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DAS PROBLEM ATUATUCA Freitag, 30. 07. 2010

Aus: Ambriorix 1866-1966 B-Tongeren Königlich Limburgische Geschichts- und Archäologische Genossenschaft
1966 E.J. TRIPS Brugge, Juni 1965

Historische Probleme verlangen nicht nach einer unmittelbaren Lösung, haben Zeit und besitzen für die meisten auch keine große Bedeutung. Nichtsdestotrotz gehören die historischen Probleme von Tongeren zur Aktualität, weil der touristische Platz Tongeren sich als des Landes älteste Stadt ankündigt und somit viel besucht wird. Das Interesse der Touristen geht in erster Instanz aus zur kräftig gebauten Statue von Ambiorix. Wir glauben, dass diese Statue aus einem bestimmten Grund hier errichtet wurde, obwohl eine Vielzahl anderer Orte sie abreißen wollen – im bildlichen gesehen! – um Anrecht halten zu können auf den so sehr begehrten Titel des Atuatuca Eburonum, womit sich Tongeren schon seit einem Jahrhundert rühmt.

Es ist heute bestimmt nicht das erste Mal, dass die Frage aufkommt, ob Tongeren jemals das Atuatuca Eburonum gewesen ist, wo ca. 2 Meilen entfernt die Eburonen den Römern die schwerste Niederlage verschafften, durch die Ausrottung von 15 Cohorten sowie der anderthalb Legionen der Befehlshaber Sabinus und Cotta. In demselben Atuatuca lagerte die XIV. Legion, teilweise zusammengestellt aus Rekruten, sie kriegten die Sugambrer der anderen Seite des Rheins über ihren Hals und dank sei besonderen Mutes und Gegenwehr konnten sie eine Niederlage abwenden. Es gibt keine Sicherheit bezüglich der Lage des Cäsarischen Lagers, ebenso wie der von Atuatuca.

Mit Sicherheit ist dahingegen gegeben, als das Tongeren auf den römischen Landkarten als Aduaca Tungrorum erscheint und die Identifizierung hieraus mit dem heutigen Tongeren archäologisch feststeht. Aber in diesem Augenblick sind wir schon in der Periode des Kaiserreiches und die Garnisonenstadt Atuatuca Tungrorum evaluierte sehr schnell und wurde zu einem wichtigen Knotenpunkt. Das Itinerarium Antinini, ein Abstandsanzeiger aus der 2. Hälfte des III. Jahrhunderts n.Ch., signalisiert Aduaca entlang der Bahn von Kassel nach Köln, derweil man auf der bekannten langgestreckten Spinnengewebskarte, der Tabula Peutingeriana, Atuaca an der linken Seite der Maas antrifft. Vorhergehend hatte der bekannte griechische Geograph Ptolemaeus aus Alexandria im II. Jahrhundert schon eine Meldung über eine civitas Tungrorum mit Atouatoukon als Hauptplatz gemacht.

An einem bestimmten Augenblick passierte etwas, was sich auch in anderen gallischen Städten ereignete. Viele Hauptplätze von civitates legten ihre alten Ortsnamen ab und behielten ihre ethnische Genitivsform: Durocortorum Remorum wurde Reims, Lutetia Parisiorum Paris, Atuatuca Tungrorum Tongeren. Wir fragen uns dann auch, ob die Namen Atuatuca Eburonum, Atuatuca Tungrorum, Aduaca, Atuaca und Atouatoukon alle mit der Lage des heutigen Tongeren übereinstimmen.

Atuatuca Eburonum

Ausgrabungen in 1963-1964 ergaben die Sicherheit über das Bestehen eines früh-römischen Lagers und von Konstruktionen aus Lehm und Holz aus Augustus Zeiten. Die Resultate dieser Ausgrabungen wurden in einer merkwürdigen Studie durch W. Vanvinckenroye behandelt. Auf Archäologischer Ebene kann kein einziger Beweis gefunden werden, dass das Atuatuca von Sabinus und Cotta in Tongeren gelegen hat.

