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DER GEFECHTSABLAUF Freitag, 30. 07. 2010

Die Situationbeschreibung betrifft ein Gebiet von ca. 5 x 5 km. Anfang Oktober 54 v. Chr. etabliert sich im Stammesgebiet der gallischen Eburonen in der Nähe einer kleinen gallischen Fortifikation ein römisches Winterlager von unbestimmter Größe und einer Besetzung von 15 Cohorten. Die römische Besatzung beginnt mit der Requirierung von Getreide; für 15 Cohorten sind dies etwa 5 t Getreide pro Tag. Das Lager wird damals noch assymetrisch gewesen sein und besaß möglicherweise 4 Tore. Die römischen Legionäre trugen, wie unten links zu sehen, eine militärische Standardausrüstung (bekannt aus Comix, Funk und Fernsehen). Die Gallier, unten rechts, waren in der Regel etwas größer von Statur (als die Römer) und trugen die unterschiedlichsten Bewaffnungen. Der Oberlippenbart ist dabei das wichtigste Accessoire. Die Gallier waren (relative) Zivilisten und Ureinwohner, die Römer waren ausgebildete Soldaten und die Agressoren.



Etwa zwei Wochen nach dem Einmarsch der Römer, Mitte Oktober 54 v. Chr., erschienen die Eburonen vor dem römischen Lager und griffen dieses an. Mit welcher Mannstärke ist nicht bekannt. Dieser Angriff wurde von römischer Reiterei abgewehrt. Das läßt den Schluß zu, dass nicht die gesamte eburonische Streitmacht das römische Lager angegriffen hat, sondern nur ein Teil; gegen die volle Anzahl der Eburonen, geschätzte 6000 Mann, hätte auch römische Reiterei (nicht mehr als 400 Reiter) keinen Schlag gemacht. Geht man von gleicher Mannstärke der Kontrahenten aus, also mit mindestens 5000 Wehrfähigen, bestand der Stamm der Eburonen aus etwa 60.000 Menschen. Vielleicht war der erste Angriff der Eburonen bewußt "unterbesetzt", um die Römer in eine trügerische Sicherheit der Überlegenheit zu leiten.

In der folgenden Nacht nach diesem ersten Angriff stellen die Eburonen der römischen Besatzung ein Ultimatum und gewähren freien Abzug zu einem ca. 75 km entfernten römischen Lager. Diese Richtung wird im Bello Gallico nicht ausdrücklich als solches erwähnt, aber dem Leser in den Mund gelegt. Die Argumente der Ebruonen sind ein genereller Aufstand aller nordgallischen Stämme gegen die drei römischen Winterlager in deren Stammesgebieten und die Ankündigung weiterer germanischer Entsatztruppen östlich des Rheins. Geleitet wurde dieser tatsächliche Aufstand von dem gallischen Stamm der Treverer. Die römische Führung Sabinus/Cotta reagiert erst labil, bis sich gegen Mitternacht nach dem Angriff der Entschluß durchsetzt, im Morgengrauen des nächsten Tages abzurücken.

Die römischen Einheiten machen sich ohne Nachtruhe für den Abmarsch bereit ("Jo hamme denn scho' Weihnachten?"), packen alles Nötige zusammen und stehen vor Morgengrauen ohne Kaffee zu trinken in Marschrichtung bereit, in langem Zug, mit großem Tross und unter den Klängen von "Muss in denn zum Städele hinaus ..." geht das Beispiel genialer römischer Kriegskunst in Form eines als nahezu unbesiegbar geltenden Flaggschiffes namens 14. LEGIO fürchterlich direkt in seinen sicheren Abyss, ausgelöst durch einen simplen kleinen Stamm von Ganoven. Booty ohne Ende wartet in der Au! Noch prangt der stolze Titurius jovial lächelnd auf seinem tänzelndem Rosse, doch schon bald wird sich auch sein Schicksal erfüllen und der oberste römische Feldherr der Gallischen Armee (nicht Jupiter; nein, ein Mensch - memento moris) wird sich für ein Jahr nicht um Bart und Haare scheren (10 Jahre später wird auch ihm die harte römische Kost zwischen die Rippen geschoben). sic transit gloria mundi. Mein Gott, was haben wir damals gelacht ... tja, die alten Zeiten eben. Doch zurück zum Thema, ich schweife ab:

Die Marschordnung erfolgte möglicherweise nach Einheiten. Angenommen, die Legion des Sabinus, welche aus neu ausgebildeten Infanteristen bestand, geht voraus, der lange Tross wird in der Mitte genommen, die 5 Cohorten des Cotta mit den erfahrenen Legionären bildet den Abschluss. Der Besitz und die Ausrüstung der Mannschaften befinden sich im Tross, welcher ausschließlich aus beladenen Maultieren besteht. Über alles wird der Zug ca. 3 - 5 km lang gewesen sein. Über das Wetter an diesem Tag wird nichts berichtet. Es ist jedoch beginnender Herbst und angeblich waren die Ernten in diesem Jahr schlecht. Dies deutet auf ein trockenes Jahr hin. Rückschlüsse auf das Tageswetter lassen sich daraus aber nicht ableiten.

