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ANALYSE DES GEFECHTSABLAUFS Freitag, 30. 07. 2010

Eburonen kannten römische Truppen mindestens schon 3 Jahre vor den Ereignissen um Atuatuca. Eburonische Kampfverbände hatten 57 v.Chr. an der F-Aisne mit Truppen belgischer Stämme zusammen gegen Caesars Legionen gekämpft. In den Folgejahren ergaben sich diverse Gefechte mit Römern, an denen Eburonen beteiligt oder betroffen waren. Eventuell bestand auch eine gewissen "geschäftliche" Beziehung zur römischen Führung des gallischen Heeres durch die Stammesführer der Eburonen. Wie auch immer: diese Entwicklung gipfelte in dem für den eburonischen Stamm entscheidenden Gefecht von Atuatuca. Die Legaten Cicero, Sabinus und Cotta waren von Anbeginn des Feldzuges bei der Truppe, also erfahrene Militärs im Umgang mit Galliern und deren Kampfart. Cotta war ein Cousin Caesars. Woher Caesar die doch sehr detaillierten Kenntnisse über den Gefechtsverlauf von Atuatuca mit teilweise wörtlicher Rede hatte, ist unklar. Wo doch fast alle umkamen.

Ein gute Erklärung wäre, das der im Text erwähnte Spanier Quintus Iunius, seines Zeichens Übersetzer, das Gefecht überlebte und alles berichten konnte. Er ist der einzige, der alles, auch die Verhandlungen mit Ambiorix, "hautnah" miterlebte und davon wörtlich berichten konnte, doch ist dies reine Spekulation.

Die Eburonen werden für die allgemeine Mobilmachung ihres Stammes etwa zwei Wochen benötigt haben, welche zwischen der Etablierung des römischen Winterlagers Sabinus und dem ersten Angriff auf dieses lagen. In dieser Zeit werden sie die Verbindungslinien zu den Lagern Labienus/Cicero nachhaltig unterbrochen haben. Die Getreidelieferungen (geschätzter Bedarf an Getreide für eine Legion am Tag = 5 t) begannen zu diesem Zeitpunkt erst und das Winterlager wird nach zwei Wochen nicht vollständig eingerichtet sein, ebenso der mögliche Kahlschlag rund um das Lager. Der Zeitpunkt des Gefechtes war etwa Mitte/Ende Oktober, weil die Überfahrt von Britannien kurz vor der Tag/Nachtgleiche (21.09.) stand. Rechnet man etwa noch 2 Wochen als Zeitraum für Versorgung und Nachrüstung und Anmarsch, kommt man, plus die zwei Wochen im Winterlager, auf den 21. Oktober.

Möglich wäre, das germanische (ubische?) Kampfgruppen schon mit den Eburonen vereint waren, als der Angriff auf das Lager begann. Das die Eburonen mit rechtsrheinischen Germanen in Verbindung standen, beweist die Aussage des Ambiorix, das germanische Verstärkung erwartet wurden. Die Ubier hatten mit den Treverern zu diesem Zeitpunkt ein Freundschaftsabkommen und der ubische Adel musste sich wegen der ungünstigen Lage seiner Position gegen das romfeindliche Umfeld abgrenzen. Ebenso weisst der Tatbestand über die Unkenntnis der Sugambrer über eburonisches Stammesgebiet während der sugambrischen Plünderungen ein Jahr später darauf hin, das die Sugambrer es nicht waren, welche den Eburonen vor dem Lager Sabinus halfen, sonst hätten diese Atuatuca gekannt (was laut Caesar nicht der Fall war). Letztendlich stammt diese Aussage von Caesar; nur, überlebende Römer des Gefechts bei Atuatuca werden schwerlich verschiedene Stämme bei dem Treffen haben erkennen können. Warum haben die Eburonen (laut Caesars Version der Ereignisse) nicht auf die Verstärkung durch die Germanen gewartet und dann das römische Lager angegriffen? Es bestand kein Druck. Warum also die Warnung, bzw. die Ankündigung von Verstärkung an Sabinus. Vielleicht deshalb, die eigene (scheinbare) Schwäche hervorzuheben, um einen Abzug der Römer zu begünstigen und eine gleichzeitige Bereitstellung germanischer Truppen ohne um deren Wissen auf Sabinus Seite.

Nimmt man an, das Caesar im Herbst 54 v.Chr. nach dem Feldzug gegen Britannien den nächsten Feldzug für das darauffolgende Jahr plante und angenommen, das Objekt seiner Begierde wären erneut die Stämme rechts des Rheins, also Tenkterer, Sugambrer, Ubier und Sueben gewesen. Damit wäre die Verteilung der drei östlichen Winterlager im Winter 54 v.Chr. plausibel. Folgt man der Linie Amiens entlang der Sambre, Maas bis Köln, so wäre dies die Stoßrichtung und das Winterlager des Sabinus die am weitesten vorgeschobene Linie auf den Rhein zu und damit die neue Operationsbasis für das Frühjahr 53 v.Chr. Demnach lagen Cicero und Labienus westlicher als Sabinus auf einem Längengrad. Die Atuatuker waren geschwächt, ebenso die Nervier. Die Remer waren Rom-Treu. Das Lager Cicero hielt die relativ friedlichen Menapier in Schach, mit einer Militärpräsenz auf die Nervier, Labienus deckte die Südflanke vor den Treverern und beide stärkten den Rücken des Sabinus, welcher bei einem zur Zeit der Installation der Winterlagers bei dem kleinen und unbedeutenden = ungefährlich eingestuftem Stamm der Eburonen stationiert wurde. So wäre die Aufstockung der Cohorten innerhalb des Sabinus Lagers zu verstehen: Stärkung der unerfahrenen Legion mit gleichzeitiger Präsenz von Stärke bei den Stämmen, welche nicht wussten, das die Legion Sabinus unerfahren war. Die Optionen auf mögliche Angriffe auf eines dieser drei Winterlager wäre dann gewesen, sich gegenseitig zu unterstützen, in welcher Form auch immer. Sabinus sah bei seiner desinformierten Lage keinen anderen Ausweg, als die beiden anderen Lager zu stärken und zwar so, das er eines der beiden Anderen mit seiner Legion aufstockte und so die Kampfkraft und die Option auf Rückzug gewährleistet war.

