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| DAS DILEMMA DER ARCHÄOLOGEN |
Freitag, 30. 07. 2010 |

Aus: Die Militärgeschichte Niedergermaniens von Jürgen Kunow/Die Römer in Nordrheinwestfalen/Theiss. Die Eroberung Galliens bis zum Rhein durch C. Iulius Caesar
Die knappe Schilderung des Gallischen Krieges basiert im wesentlichen auf historischen Quellen. Wichtigstes Einzelwerk sind hierbei ohne Frage Caesars eigene commentarii, mit denen er sich um Anerkennung in der Öffentlichkeit bemühte. Die archäologische Forschung hingegen tut sich mit diesem Zeitraum noch recht schwer. Es gibt kein modern ausgegrabenes Caesarisches Lager aus der Gallia Comata. Aus der gesamten Rheinzone, die ja mehrmals Kriegsschauplatz war, kennen wir bislang überhaupt kein Marsch- oder Winterlager. Um so wichtiger sind deshalb Untersuchungen an Siedlungsstellen der einheimischen Bevölkerung.
Kürzlich gelang erstmals die vollständige Freilegung einer befestigten Spätlatènesiedlung im Hambacher Forst bei Niederzier-Hambach/DN. Es handelt sich hier um eine langovale Anlage, befestigt mit Graben und Wall von insgesamt 18 m Breite, wobei der mit einer Brustwehr versehene Wall 5 m hoch gewesen sein muß. Die Innenfläche betrug etwa 200 x 170 m (über 3 ha). Obwohl der Platz nur kurze Zeit besiedelt war, sind mehrere Phasen in der Innenbebauung und im Grabenwerk erkennbar. Es lassen sich die Grundrisse von etwa 265 Häusern trennen, von denen vermutlich ein Drittel Wohnhäuser waren. An dem Ort lebten wohl knapp 1000 Einwohner. Dieser wurde 120/100 v. Chr. gegründet und war bis 60/50 v. Chr. bewohnt. Aus Caesars Schilderung der Stammesgebiete wissen wir, daß in diesem Bereich die 53 v. Chr. vernichtend geschlagenen Eburonen lebten.
Auffällig ist nun, daß diese Siedlung nicht mit einer Brandkatastrophe endete, sondern, wie etwa das fast völlige Fehlen von Metallfunden zeigt, planmäßig geräumt wurde. Ähnliches läßt sich auch für die etwa 30 km entfernt gelegene »Alte Burg« bei Euskirchen-Kreuzweingarten beobachten. Allerdings handelt es sich hier um kein Flachlandoppidum, sondern um eine Höhenbefestigung. Weitere Hinweise auf Höhenburgen in dieser Zeit haben wir vom Petersberg bei Königswinter und aus Bensberg bei Bergisch-Gladbach. Die beiden letztgenannten Orte lagen wohl im Stammesgebiet der rechtsrheinischen Sugambrer, mit denen sich Caesar 55 und 53 v. Chr. herumschlug. Die drei Höhenburgen und die befestigte Flachlandsiedlung sind wohl z. Z. des Gallischen Krieges geräumt worden. Hier wie auch anderswo in derartigen Fällen bestand Rom wohl auf Aufgabe der alten Machtzentren.
Mag auch die Behauptung Caesars, er habe die Bevölkerung der Eburonen ausgelöscht, die Ereignisse dramatisieren, so wurde doch die alte Stammesstruktur völlig zerschlagen und damit der Weg für den Zuzug eines neuen, Rom friedlich gesonnenen Stammes freigemacht.
Horn, Heinz Günter (Hrg.)
Die Römer in Nordrhein-Westfalen
Stuttgart Theiss 1987
ISBN 3-8062-0312-1


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