Die römischen Truppenbewegungen im Lager, will sagen, vermehrte Feuertätigkeiten, Aufmarsch, Transportvorbereitungen, Kundschafterei, Pioniertätigkeiten, Signale und die daraus resultierende Richtung des Marsches werden von den Eburonen beobachtet. Die Eburonen teilen noch in der Nacht ihre Kräfte zu je zwei Hauptgruppen in einer Entfernung von etwa 3 km vom Lager entfernt an den Talhängen eines langen engen Tals, links und rechts an der voraussichtlichen römischen Marschsäule postiert. Ein kleineres Kontingent wird in etwa 5 km Abstand vom Lager auf der Höhe des Talausgangs plaziert, ein weiteres Kontingent (welches das Lager angegriffen hat?) bleibt am römischen Lager und wartet ab. Die Marschsituation der Römer (keine Flankensicherung, keine Kundschaft) deutet darauf hin, das kein Angriff erwartet wurde.

Am nächsten Morgen beginnt der römische Heerzug mit beginnendem Tageslicht und einer Marschgeschwindigkeit von ca. 5km/h den Auszug aus dem Lager. Der Weg geht zunächst über einen vorgelagerten Hügel in ein großes bewaldetes Tal hinab. Im Wald ist es noch dunkel. Die Eburonen warten ab und beobachten die Szene aus einem sicheren Abstand. Der Zug ist laut, die Geräusche werden im morgendlichen Wald weit getragen.

Das Gelände ist bewaldet und streckenweise sumpfig. Der Zug bewegt sich am Talboden eines langen Tals entlang, an dessen Seiten sich bewaldete Höhenrücken erheben. Die Truppenführer befinden sich bei ihren Einheiten. Keine besonderen Vorkommnisse. Die Konditionen des Marsches werden langsam besser, zumal schon ein angelegter Weg existiert und die vorderen Einheiten die Schneise vergrößern.

Die Vorhut der Römer gelangt nach ca. 5 km an den Ausgang des Tals. Dort attackiert eine Gruppe Eburonen die Römer. Die Spitze des römischen Heerzuges stoppt durch den Angriff. Im Mittelteil, etwa 3 km vom Lager entfernt, eröffnen die Eburonen fächerförmig ausgehend von den bewaldeten Ausläufern eines Bergrückens das Hauptgefecht auf den Zug der Römer und nehmen diesen von den Hängen eines gegenüberliegenden Höhenzuges in einem engen Talkessel in die Zange. Die Nachhut des römischen Zuges wird von den am Lager verbliebenen Eburonen angegriffen und treibt von dort die römische Infanterie nach vorn. Es entfaltet sich das Gefecht von Atuatuca.

Die Legion Sabinus kann in dem Waldgebiet keine Kampfformationen der Cohorten aufstellen. Der Hauptangriff wird etwa zwischen der Spitze der Legion Cotta und dem Tross geführt. Der Gegner ist der Legion zahlenmäßig gleich. Die Spitze stoppt, aber die 5 Cohorten Cotta befinden sich noch im Vormarsch ohne Wissen um die Angriffe in ihrem Rücken, werden dennoch gestoppt durch die Kampftätigkeiten am Haupttreffen und durch den dadurch bedingten Stopp des Trosses. Meldereiter beginnen, die Nachrichten der Angriffe auf die Spitze und der Nachhut an Sabinus und Cotta zu melden.

Sabinus erhält die Meldungen der Vor- und Nachhut über deren Angriffe, muss gleichzeitig seine Mannschaften formieren, den beginnenden Hauptangriff abwehren und Anweisungen an die beiden Nebengefechtsorte geben. Er ordert alle Mannschaften an die Stelle des Hauptangriffs, 3 km vom Lager entfernt.

Die 5 Cohorten des Cotta bewegen sich nun unter stetigen Angriffen des Gegners durch den Tross zur Legion Sabinus. Die Legion Sabinus schließt auf und stößt, verfolgt durch den Gegner im Rücken, zum Hauptgefechtsfeld vor. Die Mannschaften müssen zusammen bleiben.