Die Gallier (oder Kelten/Germanen) besaßen keine regulären Truppen und kamen nur nach den jeweiligen Erfordernissen zusammen. In der Art einer Volksbewaffnung. Sie besaßen keine Übung, kein taktisches Training und wurden für den Bedarf von ihren Anführern unter einem Kriegsführer befehligt. Umso erstaunlicher ist die Leistung, welche sie bei Atuatuca vollbrachten. Der Angreifer war Rom, der Verteidiger Gallien, bzw. da es keine politische Struktur in Gallien gab, einzelne gallische/germanische Stämme. Dies war einerseits die Strategie Roms, diese Strukturen aufzubrechen und für sich zu nutzen, andererseits besaßen die Römer taktisch deutlich bessere Vorteile an Ausbildung der Streitkräfte, einen gewissen qualitativ besseren Nachschub (bis auf die Versorgung) und die Disziplin. Strategisch besaß die Gallische (römische) Armee zu diesem Zeitpunkt noch kein klares Konzept. Die Gallier hatten das Recht auf ihrer Seite und die besseren Vorteile der Verteidung (welches sie oft nicht zu nutzen wußten). Wenn es denn ein genereller Aufstand der belgischen Stämme war, die etwa zeitgleichen Angriffe auf das Winterlager Labienus und Cicero deuten darauf hin, sollte der Auftakt durch die Eburonen taktisch und strategisch sehr erfolgreich für die Sache der Belgen werden.

Sabinus entschloss sich zu einem Abzug. Wegen der unsicheren Lage (isolierte Situation, keine Informationen über die die Nachbarlager, ausbleibende Lebensmittel, eintreffen rechtsrheinischer Germanen, der kommende Winter stand bevor) und der Einsicht, das vereinte Kräfte besser gegen einen Aufstand wirken können. Falsch oder unbedacht war der Entschluss nicht.

Aus welchem Grund auch immer überraschten die zeitgleichen Angriffe der Eburonen den römischen Heerzug auf seinem Abzug. Hier können fehlende Kundschaftung, fehlende Seitendeckung und unzureichende Gefechtsbereitschaft der Grund sein. Erschwerend für die Römer war die Art des Geländes, die Überraschung, die Desorientation und Desinformation über das Kampfgeschehen und möglicherweise die Unerfahrenheit im Kampf eines Teils der Infanterie. Hinzu kommt noch die Unwägbarkeit eines Gefechtes, also Zufälle, oder etwa chaotische Zustände, welche außerhalb des kalkulierbaren und scheinbar vorbestimmten Geschehens liegen. Unklar und seltsam vorbestimmt verläuft die Niederlage des Sabinus. Letztendlich hat Sabinus mit dem Abzug falsch reagiert und ebenso der verantwortliche oberste römische Feldherr mit der Platzierung der zu weit auseinander liegenden Legionen in ihren Winterlagern in 54/53 v.Chr.

Unkalkulierbar ist die Stärke der Legion Sabinus/Cotta. Es ist nur bekannt, das es eine Legion und 5 Cohorten waren. Die Nominalstärke einer Legion war ca. 5000 Infanteristen. Demnach also für die 15 Cohorten ca. 7500 Infanteristen. Caesars Entsatzheer für das belagerte Lager des Cicero zwei Wochen nach dem Gefecht von Atuatuca betrug für 2 Legionen 7000 Infanteristen. Angenommen, dies war die Stärke einer Legion Caesars zu diesem Zeitpunkt, betrug die Stärke der Legion Sabinus/Cotta etwa 5000 Infanteristen (3500 Sabinus und 1500 Cotta). Letztendlich ist dies sekundär und für den Ausgang des Gefechtes nicht unbedingt relevant, aber wegen der Länge des Zuges wichtig. Angenommen, der Tross war sehr lang, ergibt sich eine Länge von ca. 5 km. Die römische Kolonne war aus dem Lager heraus, als der Angriff einsetzte und die Spitze ca. 5 km und der Hinterhalt 3 km vom Lager entfernt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Mannschaften der Eburonen in der Nacht vor dem Gefecht so relativ präzise ihre Treffen plazierten. Woher konnten sie wissen, wohin Sabinus ziehen würde? Dies lässt den Umkehrschluss zu, dass die Römer bei ihrem Abzug einen bestimmten Weg benutzen würden. Eine plausible Erklärung für die taktische Sicherheit der Eburonen wäre, das die Legionen Cicero und Sabinus bei ihrem Vormarsch von Westen aus zusammen vorrückten, Cicero bei den Nerviern blieb und Sabinus weiter nach Osten zu seinem Standort bei den Eburonen zog. Somit würde Sabinus bei einem Rückzug in Richtung Lager Cicero mit einiger Sicherheit die gleiche Strecke, nur umgekehrt, benutzten. Umkehrschluss dieses Gedankenzuges würde bedeuten, das die Eburonen die Länge der Kolonne Sabinus/Cotta kannten! Andererseit werden die Römer eine Trasse entweder zum Lager angelegt haben, oder benutzen eine schon vorhandene Trasse. Somit würde die zumindest eine eindeutige Richtung, bzw. einen Weg bedeuten, welchen die Römer einschlagen würden. Warum griffen sie dann so nah am römichen Lager an?

Die Strategie der Eburonen beruhte auf einem nicht erzwungenen Abmarsch der römischen Lagerbesatzung, ohne das diese Einheiten Feindberührung erwarteten und einem daraus resultierenden Angriff der Eburonen auf die Römer durch einen Hinterhalt in einer für die Eburonen sehr günstigen, für die Römer sehr ungünstigen Position ausserhalb der "sicheren" römischen Befestigung, um die Römer dann vernichtend zu schlagen. Warum die Römer durch ein so ungünstiges Gelände zogen, ist eine Rätsel. Oder der Weg war so günstig für den Abmarsch, das er alle Bedenken aufhob. Fakt scheint zu sein, das zumindest an der Stelle des Hauptangriffs ein Engpass bestand, welcher den Angriff auf die römische Truppe begünstigte.

Welches waren die Beweggründe des Angriffs der Eburonen? Galt es dem Tross als Beute oder war das Ziel die Vernichtung der Legion Sabinus/Cotta? Der Ausgang des Gefechtes war letztendlich die Vernichtung der Legion, doch konnten das die Eburonen planen? Alle Faktoren summiert ergibt eine hohe Wahrscheinlichkeit für die geplante Vernichtung der Legion Sabinus und der Aneignung der daraus resultierenden Beute.