Wie beschrieb Cäsar nun Atuatuca? Vor dem Jahr 53 v. Chr. sagte er ausdrücklich: Atuatuca, das ist der Name von (oder für) eine Schanze/kleine Festung; sie liegt ungefähr in der Mitte des Eburonenlandes, wo Titurius (Sabinus) und Atrunculeius (Cotta) ihren Einzug genommen hatten (im Jahre 54 v. Chr.) um dort den Winter zu verbringen.

Aus einigen Details kann man interpretieren, dass Atuatuca ein heimisches (keltisches) Wort für eine Schanze oder Kampierplatz oder Befestigung ist. Und das es noch andere Atutatuca´s in oder außerhalb des Eburonen-Gebietes gab. Über die Tatsache, dass Tongeren im Eburonenland lag, besteht nicht der geringste Zweifel und wohl deshalb wurde die Statue von Ambiorix in Tongeren errichtet als den ältesten, aber wohl auch hartnäckigsten Freiheitshelden der Tiefen Länder, obwohl das Kerngebiet der Eburonen nach einer Behauptung von Cäsar zwischen Maas und Rhein gelegen hat.

Auch an der linken Seite der Maas blieben Eburonen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die beiden Eburonenkönige, Ambiorix und Catuvolcus, die Befehlshaber Sabinus und Cotta ihre Aufwartung in Tongeren machten, bei den Grenzen ihres Reiches und Getreide zu deren Winterquartieren hatten bringen lassen.

Eburonenland

Die Eburonen, von welchen Cäsar sagt, sie seien ein unbedeutender Stamm, kannten das politische Regime eines geteilten Königreiches. Ambiorix, dessen keltischer Name "der reiche König" bedeutet, teilte die Macht mit dem älteren Catuvolcus, der nicht so viel für einen Aufstand und Krieg gab, sobald die Römer einen Fuß in das Land stellten, obwohl sein Name im keltischen "der Schnelle im Kampf " bedeutete. Ambiorix jedoch ließ nichts ungenutzt, um den Römern das Leben schwer zu machen. Nach einem misslungenem Aufstand warf der alte Catuvolcus Ambiorix selbst noch böse Vorwürfe an den Kopf und vergiftete sich dann selbst. Wie das Eburonenland unter den beiden Fürsten verteilt war, kann man nur erraten. Man vermutet, dass der östliche Teil der Maas gelegen, zum Amtgebiet von Catuvolcus und der westliche Teil zu Ambiorix gehörte. Aber dies beruht lediglich auf einer Fantasie.

Ob Atuatuca zum Bewohnen bestimmt war, wissen wir nicht. Im Allgemeinen hatte die Schanze einen militärischen Charakter und spielte eine Rolle im Falle eines Krieges oder von Gefahr. Sogar Ambiorix verweilte nicht in einer atuatuca, sondern in einer Wohnung nach gallischer Art gebaut, vollkommen durch Wälder eingeschlossen, zu dem nur ein schmaler Weg Zugang bot. Er wohnte dort mit einer handvoll Reitern und Vertrauten und mit einer ganzen militärischen Ausrüstung an Pferden und Karren. Sehr viele Wege und Pfade, die oft nur von der einheimischen Bevölkerung gekannt wurden, durchkreuzten das Eburonenland. Diesen Pfaden hatte Ambiorix so manches mal sein Leben zu verdanken. Die Römer hatten die Landwege, wie z.B. die Via Agrippa, die Bahn von Bavay über Tongeren nach Köln und die Via Mansuerisca, die über Baraque Michel, Mont Righi und Betrange das Land der Treveren eindrang, technisch verbessert und ausgebaut. Es bleibt kein Zweifel, dass Cäsar’s Legionen von diesen prä-römischen Wegen gebrauch machten und sie Sendungen und Lieferungen über sie ausführten.