Die Lage ist für die desinformierte römische Truppe desaströs. Befehle können nur unkoordiniert gegeben und befolgt werden, die Länge des Zuges erlaubt in dem engen Tal keine weitläufigen Aufmärsche. Die Stärke des Gegners kann nicht eingeschätzt werden. Teile der Infanterie des Cotta holen beim Vormarsch privaten Besitz aus dem Gepäck des Trosses. Desertation und Desorientierung greifen um sich. Unter stetigen Angriffen des Gegners schließen die Cohorten des Cotta und Sabinus auf.

Die Römer wollen dem Gegner den Tross überlassen, unter der Option, das der Gegner vom Hauptgefechtsort ablässt und die Legion ohne aufwändige Gefechttätigkeiten zum Lager zurückkehren kann. Bis zu diesem Zeitpunkt ist anzunehmen, dass sich alle Gefechtsaktionen auf der ursprünglichen Linie des Zuges abspielen. Da der Tross verteidigt wurde, bzw. die Option auf eine Aufnahme in die Verteidigung gegeben war, waren die römischen Truppen gezwungen, bei dem Tross zu bleiben, zumindest in unmittelbarer Nähe. Erst nach Aufgabe des Trosses könnte sich das Hauptkampfgeschehen, die Kreisbildung, von der ursprünglicher Marschrichtung abgesondert haben, doch nur in zwei mögliche Richtungen, wahrscheinlich in die Richtung des Lagers.

Die Eburonen konzentrieren sich auf die römische Truppe. Da das Gelände wegen sumpfiger Bedingungen keinen Ausweich erlaubt und der Gegner von den Höhen angreift, gleichzeitig der Kampfdruck erhöht wird, bilden die Römer einen Kreis von ca. 150 m Durchmesser.

Der Kreis wird von den Eburonen vollständig eingeschlossen. Dem herrenlosen römischen Tross wird von eburonischer Seite keine Kampfhandlung mehr zuteil. Alle Kräfte beider Parteien konzentrieren sich auf eine Entscheidung des Kampfes mit dem Ziel der Vernichtung des Gegners, wobei die Römer eine eher defensive Position einnehmen, welche in Laufe von ca. 6 Stunden unter großen Verlusten zunimmt. Das Gefecht dauerte von ca. 0800h bis ca. 1400h = die damalige achte Stunde.

Die Verlustbilanz der römischen Legion Sabinua/Cotta nach 6 Stunden Gefecht: mindestens 50% der Infanterie verloren, hohe Verwundetenrate, beide Armeeführer tot, große Teile des Offizierchors tot, der Tross mit allem Gepäck verloren. Die Verlustbilanz der Eburonen: Möglicherweise 50%, vielleicht auch weniger Verluste.

Gegen Nachmittag gelingt es Teilen der römischen Legion, in das Lager zu gelangen. Dieses Lager halten die Überreste der Legion Sabinus/Cotta noch bis zur Nacht. Berichtet wird nur, dass sich in dieser Nacht alle römischen Überlebenden des Atuatuca-Gefechtes selbst entleibten.

Caesar überliefert uns neun Namen aus dem Gefecht:
Ambiorix / Eburonischer Führer
Quintus Titurius Sabinus / Römischer Legat
Lucius Aurunculeius Cotta / Römischer Legat
Gaius Arpinius / Römischer Ritter und Unterhändler
Quintus Iunius / Spanier in römischen Diensten, Unterhändler und wahrscheinlich ein Überlebender des Gefechts
Titus Balventius / Römischer Centurio
Quintus Lucanius / Römischer Centurio
Gnaeus Pompeius / Römischer Dolmetscher
Lucius Petrosidius / Römischer Adlerträger

Wenigen römischen Überlebenden der Legion Sabinus gelang die Flucht nach Südwest ins ca. 90 km entfernte Winterlager des Labienus. Das westlich gelegene Winterlager Cicero erfuhr noch nichts vom Ausgang des Gefechtes. Und dorthin bewegten sich nun die eburonischen Mannschaften und versuchten, im Verbund mit den Stämmen der Atuatucer und Nervier, die gleiche List vor dem Lager Cicero, dort aber ohne Erfolg und mit bekanntem Ausgang.



Felddienstordnung der deutschen-kaiserlichen Armee von 1908
Zur dieser Zeit gab es noch keine Panzer und zu einem Teil wurden noch Pferde (Kavallerie) eingesetzt. Die Probleme der Kriegsführung waren noch ähnlich wie zu Zeiten Caesars. Wer sich mit dem Thema seriös beschäftigt, dem ist dieses Buch zu empfehlen.



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