Laut dem b.g. war die römische Kolonne vollständig aus dem Lager, sonst hätte der Gegner diese nicht an ihrem Ende angreifen können. Wenn eine Schätzung von ca. 5 km Zuglänge stimmt, und der römische Heerzug wäre +- 5 km aus dem Lager heraus gewesen, marschierte die Legion Sabinus/Cotta ca. 5 km pro Stunde. Bei einer Tagesmarschleistung unter Druck von ca. 8 Stunden (0700 h - 1600 h), entspricht dies einer voraussichtlichen Strecke von ca. 40 km am Tag (vorausgesetzt, das Tempo wird konstant gehalten). Somit wäre eine Strecke von 75 km (die genannte Entfernung zum Lager Cicero) in zwei Tagen machbar. Im Umkehrschluß bedeutet dies, das die zeitgleichen Angriffe der Eburonen auf den Heerzug der Römer etwa 1 Stunde nach Abrücken der Römer stattfanden = ca. 0800 h. Wahrscheinlich gingen sie langsamer und der Zeitpunkt des Angriffs war etwas später. Der lange Tross war der Haupthinderungsgrund.

Die Römer nahmen die Schlacht an. Das Hauptgefecht hat sich eher um die Mitte des Zuges abgespielt, je nach Gelände, jedoch nicht am Ende, am Kopf oder im Bereich des Trosses. Zeitpunkt und Beginn der Gefechte sollte etwa 1 Stunde nach Abmarsch (beginnendes Tageslicht) sein und alles in allem währte es bis zur 8 Stunde. Demnach von ca. 0800 h bis 1400 h = 6 Stunden. Als sich die Niederlage für die Römer abzeichnete, werden diese das noch bestehende Resttageslicht für einen geordneten Rückzug zum 3 km entfernten Lager genutzt haben.

Die Taktik der Eburonen war, zeitgleich an drei Schwerpunkten Gefechtstätigkeiten zu beginnen, wobei nur an einer Stelle die Hauptstreitmacht ansetzte. Somit waren die Angriffe an Kopf und Ende der römischen Kolonne Scharmützel, welche römische Infanterie an diese Stellen banden, wenn auch nur relativ kurzfristig. Im Vorfeld der Verhandlungen zum Abmarsch der Römer kündigten die Eburonen zusätzliche germanische Hilfstruppen an. Möglicherweise war Sabinus auch durch die von ihm unterschätzte Anzahl der Angreifer überrascht.

Die Quelle des b.g. berichtet von einem Hinterhalt, wobei sich zwei Gruppen Angreifer von Talflanken auf den Zug der Römer zubewegten. Zu lange darf eine solche Angriffswelle nicht laufen, sonst verpufft die Angriffsenergie und der Überraschungseffekt ist wertlos. Der Hinterhalt sollte also schon einen überschaubaren, relativ engen Raum beinhalten, etwa 500 m. Eine Interpretation lässt den Schluss zu, das sich die Römer durch ein enges schmales Tal bewegten, welches einen solchen Hinterhalt und Angriff zuliess. Die andere Version wäre, das sich die Römer durch eine Talsenke bewegten, welche sich an einer bestimmten Stelle (zwei Meilen vom Lager entfernt) zu einem Engpass formte. Eine dritte Version erlaubt das Kreuzen eines Tales, also das kurzfristige durchqueren von der einen Talseite zur anderen. Hier ist anzumerken, das Pferde und Maulesel ungern durch Wasser gehen oder hineinsteigen. Dies erlaubt den Schluß, das, wenn der Zug durch ein Tal zog, dieser nicht mehrfach einen Bach kreuzen würde, sondern vermutlich seitlich am Talrand entlang zog, um dies zu vermeiden. Doch Bäche määndern naturgemäß stark.

Welche römische Truppe bewegt sich dauerhaft durch ein enges Tal? Hier ergeben sich weitere Unklarheiten. Wieso entstand das Gefecht an diesem Ort (wenn er es war) oder ist die Entfernungsangabe nur als Anhaltspunkt des Hinterhalts angegeben und das Gefecht fand in einem anderen Bereich statt? Für die angreifende Partei war das enge Tal ebenfalls ein ungünstiges Gelände, ebenso die Tatsache, das im unmittelbaren Vorfeld des Gefechtes immer weitere Verstärkung der römischen Infanterie von zwei Seiten am Gefechtsort und damit auf den Gegner zu eintraf. Stellt man dahin, das das Tal 3 km lang ist und die Eburonen an beiden Seiten des Tals ihre Mannschaften aufstellten, so ergibt dies eine Front von 6 km. Hatten die Eburonen so viele Leute? Und wenn, griffen sie auf ganzer Front an? Wohl nicht, es wird beschrieben, das der Angriff (Hinterhalt?) 3 km ausserhalb des Lagers stattfand. Spricht Caesar hier von zwei Baustellen: einem Hinterhalt und einem Angriff. Oder meint er den gleichen Zustand, also Hinterhalt und Angriff identisch?

Angenommen, der Zug bewegte sich durch ein enges Tal von einer Länge von mindestens 3 km, ausgehend vom Winterlager. Angenommen, auf dieser ganzen Länge postieren sich die Eburonen auf beiden Höhen des Tales. Auf ein Zeichen erscheinen sie, machen einen höllischen Lärm und greifen den Zug im Tal an. An einem Punkt des Zuges, 3 km vom Lager entfernt, erfolgt das Haupttreffen. Sollte man also das Lager finden, befindet sich 3 km von dort am Talende der Gefechtsort. Ergo, sollte man einen Gefechtsort finden, befindet sich 3 km von dort am Talende auf einer Höhe das Winterlager. Ergo, sollte man beides gefunden haben, liegt 75 km westlich? von dort das Winterlager Cicero und 90 km südwestlich? das Winterlager des Labienus. Und das Atuatuca? Dies müsste sich ebenfalls in der Nähe diesen ominösen Tales befinden.

Denkbar wäre, das die Eburonen die Schnittstelle zwischen Vorhut und Tross angriffen, sodass die abschließende Legion Sabinus aufrücken musste, wollte sie ihre Vorhut und den Tross nicht aufgeben; die Vorhut dagegen zurück zum Treffen, die Mannschaften zu unterstützen, sodass sich an der Stelle des Hinterhalts (keine Möglichkeit, auszuweichen, weil vor dem Treffen der Aufstieg aus dem Tal lag,, die Talflanken seitlich und ein Ausweich nur zum Lager hin möglich war) das Hauptgefecht enfaltete.

Was haben die Eburonen als Hauptziel angegriffen? Doch wohl den Teil des Zuges, welcher sich just dort befand, wo sich der Großteil der Mannschaften der Eburonen in einem Hinterhalt befanden. Wie konnten die Eburonen die zeitgleichen Angriffe und den Ort koordinieren? Uhren gab es nicht. Möglich ist, aus einem Sachzwang heraus, der Aufstieg des römischen Heerzuges aus dem Tal zuerst angriffen wurde. Die taktische günstige Position von oben und der dadurch bedingte Stop des Zuges verlangten wohl diese Lage. Zudem erwartete Ambiorix wohl, das sich die vorderen Cohorten nach einem Angriff dann zum Hauptangriffstreffen zurückbewegten, wenn die Lage übersichtlicher wurde. Denkbar ist, das durch die Hektik der Meldereiter dann der Hauptangriff erfolgte und durch die erfolgende Geräuschkulisse die verbleibenden Eburonen vom Lager die Nachhut angriffen.