Die Atuatuker

Durch die Schlachten an der Aisne (Axona) und der Selle (Sabis) bewiesen die Römer ihre Überlegenheit im offenen Feld und die Atuatuker, die Nachbarn der Eburonen, zwangen sie zur Aufgabe durch eine Bestürmung. Auch dieses Mal artete die Sache wieder aus durch Cäsar’s beeindruckende Belagerungstechnik und die "Oppidum Atuatucorum" kapitulierte ziemlich schnell.

Auf etymologischen Ebenen besteht eine unverkennbare Verbindung zwischen "Atuatuci" und "Atuatuca" und in der Praxis wird dies durch einen Pakt gefestigt, welcher zwischen den Atuatucern und den Eburonen bestand. Die Klauseln dieses Paktes sind ebenso unbekannt, aber es gibt Hinweise um anzunehmen, dass in Zeiten von Krieg und Gefahr die Eburonen die Pflicht hatten, zu helfen. Cäsar erwähnt, dass bei seinem Aufrücken die Atuatuker all ihre Schanzen (castella) und andere Festungen (oppida) verließen um sich in einige große Festungen zurückzuziehen, dem "Oppidum Atuatucorum", auf einer abgesperrten Landzunge gelegen. An ihrer Verengung war sie besonders gesichert. Wo diese Festung gelegen hat, scheint erneut eines der so vielen ungelösten Dinge zu sein.

Die Atuatuker verfügten also über ein ausgeweites, maasländisches Verteidigungsnetz, welches über Maas und Nebenflüsse ausgebreitet war.

Cäsar meint, dass die Eburonen unter der Herrschaft der Atuatuker standen und ihnen verpflichtet waren und das die Atuatuker wegen Untreue den Neffen und den Sohn von Ambiorix in Ketten gelegt hatten. Nach der Übergabe der Atuatuker beendete Cäsar diesen Pakt und seit dem werden die Eburonen, zusammen mit den Condrusen, mit Cäsar’s Zustimmung Klienten der Treveren.

Der listige Ambiorix

Weder Cäsar’s zahlreiches Prahlen, noch seine schillernden Machtsdemonstrationen eines Brückenbaus über den Rhein und die Überfahrt nach England, konnten die Autorität Roms in Nord-Gallien durchsetzen. Im Jahre 54 v.Chr. stellte ein bewaffneter Landtag von Galliern einen allgemeinen Plan auf, um Cäsar auf weitläufige Art und Weise anzugreifen und alle waffenfähigen Männer waren verpflichtet, an diesem Angriff teilzunehmen, zu dem der Mordanschlag in Orléans auf die Person Tasgetius, die dort durch Cäsar zum König der Carnuten gestellt war, im Allgemeinen auch gehörte. Wegen einem Mangel an Weizen, dieser war durch die anhaltende Dürre entstanden, hatte Cäsar seine Legionen über eine ziemlich große Anzahl von Winterquartieren verteilt. Die Soldaten des Befehlshabers T. Labienus überwinterten bei der Grenze von Treveren zum Land der Remer, die von Q. Cicero im Land der Nerviers und die 15 Kohorten von Q.T. Sabinus und L.A. Cotta in Atuatuca bei den Eburonen. Aus diesen drei Lagern in Nord-Gallien entsteht ein Dreieck.

Von Atuatuca bei den Eburonen bis zum Kamp von Cicero bei den Nervier beträgt der Abstand 55 Meilen (82 km) und zum Kamp von Labienus bei den Remern 50 Meilen (75 km); zwischen dem Kamp von Labienus und dem von Cicero liegen ungefähr 60 Meilen (90 km). Archäologisch kann die Lage keines Lagers bewiesen werden. Die ganze Angelegenheit wird noch verwirrender, als A. Grisart (28) behauptet, dass Cäsar in der Angabe der Abstände sicher nicht römische Meilen meinte, sondern Gallische Leugae. Cäsar scheute nicht davor zurück in seinen Memoires Fakten und Zahlen zu seinem Vorteil zu verdrehen. Es ist nicht Cäsar der den Abstand zwischen dem Lager von Cicero und Atuatuca angibt, sondern Ambiorix, der Feldherr legt seine Worte in den Mund des Feindes. Ambiorix meinte nicht Meilen sondern Leugae. In diesem Sinne beträgt der Abstand in Leugea (1Leugae = 2222m) von Atuatuca zum Kamp von Cicero bei den Nerviern 122 km und das von Labienus bei den Remern 111 km, obwohl dieses Letztere ungefähr 133 km von dem von Cicero entfernt war. Das Dreieck ist demzufolge größer als ursprünglich erwartet. Letztendliches Resultat ist, dass keines dieser Lager archäologisch festgelegt werden kann. Sollte jemals eines dieser drei Lager gefunden werden, dann kann das Rätsel vielleicht gelöst werden, ebenso die Frage ob das Atuatuca von Sabinus und Cotta in Tongeren gelegen hat.

