (3) Im Lager waren einige Verwundete aus den Legionen zurückgelassen worden. Etwa 300 von ihnen, die nach diesen Tagen wieder gesund geworden waren, stellte man zu einer Sondereinheit zusammen und schickte sie gleichfalls aus. Da die Erlaubnis dazu erteilt wurde, schloß sich eine große Anzahl von Troßknechten mit einer bedeutenden Menge Zugvieh an, das im Lager zurückgeblieben war.

37. (1) In eben diesem Augenblick trafen durch einen unglücklichen Zufall die germanischen Reiter ein. In derselben Richtung, in der sie angeritten kamen, versuchten sie geradewegs weiter durch die Porta Decumana ins Lager einzudringen. (2) Da an dieser Seite Wald die Sicht versperrte, sah man sie erst, als sie in unmittelbarer Nähe waren, so dass sich sogar den Händlern, die vor dem Lagerwall ihre Zelte aufgeschlagen hatten, keine Möglichkeit mehr bot, ins Lager zu entkommen. (3) Dieser unerwartete Angriff brachte unsere ahnungslosen Soldaten völlig in Verwirrung, so dass die wachhabende Cohorte dem ersten Ansturm fast nicht standhielt. (4) Die Feinde ritten nun auch an den übrigen Seiten rings um das Lager herum, um zu sehen, ob sie einen Zugang fänden. (5) Nur mit Mühe schätzten unsere Soldaten die Tore. An den übrigen Stellen verhinderten das Gelände selbst und die Lagerbefestigung das feindliche Eindringen. (6) Die ganze Lagerbesatzung zitterte vor Furcht, und einer fragte den anderen nach der Ursache des Lärms. Keiner kümmerte sich darum, wo man den Feind angreifen sollte, noch darum, dass sich jeder dort aufstellte, wohin er gehörte. (7) Der eine verkündete, das Lager sei schon erobert, der andere behauptete, die Barbaren seien nach einem vernichtenden Sieg über das Heer und den Oberbefehlshaber erschienen. (8) Den meisten flößte der Ort jetzt eine abergläubische Furcht ein. Der Untergang Cottas und Titurius', die in demselben Lager gefallen waren, stand ihnen lebhaft vor Augen. (9) Da diese merkwürdige Furcht eine allgemeine Panik auslöste, verstärkte sich bei den Barbaren der Glaube, im Lager befinde sich wirklich keine Schutzmannschaft, wie sie es ja von dem Gefangenen gehört hatten. (10) Sie versuchten daher mit allen Kräften durchzubrechen und feuerten sich gegenseitig an, eine so glückliche Gelegenheit nicht ungenutzt zu lassen.

38. (1) Unter der Besatzung befand sich P. Sextius Baculus, der krank zurückgelassen worden war und den wir schon oben bei früheren Kämpfen erwähnten. Damals war er unter Caesar ranghöchster Centurio seiner Legion gewesen. jetzt hatte er schon vier Tage nichts gegessen (2) und kam unbewaffnet aus seinem Zelt hervor, voll Zweifel, dass er oder alle anderen gerettet werden könnten. Er bemerkte, dass die Feinde heftig herandrängten und die Lage äußerst gefährlich wurde. Da nahm er den neben ihm Stehenden die Waffen weg und stellte sich am Tor auf. (3) Ihm folgten die Centurionen der Cohorte, die dort Wache hatte. Gemeinsam hielten sie kurze Zeit im Kampf aus. (4) Schwer verwundet verlor Sextius das Bewußtsein. Als er zusammenbrach, konnte man ihn nur mit Mühe retten, indem man ihn von Hand zu Hand zurückzog, (5) Dennoch faßten die übrigen während dieses Zwischenfalls so viel Mut, dass sie wagten, auf den Befestigungen in Stellung zu gehen und den Eindruck von Verteidigern zu erwecken.