Aus Angaben des Autors des b.g. können Standards geschaffen werden: eine ganze Legion, eine halbe Legion, der Tross und das Lager. Drei Kilometer vom Lager entfernt der Hinterhalt. Die römischen Mannschaften werden nach Einheiten marschiert sein. Werden diese benannt: C = die halbe Legion, S = die ganze Legion, T = der Tross, ergeben diese Komponenten sechs mögliche Marschvariationen:

A) C T S
B) S T C
C) C S T
D) S C T
E) T S C
F) T C S

Die Versionen C, D, E und F sind auszuschließen, der Tross wurde nicht vornweg, bzw. hintenan geführt. Bleiben A und B. Angenommen, der Zug hätte eine Länge von 5 km gehabt:



Sabinus war doppelt so stark wie Cotta, der Tross sehr lang. Hier ergäbe sich nur in Kombination A bei Kilometer 3 die Möglichkeit eines günstigen Hinterhalts zwischen den Mannschaften und Tross. Wo war das Hauptgefecht? In jedem Fall hätte ein Truppenkontingent durch den Tross zum Hauptgefecht gemusst.

Wie konnten die Eburonen das alles kalkulieren? Hat Ambiorix den Hinterhalt taktisch so gewählt, das er den Hauptangriff auf den römischen Zuges dort haben wollte, wo es ihm am günstigsten schien? Die ungefähre Länge der römischen Kolonne kannten die Eburonen von deren Einmarsch her. Einen kalkulierten Hinterhalt und Angriff an einem bestimmten Abschnitt konnten die Eburonen nur dann gemacht haben, wenn der Abzug der römischen Kolonne ein Tal an einer bestimmten Stelle schnitt und nicht längte, oder sich der Engpass des Hinterhalt nur an einer bestimmten Stelle befand. Doch woher kannten die Eburonen die Abmarschrichtung? War diese wegen a) der Abmarschrichtung oder b) der geologischen Verhältnisse zwingend? Geht man davon aus, das die Römer den kürzesten Weg zu einer Furt über die Maas nach Westen wählten, ist eine Kombination beider Faktoren möglich und ergaben für die ortskundigen Eburonen einen taktischen Vorteil.

Eine Frage, welche durch Caesar Texte nicht gestellt wird, ist: was geschah unmittelbar nach dem Angriff? Uns wird vom Autor erklärt, das sich die römische Truppe einigelte und besiegt wurde. Zwischen Hinterhalt und Niederlage fehlt etwas. Es wäre zu einfach anzunehmen, das Gefecht hätte am Ort des Hauptangriffs stattgefunden, also etwa drei Kilometer vom Winterlager entfernt in einem Tal. Allein der Umstand, das am Ort des Hauptangriff zum Zeitpunkt des Hinterhalts die Raummöglichkeiten sehr schlecht gewesen sein müssen und ein Heer von 1 1/2 Legionen mit den Peripheriemannschaften nicht auf einem Terrain von 100 x 100 m zusammengepfercht werden kann, eröffnet ein mögliches anderes Szenario. Wie vereinigten sich die Truppen der Gallier? Wie und wo fanden sich die Truppenteile der Römer nach dem Befehl der Einigelung an welcher Stelle ein und unter welchen Voraussetzungen? Somit ergibt sich ein offenes Spiel auf einem Terrain von ca. 5 Kilometer Länge vom Ende bis zur Spitze des Zuges in einem Tal. Wo hat das Hauptgefecht stattgefunden? Am Kopf oder im Mittelteil? Welche Mannschaften mussten zurück, durch den Tross? Welche nach vorn, oder blieben sie stehen?

Auf jeden Fall scheint sich das Hauptgefecht irgendwo zwischen Punkten "Drei Kilometer vom Lager entfernt" und "Ausgang des Tales" abgespielt haben, nicht davor und nicht dahinter. Das engt den Standort des Haupttreffens auf etwa 3 bis 5 Kilometer vom Winterlager ein, mit der Option, das dort eine größere Freifläche sein sollte. Pauschal betrachtet, wäre dies der Ausgang des Tals, also am Kopf des Zuges.

Am Haupttreffen entfalteten sich größere Gefechtsaktivitäten, wobei die rückwärtigen Einheiten in Marschrichtung vorstießen und sich am Gefechtsort fächerförmig in Linie aufteilen mussten. Während die vorderen Einheiten rückwärtig aufschlossen, entstand zwangsläufig ein Kreis, bzw. eine größere Gefechtsfläche. Und an diesem Punkt musste das Gelände ein Rolle gespielt haben, denn es bot sich möglicherweise kein Ausweich oder die Möglichkeit einer Aufstellung der Cohorten nach bewährtem Schema, sodass der Treffpunkt und die Kreisbildung ein Muss für die Römer wurden. Es ergibt Sinn, wenn Sabinus den Tross aufgabt und sich allein auf die Kampftätigkeit der Infanterie konzentrierte. Hätte er den Tross noch in den Kreis aufnehmen müssen, wäre viel wertvolle Zeit mit der Organisation des sich auflösenden Trosses verloren gegangen.

Die Römer bildeten unter Aufgabe ihres Gepäcks einen Kreis, eine Technik der römischen Kriegsführung genannt "orbis", welche zum Rückzug und bei hohem Feinddruck eingesetzt wurde. Aus dem Kreis brachen einzelne Cohorten aus und fügten den Eburonen Verluste zu. Dieser Punkt ist wichtig. Der Hauptangriff erfolgte taktisch gesehen nicht auf den Tross. Somit kann mit einiger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die römischen Streitkräfte den Kreis nicht innerhalb des sich auflösenden Trosses bildeten, sondern in einer relativen Entfernung vom Tross entfernt und in einer Rückzugbewegung zum Lager.