Der allgemeine Angriffsplan sah vor, dass diese 3 Lager gleichzeitig angreifen würden, die Treverer mussten unter der Leitung ihres Königs Inditiomarus das Lager von Labienus angreifen, die Nerviers das von Cicero und die Eburonen das Atuatuca von Sabinus und Cotta. So geschah es dann auch, und es fehlte nicht viel und die Römer wurden aus Nord-Gallien weggeputzt. Indutiomarus scheiterte, er wurde durch römische Reiter getötet. Auch Ambiorix und Catuvolcus schlugen zu und kriegten in Atuatuca von spanischen Reitern eine so harte Abfuhr, dass sie Verhandlungen einfügen mussten. Als Vermittler der Eburonen verhandelte Ambiorix mit dem Ritter C. Arpinius und den Spanier Q. Iunius. Ambiorix richtete eine Warnung an Sabinus und Cotta, dass er aus sehr guten Quellen wüsste, dass eine große Bande Germanen über den Rhein gekommen war und binnen zwei Tagen vor Ort sein würde. Über welche Germanen er spricht, sagt Cäsar nicht. Und doch haben wir ein weiteres Argument um die Lage des Atuatuca von Sabinus und Cotta zu bestimmen, nämlich das Atuatuca zwei Tagesmärsche vom Rhein entfernt liegt.

Die Warnung von Ambiorix hatte ihren Effekt. Beide Befehlshaber beschlossen schließlich Atuatuca zu verlassen. In einer endlosen Kolonne und mit einer Überlast an Gepäck verließen die Römer Atuatuca. Ca. 2 Meilen (3 km) entfernt hatten die Eburonen 2 Gruppen in einen Hinterhalt versteckt, auf bewaldeten Hügeln eines großen Tals: magna convallis.

Das große Tal

In der Nähe von Tongeren wurde die "magna convallis" gefunden, sowohl in Lauw wie auch in Vreren. Ebenso wie das Dreieck der drei Lager, bleibt auch die magna convallis problematisch.

Als der größte Teil der Kolonne in dem großen Tal hinabgeritten war, tauchten die Eburonen plötzlich an beiden Seiten auf. Bei diesem Überfall fielen auch Sabinus und Cotta.

Es ist unmöglich, ein solches Tal in der Umgebung von Tongeren zu finden, erst Recht nicht an den sumpfigen Ufern der Jeker. Im Gebiet um die Maas und des Rheins wird dahingegen die Chance größer sein um ein solches magna convallis zu finden.

Die Hypothesen von deutscher Seite sind ernstzunehmender. Die Atuatuca wird mit Nideggen verbunden, aber einen archäologischen Beweis gibt es nicht. Als in 1953 der niederländische Historiker A. Munsters noch immer in der Nähe von Nideggen auskommt, meint sein Landsgenosse H. Spierts Honthem, ein Gehöft zwischen Margraten und Sint-Geertruid. H. Spierts rekonstruierte das ganze Schlachtfeld so gut, dass er 4 km südlich von Honthem den großen Grabhügel von Libeek anweisen konnte, wo die Kämpfer Sabinus und Cotta ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten.