39. (1) Inzwischen hatten unsere Soldaten genügend Getreide beschafft, als sie das Lärmen von fern vernahmen. Die Reiter galoppierten schnell voraus und erkannten, wie gefährlich die Lage war. (2) Hier draußen gab es keinerlei Schutz, der sich den verschreckten Soldaten geboten hätte. Da sie frisch ausgehoben und in militärischen Dingen völlig unerfahren waren, richteten sie daher ihre Blicke auf die Militärtribunen und Centurionen und warteten auf deren Anweisungen. Niemand war so tapfer, dass ihn nicht das überraschende Ereignis aus der Fassung gebracht hätte. (3) Als die Barbaren von fern die Feldzeichen erblickten, ließen sie vom Sturm auf das Lager ab, (4) weil sie zunächst glaubten, die Legionen kehrten zurück, die, wie sie von den Gefangenen erfahren hatten, weiter weggezogen waren. Als ihnen jedoch klar wurde, wie verächtlich klein die Zahl der Soldaten war, griffen sie sie von allen Seiten an

40. (1) Die Troßknechte stürzten auf den nächsten Hügel. Von dort wurden sie jedoch schnell herabgetrieben. Sie warfen sich auf die Manipel, die unter ihren Feldzeichen Aufstellung genommen hatten, wodurch sie die schön verängstigten Soldaten in noch größere Panik versetzten. (2) Die einen waren dafür, einen Keil zu bilden, um auf diese Weise schnell durchzubrechen. Da das Lager so nah war, vertrauten sie darauf, so wenigstens einige retten zu können, auch wenn ein Teil von ihnen eingekreist und niedergemacht würde. (3) Andere waren dafür, sich auf ,der Spitze der Anhöhe festzusetzen und gemeinsam das gleiche Schicksal zu erleiden. (4) Dieser Plan mißfiel den alten Soldaten, die, wie wir berichteten, zu einer Einheit zusammengestellt, so abmarschiert waren. Sie sprachen sich gegenseitig Mut zu und brachen unter der Führung des römischen Ritters C. Trebonius, der an ihrer Spitze stand, mitten durch die Reihen der Feinde. Bis auf den letzten Mann kamen sie unversehrt ins Lager. (5) Da ihnen die Reiter gemeinsam mit den Troßknechten auf dem Fuß folgten, wurden sie mitgerissen und dank der Tapferkeit der Soldaten ebenfalls gerettet. (6) Die Soldaten jedoch, die auf der Anhöhe Stellung bezogen hatten, waren bis dahin noch völlig unerfahren in militärischen Dingen und unfähig, an dem einmal gefaßten Plan festzuhalten und sich von der Anhöhe aus zu verteidigen. Andererseits waren sie auch nicht in der Lage, dieselbe Schnelligkeit und Kraft zu zeigen, die den anderen offensichtlich von Nutzen gewesen waren. Denn als sie versuchten, sich zum Lager zu retten, gerieten sie unterhalb der Anhöhe auf ungünstiges Gelände. (7) Ihre Centurionen, von denen einige aus den unteren Rängen anderer Legionen für ihre Tapferkeit auf höhere Posten in dieser Legion befördert worden waren, kämpften heldenmütig, um nicht den vorher erworbenen Kriegsruhm einzubüßen, und fielen alle. Da die Feinde vor ihrer Tapferkeit zurückwichen, konnte ein Teil der Soldaten wider Erwarten unversehrt ins Lager entkommen. Die anderen wurden von den Barbaren umzingelt und fanden den Tod.

41. (1) Die Germanen gaben die Hoffnung auf, das Lager zu erobern, da sie sahen, dass unsere Soldaten mittlerweile auf den Befestigungen Stellung bezogen hatten. Daher zogen sie sich mit der Beute, die sie in den Wäldern verborgen hatten, wieder über den Rhein zurück. (2) Der Schrecken war jedoch auch nach dem Abzug der Feinde noch so groß, dass C. Volusenus, der mit der Reiterei vorausgeschickt worden war und in der Nacht eintraf, keinen Glauben fand, als er berichtete, Caesar sei bald mit einem unversehrten Heer da. (3) Die Furcht hielt alle so gefangen, dass sie fast wie von Sinnen erklärten, die Reiterei habe sich auf der Flucht ins Lager gerettet, während alle anderen Truppen vernichtet worden seien. Sie bestanden darauf, dass die Germanen nie das Lager bestürmt hätten, wenn das Heer Caesars noch unversehrt gewesen wäre. (4) Erst als Caesar eintraf, schwand die Furcht.