Das Gefechtsfeld kann so eng nicht gewesen sein. Wie groß ist ein Kreis von 15 Cohorten? Cohorten brachen einzeln vollständig aus dem Kreis aus und kehrten wieder zurück in den Kreis. Angenommen, eine solche Fläche hat etwa eine Kantenlänge von ca. 200m (4 Cohorten pro Seite). Dann noch einmal ca. 30m bis 50m für die Ausfälle plus das Gefechtsfeld der Eburonen = etwa 100m, ergibt mindestens ca. 300m im Durchmesser für das Gefechtsfeld. Rechnet man 1m2 pro römischen Infanteristen bei 5000 Sollstärke, kommt man auf ganz andere Werte (70x70m). Kein enges Tal oder ähnliches, sondern eine möglichst plane oder geneigte Fläche in einer Senke oder Hang mit Baumbewuchs und/oder sumpfigem Gelände. Der damalige typische Baumbestand der Voreifel/Ardennen war Eichen/Buchenmischwald, wobei Buchen überwogen. Somit ergäbe sich für das Gefechtsfeld ein offener Eichen/Buchenwald mit altem Baumbestand und wenig Bodenbewuchs. Der Abstand großer alter Bäume zueinander beträgt in der Regel etwa 10 m. Dies erlaubt auf einer größeren Fläche keine weiten Wurftätigkeiten seitens der Gegner, sondern bedeutet Nahkampf mit dem Ziel, den Gegner dort zu töten, wo es möglich ist. Bei einem Auenwald ergeben sich noch ungünstigere Umstände.

Bei einer Wurftätigkeit von Steingeschossen per Hand erreicht man bei faustgroßen Steinen eine maximale Distanz von 10 bis 30 m. Diese Enfernung von der Linie der Römer entfernt sollte ein eburonischer Werfer schon gehabt haben, um eine gewisse Treffsicherheit zu erzielen. Je näher, je mutiger. Wenn noch Baumbestand einbezogen wird, ergibt sich eine mittlere Wurfdistanz von 20 m. Auf der gegnerischen Seite wäre eine Gegenwehr mit Speeren, Schwertern und Schildern bei dieser Kampfweise eher defensiv. Denkbar wäre, das auch jugendliche Eburonen (Frauen?) diese Angriffstätigkeit in dem Gefecht ausübten. Die Wurftätigkeiten konnten auch über die Köpfe der vorderen Angreifer hinweggeworfen werden. Hieraus ergäbe sich bei diesem Szenario ein Feld von Steinen, welches in der vordersten Kampflinie des römischen Verteidigungsrings dichter ist als in den Aussenbereichen, bzw. nach innen weniger werden sollte. Nur kleinere Steine gelangten mittels Schleuderwaffen in den inneren Kreis (100m?), wenn diese nicht durch Baumbestand aufgehalten wurden.



Sollte der Hauptangriff Eburonen von einer Höhe hangabwärts geführt worden sein (bei einem angenommenem Zug der Römer an einem flachen Hang entlang), so war der Kampfdruck und die Verteidigung der Römer ebenfalls hangabwärts, auf keinen Fall hangaufwärts. Und angenommen, am Hangende gefand sich eine sumpfige Niederung, so wurden die Römer gezwungen, sich in diesem Zwischenraum zu stellen oder in Zugrichtung rückwarts oder vorwärts auszuweichen. Dies würde der Gefechtssituation in D-Kalkriese nahe kommen.

Die Wahl der Waffen wird bei den Römern etwas einseitig gewesen sein. Die Infanterie hatte möglicherweise alle Speere geworfen und konnten nur noch das Schwert und den Schild benutzen, eventuell die Steine zurück werfen, welche die Eburonen schmissen (und dabei die Deckung verlieren), doch ansonsten hatten sie keinen Rückzug in den Kreis und waren auf Nahkampf angewiesen (dem die Eburonen auswichen). Der Gegner (Eburonen) konnten dagegen in offene Flächen ausweichen und hatten genügend Nachschub an Material.

Bei den Ausfällen der einzelnen Cohorten (die einzige Chance, die Angriffe der Eburonen zu kontern), müssen bei deren Rückzug in den Kreis hohe Verluste bei der Infanterie entstanden sein. Die Lage muss für die Stabsoffiziere und Sabinus aussichtslos geworden sein, sonst hätten sie keine Gespräche mit den Eburonen erfragt. Dies gipfelte wohl in dem gelungenen Einbruch der Eburonen in den Kreis der Römer und ein Aufbrechen desselben, nachdem sie die römischen Parlamentäre (hohe Stabsoffiziere und Sabinus selbst) umgebracht hatten. Hier mag Panik bei den Römern einsetzt haben und eine allgemeine Fluchtbewegung von verschiedenen Infanterieeinheiten in Richtung des nahen Lagers wäre denkbar.

All dies beweist eigentlich, wie diszipliniert die Gallier bei Atuatuca vorgegangen sind, taktisch gut reagiert haben und sich einem Chef angedient haben. Dies widerspricht der allgemeinen Meinung von den tumben Galliern, die uns Caesar so ans Herz legen will. Wendete man gegen die Römer die richtige, d.h. die den Umständen angepasste Taktik an, war ein Erfolg denkbar. Das würde auch erklären, warum Caesar einen so großen Aufwand an Material, Zeit und Menschen auf der Suche nach Ambiorix und bei der "Säuberung" seines Stammes von der Landkarte aufwendete. Drei Kampagnen in 53 v. Chr., 52 v. Chr. und 51 v. Chr. gegen die Eburonen und speziell Ambiorix beweisen dies. Allein in 53 v. Chr. schaffte Caesar die gesamte gallische Armee (10 Legionen) nach Atuatuca, um von dort aus einen "Vernichtungsfeldzug" (welches keiner war, es war Völkermord) gegen die Eburonen zu starten. Caesar muss aufgrund des Gefechtes bei Atuatuca sehr großen Respekt vor dem Strategen Ambiorix bekommen haben, weil hier jemand war, der seiner Kriegskunst gleich kam und deswegen sehr gefährlich für Roms Ziele in Gallien war. Caesar erwähnt den Namen Ambiorix siebzehn (17) mal im Bello Gallico! Psychologen nennen das "ein nicht verarbeitetes Trauma", zumal der Zugriff auf Ambiorix seitens der Römer in keinem Fall erfolgreich war. Ambiorix verschwand im Dunst der nordischen Wälder und Sümpfe (theatralisch gesehen ;-).

Der Sieg der Eburonen war ein vollständiger und die Beute muss erheblich gewesen sein. Die Kriegsführer der Eburonen hatten in allen Punkten taktisch richtig entschieden und wurden damit zu einem ebenbürtigen, gefährlichen Gegner der römschen Invasionarmee (mit der Option auf weitere erfolgreiche Gefechte). Die gallische Armee verlor mit der Legion Sabinus/Cotta 1/5 ihrer Kampfkraft. Die Taktik der Täuschung und der Guerilla sollte sich auch in Zukunft (siehe Vercingetorix und Arminius) in Gefechten gegen die effiziente, aber schwerfällige Cohorten-Kampftechnik der Römer bewähren.