Ambiorix beinahe gefasst

In dem darauffolgenden Jahr (53 v.Chr.) kam Cäsar persönlich nach Atuatuca. Er brachte dort sein ganzes Lager zusammen, unter der Obhut der XIV. Legion, zusammengestellt aus zum größten Teil Rekruten aus Norditalien. Befehlshaber war Q. Cicero. Zu dem Zeitpunkt hatte er die erste Phase des gnadenlosen Krieges gegen die Eburonen erreicht, nämlich die Umzingelung des Eburonenlandes. Ambiorix hatte zum wiederholten Male einen Aufstand angezettelt, an dem nicht nur die Nervier, die Menapier, die Atuatuker und die Treverer teilnahmen, sondern auch die Germani Cisrhenani. Unter "Germani Cisrhenani" könnte Cäsar all die erwähnten Stämme und dies als kollektiven Namen gemeint haben.

Zwischen den Menapiern und Ambiorix gab es eine offizielle Gastfreundschaft. Um zu vermeiden das Ambiorix sich bei den Menapiern versteckten würde oder versuchen würde sich bei den Germanen die über den Rhein gekommen waren anzuschließen, begann Cäsar die Gebiete rund der Eburonen systematisch zu durchkämmen. Dann begann die 2. Phase.

Er kam aus der Nähe von Bonn oder Koblenz über die Wälder der Ardennen und schickte aus taktischen Gründen Lucius Minucius Basilus mit einer ganzen Reiterschaft voraus. Sie rückten schneller vor als erwartet und konnten demzufolge Ambiorix in seiner Unterkunft überraschen. Ambiorix saß dort mit einer handvoll Reitern und Vertrauter. Doch im letzten Moment konnte er entkommen und sandte dann in alle Richtungen Boten aus mit dem Auftrag, dass ein jeder sich selber helfen sollte. So suchten manche Unterschlupf im Wald, die anderen flohen in die Gegend der Moore und Sümpfe und die, die in der Nähe vom Meer wohnten, versteckten sich auf den Lagunen. Es blieb Cäsar nichts anderes übrig, als so viel wie möglich Informationen zu sammeln über den entwischten Ambiorix. Er beschloß dann sein Leger in drei Gruppen aufzuteilen. T. Labienus machte sich auf den Weg in Richtung See nach Westen (nordwestliche Richtung), C. Trebonius zog zu dem Gebiet, das an das Land der Atuatuker grenzte (südwestliche Richtung) und Cäsar selbst mit den restlichen drei Legionen in Richtung der "Scaldis", welche in der Maas mündet und in die Ausläufer der Ardennen. Beachtet man nun die Richtung, den Tag des rendez-vous und das Marschtempo der Legionen, dann stehen die Chancen sehr gut für Aachen, Nideggen, Honthem, s’Gravenvoeren, Embourg und Limbourg.

Die Sugambrer

Bevor Cäsar in nordöstliche Richtung gereist war, sandte er Eilboten an die Nachbarstämme, die baten, doch in das Eburonenland zu kommen, um es zu plündern. Es war immer noch wichtig für Cäsar den Namen und den Stamm der Eburonen auszurotten. Die freundliche Einladung zur Plünderung kam auch den Germanen der anderen Rheinseite zu Ohren und schnell mobilisierten die Sugambren 2000 Reiter.

Rechts von Rhein nennt Cäsar die Sugambren, gefestigt zwischen Lippe und Ruhr, und die Ubier gegenüber Köln und Bonn. Mehr als ein halbes Jahrhundert haben die Sugambren hier gewohnt, bis sie 8 oder 7 v.Chr. durch Tiberius versetzt wurden in die Nähe von Xanten. Aus der Verbindung der Sugambren mit der alten einheimischen Bevölkerung entstand das Volk der Cugerni, die später, als Colonia Vlpia Traiana entstand, Traianesen genannt wurden. Für die Römer schienen die Sugambrer der gefürchtetste Feind zu sein, niemals ist es zwischen ihnen und Cäsar zu einem Vertrag gekommen. Und später im Jahr 17 v. Chr. fügten die Sugambren unter der Leitung ihres Königs Maelo dem römischen Gouverneur Marcus Lillius eine solche Abfuhr zu, dass diese Niederlage als die "clades Lolliana" bekannt wurde. Dabei ging sogar das Feldzeichen der 5. Legion verloren, wodurch Kaiser Augustus sich peinlich getroffen fühlte. Diese Niederlage war für Augustus der Grund, von einer defensiven Rheinpolitik in eine Offensive überzugehen – und um neue Festungen an linken Rheinufer zu bauen. Neuss bestand schon am Knotenpunkt der wichtigen Straßen, doch nun entstand Vetera bei Xanten an der Mündung der Lippe. Diese Reorganisation hinderte die Sugambren nicht daran, die Römer weiter anzugreifen.