42. (1) Da Caesar die Zufälle im Krieg gut kannte, beklagte er sich bei seiner Rückkehr lediglich darüber, dass man die Cohorten von ihren Posten abgezogen und aus dem schätzenden Lager hinausgesandt hatte man hätte buchstäblich nichts dem Zufall überlassen sollen -, doch erkannte er, wieviel bei dem überraschenden Eintreffen der Feinde dem Zufall zuzuschreiben war, (2) wieviel mehr noch, als er die Barbaren fast unmittelbar vor dem Lagerwall und den Toren hatte umkehren müssen. (3) Was aber von all diesem am erstaunlichsten schien, war die Sache, dass die Germanen, die in der Absicht über den Rhein gekommen waren, das Gebiet des Ambiorix zu verwesten, zum Lager der Römer verschlagen worden waren und damit Ambiorix den größten Dienst erwiesen hatten.

43. (1) Caesar setzte sich wieder in Marsch, um das Land der Feinde zu verheeren, und sandte nach allen Richtungen Reiter aus, die er von den benachbarten Stämmen in großer Zahl hatte stellen lassen. (2) Alle Dörfer und Gehöfte, die auch nur in Sichtweite kamen, wurden in Brand gesteckt, das Vieh wurde getötet und von überall her Beute weggeschleppt. (3) Das Getreide wurde nicht nur von einer so großen Anzahl von Menschen und Vieh verbraucht, sondern lag auch infolge der Regenfälle in dieser Jahreszeit am Boden. Selbst wenn sich daher jemand für den Augenblick verborgen hätte, hätte er nach Abzug der Soldaten aus Mangel an allem Lebensnotwendigen wahrscheinlich umkommen müssen. (4) Da Caesar eine so große Zahl von Reitern in alle Richtungen ausgesandt hatte, geschah es wiederholt, dass man an einen Ort gelangte, wo die Gefangenen sich umsahen, als ob sie Ambiorix gerade noch auf der Flucht gesehen hätten, und sogar behaupteten, er sei noch nicht ganz aus ihrem Gesichtskreis entschwunden. (5) In der Hoffnung, ihn einholen zu können, setzten die Soldaten ihre Anstrengungen ununterbrochen fort, da sie glaubten, sie könnten Caesars höchstes Wohlwollen erlangen. In ihrem Eifer gingen sie dabei fast über ihre natürlichen Kräfte hinaus. Es schien jedoch immer ein wenig zum endgültigen Erfolg gefehlt zu haben, (6) denn Ambiorix brachte sich stets in Verstecken, in Wäldern oder Schluchten in Sicherheit und zog bei Nacht heimlich in andere Landesteile. Dabei umfaßte sein Schutz nicht mehr als vier Reiter. Diesen allein wagte er sein Leben anzuvertrauen.

44. (1) Nachdem das Land in dieser Weise verwüstet worden war, jedoch auch zwei Cohorten verloren waren, führte Caesar das Heer nach Durocortorum , einer Stadt der Remer. Er berief dorthin einen gallischen Landtag ein und begann, über die Verschwörung der Senonen und Carnuten eine Untersuchung anzustellen. Über den Anstifter des Plans, Acco, (2) fällte Caesar ein hartes Urteil und ließ ihn nach hergebrachter Sitte hinrichten. Einige flohen, weil sie Caesars Urteil fürchteten. (3) Nachdem er sie für vogelfrei erklärt hatte, legte er zwei Legionen im Land der Treverer ins Winterlager, zwei im lingonischen Gebiet und die sechs übrigen in Agedincum im Gebiet der Senonen. Sobald er für Getreidenachschub gesorgt hatte, brach er wie gewöhnlich nach Italien auf, um dort Gerichtstage abzuhalten.


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