Dem Hauptgefechtsfeld und dem römischen Winterlager widerfuhren in der Folgezeit sehr gründliche Plünderungen. Interessant ist, das die Eburonen wohl kurz nach dem Gefecht zum Lager Cicero zogen. Unzweifelhaft, das sie vorher gründlich geplündert und die Beute verteilt haben. Oder sollten Frauen, Kinder und Alte geplündert haben? Wenn schon die Schlacht bestialisch und jenseits unseres heutigen Vorstellungsvermögens gewesen sein muss, so war der Anblick über das Schlachtfeld streifender Frauen und Kinder, welche Verwundete Römer abstechen, erschlagen oder einfach ignorieren und noch lebenden Menschen die brauchbaren Sachen abzogen, abhackten oder wegbrachen, wohl sehr morbide. Was übers Jahr liegen blieb, waren Knochen, Kleinteile aus Eisen, Metallstücke, in den Boden gekommene Schleudersteine jeder Form. Waffen und Rüstungsteile darf man nicht mehr vermuten. Es muss in der Folgezeit über dem Ort des Treffens ein starker Geruch gelegen haben, denn die Gallier werden die römischen Kadaver nicht beerdigt haben. Das fallende Laub des beginnenden Herbstes deckte die Leichen zu. Der kommende Winter verzögerte durch die Kälte die Verwesung.

Wenn sich das Gefecht in einer Talaue mit einem Bach abgespielt hat, so kann man davon ausgehen, das die Schneeschmelze und starke Regenfälle durch Hochwasser einen gewissen Anteil der Kadaver und Brandreste talabwärts schwemmte. Als römische Truppen ein Jahr später an den Ort der Gefechtshandlungen kamen, werden sie den aufgefundenen sterblichen Überresten ihrer Kameraden eine ehrenvolle Behandlung gestattet haben. Das hätte deren Feldherr den Toten und seinen Leuten geschuldigt. Ein offen liegender Kadaver ist nach einem Jahr nicht vollständig verwest. Teilweise sind die Glieder mit Fleisch und Sehnen noch im Verband. Die beste Methode, welche auch zu damaliger Zeit gebräuchlich war, war die Verbrennung der Leichen. Am Gefechtsort gab es Wald und somit genügend Holz für mögliche Scheiterhaufen.

Cambio del ritmo: Was, wenn die Kelten die toten römischen Kadaver beseitigt haben? Es wurden am Gefechtsort nicht alle Römer getötet. Ein Teil schaffte es zum Lager zurück. Nach dem Gefecht wurden die Toten und Verwundeten der Gallier geborgen, die verwundeten Römer umgebracht. Die Toten der Gallier sind möglicherweise an einem anderen Ort bestattet oder verbrannt worden. Was, wenn alle zusammen verbrannt oder vergraben wurden? Das war eng besiedeltes Stammesgebiet der Eburonen. Ein Haufen verwesender Toter ergibt einen Seuchenherd, welches sich die Bevölkerung nicht leisten konnte. Wir sind zu sehr von Kalkriese geprägt, wo die Germanen nach der Varus-Schlacht die toten Römer haben liegen lassen, 6 Jahre lang. Niemand kann uns bis jetzt Auskunft geben über Atuatuca. Caesar berichtet zumindest nichts von erschreckenden Bildern des Grauens auf dem Schlachtfeld, nachdem er nach einem Jahr an den Ort zurück kehrte. Ich glaube, er hätte es berichtet. Kann das bedeuten, das da nichts mehr lag? Zumindest nichts grauenhaftes mehr. Friedlich vereint im Tode auf dem ehemaligen Gefechtsfeld. Ebenso die ca. 1500 toten Legionäre ein Jahr später von dem Gefecht bei Atuatuca gegen die Sugambrer. Dannach sollte man suchen! Allerheiligen vielleicht, nachts, mit Musik von Clanned und einer Flasche irischen Whiskeys.

Am Gefechtsort sollten hauptsächlich römische Waffen- und Rüstungsartekfakte liegen, auf der Strecke des aufgegebenen Trosses sollten römische Gebrauchsgegenstände (Mühlsteine z.B.) und allgemeine Artefakte liegen und im Lager eine Mischung von beidem. Diese Dinge liegen in einem Umfeld von mittelalterlichen, frühindustrialisierten und neuzeitlichem Artefakten, wozu noch eine Menge Eisenschrott jeder Coleur aus dem Zweiten Weltkrieg hinzukommt. Die Relikte aus dem Gefecht sind deswegen sehr schwer zu erkennen, bzw. zuzuordnen. Und wenn Dinge gefunden werden, dann kommen diese uns vor wie der Fund eines abgestürzten Ufos. Das ist sehr fremd, eine Lanzenspitze neben einem Grantatenzünder zu finden. Die Beziehung ist unmittelbar; in beiden Fällen handelt es sich um Kriegsschrott, doch welch ein Zeitunterschied und welch eine Geschichte hinter der Lanzenspitze steckt.

Zwei Dinge sind, neben dem noch nicht lokalisierten Atuatuca und dem Grund des römischen Versagens im Gefecht gegen Ambiorix, ein Rätsel um die Ereignisse des b.g. V 24 - 37: Warum gingen die kampferprobten Römer durch ein langes, enges und anscheinend unwegsames Tal nach dem Schema: Durch diese hohle Gasse müssen müssen wir kommen und warum brachten sich überlebende Legionäre des Gefechts unmittelbar nach dem Gefecht im Winterlager selbst um? Dies wäre, wenn es stimmt, ein Indiz, das es nicht so viele Infanteristen insgesamt waren, welche sich in durch die Wälder und Täler der Eburonen schlugen. Wenn es an die 8000 Legionäre gewesen wären und ein Teil hätte sich ins nahe Lager gerettet, sagen wir 3000, was wahrscheinlich wäre, so bringen sich 3000 Legionäre garantiert nicht selber um. Wenn es 5000 oder sogar weniger gewesen sind und etwa 1000 hätten sich gerettet, ist das immer noch viel. Sagen wir 500. Das käme eher hin und scheint glaubhaft. 1/10 von ca. 5000 Infanteristen. Eine Cohortestärke, vielleicht mehr, beging Selbstmord. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, das, wenn es weniger Mannstärken gewesen sind, das Winterlager nicht so groß gewesen sein kein. Maximal 500 x 500 m der vorkommenden Geländeform angepasst. Vergleichszahlen: D-Haltern = 560 x 38 m, bzw. 560 x 614 m für 1-2 Legionen, D-Oderaden = 840 x 680 m für 2 Legionen, D-Bonn = 528 x 524 m für 1 Legion, D-Dorsten = 900 x 850 m für 2 Legionen.