Auf Schiffen und Flotten überquerten die Sugambren, die den Bericht der massiven Plünderungen im Eburonenland gehört hatten, über den Rhein, ungefähr 30 Meilen (45 km) von dem Ort entfernt, wo Cäsar im gleichen Jahr eine Rheinburg hatte bauen lassen. Sie fielen in das Land der Eburonen ein und sicherten sich eine große Anzahl an Vieh.

Wenn wir für Atuatuca Eburonum einen Ort nennen sollen, der am besten zu Cäsars Umschreibungen passt, dann meinen wir, dass dies Aachen-Vaals sein könnte. Aachen liegt tatsächlich zentral im Eburonenland, zwischen Rhein und Maas. Dieser Eindruck ist aber nicht sicher, wir geben ihn mit Vorbehalt wider.

Es war eine germanische Angewohnheit, dass sich die Reiter durch Fußknechte begleiten ließen, die für ihre Sicherheit gerade stehen mussten. Diese Knechte konnten dem Schritt der Pferde mithalten, indem sie sich an den Mähnen festhielten.

Diese Tatsache kann kein Grund dafür sein, um das Marschtempo der Germanen zu übertreiben, und wir glauben, dass die germanischen Reiter den Abstand von Köln nach Aachen (ca. 65 km) in zwei Tagen hinter sich bringen konnten. Tongeren dahingegen liegt 110 km vom Rhein entfernt. Eilboten des organisierten Postdienstes legten ca. 15 km pro Stunde ab und der gewöhnliche Fußmarsch der römischen Legionen betrug 20 km. Der flinke Tagesmarsch 30 km und der forcierte Tagesmarsch 40 km und mehr. An Hand dieser zahlen und auf Grund der Bedingung das Cäsar die Wahrheit sagte, als er Ambiorix mitteilen ließ, dass die Germanen vom Rhein binnen zwei Tagen in Atuatuca sein konnten, dann müssen wir annehmen das Atuatuca ca. 60 – 70 km vom Rhein entfernt war. Ein Argument mehr, welches für Aachen spricht und gegen Tongeren.

Als die Sugambrer nun 3 Stunden von Atuatuca angekommen waren und vernahmen, dass Cäsar nicht in der Nähe war sondern weiter gezogen war, beschlossen sie, nach Atuatuca zu ziehen mit einem Eburonen als Führer. Inzwischen war die Woche um und Q. Cicero, der Befehlshaber der Atuatucer, der am Rendezvous mit Cäsar anfing zu zweifeln, brach die "consigne". Die Sugambrer waren Atuatuca unbemerkt näher gekommen und griffen das Haupttor an, in dessen Nähe Wälder lagen. Keiner hatte vom Angriff etwas gemerkt. Mit der größten Mühe wurden die Tore verteidigt und doch schafften die Römer es, ihr Kamp zu verteidigen, sodass die Sugambrer kehrt machen mussten.

Auch dieses Geschehen haben viele rekonstruiert und die "porta decumana", den Wald, den Hügel und die Weizenfelder zurückgefunden.

Bei seiner Rückkehr berichtete Cäsar, dass Ambiorix sich unbemerkt aus dem Staub hatte machen können dank sei der Verstecke, der Wälder und Bergpässe. Durch die Dunkelheit geschützt hatte er andere Orte und Gegenden aufgesucht, lediglich mit einer Begleitung von 4 Reitern; den einzigen denen er sein Leben anvertraute. Mit diesem Bericht ist das Tuch über "den Fall Ambiorix" gefallen.