Warum 500 - 2000 gestandene Legionäre einen kollektiven Selbstmord wählten, ist fraglich bis unwahrscheinlich. Dies wäre der größte Massenselbstmord der antiken römischen Militärgeschichte und mit der Niederlage der Sabinus-Legion die wahrscheinlich größte Niederlage des Römischen Heeres im Gallischen Krieg. Der Autor des b.g. geht mit einem kurzen Satz darüber hinweg, beschreibt jedoch aufwändig die Verteidigung des Lagers Sabinus. Irgend etwas scheint hier nicht zu stimmen. Die Eburonen werden keine Gefangenen gemacht haben. War es Caesar mehr wert, das seine Legionäre sich bei einer drohenden Niederlage selbst umbringen (wie Japaner im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen die Amerikaner) oder wurde die 14. Legion vollständig durch die Eburonen vernichtet und Caesar will dies wegen eines drohenden Gesichtsverlusts nicht öffentlich machen? >>Selbstmord im römischen Reich

Zusammengenommen ist die Erzählung Caesar stimmig und logisch. Dies sollte sich in einer logischen und stimmigen Einordnung in eine bestimmte Landschaft einfügen lassen, welches dann durch Funde bestätigt werden sollte.

Also nochmal: Demnach zogen die Römer in einem Zug von einer Hochfläche aus einem befestigten Lager vollständig in ein langes, enges Tal in dessen Nähe eine gallische Höhenfestung lag. Die Gallier machten hinten und vorne dicht. Irgendwo zwischen hinten und vorne fand "die Schlacht" statt.

Das römische Reich bestrafte Widerstand mit der vollständigen Vernichtung des aufständischen Gegners. Dies erreichten sie durch einen immensen Nachschub an Geld, Menschen und Material. Der gallische Krieg war ein Aggressionskrieg der Römer mit dem Ziel, das westliche Nordeuropa für Rom zu unterwerfen. So geschehen bei den Eburonen, welche nach dem Gefecht von Atuatuca durch mehrere römische Gefechtskampagnen politisch und ethnisch aus dem Gefüge des damaligen Nordgallien entfernt (gesäubert?) wurden. Rom verwandte dazu in 53 v.Chr. nahezu 50.000 Infanteristen (die gesamte Gallische Armee = 10 Legionen). Hier liegt der Tatbestand eines Exempels für versuchten Widerstand nahe. Ebenso die Vernichtung des Stammes der Tenkterer und Usipeter durch den gleichen Feldherrn geht in diese Richtung. Der oberste "Führer" des gallischen Heeres reiht sich damit nahtlos in die Phalanx jener politischen Selbstdarsteller und Parvenues unserer Tage (völlig ungeachtet der jeweiligen Kultur), welche ähnliche Völkermorde verübten und noch ausführen.

Das Rhein-Maasland war nach dem Einmarsch Caesars über 400 Jahre unter römischem Einfluss. Sicher werden die Geschichten über das Sabinus-Desaster weitergeben worden sein und der Ort des Gefechtes eine Zeit lang im römischen Rhein-Maasland bekannt gewesen sein. Dies läßt sich vergleichen mit einem Gefechtsort in der Nähe von D-Aldenhoven (während des ersten Koalitionskrieges konnte das Vordringen der französischen Revolutionstruppen zum Rhein im Jahre 1793 zunächst gestoppt werden. In der Schlacht bei Aldenhoven siegten die Österreicher unter Feldmarschall Coburg und konnten die Franzosen weit zurückdrängen). Heute, nach etwa 200 Jahren, weiß niemand, wo es stattgefunden hat. Vergleichbar wäre dies nach der dem Atuatuca-Gefecht, 150 n.Chr. Damals begann die Hauptbesiedlung des Rhein-Maaslandes durch die Romanisierung (Antoninus Pius). Somit ist damit zu rechnen, das in der Folgezeit des Gefechtes von Atuatuca wiederholt Menschen an den Ort kamen und nach irgendetwas suchten, was mit dem Gefecht zusammenhing. Insofern liegt dort nicht mehr viel an "brauchbarem" Material, aber vielleicht Kleinteile.



Eine Hypothese des Atuatuca-Gefechtes wäre folgendes Szenario: Unter der Voraussetzung, das Ambiorix taktisch klug und vorausschauend war, die Kampftechnik und die Psyche der Römer recht gut einschätzen konnte und ein gewiefter Stammesführer war, der seine Leute im Griff hatte, entwickelte dieser einen Plan: Er läßt die Römer unter Mitwirkung der Eburonen, d. h. Lieferung von Getreide etc. deren Winterlager in seinem Stammesgebiet errichten. Innerhalb zweier Wochen nach Installation des römischen Lagers an der Kreuzung zweier keltischer Trassen erreicht der Stamm der Eburonen die komplette Mobilmachung aller erreichbaren wehrfähigen Männer, gleichzeitige Unterbrechung aller Nachrichtenverbindungen zu den beiden nächst gelegenen römischen Winterlagern und bekommt tatkräftige Unterstützung benachbarter Stämme, so der Ubier. Nach der Vereinigung dieser Kampfeinheiten greift ein Kontingent der Kelten das Winterlager des Sabinus mit dem Wissen an, das dieser Angriff nichts gegen die gut befestigten 15 Cohorten des Sabinus ausreichen kann. Dieser Angriff wird von den Römern erfolgreich abgewehrt, in der Meinung, dies sei alles, was die Eburonen aufbringen können ...

Ambiorix tritt nun auf und eröffnet den Römern, ein genereller Aufstand herrsche in Nordgallien und alle Winterlager werden zeitgleich angegriffen. Er biete, bevor erwartete Kriegerverbände der Ubier am Ort eintreffen, freien Abzug zum nächsten Winterlager. Die Römer ziehen ab. Dazu müssen sie vom Lager, welches sich auf einem Höhenrücken befindet, in ein Tal hinabsteigen. Dieses Tal, relativ eng und mit teils steilen Hängen, von einem Bach durchzogen, sehr waldreich, wird von einem Höhenrücken gegen die nächsten Getreidefeldern abgeschlossen. Etwa 3 km außerhalb des Lagers greifen die Eburonen mit den Ubiern den römischen Heerzug an. Das Gefecht wird angenommen und ohne Wissen um die tatsächliche Stärke des Gegners werden die Römer vernichtend geschlagen. Ambiorix hatte hoch gepokert und gewonnen (>>siehe auch C.v.Clausewitz Die List / Vom Krieg).

Eine Alternative zu diesem Szenario wäre, das die Eburonen mehr oder weniger spontan das Lager angriffen haben und als dies fehl schlug, in ihrer Naivität ein Ultimatum schufen, auf welches die Römer eingingen und einen Hinterhalt legten, mit dem Erfolg, die römischen Truppen zu schlagen. Ansonsten die gleiche Parameter wie oben. So will es uns der Autor des Bello Gallico weismachen. Im Prinzip der gleiche Erfolg.



Caesar machte aus dem ganzen Desaster eine schöne Geschichte und die Menschen folgten ihm, noch heute. Ich glaube, die Politik war härter. Sabinus sollte die Basis eines nächsten Feldzuges schaffen. Ein Aufstand vereinigter Stämme wurde geplant. Die Belger, unter der Führung eines guten Strategen, schlugen die Römer bei Atuatuca vernichtend. Ein guter Auftakt. Als diese ein Jahr später mit ihrer gesamten gallischen Armee(!) wieder am gleichen Ort eintrafen, wurden sie erneut, diesmal von Germanen angegriffen. Nach meiner Meinung war dieser Angriff von 2000 Reitern auf das Lager Cicero geplant, kein Zufall oder gar eine nette Note der Geschichte. Es kommen nicht mal so eben 2000 marodierende berittene Germanen zusammen und gelangen prompt in 3 Stunden zum Lager Ciceros und das auf den vagen Tipp eines Eburonen hin. Allein diese Erzählung grenzt an Ignoranz gegenüber der Intelligenz des Lesers dieser Geschichte. Es klingt wie das simpel aufgebaute Drehbuch zu einem James Bond Film. Wer hat das alles dem Autor des b.g. erzählt? Caesar war durch die nordöstlichen belgischen Stämmen in starke Bedrängnis gekommen, hatten 10 Cohorten junger Römer und 5 Cohorten erfahrener Legionäre verloren und bekam es mit einem gleichwertigen Strategen zu tun, der seine Leute ebenso effektiv einsetzen konnte, wie er es tat. Caesar stand gegenüber dem Senat in der Informationspflicht und dieses sein "Unglück" versuchte er zu verschleiern. Ich erinnere mich an etwa gleiche Vorgänge im Zuge des Vietnam-Krieges mit der illegalen Bombardierung des neutralen Kambodschas durch amerikanische Bomber ohne Wissen des Senats. Man musste es nur geschickt gegenüber der Welt verkaufen. Hier zeigt sich klar, das nur einer, und zwar der Sieger, die Geschichte des Bello Gallico niedergeschrieben und alle Freihheiten eines Demagogen hatte, welche er auch ausnutzte.

Eine seltsame Parallele besteht zwischen dem Gefecht von Atuatuca und dem sogenannten "Blutbad von Fort William Henry" 1757 in Canada, beschrieben in James Fenimore Cooper's "Der letzte Mohikaner". Die gleichen Voraussetzungen, das gleiche Resultat. Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Fort_William_Henry http://www.mohicanpress.com/mo08009.html http://www.historiclakes.org/wm_henry/wm_henry_battle.html http://www.fwhmuseum.com/

Im zweiten Gefecht um das Atuatuca 53 v.Chr. zogen 5 Cohorten, 300 Veteranen/Kranke (als eine Einheit), Reiterei und eine Menge Trossknechte zum Getreideholen zu den nächsten Feldern, vom Lager durch eine Anhöhe getrennt. Die Lage deutet darauf hin, das die Römer im Lager hungerten, ebenso die sich im Einsatz befindenden 9 Legionen wohl auch keine ausreichende Verpflegung hatten. Die Eburonen werden dem Lager Cicero kein Getreide geliefert haben. Wenn die 300 Veteranen/Kranke eine Cohorte darstellen, so kann dies darauf hindeuten, das die anderen Cohorten zahlenmäßig ebenso besetzt waren. Das, und andere Indizien deuten darauf hin, das die Cohortenstärke im Gallienfeldzug zwischen 300 und 350 Mann betrug. Somit kommt man auf ca. 2000 Personen, welche vom Lager Cicero = Atuatuca auszogen und wieder in das Lager zurückkehren wollten. Von dieser Truppe kamen nach dem Angriff der 2000 sugambrischen Reiter auf die Zurückkehrenden nur die Veteranen mit den Reitern und den Trossknechten ohne große Verluste zum Lager zurück. Mindestens 1500 Infanteristen = 5 Cohorten starben/fielen bei einem Gefecht mit den Sugambrern auf einem Hügel vor dem Lager - eine halbe Legion. Hier die Frage: Sind diese Menschen beerdigt/verbrannt worden und wo sind die Überreste? Römer waren zugegen, selbst einen Tag später Caesar selbst.

Caesar spricht von einem kleinen Haufen und geht jovial darüber hinweg als Kollateralschaden. Klar, es hätte schlimmer enden können. Das Cicerolager mit dem gesamten Gepäck von10 Legionen war zu diesem Zeitpunkt unterbesetzt und sehr anfällig für einen weiteren Angriff. Die Sugambrer hatten kurzzeitig das Schicksal Galliens in der Hand. Andererseits hätten sie das alles nicht in der kurzen Zeit abtransportieren können. Doch die römisch-gallische Armee hätte ihr Gepäck verloren - und wäre gezwungen gewesen, einen Rückzug zu starten. Caesar hatte verdammtes Glück. Deswegen sein Großmut gegen Cicero.

An sieben Gefechtsorten fochten die Römer bei Atuatuca: 1. Der Angriff der Eburonen auf das Lager vor dem Tag des Hinterhalt. 2. Der Angriff der Eburonen auf die Resttruppe im Lager unmittelbar nach dem Hinterhalt. 3. Der Angriff der Germanen ein Jahr später auf das Lager des Cicero (ehem. Sabinuslager). 4. Das Gefecht des Hinterhalts der Eburonen im Tal. 5. Das Gefecht mit der Vorhut am gleichen Tag und 6. das Gefecht mit der Nachhut am gleichen Tag. 7. Das Gefecht mit den Germanen auf dem Hügel vor dem Lager. Bei all diesen Gefechten kamen Waffen und ähnliches in den Boden, starben Menschen. Caesar verlor ca. 2 komplette Legionen bei Atuatuca. Eine schlechte Bilanz für die Truppe und für die Moral der Römer.

Das Buch zur Analyse:
Sunzi
Die Kunst des Krieges
1988 Droemersche Verlagsanstalt
ISBN 3-426-87058-4

Auf dem Weg zum Imperium
Eine Geschichte der römischen Armee
Kate Gilliver
Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2003
ISBN 3-8062-1761-0



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