Die Tungri

Nun stellt sich die Frage, ob Cäsar erfolgreich darin war, den Namen und den Stamm der Eburonen auszurotten, wie er geschworen hatte. Er konnte sich sicher auch großmutig und vergebend zeigen, und in Falle gegen die Eburonen muss dies im Grunde auch der Fall gewesen sein. Aber diese edelmütige Geste war nichts anderes als eine Camouflage für seine Angst vor den Germanen, die ihn wie Schatten verfolgten und die er über den Rhein zurückzudringen versuchte. Er sah den Osten als eine immense Gefahr an für das römische Reich und diese berechtigte Angst hat dann auch in gewissem Maße seiner Sucht nach Ruhm gedient. Als erster Römer überquerte er den Rhein. Das er in seiner Absicht, den Namen und den Stamm der Eburonen auszurotten, gescheitert war, gab er zu.

Es kann als sicher angesehen werden, dass die Eburonen nicht ausgerottet wurden, sondern unter einem neuen Namen "Tungri" weiter existierten. Das Atuatuca der Jeker – und nicht das Atuatuca von Sabinus und Cotta – ist Hauptstadt geworden der civitas Tungrorum. Durch einen Kurswandel in der römischen Rheinpolitik verlagerte sich der Schwerpunkt des Gebietes mehr nach Westen, und zwar in Tongeren. Stämme zogen von rechten zum linken Rheinufer.

Was der Name "Tungri" bedeutet, da sind sich die meisten einig, darin wohl die etymologische Bedeutung der "Föderierten" zu sehen.

Avaucia-Münzen

Und doch meinten manche Historiker, anhand von archäologischem Material (ein bronzener Helm und eine große Anzahl von Avaucia-Münzen), das Atuatuca von Sabinus und Cotta mit Tongeren zu verbinden. Trotzdem können diese Gegenstände eine Identifizierung mit Tongeren nicht rechtfertigen. Mehr Klarheit verschafften die jüngsten Aufgrabungen des frühen römischen Lagers, wovon 1961 die ersten Spuren im westlichen Sektor von Tongeren ans Tageslicht kamen. Große Mengen dieser Avaucia-Münzen wurden auch in den Kamps von Haltern und Neuss wiedergefunden.

Konföderation

Die Tungri waren folglich "Föderierte" aber über ihren juristischen Standpunkt ist nichts bekannt. Sollten sie den Status der Föderation inne gehabt haben, so verloren sie diesen wahrscheinlich in Folge eines oder anderer Aufstände. Sehr viele Tungri hatten in der römischen Armee Dienst getan und in Folge dessen stand eine Kohorte der Tungri auf den linkeren Flügel der römischen Schlachtanordnung gegen die Aufständischenarmee der Civilis. Plötzlich lief eine Kohorte der Tungri während des Gefechtes über nach Civilis. Civilis siegte, wurde gerühmt und als Befreier benannt.

Tongeren ging in Flammen auf und die hölzernen Konstruktionen waren eine leichte Beute. Hiernach begann für Atuatuca Tungrorum eine neue Bauphase: die Gebäude wurden seit dem in Stein gebaut.

Atuatuca Tungrorum

Atuatuca Tungrorum war nun bekannt als ein "wichtiger Knotenpunkt" und es war die Hauptstadt der Civitas Tungrorum geworden als Teil der Provinz Gallia Belgica, zumindest nach Bezeugungen von Plinius und Ptolemaeus.

Im Laufe des 1. Jahrhunderts oder zu Beginn des 2. Jahrhunderts verfügte Atuatuca über ein ausgezeichnetes Wegenetz. Es wuchs zu einer vollwertigen römischen Stadt heran, mit Stadttoren, Basilica, Aquadukt und Tempeln.


©2010 | Atuatuca | Si non è vero, è ben trovato!